Aphorismus #825

Die Identifikation eines Nutznießers (das sogenannte cui bono?) ist für viele Zeitgenossen der Lieblingstrick, wenn es darum geht, die Verantwortlichen für politische (oder ökonomische) Ereignisse zu benennen. Dass es sich dabei meist um eine Idiotenmethode handelt, wird klar, wenn man sie konsequent anwendet; dann käme heraus, dass die Bauern den Regen machen und die Pinguine daran schuld sind, dass es in der Antarktis so kalt ist. Der Vorteil dieser Argumentationsvariante: Sie ist leicht zu handhaben und führt immer zum gewünschten Resultat.

Stefan Frank, Die Kanonade von Zchinwali, konret 8/2010 S. 28f

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3 Kommentare zu “Aphorismus #825

  1. advocatus sagt:

    „nicht absichtsvoll gesteuert“ – „Der Markt regelt tatsächlich alles.“ – wie die Natur? Das ist ja wohl nicht ernst gemeint, Marktgeschen naturgesetzlichen Zwangsläufigkeiten gleichzusetzen oder auch nur Parallelen zu ziehen.

    Unbestritten, dass der Nutznießer nicht Verursacher sein muss. Mit „cui bono“ wird nach letzterem nicht gefragt, dieser Schluss kann aus der Frage schlicht nicht gezogen werden, sondern es ist die reine Ergebnisbetrachtung eines Geschehens.

    SO einfach, wie es Frank und du offensichtlich unterstellen, sollte es sich in der Tat niemand machen.

  2. ungenannter sagt:

    Darum geht es nicht, sondern um den weit verbreiteten Irrglauben, dass der Nutznießer automatisch auch der Verursacher sein MUSS. Genau diese Idiotie zeigen die beiden absurden Beispiele. Und nur weil etwas steuerbar ist, muss es noch lange nicht absichtsvoll gesteuert werden bzw. worden sein. Im Kapitalismus reichen die Strukturen und die Markt-Mechanismen- zumal wenn staatliche Kontrolle abgeschafft wird, wie es in den letzten Jahren geschah- vollkommen aus, den Laden am Laufen zu halten und für die jeweils nächste Depression zu sorgen. Der Markt regelt tatsächlich alles. Nur nicht so, wie es für ALLE Beteiligten wünschenswert wäre.

  3. advocatus sagt:

    Der Unterschied ist, dass Naturvorgänge nicht steuerbar sind, ganz im Gegensatz zu Wirtschafts- und Politikprozessen. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich.

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