Aphorismus #871

Wort zum Sonntag #73

Warum ich kein Christ bin – Teil VII

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

7. Von wegen „lieber Gott“

7. 1. Ein launischer Gott

Gott ist der liebende Vater, ein barmherziger, wohl gesonnener, gnädiger Gott, ein Vater, der seine Kinder liebt, ja der auf den einen verlorenen Sohn wartet, ein Arzt, ein guter Hirte, ein gütiger König, eine nährende Mutter usw. usf… Die Zahl der positiven Beschreibungen in der Bibel, im AT wie im NT, sind Legion. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wäre das alles, wäre der Christen-Gott eine rundum sympathische Erscheinung.  Ist es aber nicht. Gott wird in der Bibel noch ganz anders beschrieben. Und das nicht nur an irgendwelchen zweitrangigen Stellen der Bibel, nicht nur im AT, sondern durchgängig in der ganzen Bibel:

Du sollst keinen andern Gott anbeten. Denn der HERR heißt ein Eiferer; ein eifriger Gott ist er.
2. Mose 34, 14

Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifriger Gott.
5. Mose 5, 24

Und der Zorn des HERRN ergrimmte abermals wider Israel und er reizte David wider sie.
2. Samuel 24, 1

Denn das ist der Tag der Rache des HERRN und das Jahr der Vergeltung, zu rächen Zion.
Jesaja 34, 8

Stehe auf, HERR, in deinem Zorn, erhebe dich über den Grimm meiner Feinde und wache auf zu mir, der du Gericht verordnet hast.
Psalm 7,7

Und will Rache üben mit Grimm und Zorn an allen Heiden, so nicht gehorchen wollen.
Micha 5, 14

Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?
Matthäus 3, 7

Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.
Johannes 3, 36

Denn Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten.
Römer 1, 18

Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der HERR.
Römer 12,19

Gehet hin und gießet aus die Schalen des Zorns Gottes auf die Erde!
Offenbarung 16, 1

Das ist nur eine klitzekleine Auswahl, die eines deutlich macht: Zu allen Zeiten, in allen Teilen und in jeder Phase der beiden Bibel-Religionen gehört die Rede vom göttlichen Zorn, von seiner Rache, seiner Eifersucht, seiner Vergeltung usw unauflösbar mit den anderen positiv erscheinenden Eigenschaften Gottes dazu. Das ist auch, wenn man nur etwas darüber nachdenkt, nicht verwunderlich. In der Geschichte des Jahwe-Glaubens stand am Anfang seine Konkurrenz mit vielen anderen Stammesgöttern in Kanaan und den Religionen der umgebenden Hochkulturen. Zu Beginn wurde Jahwe eingeordnet in die Götterwelt nomadischer Clans, wenn es wiederholt heißt: „Ich Jahwe, bin DEIN Gott.“ (1. Mose 27, 20; 32, 10; 2. Mose 20, 2; Josua 1, 9; Richter 11, 24 …) da wird anfangs ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass es noch andere Stammesgötter gibt, und dass sich Jahwe im Kampf gegen sie behaupten muss. Die einen Götter werden assimiliert, z.B wie der Gott Abrahams, der Schrecken Isaaks, der Heilige Israels…, andere werden- vor allem später- von ihm besiegt wie Baal, Astarte, Marduk. Ist Jahwe also anfangs eine Gottheit unter vielen, so wird sein Anspruch nach und nach universaler, er richtet sich nicht bloß gegen andere Stammesgottheiten, sondern gegen alle Götter aller Religionen, bis schließlich deren Existenz rundum bestritten wird:

So spricht der HERR, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR Zebaoth: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott. Und wer ist mir gleich, der da rufe und verkündige und mir’s zurichte, der ich von der Welt her die Völker setze? Lasset sie ihnen das Künftige und was kommen soll, verkündigen. Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht. Habe ich’s nicht vorlängst dich hören lassen und verkündigt? denn ihr seid meine Zeugen. Ist auch ein Gott außer mir? Es ist kein Hort, ich weiß ja keinen.
Jesaja 44, 6-8

Sowohl psychologisch als auch geschichtlich ist diese Entwicklung verständlich. Solange Israel noch kein geschlossenes Volk war, sondenr nur aus lose miteinander verbundenen Sippen bestand, solange also Dezentralismus auf allen Gebieten herrschte, war auch in Glaubensdingen so etwas wie religiöse Anarchie angesagt. Als später unter David und Samuel das Reich Israel entstand, brauchte es ein Zentralheiligtum- den Jerusalemer Tempel-, Jahwe bekam mehr und mehr die Eigenschaften eines Königs zugesprochen- zur Legitimation der von ihm „gesalbten“ Könige, zur Stärkung der Zentralmacht und als gemeinsames Band- ähnlich wie es Ägypten und die anderen Hochkulturen vorgemacht hatten. So war schließlich Jahwes Macht aufs engste mit der des Königshauses verbunden. Aber anders als Baal, Aton oder die anderen „heidnischen“ Götter ging Jahwe weder 722 v.d.Z. mit der Zerstörung des Nordreiches noch 598 v.d.Z. mit dem Babylonischen Exil unter. Im Gegenteil. Diese Daten markieren wichtige Reformen und Entwicklungen hin zum Monotheismus, an dessem Ende das oben zitierte Prophetenwort steht. Die Gottesbilder z.B. der kanaanäischen Nomaden, der Flüchtlinge aus Ägypten (wenn es sie je gegeben hat), der Schreiber am Königshof Davids, der kleinen und großen Unheilspropheten- sie wurden nicht abgelöst, gelöscht oder negiert, nein sie wurden mit ins monotheistische Gottesbild integriert. Und so kommt es, dass ein auf seine aus Lehm gebastelten Gechöpfe Adam und Eva wütender Hausgott (1. Mose 3) plötzlich mit universaler Macht ausgestattet ist und zum Schöpfer des Himmel und der Erde wird (1. Mose 1), dass ein Kriegsgott, der eine Handvoll Sklaven durchs Schilfmeer führt (2. Mose 14) zum Lenker aller Völker und der gesamten Weltgeschichte wird (Psalm 99, 1). Je schwächer, mickriger und gefährdeter Israel wurde, und je misslicher und gefährdeter die Lage der Jahwe-Verehrer wurde, desto mächtiger, gewaltiger und universaler wurde sich dieser Gott vorgestellt. Der sich dadurch ergebende Widerspruch wurde dem mangelnden Glauben der Gläubigen angelastet oder die Notlage als verdiente Strafe gesehen. Im NT wurde dieser Gedanke in letzter Konsequenz fortgeführt, in der Vorstellung vom Jüngsten Gericht, die es von den Evangelien bis zur Offenbarung durchzieht. Der Widerspruch zwischen einem liebenden Gott und einem, der sich rächt, der zornig ist und eifersüchtig, der nachträgt und kein Erbarmen kennt, dieser Widerspruch, findet seine „Lösung“ jedoch nicht in der Theologie, sondern in der Anthropologie: Wenn Gott dich hasst, dann hast du dir das selbst zuzuschreiben, basta!

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3 Kommentare zu “Aphorismus #871

  1. ungenannter sagt:

    Plumps. Und wieder mal ist eine absolute Wahrheit vom Himmel gefallen.

  2. Gast sagt:

    Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.
    Johannes 3, 36

    Wo ist das Problem? Jesus Christus ist der einzige Mensch der vom Bösen befreien kann. Ist doch besser als in Boshaftigkeit, Spott und Egoismus zu leben.

  3. Andreas E. sagt:

    Hi, Ungenannter,
    selten so gelacht! Gut recherchiert – und Danke für die Bibelstellen, kommt in meiner schamanischen Lehrstunde wieder das Thema Religion auf (in ungefähr 2 Jahren), werde ich gerne darauf zurückgreifen.

    mfg

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