Freiwillige gesucht

Wer würde freiwillig folgende Säuren zu sich nehmen:
Salzsäure, Phosphorsäure, Flußsäure, Pikrinsäure oder Schwefelsäure?
Nein?
Wie wäre es aber mit:
Acidum hydrochloricum, Acidum phosphoricum, Acidum hydrofluoricum, Acidum picrinicum oder Acidum sulfuricum?
Das ist schließlich dasselbe, nur auf Latein, da klingt es gleich viel wissenschaftlicher und viel seriöser.

Wer wäre bereit folgende Stoffe und Verbindungen einfach so zu schlucken:
Kupferacetat, Arsen, Eisenphosphat, Phosphor, Schwefel, Austernschalenkalk, Calciumfluorid, Calciumhydrogenphosphat, Silbernitrat, Salpetrigsäureamylester, Nitroglyzerin, Bariumkarbonat, Ätzkalk, Kaliumsulfat, essigsaurer Braunstein, Knallgold, Aluminiumoxid, Schwarzer Spiessglanz, Natriumborat, Kupfer, Mineralöl, Quecksilberchlorid?
Auch nicht?
Aber vielleicht ja das:
Acidum aceticum, Acidum arsenicosum, Ferrum phosphoricum, Phosphorus, Sulfur, Hepar sulfuris, Calcium fluoratum,
Calcium phosphoricum, Argentum nitricum, Amylium nitrosum, Nitroglycerinum, Baryum carbonicum, Causticum, Kalium sulfuricum, Manganum aceticum, Aurum muriaticum, Aluminia, Antimonium crudum, Borax, Cuprum metallicum, Petroleum, Mercurius corrosivus?
Ist auch das selbe, nur wieder auf Latein. Wer weiß denn schon, dass sich hinter Causticum ungelöschter und ätzender Kalk verbirgt, oder hinter Acidum arsenicosum tatsächlich Arsen?

Und wem das noch nicht reicht, wie wäre es mit der Einnahme folgender Gifte:
Ganze Spanische Fliege, Kreuzotter, Buschmeisterschlange, Blausäure, Eisenhut, Atropin, Tollkirsche, Schierling, Stechapfel oder Brechnuss?
Auch Nicht? Aber so klingt es nur halb so schlimm:
Lytta vesicatoria, Vipera berus, Lachesis mutus, Acidum hydrocyanicum, Aconitum napellus, Atropinum sulfuricum, Belladonna, Conium macalatum
Datura Stramonium und Strychnos Nux vomica.

Wo gibt es all das zu schlucken? Richtig, in den homöopathischen Arzneimitteln. Da kann man von Glück reden, dass das allermeiste so verdünnt ist, dass nur noch wenig bis gar nichts vom Ursprungsmaterial enthält. Wäre das nicht so, die Homöopathen hätten sich schon längst selbst reihenweise umgebracht!

Und wer sich schon immer gefragt hat, wo die mittelalterlichen Hexentränke und ihre tierischen Zutaten gelandet sind, hier sind sie:
Tintenfisch, Halbverdautes vom Pottwal, Buchenholzteer, Holzkohle, Erdkröte, Ganze Biene, Ganze Schwarze Nachtspinne, Tierkohle, Ganze Wolfsspinne.
Aber auch hier hilft Latein weiter, so dass der gemeine Heilsuchende bereit ist schier alles zu fressen:
Sepia officinalis, Ambra grisea, Kreosotum, Carbo vegetabilis, Bufo bufo, Apis mellifica, Aranin, Carbo animalis, Lycosa tarentula.

Homöopathie, eine ernst zu nehmende Heilmethode? Ein wissenschaftlich fundiertes in Doppelblindstudien belegtes Heilverfahren? Wohl kaum. Eher ist es die Rache von Doktor Eisenbart und anderen Quacksalbern an den Nachkommen, die eine wirklich gute naturwissenschaftliche Medizin haben, aber ständig über die „Schulmedizin“ jammern und zu den Quacksalbern rennen.

Die ganz Braven bekommen ganz spezielle homöpathische Wundermittel verabreicht, die sog. Nosoden. Das sind leckere Aufbereitungen aus Eiter, Blut, Körpergewebe, Ausscheidungen von an TBC, Tripper, Syphilis oder Krätze (Lateinisch: Tuberculinum, Medorrhinum, Syphilinum, Psorinum) erkrankten Tieren oder auch Menschen, oder vom Kranken selbst.
Mahlzeit.
Aber keine Angst, das ist dann so hoch potenziert, dass garantiert nix mehr drin ist.
Und wie jeder Homöopath ganz fest glaubt, wirkt es erst dann am allerallerbesten!

Nicht doch, Homöopathie IST eine Wissenschaft, kein Glaube! Darum ist ja auch alles auf Latein. Dann merken die wenigsten, um was es eigentlich geht: Um Krötenhaut und Spinnenbeine, um Käferpanzer und Halbverdautes, um Strychnin und Blausäure, um Schlangengift, Säuren, Metalle und viele andere leckere Zutaten

Quellen:
http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Hahnemann,+Samuel
http://lexikon-der-homoeopathie.de/homoeopathische-mittel/
http://www.bfarm.de/cae/servlet/contentblob/1014498/publicationFile/65869/indikat-109a-homoeopathie.pdf
http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2010/07/schuttelfrust-homoopathie-im-spiegel.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Nosode

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3 Kommentare zu “Freiwillige gesucht

  1. Neulich beim Zaubertrankunterricht…

    Krötenaugen, Spinnenbein,* Pferdehaare, Milch vom Schwein Nierensteine, Nasenschleim Stubenfliege, Elfenbein, Eierstock und Brechweinstein sollen in den Trank hinein. 100 Jungfern müssen singen soll der Zaubertrank gelingen. Opium und Ohrenqualle Arsen…

  2. ungenannter sagt:

    Keiner von beiden kennt die Zusammenhänge und Wirkweisen auf den menschlichen Organismus genau – sie alle „stochern“ nur im Dunklen. Motto: Ein blindes Huhn findet auch ein Korn .

    Da vergleichst du Äpfel mit, nein Birnen wäre zu schwach, nehmen wir Pferdeäpfel! Das eine ist die naturwissenschaftliche Ursachenforschung nebst natürlich auch Erfahrungsmedizin, aber immer begründet und eben auch in Doppelblindstudien falsifiziert. Dass das liebe Geld da eine kontraproduktive Rolle spielen kann, will ich nicht verschweigen. Das andere ist ein wichtigen Naturgesetzen widersprechendes Glaubenssystem, das manchen Zufallstreffer landet, das aber vor allem bisher jeden wissenschaftlich fundierten Nachweis der Wirksamkeit der Methodik über die Placebo-Wirkung hinaus, schuldig geblieben ist.
    Rede ich jetzt dogmatisch, auch in einem Glaubenssystem? Nein, ich will einfach Fakten und Fiktion trennen. Und zwar vollständig.

    Wie der Versuch der Nazis, die Homöopathie als deutsche Alternative zu „verjudeten Schulmedizin“ aufzubauen, gründlich in die Hose ging, kannst du hier nachlesen:

    http://www.kwakzalverij.nl/699/Der_Donner_Report
    Nur ein Satz am Ende davon, geschrieben von einem Homöopathen!

    Leider ist immer noch nicht allgemein bekannt, daß sich seinerzeit bei vergleichenden therapeutischen Untersuchungen an Infektionskrankheiten wie Scharlach, Masern, Keuchhusten, Typhus u.a.m. zeigte, daß die Ergebnisse bei den Serien, die homöopathische Medikamente erhielten, gegenüber denen, die Placebo verabreicht bekamen, keinerlei Unterschiede hinsichtlich Krankheitsdauer, Komplikationshäufigkeit, Mortalität usw. zeigten, so daß man annehmen muß, daß jene Kollegen, die die Behandlung dieser Krankheiten als einen ‚Glanzpunkt der Homöopathie‘ bezeichneten, eben den normalen Krankheitsverlauf als einen großen Erfolg der von ihnen verordneten Medikamente ansahen.

    Ansonsten das noch:
    http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Hom%C3%B6opathie

  3. Morla sagt:

    Ja und? Wo ist da zur Arneimittelherstellung btw. speziell bei manchen Inhaltsstoffen, die die Pharmaindustrie zurecht mischt – und – die ebenfalls oft – reine Placebos sind – der Unterschied?

    Keiner von beiden kennt die Zusammenhänge und Wirkweisen auf den menschlichen Organismus genau – sie alle „stochern“ nur im Dunklen. Motto: Ein blindes Huhn findet auch ein Korn . . .

    Allerdings, die Pharmaindustrie verdient daran mehr als die Leute, die „Natur-Heil-Mittel“ (der Begriff ist eigentlich auch bereits ein Pardoxum), „vertreiben“

    Das Wichtigste für Leute, die die Mittel glauben zu brauchen, ist halt der Glaube . . .
    where is the problem?

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