Aphorismus #787

Wort zum Sonntag #62

Warum ich kein Christ bin – Teil VI

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

6. Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

6.1. Eva, die alte Schlampe ist an allem schuld!

6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. 7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze… 12 Da sprach Adam [zu Gott]: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß… 16 Und zur Frau sprach er [Gott]: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. 1. Mose, 3 6ff

Die Vertreibung aus dem Garten Eden ist zwar nicht die älteste Geschichte des AT, aber in wenigen Worten macht sie deutlich, wie in einer patriarchalischen Religion die Verhältnisse sind:

  • Schuld an allem Schlechten in der Welt ist die Frau.
  • Der tiefere Grund ist ihre Neugier, und weil sie sich in alles einmischen muss.
  • Gepaart mit ihrer Leichtgläubigkeit, die der phallischen Schlange alles glaubt, ist das lebensgefährlich.
  • Der Mann muss sich vor diesem „Teufelsweib“ schützen.

So ist die Frau selber schuld an ihrem ganzen Elend in einer männlich geprägten Clangesellschaft:

  • Ihre Plackereien in der Schwangerschaft – selber schuld!
  • Die Mühen und die Gefahren der Geburt – selber schuld!
  • Ihr Verlangen nach ihrem Mann – selber schuld!
  • Ihre Rolle als Sklavin der Männerwelt – selber schuld!

Kurzum: An der Unterdrückung der Frau ist allein sie schuld! Nicht die Verhältnisse. Nicht die nomadische und/ oder bäuerliche Wirtschaftsweise. JA nicht einmal die Religion! Schuld ist allein sie. Und dies nicht bloß historisch, sondern ontologisch, d.h. von Gott so gewollt und geschaffen! Die zweite Schöpfungsgeschichte der Bibel endet nicht mit der Erschaffung Evas 1. Mose 2,18-25, sondern erst hier: Die Erschaffung des Menschen  ist erst vollständig mit dem dreifachen Fluch Gottes! Gegen die Schlange, den Mann und die Frau. Was für ein „positives“ Weltbild! Die Frau soll fortan in Schmerzen gebären! Hat sie sich verdient. Dazu müssen wegen ihr alle ihre Nachkommen unter der Mühsal der Arbeit leiden und werden einmal sterben. Vorher, so gaukelt die Bibel vor- und so gehört es zu den unveräußerlichen Dogmen des Christentums, vorher wäre alles anders gewesen, ohne Schmerz, ohne Krankheit, ohne Herrschaft, ohne Tod. Saubere Leistung von Eva! Kein Wunder, dass alle, die diese Geschichte für bare Münze nehmen auf die Weiber nicht gut zu sprechen sind! Die Männerwelt kommt ja noch ganz gut weg, vor allem hat sie für alle Zeiten billige Arbeitssklaven, genannt Ehefrauen und Töchter. So ist es Gottes Wille für diese Welt. Das Patriarchat ist die von der Frau herbeigeführte, selbst verschuldete und von Gott so bis zum Ende aller Tage zementierte Schöpfungsordnung. Wer will und kann sich dagegen auflehnen? Im AT gibt es zwar noch andere, frauenfreundlichere Schichten, die nicht so eindeutig patriarchalische geprägt sind, jedoch hat es die weibliche Sichtweise immer schwer gehabt, sich zu behaupten. Literarische Zeugnisse einer kämpferischen, selbstbewussten Weiblichkeit sind z.B. das Lied, das die Schwester des Mose und des Aaron Mirjam anstimmt, nach der Rettung Israels vor den Ägyptern am Schilfmeer:

Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt. 2. Mose 15, 20f

Dass solche kriegerischen Frauen natürlich nicht sein dürfen, ist klar. So hat die spätere Bearbeitung dieser Stelle den knappen Gesang ausgewalzt, gleich noch die gesamte Geschichte Israels als rückwärtsgewandte Prophetie hineingepackt und vor allem Mose zum Verfasser und Vorturner gemacht: 2. Mose 15, 1-18(19). Ekstatische und zudem kriegerische Gewalt verherrlichende Frauen? Nicht mit den Hohepriestern und Gralshütern der reinen männlichen Lehre. Ein weiteres Beispiel für Frauenpower ist das Lied der Debora, eine Richterin, d.h. charismatische Kriegerin, eine „von Gott erwählte“ Heerführerin aus der Zeit, als die israelitischen Clans sesshaft wurden (sog. Landnahme), bevor Israel ein eigenes Königreich wurde. Auch sie singt selbstbewusst und angriffslustig vom Kampf. Aber sie preist nicht nur die Taten Jahwes wie Mirjam, sondern auch die List einer anderen Frau, durch die der Sieg errungen wurde:

Zu den Zeiten Schamgars, des Sohnes Anats, zu den Zeiten Jaëls waren verlassen die Wege, und die da auf Straßen gehen sollten, die wanderten auf ungebahnten Wegen. Still war’s bei den Bauern, ja still in Israel, bis du, Debora, aufstandest, bis du aufstandest, eine Mutter in Israel... Gepriesen sei unter den Frauen Jaël, die Frau Hebers, des Keniters; gepriesen sei sie im Zelt unter den Frauen! Milch gab sie, als er Wasser forderte, Sahne reichte sie dar in einer herrlichen Schale. Sie griff mit ihrer Hand den Pflock und mit ihrer Rechten den Schmiedehammer und zerschlug Siseras Haupt und zermalmte und durchbohrte seine Schläfe. Zu ihren Füßen krümmte er sich, fiel nieder und lag da. Er krümmte sich, fiel nieder zu ihren Füßen; wie er sich krümmte, so lag er erschlagen da. Richter 4, 6f, 24-27

Vom braven Heimchen am Herd wie in 1. Mose 3 gewünscht ist hier absolut nichts zu spüren. Dass solche Frauen Furcht einflößen ist klar. Das beste Mittel gegen so viel Selbständigkeit und Macht ist natürlich, die Frauen zu verschleiern, sie wegzusperren, ihre Menstruation als Unreinheit zu erklären und sie so zum Wesen zweiter Klasse zu machen. Das geschah im Verlauf des AT je länger je mehr, bis am Ende nur noch die Priester, die Rabbiner und die in Tenach unterrichteten Männer das Sagen hatten. In Glaubensdingen sowieso. Aber auch in den Alltagsgeschäften. So sehr, wie manche von der PI-Fraktion gerne behaupten, sind die Wurzeln des christlichen Abendlandes von denen des muslimischen Orient nicht unterschieden. Aber wen wundert es, die Verhältnisse von  1000 v.d.Z. bis heute haben sich im vorderen Orient nicht wirklich weiter entwickelt. Und im Westen ist es auch erst seit der bürgerlichen Revolution ernsthaft besser geworden. Aber bestimmt nicht durch die Kirchen.

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2 Kommentare zu “Aphorismus #787

  1. ungenannter sagt:

    😛

  2. WK sagt:

    ….und was wäre gewesen wenn Adam und Eva Chinesen gwesen waren?…

    Dann wärn mir Heut noch im Paradies…

    weil die hättn die Schlanga gfressn.

    Otti Fischer

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