Aphorismus #1025

Es hat sich in der Geschichte der Bundesrepublik gezeigt, daß der Geheimdienst* letztlich den Nazis nützt.

Kerstin Köditz, Sprecherin für ­antifaschistische Politik der Linksfraktion im sächsischen Landtag in einem Interview in „Junge Welt“ vom 8.2.2013
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* gemeint ist der Verfassungsschutz

Aphorismus #1022

Niemals in meinen ganzen Leben werde ich akzeptieren, dass jemand mich ‚Der Jude Tenenbom‘ oder einen ‚jüdischen Hysteriker‘ nennt.

Was ist das für ein Land, in dem man jemanden ‚Der Jude Tenenbom‘ oder einen ‚jüdischen Hysteriker‘ nennen kann, ohne dass dies der Öffentlichkeit auffällt?

Hier zeigt sich, wie tief Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft verwurzelt ist: Derart tief, dass man nicht einmal wahrnimmt, dass etwas antisemitisch ist.

Tuvia Tenenbom, New Yorker Autor, der in einem Teil unserer Mainstream-Medien genau so tituliert wird, und deren Vertreter sich beharrlich weigern, den darunter liegenden tief verwurzelten Antisemitismus auch nur im Ansatz als solchen zu erkennen.
Ein Fall, der bezeichnenderweise KEINEN Skandal ausgelöst hat.

Wie? Das ist KEIN Antisemitismus? Vielleicht kann ich ja damit etwas auf die Sprünge helfen (was ich aber kaum zu hoffen wage):

Aphorismus #1018

Es ist mit fremdenfeindlichen Gewaltdelikten von Einzeltätern oder Tätergruppen in Form von Körperverletzungen auch mit Todesfolge, Brandanschlägen (z.B. auf Asylbewerberunterkünfte) und in Einzelfällen auch mit Tötungsdelikten zu rechnen.

Aus einem aktuellen Bericht des BKA, zitiert bei SPON.
Sollte plötzlich so etwas wie eine echte Erkenntnis das BKA völlig unvorbereitet heimgesucht haben?
Wohl kaum. Denn SO schlimm ist es ja doch nicht: die Braunen sind ja alles nur Einzelgruppen und Einzeltäter. So was wie einen rechten Sumpf gibt es in Schland nicht.
Ich möchte fast wetten, es dauert nicht lange, bis im selben Atemzug von der Gefahr von links gewarnt wird. Und die ist ja bekanntlich viel schlimmer: Gewaltbereite Autonome und Linksterroristen, wohin das Auge blickt.

Aphorismus #1017

Vor dem Hintergrund, dass die Tötung von Menschen in unserem Kulturraum mit einem hohen Tabu belegt ist, ist abzuleiten, dass der Täter hinsichtlich seines Verhaltenssystems weit außerhalb des hiesigen Normen- und Wertesystems verortet ist.

Zu solch klugem Kurzschluss über das Morden der NSU kommt die gar treffliche Analyse eines Experten in Sachen rassische kulturelle Unterschiede des LKA von Baden Württemberg.

Kann man sich als guter Deutscher ja auch nicht vorstellen, dass Menschen anderer Rasse Herkunft einfach so ohne Grund abgemurkst werden. DAS kam bekanntlich in der deutschen Geschichte NIE vor. Darum muss es heute mindestens die Mafia sein. Selber schuld, wer sich darauf einlässt:

Alle neun Opfer hatten Kontakte zu einer Gruppierung, die ihren Lebensunterhalt mit kriminellen Aktivitäten bestreitet und innerhalb derer zudem ein rigider Ehrenkodex bzw. ein rigides inneres Gesetz besteht“… Im Laufe der „Zusammenarbeit“ begingen die Opfer vermutlich einen Fehler, der für die Opfer hinsichtlich seiner Bedeutung nicht erkennbar war.

Aphorismus #981

Wort zum Sonntag Montag #87

Trau keinem Wolf auf wilder Heiden
Auch keinem Juden auf seine Eiden
Glaub keinem Papst auf sein Gewissen
Wirst sonst von allen Drein beschissen.

Dieses gelungene Beispiel von bäuerlicher Legendenbildung*, deutschem Antisemitismus** und protestantischer Arroganz*** verdanken wir niemandem anderem als Martin Luther und seiner gerne vergessenen Schrift „Von den jüden und iren lügen“, 1543 – Das nenne ich mal Altersweisheit…

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* Dass die Grausamkeit und Gefährlichkeit des Wolfes für den Menschen ins Reich der Fabel gehört, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, jedoch die neuerlichen Diskussionen, seit er sich wieder in Deutschland niedergelassen hat, zeigt, dass dem nicht so ist.
** Der eliminatorische Antisemitismus der Nazis speist sich aus vielen Quellen:
– dem christliche Antijudaismus
– den Judenpogromen des Mittelalters
– Luthers teils christlich, teils ökonomisch, teils „deutsch“ motiviertem Judenhass
– dem „vernünftigen“ und säkularisierten Antisemitismus mancher Aufklärer
– dem „Die Juden sind unser Unglück!“ des Kaiserreichs
– der Rasse-Ideologie des späten 19. Jahrhunderts
– dem deutschesten aller Gefühle, nämlich dem, von der Geschichte betrogen worden zu sein
….
*** Dass Luther an die Stelle des Papstes die Bibel setzte und „Gottes Wort“ mit absoluter Macht über die Gläubigen ausstattete, dass er selbst meinte, ER habe die rechte Auslegung, also die WAHRHEIT gepachtet, war stilbildend für seine Nachfolger in den zahllosen protestantischen Kirchen, Gruppen, Grüppchen und Sekten. Bis heute.

Aphorismus #965

Die sozialen Fortschritte und Veränderungen der Zeit gehen mit der fortschreitenden Emanzipation der Frauen einher, der Verfall der sozialen Ordnung führt dementsprechend zur Verminderung der Freiheit der Frauen.

Die Erweiterung der Rechte der Frauen ist das Hauptprinzip aller sozialen Fortschritte.

Beide Zitate stammen von Charles Fourier (1772 – 1832), einem frühen Sozialisten / Anarchisten, der allein damit klar macht, warum Konservative aller Länder so auf die untergeordnete Rolle der Frau pochen. Mit und ohne Kopftuch.
Solch emanzipatorisches Denken bewahrte ihn jedoch nicht vor antisemitischen Ausfällen.

Aphorismus #940

Die Kirche – und der Papst geht da wieder „vorbildlich“ voran – sieht sich gerne als Opfer. Ganz deutlich war das bei den Missbrauchsskandalen. Als Schuldige hatte man schnell die Medien ausgemacht, manche ganz hartgesottenen Kirchenfürsten dann auch noch junge Schwule, die die ansonsten völlig tadellosen Priester verführt hätten. Man kultiviert in Rom gerne Verschwörungstheorien, die von einer vom Weltjudentum gesteuerten Attacke auf die Kirche und den Papst phantasieren. Diese Opferstrategie ist natürlich praktisch, aber sie führt auch dazu, dass die Aggressivität deutlich ansteigt. Denn man sieht sich ja angegriffen und in der Defensive und muss sich nun – schon um die höhere Ehre Gottes zu verteidigen – wehren …

Aus dem lesenswerten Interview, das Reinhard Jellen mit dem katholischen Theologen David Berger über dessen neues Buch „Der heilige Schein“ geführt hat.