Aphorismus #968

Daß wir uns als Christen zusammen fanden, mußte diese Religion, durch unzählige Revolutionen vorbereitet, aus dem Judenthum hervorgehen, mußte sie den römischen Staat genau so finden, als sie ihn fand, um sich mit schnellem siegendem Lauf über die Welt zu verbreiten und den Thron der Cäsarn endlich selbst zu besteigen. Unsre rauhen Vorfahren in den thüringischen Wäldern mußten der Uebermacht der Franken unterliegen, um ihren Glauben anzunehmen. Durch seine wachsenden Reichthümer, durch die Unwissenheit der Völker und durch die Schwäche ihrer Beherrscher mußte der Klerus verführt und begünstigt werden, sein Ansehen zu mißbrauchen, und seine stille Gewissensmacht in ein weltliches Schwerd umzuwandeln.

So fasst Friedrich Schiller (1759 – 1805) in seine Antrittsrede zur Professur in Jena mit dem Titel „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“ die Geschichte des Christentums in den ersten 1500 Jahren zusammen. Mehr braucht man dazu auch nicht zu wissen, nur dass es nicht wirklich besser weiterging und weitergeht.

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