Aphorismus #868

Er umarmt sie auch im edlen Wohlgefallen seiner Liebe,
Er grüßt sie mit seinen seligen Augen,
Wenn sich die Liebenden wahrhaft schauen.
Er durchküsst sie mit seinem göttlichen Munde,
Wohl dir, ja mehr als wohl, ob der überherrlichen Stunde!
Er liebt sie mit aller Macht auf dem Bett der Minne
Und sie kommt in die höchste Wonne
Und in das innigste Weh
Wird sie seiner recht inne.
Eia, Liebe, nun laß dich minnen,
Und wehre dich nicht mit finsteren Sinnen.

Dieses Beispiel schwülstiger Erotik stammt nicht aus einem Groschenroman, auch nicht aus einem überkandidelten romantischen Gedicht oder einem verunglückten Soft-Porno. Nein, dies ist ein Beispiel mittelalterlichen „Braut Christi Mystik“ und schildert die „mystische“ Vereinigung (unio mystica) der Braut Christi (= die Seele/ die Kirche/ vor allem aber die jungfräuliche Nonne) mit ihrem Bräutigam, dem lieben Herrn Jesus. Es sind Worte der Nonne Mechthild von Magdeburg (1207 – 1282).

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