Aphorismus #1020

Jeder, der selbst mit einer Depression zu kämpfen hat, kennt die gut gemeinten Ratschläge, die voll daneben sind. Die nur eines beweisen: Das Gegenteil von gut ist nicht schlecht, sondern gut gemeint….

TOP 5 der schlechtesten gut gemeinten Ratschläge von Leuten, die überhaupt keine Ahnung haben:

  • Fahr in die Ferien!

  • Lies ein Buch!

  • Lass dir die Haare schneiden!

  • Renoviere deine Wohnung!

  • Lerne Yoga!

Diese, zugegeben subjektiven, TOP 5 stammen aus dem Film Helen, auf den ich schon einmal hingewiesen habe.

Aphorismus #1016

Before you diagnose yourself with depression or low self esteem, first make sure you are not, in fact, just surrounded by assholes.

Steven Winterburn, wird oft fälschlich William Gibson zugeschrieben. Danke wk für dieses schöne Zitat.

Aphorismus #1006

Von Burnout zu sprechen, ist alles andere als hilfreich, weil man damit alltägliche Erschöpfungen genauso meinen kann wie schwere, lebensbedrohliche Depressionen. Letztlich verharmlost der Begriff Burnout damit eine Depression. Und auch wenn vielleicht das Gegenteil beabsichtigt ist, trägt er auf Dauer sogar dazu bei, Depression zu stigmatisieren. Depressiv Erkrankte treffen dann auf das Vorurteil, dass sie ihr Leben nicht richtig im Griff haben, sich selbst aus Ehrgeiz überfordern oder sich einfach nicht zusammenreißen.

Der Psychiater Ulrich Hegerl in einem SPON-Interview

Aphorismus #881

Der Schuldbegriff des Strafrechts ist nach herrschender Meinung und laut Urteilen des Bundesgerichtshofs unabdingbar an die Annahme einer Willensfreiheit im Sinne des »Unter-denselben-physiologischen-Bedingungen-willentlich-andershandeln-Könnens« gebunden. In dem Maße, in dem sich die empirischen Evidenzen der Hirnforschung und der Psychologie gegen die Existenz einnes solchen »Alternativismus« verstärken, sind Strafrechtler gezwungen, über diesen Widerspruch nachzudenken und ihn aufzulösen zu versuchen.

Gerhard Roth, Wir sind determiniert. – Die Hirnforschung befreit von Illusionen

Aphorismus #852

Immer spür‘ ich: da ist einer hinter mir her – das bin ich selber – und verfolgt mich …

Peter Lorre (1904 – 1964) als Kindermörder Hans Beckert in Fritz Langs (1890 – 1976) Meisterwerk „M – eine Stadt sucht einen Mörder„, Deutschland 1931

Freiwillige gesucht

Wer würde freiwillig folgende Säuren zu sich nehmen:
Salzsäure, Phosphorsäure, Flußsäure, Pikrinsäure oder Schwefelsäure?
Nein?
Wie wäre es aber mit:
Acidum hydrochloricum, Acidum phosphoricum, Acidum hydrofluoricum, Acidum picrinicum oder Acidum sulfuricum?
Das ist schließlich dasselbe, nur auf Latein, da klingt es gleich viel wissenschaftlicher und viel seriöser.

Wer wäre bereit folgende Stoffe und Verbindungen einfach so zu schlucken:
Kupferacetat, Arsen, Eisenphosphat, Phosphor, Schwefel, Austernschalenkalk, Calciumfluorid, Calciumhydrogenphosphat, Silbernitrat, Salpetrigsäureamylester, Nitroglyzerin, Bariumkarbonat, Ätzkalk, Kaliumsulfat, essigsaurer Braunstein, Knallgold, Aluminiumoxid, Schwarzer Spiessglanz, Natriumborat, Kupfer, Mineralöl, Quecksilberchlorid?
Auch nicht?
Aber vielleicht ja das:
Acidum aceticum, Acidum arsenicosum, Ferrum phosphoricum, Phosphorus, Sulfur, Hepar sulfuris, Calcium fluoratum,
Calcium phosphoricum, Argentum nitricum, Amylium nitrosum, Nitroglycerinum, Baryum carbonicum, Causticum, Kalium sulfuricum, Manganum aceticum, Aurum muriaticum, Aluminia, Antimonium crudum, Borax, Cuprum metallicum, Petroleum, Mercurius corrosivus?
Ist auch das selbe, nur wieder auf Latein. Wer weiß denn schon, dass sich hinter Causticum ungelöschter und ätzender Kalk verbirgt, oder hinter Acidum arsenicosum tatsächlich Arsen?

Und wem das noch nicht reicht, wie wäre es mit der Einnahme folgender Gifte:
Ganze Spanische Fliege, Kreuzotter, Buschmeisterschlange, Blausäure, Eisenhut, Atropin, Tollkirsche, Schierling, Stechapfel oder Brechnuss?
Auch Nicht? Aber so klingt es nur halb so schlimm:
Lytta vesicatoria, Vipera berus, Lachesis mutus, Acidum hydrocyanicum, Aconitum napellus, Atropinum sulfuricum, Belladonna, Conium macalatum
Datura Stramonium und Strychnos Nux vomica.

Wo gibt es all das zu schlucken? Richtig, in den homöopathischen Arzneimitteln. Da kann man von Glück reden, dass das allermeiste so verdünnt ist, dass nur noch wenig bis gar nichts vom Ursprungsmaterial enthält. Wäre das nicht so, die Homöopathen hätten sich schon längst selbst reihenweise umgebracht!

Und wer sich schon immer gefragt hat, wo die mittelalterlichen Hexentränke und ihre tierischen Zutaten gelandet sind, hier sind sie:
Tintenfisch, Halbverdautes vom Pottwal, Buchenholzteer, Holzkohle, Erdkröte, Ganze Biene, Ganze Schwarze Nachtspinne, Tierkohle, Ganze Wolfsspinne.
Aber auch hier hilft Latein weiter, so dass der gemeine Heilsuchende bereit ist schier alles zu fressen:
Sepia officinalis, Ambra grisea, Kreosotum, Carbo vegetabilis, Bufo bufo, Apis mellifica, Aranin, Carbo animalis, Lycosa tarentula.

Homöopathie, eine ernst zu nehmende Heilmethode? Ein wissenschaftlich fundiertes in Doppelblindstudien belegtes Heilverfahren? Wohl kaum. Eher ist es die Rache von Doktor Eisenbart und anderen Quacksalbern an den Nachkommen, die eine wirklich gute naturwissenschaftliche Medizin haben, aber ständig über die „Schulmedizin“ jammern und zu den Quacksalbern rennen.

Die ganz Braven bekommen ganz spezielle homöpathische Wundermittel verabreicht, die sog. Nosoden. Das sind leckere Aufbereitungen aus Eiter, Blut, Körpergewebe, Ausscheidungen von an TBC, Tripper, Syphilis oder Krätze (Lateinisch: Tuberculinum, Medorrhinum, Syphilinum, Psorinum) erkrankten Tieren oder auch Menschen, oder vom Kranken selbst.
Mahlzeit.
Aber keine Angst, das ist dann so hoch potenziert, dass garantiert nix mehr drin ist.
Und wie jeder Homöopath ganz fest glaubt, wirkt es erst dann am allerallerbesten!

Nicht doch, Homöopathie IST eine Wissenschaft, kein Glaube! Darum ist ja auch alles auf Latein. Dann merken die wenigsten, um was es eigentlich geht: Um Krötenhaut und Spinnenbeine, um Käferpanzer und Halbverdautes, um Strychnin und Blausäure, um Schlangengift, Säuren, Metalle und viele andere leckere Zutaten

Quellen:
http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Hahnemann,+Samuel
http://lexikon-der-homoeopathie.de/homoeopathische-mittel/
http://www.bfarm.de/cae/servlet/contentblob/1014498/publicationFile/65869/indikat-109a-homoeopathie.pdf
http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2010/07/schuttelfrust-homoopathie-im-spiegel.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Nosode