Aphorismus #998

Wort zum Sonntag #93

Warum ich kein Christ bin – Teil VIII

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

8. Jesus von Nazareth – eine Erfolgsgeschichte?

Ob jemand Erfolg mit dem hatte, was er wollte, was er sagte und was er tat, sieht man so richtig erst nach seinem Ableben. Bei Jesus von Nazareth ist das nicht anders. Allerdings klaffen zwischen dem, was die Kirchen als seinen und ihren Erfolg verbuchen, und dem, was Jesus tatsächlich erreichen wollte, riesige Lücken. So wie durch die vorgebliche Auferstehung die Hinrichtung und damit das Scheitern des Nazareners seitens seiner Anhänger zu einem Sieg umgedeutet wurde, so machten sie es im Laufe der Jahrhunderte mit fast allem, was der galiläische Wanderprediger Jesus tatsächlich erreichen wollte. Wer es schafft die Hinrichtung eines religiösen Aufrührers mit wirrer apokalyptischer Botschaft dank Auferstehungsgeschichte als Erfolg umzudeuten, der hat keine Hemmungen nahezu jedes Wort umzudrehen, bis es in den eigenen ideologischen und politischen Intentionen dienlich ist.  Hier möchte ich an ein paar Beispielen jenseits christlicher Tradition und gläubiger Schönfärberei das aufzeigen, was Jesus anstrebte und predigte und was dem tatsächlich folgte. Getreu dem Motto: Jesus verkündete das Reich Gottes, gekommen ist die Kirche. (Alfred Loisy) Ich stelle dazu Zitate aus dem Neuen Testament, die von Jesus stammten oder ihm in den Mund gelegt wurden, dem gegenüber, was sich daraus entwickelte.

Aphorismus #871

Wort zum Sonntag #73

Warum ich kein Christ bin – Teil VII

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

7. Von wegen „lieber Gott“

7. 1. Ein launischer Gott

Gott ist der liebende Vater, ein barmherziger, wohl gesonnener, gnädiger Gott, ein Vater, der seine Kinder liebt, ja der auf den einen verlorenen Sohn wartet, ein Arzt, ein guter Hirte, ein gütiger König, eine nährende Mutter usw. usf… Die Zahl der positiven Beschreibungen in der Bibel, im AT wie im NT, sind Legion. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wäre das alles, wäre der Christen-Gott eine rundum sympathische Erscheinung.  Ist es aber nicht. Gott wird in der Bibel noch ganz anders beschrieben. Und das nicht nur an irgendwelchen zweitrangigen Stellen der Bibel, nicht nur im AT, sondern durchgängig in der ganzen Bibel:

Du sollst keinen andern Gott anbeten. Denn der HERR heißt ein Eiferer; ein eifriger Gott ist er.
2. Mose 34, 14

Denn der HERR, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifriger Gott.
5. Mose 5, 24

Und der Zorn des HERRN ergrimmte abermals wider Israel und er reizte David wider sie.
2. Samuel 24, 1

Denn das ist der Tag der Rache des HERRN und das Jahr der Vergeltung, zu rächen Zion.
Jesaja 34, 8

Stehe auf, HERR, in deinem Zorn, erhebe dich über den Grimm meiner Feinde und wache auf zu mir, der du Gericht verordnet hast.
Psalm 7,7

Und will Rache üben mit Grimm und Zorn an allen Heiden, so nicht gehorchen wollen.
Micha 5, 14

Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?
Matthäus 3, 7

Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.
Johannes 3, 36

Denn Gottes Zorn vom Himmel wird offenbart über alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten.
Römer 1, 18

Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der HERR.
Römer 12,19

Gehet hin und gießet aus die Schalen des Zorns Gottes auf die Erde!
Offenbarung 16, 1

Das ist nur eine klitzekleine Auswahl, die eines deutlich macht: Zu allen Zeiten, in allen Teilen und in jeder Phase der beiden Bibel-Religionen gehört die Rede vom göttlichen Zorn, von seiner Rache, seiner Eifersucht, seiner Vergeltung usw unauflösbar mit den anderen positiv erscheinenden Eigenschaften Gottes dazu. Das ist auch, wenn man nur etwas darüber nachdenkt, nicht verwunderlich. In der Geschichte des Jahwe-Glaubens stand am Anfang seine Konkurrenz mit vielen anderen Stammesgöttern in Kanaan und den Religionen der umgebenden Hochkulturen. Zu Beginn wurde Jahwe eingeordnet in die Götterwelt nomadischer Clans, wenn es wiederholt heißt: „Ich Jahwe, bin DEIN Gott.“ (1. Mose 27, 20; 32, 10; 2. Mose 20, 2; Josua 1, 9; Richter 11, 24 …) da wird anfangs ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass es noch andere Stammesgötter gibt, und dass sich Jahwe im Kampf gegen sie behaupten muss. Die einen Götter werden assimiliert, z.B wie der Gott Abrahams, der Schrecken Isaaks, der Heilige Israels…, andere werden- vor allem später- von ihm besiegt wie Baal, Astarte, Marduk. Ist Jahwe also anfangs eine Gottheit unter vielen, so wird sein Anspruch nach und nach universaler, er richtet sich nicht bloß gegen andere Stammesgottheiten, sondern gegen alle Götter aller Religionen, bis schließlich deren Existenz rundum bestritten wird:

So spricht der HERR, der König Israels, und sein Erlöser, der HERR Zebaoth: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott. Und wer ist mir gleich, der da rufe und verkündige und mir’s zurichte, der ich von der Welt her die Völker setze? Lasset sie ihnen das Künftige und was kommen soll, verkündigen. Fürchtet euch nicht und erschrecket nicht. Habe ich’s nicht vorlängst dich hören lassen und verkündigt? denn ihr seid meine Zeugen. Ist auch ein Gott außer mir? Es ist kein Hort, ich weiß ja keinen.
Jesaja 44, 6-8

Sowohl psychologisch als auch geschichtlich ist diese Entwicklung verständlich. Solange Israel noch kein geschlossenes Volk war, sondenr nur aus lose miteinander verbundenen Sippen bestand, solange also Dezentralismus auf allen Gebieten herrschte, war auch in Glaubensdingen so etwas wie religiöse Anarchie angesagt. Als später unter David und Samuel das Reich Israel entstand, brauchte es ein Zentralheiligtum- den Jerusalemer Tempel-, Jahwe bekam mehr und mehr die Eigenschaften eines Königs zugesprochen- zur Legitimation der von ihm „gesalbten“ Könige, zur Stärkung der Zentralmacht und als gemeinsames Band- ähnlich wie es Ägypten und die anderen Hochkulturen vorgemacht hatten. So war schließlich Jahwes Macht aufs engste mit der des Königshauses verbunden. Aber anders als Baal, Aton oder die anderen „heidnischen“ Götter ging Jahwe weder 722 v.d.Z. mit der Zerstörung des Nordreiches noch 598 v.d.Z. mit dem Babylonischen Exil unter. Im Gegenteil. Diese Daten markieren wichtige Reformen und Entwicklungen hin zum Monotheismus, an dessem Ende das oben zitierte Prophetenwort steht. Die Gottesbilder z.B. der kanaanäischen Nomaden, der Flüchtlinge aus Ägypten (wenn es sie je gegeben hat), der Schreiber am Königshof Davids, der kleinen und großen Unheilspropheten- sie wurden nicht abgelöst, gelöscht oder negiert, nein sie wurden mit ins monotheistische Gottesbild integriert. Und so kommt es, dass ein auf seine aus Lehm gebastelten Gechöpfe Adam und Eva wütender Hausgott (1. Mose 3) plötzlich mit universaler Macht ausgestattet ist und zum Schöpfer des Himmel und der Erde wird (1. Mose 1), dass ein Kriegsgott, der eine Handvoll Sklaven durchs Schilfmeer führt (2. Mose 14) zum Lenker aller Völker und der gesamten Weltgeschichte wird (Psalm 99, 1). Je schwächer, mickriger und gefährdeter Israel wurde, und je misslicher und gefährdeter die Lage der Jahwe-Verehrer wurde, desto mächtiger, gewaltiger und universaler wurde sich dieser Gott vorgestellt. Der sich dadurch ergebende Widerspruch wurde dem mangelnden Glauben der Gläubigen angelastet oder die Notlage als verdiente Strafe gesehen. Im NT wurde dieser Gedanke in letzter Konsequenz fortgeführt, in der Vorstellung vom Jüngsten Gericht, die es von den Evangelien bis zur Offenbarung durchzieht. Der Widerspruch zwischen einem liebenden Gott und einem, der sich rächt, der zornig ist und eifersüchtig, der nachträgt und kein Erbarmen kennt, dieser Widerspruch, findet seine „Lösung“ jedoch nicht in der Theologie, sondern in der Anthropologie: Wenn Gott dich hasst, dann hast du dir das selbst zuzuschreiben, basta!

Aphorismus #787

Wort zum Sonntag #62

Warum ich kein Christ bin – Teil VI

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

6. Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

6.1. Eva, die alte Schlampe ist an allem schuld!

6 Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß. 7 Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze… 12 Da sprach Adam [zu Gott]: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß… 16 Und zur Frau sprach er [Gott]: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. 1. Mose, 3 6ff

Die Vertreibung aus dem Garten Eden ist zwar nicht die älteste Geschichte des AT, aber in wenigen Worten macht sie deutlich, wie in einer patriarchalischen Religion die Verhältnisse sind:

  • Schuld an allem Schlechten in der Welt ist die Frau.
  • Der tiefere Grund ist ihre Neugier, und weil sie sich in alles einmischen muss.
  • Gepaart mit ihrer Leichtgläubigkeit, die der phallischen Schlange alles glaubt, ist das lebensgefährlich.
  • Der Mann muss sich vor diesem „Teufelsweib“ schützen.

So ist die Frau selber schuld an ihrem ganzen Elend in einer männlich geprägten Clangesellschaft:

  • Ihre Plackereien in der Schwangerschaft – selber schuld!
  • Die Mühen und die Gefahren der Geburt – selber schuld!
  • Ihr Verlangen nach ihrem Mann – selber schuld!
  • Ihre Rolle als Sklavin der Männerwelt – selber schuld!

Kurzum: An der Unterdrückung der Frau ist allein sie schuld! Nicht die Verhältnisse. Nicht die nomadische und/ oder bäuerliche Wirtschaftsweise. JA nicht einmal die Religion! Schuld ist allein sie. Und dies nicht bloß historisch, sondern ontologisch, d.h. von Gott so gewollt und geschaffen! Die zweite Schöpfungsgeschichte der Bibel endet nicht mit der Erschaffung Evas 1. Mose 2,18-25, sondern erst hier: Die Erschaffung des Menschen  ist erst vollständig mit dem dreifachen Fluch Gottes! Gegen die Schlange, den Mann und die Frau. Was für ein „positives“ Weltbild! Die Frau soll fortan in Schmerzen gebären! Hat sie sich verdient. Dazu müssen wegen ihr alle ihre Nachkommen unter der Mühsal der Arbeit leiden und werden einmal sterben. Vorher, so gaukelt die Bibel vor- und so gehört es zu den unveräußerlichen Dogmen des Christentums, vorher wäre alles anders gewesen, ohne Schmerz, ohne Krankheit, ohne Herrschaft, ohne Tod. Saubere Leistung von Eva! Kein Wunder, dass alle, die diese Geschichte für bare Münze nehmen auf die Weiber nicht gut zu sprechen sind! Die Männerwelt kommt ja noch ganz gut weg, vor allem hat sie für alle Zeiten billige Arbeitssklaven, genannt Ehefrauen und Töchter. So ist es Gottes Wille für diese Welt. Das Patriarchat ist die von der Frau herbeigeführte, selbst verschuldete und von Gott so bis zum Ende aller Tage zementierte Schöpfungsordnung. Wer will und kann sich dagegen auflehnen? Im AT gibt es zwar noch andere, frauenfreundlichere Schichten, die nicht so eindeutig patriarchalische geprägt sind, jedoch hat es die weibliche Sichtweise immer schwer gehabt, sich zu behaupten. Literarische Zeugnisse einer kämpferischen, selbstbewussten Weiblichkeit sind z.B. das Lied, das die Schwester des Mose und des Aaron Mirjam anstimmt, nach der Rettung Israels vor den Ägyptern am Schilfmeer:

Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt. 2. Mose 15, 20f

Dass solche kriegerischen Frauen natürlich nicht sein dürfen, ist klar. So hat die spätere Bearbeitung dieser Stelle den knappen Gesang ausgewalzt, gleich noch die gesamte Geschichte Israels als rückwärtsgewandte Prophetie hineingepackt und vor allem Mose zum Verfasser und Vorturner gemacht: 2. Mose 15, 1-18(19). Ekstatische und zudem kriegerische Gewalt verherrlichende Frauen? Nicht mit den Hohepriestern und Gralshütern der reinen männlichen Lehre. Ein weiteres Beispiel für Frauenpower ist das Lied der Debora, eine Richterin, d.h. charismatische Kriegerin, eine „von Gott erwählte“ Heerführerin aus der Zeit, als die israelitischen Clans sesshaft wurden (sog. Landnahme), bevor Israel ein eigenes Königreich wurde. Auch sie singt selbstbewusst und angriffslustig vom Kampf. Aber sie preist nicht nur die Taten Jahwes wie Mirjam, sondern auch die List einer anderen Frau, durch die der Sieg errungen wurde:

Zu den Zeiten Schamgars, des Sohnes Anats, zu den Zeiten Jaëls waren verlassen die Wege, und die da auf Straßen gehen sollten, die wanderten auf ungebahnten Wegen. Still war’s bei den Bauern, ja still in Israel, bis du, Debora, aufstandest, bis du aufstandest, eine Mutter in Israel... Gepriesen sei unter den Frauen Jaël, die Frau Hebers, des Keniters; gepriesen sei sie im Zelt unter den Frauen! Milch gab sie, als er Wasser forderte, Sahne reichte sie dar in einer herrlichen Schale. Sie griff mit ihrer Hand den Pflock und mit ihrer Rechten den Schmiedehammer und zerschlug Siseras Haupt und zermalmte und durchbohrte seine Schläfe. Zu ihren Füßen krümmte er sich, fiel nieder und lag da. Er krümmte sich, fiel nieder zu ihren Füßen; wie er sich krümmte, so lag er erschlagen da. Richter 4, 6f, 24-27

Vom braven Heimchen am Herd wie in 1. Mose 3 gewünscht ist hier absolut nichts zu spüren. Dass solche Frauen Furcht einflößen ist klar. Das beste Mittel gegen so viel Selbständigkeit und Macht ist natürlich, die Frauen zu verschleiern, sie wegzusperren, ihre Menstruation als Unreinheit zu erklären und sie so zum Wesen zweiter Klasse zu machen. Das geschah im Verlauf des AT je länger je mehr, bis am Ende nur noch die Priester, die Rabbiner und die in Tenach unterrichteten Männer das Sagen hatten. In Glaubensdingen sowieso. Aber auch in den Alltagsgeschäften. So sehr, wie manche von der PI-Fraktion gerne behaupten, sind die Wurzeln des christlichen Abendlandes von denen des muslimischen Orient nicht unterschieden. Aber wen wundert es, die Verhältnisse von  1000 v.d.Z. bis heute haben sich im vorderen Orient nicht wirklich weiter entwickelt. Und im Westen ist es auch erst seit der bürgerlichen Revolution ernsthaft besser geworden. Aber bestimmt nicht durch die Kirchen.

Aphorismus #773

Wort zum Sonntag #60

Warum ich kein Christ bin – Teil V

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Tei VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

5. Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

5.1. Am Anfang war das Wort? Von wegen!

Das Wort, der Logos am Anfang? Vor allem anderen? Nichts weniger als das will das Johannesevangelium seinen Lesern weismachen:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.  In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Johannes 1, 1- 5

Was da der unbekannte Verfasser Ende des 1. Jhd. n.d.Z. (nicht nur) am Anfang seines Evangeliums treibt ist Etikettenschwindel. Es ist die schamlose Usurpation des philosophischen Begriffs logos von einem, der von logos, von Logik, von Vernunft und Philosophie außer ein paar aufgeklaubten Brocken keinen Dunst hatte. Seitdem sind christliche Theologen immer wieder so verfahren: Man höre auf den Zeitgeist, nehme bestimmte Stichwörter auf, deute sie im eigenen Sinn um und schon kann man behaupten, dass Gott/ Jesus/ die Kirche die eigentliche „Erfüllung“ des menschlichen Fragens sei. Solches geschah z.B. auch bei Begriffen wie Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden, Sinn… Und was 2000 Jahren funktionierte wird auch heute noch gerne umgesetzt.
Am Anfang war auch nicht die Tat, wie es Goethe seinem Alter Ego Faust in den Mund legte, am Anfang des Christentums wie jeder Religion steht der Mythos. Was sonst. Am Anfang jedes Glaubenssystems steht ein Gründungs-, Erwählungs- oder Schöpfungsmythos. Der älteste uns überlieferte religiöse Mythos findet sich im Gilgamesch-Epos, das dabei in seiner Weise den Menschen als „noch nicht festgestelltes Tier“ (Nietzsche) sieht. In der hebräischen Bibel, dem Tenach ist der Gründungsmythos nicht eine der beiden Schöpfungsgeschichten- die sind weit später entstanden!-, sondern die „wundersame“ Errettung der Hebräer vor den Ägyptern durch Jahwe am Schilfmeer (2. Mose 14). Aus diesem Mythos leitet sich die besondere Beziehung Israels zu Jahwe als „erwähltes“ Volk und die Jahwes zu „seinem“ Volk als Gesetzgeber, König, Richter und Retter ab. Je mehr jedoch Israel in seiner Geschichte mit anderen Völkern in Kontakt kam, je mehr es auf der Bühne der Weltgeschichte auftauchte, und es mehr und mehr andere Götter und Religionen kennen lernte, desto exklusiver wurde Jahwes Anspruch: So lange bis aus dem Wüstengott eines kleinen nomadischen Clans der Schöpfer des Himmels und der Erde wurde. Was für eine Karriere! Israel hatte in den vielen Krisen seiner Geschichte ganz gewaltig damit zu kämpfen, dass die Welt und ihre Geschicke sich so ganz anders verhielten als es die Schriften des Moses und der Propheten (vorher)-sagten. Die Lösung war in den seltensten Fällen jedoch eine echte Auseinandersetzung und Diskussion auf (religions-)philosophischer Ebene, wie sie z.B, hinter dem Projekt der Septuaginta, der Übersetzung des Tenach ins Griechische, stand. Die immer wieder erfolgte „Lösung“  des Auseinanderklaffens von erlebter Realität und geglaubtem Mythos war die vollkommene Unterordnung ersterer unter den Mythos mit anschließender Neuinterpretation und Neubewertung. Am deutlichsten wird dies in der Apokalyptik wie z..B. im Buch Daniel: Da hängen die Geschicke nicht nur Israels, sondern der ganzen Menschheit am Handeln eines Erwählten, an seinem Glauben und seinem Festhalten an Jahwe. An diesem Punkt hat das Neue Testament weitergemacht und sich immer weiter vom alttestamentarischen Schilfmeer-Mythos entfernt, bis man schließlich Israel den Rang als Volk Gottes streitig machen konnte. An die Stelle des ursprünglichen Erwählungsmythos tritt spätestens mit Paulus „das Wort vom Kreuz“ (1. Kor 1, 18). Dieser neutestamentliche Erwählungs-Mythos zerfällt in drei Teile*:

  • Jesus tut Wunder und predigt das Reich Gottes
  • Jesus stirbt am Kreuz für die Sünden der Welt
  • Jesus wird von seinem Vater am dritten Tage auferweckt

Wer sich taufen lässt und bekennt: „Kyrios Jesus! – Jesus ist der Herr!“, der   partizipiert an diesem neuen Erwählungsmythos, der ist „gerettet“ und wird einst von den Toten auferstehen zum Heil. Es bedarf nicht wirklich viel Überlegung, um zu erkennen, dass dies ein Mythos ist und ganz bestimmt kein Logos, kein vernünftiges, diskutables und falsifizierbares Wort:

  • Das Reich Gottes haben vor Jesus, zu seiner Zeit und nach ihm unzählige andere gepredigt. Auch selbst ernannte Wundertäter gab es damals so viele, als dass man keinem von ihnen hätte  Glauben schenken müssen.
  • Dass Jesu ganz gewöhnlicher Tod am Kreuz- gewöhnlich für einen des Aufruhrs Bezichtigten!- etwas besonderes war, wird auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer. Es ist Interpretation, nicht Tatsache. Das Leben des Brian ist auch eine Interpretation der Evangelien, eine besonders gelungene zudem. Vielleicht enthält der Film ja mehr „Wahrheit“ als die zahllosen Auslegungen aller Theologen zusammen.
  • Auch die Auferstehung ist nur Behauptung. Sie ist ohne Belege außerhalb der Reihen der Gläubigen, die eine Begegnung mit Jesus behaupteten. Und deren Geschichten sind alles andere als konsistent und glaubhaft. Wer glaubt taugt wenig als unvoreingenommener Zeuge für das von ihm Geglaubte…

Ich weiß, dass sich Gläubige durch Fakten und Zweifel nicht wirklich beeindrucken lassen. Nebbich. Wenn jedoch wie seit Johannes üblich der Mythos, die Widervernunft eines sterbenden Gottessohnes zum Logos, zur wahren Vernunft, zum Maß aller Dinge in allen Lebensbereichen erhoben wird, dann wird eine lächerliche Legende zu einem Gift, das nach 2000 Jahren Christentum noch immer seine verheerende Wirkung zeigt. Nicht Wissenschaft und Gesellschaft, nicht Moral und Politik haben sich dem Gründungsmythos irgendeiner Religion unterzuordnen sondern umgekehrt. Wenn es Christentum, Islam & Co. nicht passt, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben, dann muss ich mit dem alten Spruch meiner Eltern nach ergebnisloser politischer Diskussion antworten: „Geht doch rüber, wenn’s euch nicht passt!“ O.K. früher war das einfacher, da musste man nur in die DDR…
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* Der vierte Teil des Mythos, die „Menschwerdung Gottes“, wie sie die Weihnachtsgeschichten andeuten, kommt erst später dazu. in der Auseinandersetzung mit der Apotheose der römischen Kaiser.

Aphorismus #752

Wort zum Sonntag #57

Warum ich kein Christ bin – Teil IV

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott!
Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Tei VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

4. Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

4.1. Paulus, Ahnherr kirchlicher Rechthaberei und Archetyp des Inquisitors

Christentum und Ketzertum, Kirche und Schismen, Orthodoxie und  Häresie- das alles gehört von Anfang an zusammen. Eine vollständige Kirchengeschichte kann nur schreiben, wer auch gleichzeitig eine Ketzergeschichte schreibt. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Von Anfang an wähnte sich die „kleine Schar“ der Rechtgläubigen umgeben von einer Unmenge an Verführern, Ketzern und Dämonen. Diese Art religiöser Paranoia begann nicht erst im Mittelalter, sondern wie so vieles in der Kirche bereits im Neuen Testament. Sie ist dem Christentum inhärent. Dem aufmerksamen Leser dieser kleinen Reihe „Warum ich kein Christ bin“ wird es sicher nicht wundern, wenn ich den Namen Paulus als Anfang der Geschichte des christlichen Verfolgungswahns und der damit einhergehenden „Ketzeritis“ nenne. In seiner unnachahmlich „sanften“ und „kritikfähigen“ Art schreibt er:

13 Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi. 14 Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. 2. Korinther 11, 13f

Wenn also jemand nicht der Meinung des Herrn Paulus war, kam dies nicht nur einer Majestätsbeleidigung gleich, nein: Hinter jeder abweichenden Meinung steckt in den Augen des ehemaligen Christenverfolgers Paulus, der sich nun als Verfolgter wähnt,  der Leibhaftige höchstselbst Es geht gar nicht anders. Jede differenzierende Betrachtungsweise passt nicht in sein naives Schwarz-Weiß-Denken auf dem Niveau eines 7-Jährigen! So kommt es, dass jeder, der sich nicht der Meinung des großen „Heidenapostels“ anschließt, umgehend von ihm den Ketzerhut aufgesetzt bekommt und vom selbst ernannten „Boten Gottes“ zur Ausgeburt der Hölle erklärt wird. Was für ein kleiner und enger Geist! Und was für ein Riesen-Ego, das sich ständig in einem Kampf um ALLES wähnt, einen, bei den Gott gegen Satan kämpft- und Paulus ist mitten drin:

24 Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. 25 Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. 26 Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, 27 sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde. 1. Kor 9, 24ff

Der später wegen angeblicher Irrlehren verketzerte Kirchenvater Tertullian (150 – 230) schrieb einmal den gerne zitierten Satz über die Christengemeinden seiner Zeit: „Seht, wie haben sie einander so lieb!“ Welch ein Irrtum! Das war schon zu Zeiten des NT eine Lüge, und wie Tertullian am eigenen Leibe erfahren durfte, zu seiner erst recht. Hätte er mal lieber gesagt: „Seht, wie hauen sie sich die Köpfe ein!“ Das hätte ihm vielleicht manches erspart und vielen anderen auch, die auf die Propaganda von der Kirche als Gemeinschaft der Liebe hereingefallen sind. Nein, sie hatten sich nicht alle lieb. Sie liebten immer nur die, welche eines Sinnes waren, welche dem Gemeindeleiter hinterhertrotteten wie die Schafe, welche keine Handbreit vom „schmalen Pfad“ (Mt 7, 12ff) abwichen und natürlich die potentiellen „Bekehrungsopfer“. Dafür braucht es aber keine Bibel, keinen Paulus, keine selbstgefällige Religion der Liebe- das kriegt jeder Sportverein besser hin. Nur macht ein solcher nicht so ein Gewese darum wie die sich in höheren Sphären wähnenden Christen. Wenn es im SC Kleinkleckersdorf um die üblichen menschlichen Streitigkeiten und Ego-Probleme geht, dann sind das Streitigkeiten und Ego-Probleme und nicht mehr. Und schon gleich gar nicht apokalyptischen Vorzeichen und heilsgeschichtliche Katastrophen. Zu solch anmaßender Selbstüberschätzung braucht es schon eine Religion. Jede Sekte, jede besonders fromme Gruppe in den Kirche(n), jeder „sich von Gott berufen“ wissender Prediger lebt davon: In unserem Glauben, unserem Ergehen, unserer Gemeinde entscheidet sich das Heil nicht nur für uns, sondern für unsere Stadt, unsere Kirche, ja die ganze Welt.
Paulus in seinem grenzenlosen Besessenheit von DER Wahrheit und in seinem halluzinierten Kampf gegen Satan machte mit seinem maßlosen Absolutheitsanspruch nicht einmal vor seinen apostolischen Kollegen halt. Neben Petrus bekam dies besonders Jakobus zu spüren, des „Herrn Bruder“ (Gal 1, 19), also ein leiblicher Bruder Jesu und der eigentliche Chef der Jerusalemer Urgemeinde. Auslöser des Streits war die Frage unter den ersten Christen, ob ein Heide, der Christ werden will, vorher erst zum Judentum übertreten muss. Ob es wirklich ausschließlich theologische Gründe waren, die Paulus diese Frage verneinen ließen, wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlich war er trotz alles Fanatismus schlau genug, um zu wissen, dass SO das Christentum keine Chance in der „heidnischen“ Welt haben würde, sondern es eine jüdische Sekte unter vielen bleiben würde mit drohender Marginalisierung und alsbaldigem Untergang. Also taufte Paulus auch Heiden, unterzog sie vorher nicht der Beschneidung und verlangte von ihnen auch keine Einhaltung der jüdischen Speisegesetze. Bei den Jerusalemer Judenchristen machte ihn solches alles andere als beliebt. Es kam zum offenen Konflikt mit der Fraktion des Jakobus und des Petrus (=Kephas):

11 Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn es war Grund zur Klage gegen ihn. 12 Denn bevor einige von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus dem Judentum fürchtete. 13 Und mit ihm heuchelten auch die andern Juden, sodass selbst Barnabas verführt wurde, mit ihnen zu heucheln. 14 Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben? Gal 2, 11-14

In diesen wenigen Sätzen in Verbindung mit solchen Stellen wie 1. Kor 3,1; 2. Kor 11, ; Phil 3, ; Röm 16, 17ff ist in der Person des Paulus und seiner Denkweise bereits der Grundstock gelegt für so ziemlich alles, was später in der Kirchengeschichte noch kam an Ausschlüssen, Verketzerungen, Verfolgungen bis hin zur Inquisition. Die katholische Kirche hat recht. Die Inquisition ist biblisch, zumindest ist sie paulinisch. Warum aber der Nachfolger Petri sich auf Paulus beruft, der doch seinen Kollegen Petrus coram publico abwatscht, ist mal wieder so ein Treppenwitz, wie ihn nur katholische Theologie hinbekommen kann.

Aphorismus #745

Wort zum Sonntag #56

Warum ich kein Christ bin – Teil III

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil IV. Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Tei VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

3. Gnade dir Gott!
Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

3.1. Eigenlob stinkt

Vorab zwei Fragen:

  1. Wer erließ ein Gesetz, dass Sklaven nicht grausam behandelt werden dürfen?
  2. Wer verbot scharfe Waffen bei den Gladiatorenkämpfen?

Bei beiden Fragen sind die Antwortmöglichkeiten gleich.

  • a) Papst Leo der Große
  • b) Kaiser Nero
  • c) Caesar
  • d) Kaiser Marc Aurel

Das wäre bestimmt eine sichere Bank bei Günther Jauch für die Millionenfrage. Eine sichere Bank für RTL, damit sie nicht zahlen müssen. Die allermeisten würden wohl „Leo“ sagen, Aber dass Nero ein Herz für die Sklaven hatte? Dass Marc Aurel blutigen Gladiatoren-Kämpfen nichts abgewinnen konnte, wie seine anderen „heidnischen“ Vorgänger auf dem Kaiserthron – Tiberius oder Augustus? Wer hätte das gedacht? Wo doch Nero Rom anzünden ließ- das weiß ja jedes Kind, in „Quo Vadis?“ ist es schließlich zu sehen! Und wer so eine Schuft und Christenverfolger ist, der MUSS böse sein, von Grund auf. Ach ja die Erbsünde. Die wird vom gemeinen Christenmenschen am liebsten bei anderen konstatiert. –
Nachdem es immer wieder zu Verboten blutiger Kämpfe in den Arenen kam, bzw. zum Versuch wenigstens die Anzahl einzudämmen, wurde schließlich im Jahr 365 eine sehr christliche Lösung gefunden: Christen durften einfach nicht mehr als Gladiatoren kämpfen! Da bekamen dann also nur noch die Heiden, was sie verdient hatten… Zynischer geht es kaum. Konstantin der Große, der die Kirche über sein Reich brachte, war übrigens 325 so „gnädig“, Delinquenten nicht mehr als Kämpfer in die Arena zu schicken, sondern zur völlig humanen Zwangsarbeit ins Bergwerk. Ein durch und durch vorbildlicher Christ dieser Kaiser. Was höre ich da von Zeitumständen? Von Sachzwängen? Von anderen Maßstäben? – Stimmt ja. Mixas Watschen waren vor 30 Jahren auch den Zeitumständen geschuldet. – Wer für ewige Wahrheiten eintritt, sollte sich nicht wundern, wenn solche dann gegen ihn gerichtet wird.

Mit diesen Beispielen aus den ersten Jahrhunderten der Kirche will ich verdeutlichen, wie unser Blick auf die Geschichte seit der Ausbreitung des Christentums eben durch dasselbe geprägt ist, so dass es uns schier unmöglich ist, ein objektives Bild davon zu erhalten. – Ganz „uneigennützig“ haben die Christen damals, wie es heute die Taliban auf ihre Weise tun, tabula rasa gemacht mit allem, was ihre Gegner sagten und hinterließen, was für sie heidnisch war oder gar teuflisch. Es fand in den ersten christlichen Jahrhunderten des römischen Reiches, die direkt ins finstere Mittelalter mündeten, eine General-Zensur ungeheuren Ausmaßes statt. Wäre nicht der Islam im Osten siegreich gewesen und hätte die antiken Schätze und Schriftrollen bewahrt, und hätte es nicht Orte und Menschen gegeben, zu denen der lange Arm Roms nicht hinreichte, wer weiß: Wir würden heute weder Plato kennen, noch eben andere, d.h. kritische Stimmen zum Aufstieg des Christentums von einer jüdischen Sekte zur römischen Staatskirche.

Man stelle sich vor, vom derzeitigen Irakkrieg würde es fast ausschließlich Dokumente der „embedded journalists“ geben. Welches schiefe Bild hätten wir dann von ihm?

Kann man getrost die Bibel in weiten Teilen ein Märchenbuch nennen (vgl. Teil I): voller frommer Erfindungen (wie z.B. die Sache mit der Bundeslade als Sänfte für Jahwe), beispielloser Übertreibungen (bei fast allen Zahlenangaben im AT kann man getrost ein bis drei Nullen streichen!), Beugungen der Wahrheit (aus dem mit viel Macht und Soldaten ausgestatteten Gouverneur Pilatus der letzten und unabhängigen Instanz im Prozess gegen Jesus wird ein ganz schwacher Beamter, der in der Hand des Volkes war; die Christusmörder sind also die Juden), absichtlicher Weglassungen und Verdrehungen (die vielen, vielen Bearbeitungen, die allein der Pentateuch erfahren hat!), so hört dies mit der Offenbarung des Johannes nicht schlagartig auf.  Es geht munter so weiter von den ältesten Zeugnissen der sog. Kirchenväter bis zur jüngsten Enzyklika des Papstes. Es baut eben eines auf das andere auf. Wer Wunder in der Bibel zusammenphantasiert, der muss dies auch später tun in den zahllosen Heiligenlegenden oder anderen „Zeugnissen“. Wer sich als kleine Herde wähnt, wer sich immer und überall verfolgt glaubt, der muss die ganze Kirchengeschichte als eine der Verfolgung und Anfechtung darstellen, selbst in den Zeiten, als die Kirche über Europa herrschte.
Solcherlei Geschichtsfälschungen sind beileibe keine Spezialität Roms. Die evangelischen Kirchen waren und sind auch nicht viel besser. Zwar ließ sie der Schlachtruf des Humanismus- Ad fontes!– zu den Quellen greifen- aber zu welchen? Eben nur zur Bibel, bestenfalls zu den genehmen Kirchenvätern. Da wurden also die alten Lügen 1:1 übernommen. Heute werden zwar diese Urkunden historisch-kritisch ausgeleuchtet, aber am Ende siegt dann doch wieder die „göttliche, offenbarte Wahrheit“. Was nützt es, wenn in den Seminarräumen der theologischen Fakultäten über den Faktengehalt der Ostergeschichten, oder über die Landnahme der Israeliten kritisch nachgedacht wird, und wenn in der Gemeindearbeit substantiell so gut wie nichts übrig bleibt- was hilft das, wenn es auf den Kanzeln eben keinen Niederschlag findet? Moderne Theologie tut  unheimlich kritisch und aufgeklärt und hat doch nur den Zweck, mit „modernen“ Mitteln Menschenfischer auszubilden, auf dass der Bestand der Kirche bleibe oder vermehrt werde. Wer behauptet, man müsse beim Betreten einer Kirche- ob katholisch oder protestantisch- nicht seinen Verstand an der Garderobe abgeben, der lügt sich selbst in die Tasche. Glauben war immer und wird es immer sein: ein „Willing Suspension of Disbelief for the Moment„. Und darum hat die Bibel genauso viel Plausibilität wie der Koran, Russells Teekännchen oder das FSM und die Kirchengeschichte hat so viel Glaubwürdigkeit wie Münchhausens Lügengeschichten.

Aphorismus #738

Wort zum Sonntag #55

Warum ich kein Christ bin – Teil II

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil III: Gnade dir Gott!
Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV. Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

2. Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

2.1. Paulus- Selbst- und Menschenhass aus Prinzip

Irgendwer muss dem kleinen Paulus ständig vorgesagt haben, was für ein schlechter und gottloser Kerl er sei, so dass er sich später nicht anders zu helfen wusste, als ALLEN Menschen denselben Defekt zu unterstellen. Selbst- und daraus resultierender allgemeiner Menschenhass scheint mir bei ihm der Antrieb seines Denkens und Missionierens zu sein, ganz bestimmt nicht ein Auftrag und eine Offenbarungen vom „Herrn“, wie er behauptet. Sein wichtigstes Werk- wichtig, weil er hier seine Theologie zusammenfasst- ist der Römerbrief. Und der spricht Bände. Nicht über Gott und Welt, sondern über die verquere Gedankengebäude des Misanthropen Paulus.
In einem wahren Parforce-Ritt durch die Psalmen, klaubt er in Römer 3, 9-18 alles zusammen, was in sein düsteres Menschenbild passt:

9 Was sagen wir denn nun? Haben wir Juden einen Vorzug? Gar keinen. Denn wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, 10 wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. 11 Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. 12 Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Psalm 14,1-3). 13 Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie (Psalm 5,10), Otterngift ist unter ihren Lippen (Psalm 140,4); 14 ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit (Psalm 10,7). 15 Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; 16 auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, 17 und den Weg des Friedens kennen sie nicht (Jesaja 59,7-8). 18 Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen (Psalm 36,2).«

Was ist das denn? Wahllos ein paar Psalmen-Halb- oder Viertel-Verse ohne Erklärung, ohne Rücksicht auf den Zusammenhang aneinanderpappen? Das hat so viel Beweiskraft wie die Bibelauslegungen der Zeugen Jehovas. Kein Mensch kann da folgen, kann nachfragen, kann mitdenken. Und das soll er auch gar nicht.. Paulus haut dem Leser seine „Wahrheit“ wie ein nasses Handtuch um die Ohren. Es geht ihm mehr um Wirkung als um Argumentation. Letztere ist nur Mittel zum Zweck. Leider. Denn das ist noch heute so bei seinen Nachfolgern, den Erweckungspredigern, Evangelisten, Missionaren und Hauskreisleitern. Mit derselben Methode könnte man, böse gesprochen, das Telefonbuch von Tokio nehmen, und die Relativitätstheorie herauslesen. Man muss nur eklektizistisch vorgehen wie Herr P. und dann das ganze noch etwas drehen, ziehen und strecken solange bis es passt. Genau so gewinnt Paulus seine „Erkenntnis“ über die unumstößliche, absolute Sündhaftigkeit des Menschen. Er hat sie nicht aus dem AT, sondern er hat sie ganz einfach hineingelesen. Eisegese in Reinkultur. Das Ergebnis stand von Anfang an fest.
Der Mensch ist Sünder. Und sonst nichts. Basta! Diese unduldsame, ja arrogante Art des Paulus ist schon seinen Zeitgenossen auf die Nerven gegangen. Darum thematisiert er dies im 2. Korintherbrief. Da lässt er sich seitenweise über das „Rühmen“ und über seinen persönlichen Auftrag von Jesus aus. Langweilig. Nervig. Selbstverliebt. Denn gerade dadurch, dass er betont, dass ALLE Sünder sind, und sich immer brav und demütig verbal mit einschließt, hebt er sich über alle anderen, denn er WEISS es, er hat’s gefunden, ihn hat Gott beauftragt, den Menschen diese „frohe“ Kunde zu bringen. Im 2. Korintherbrief lässt er sich ausgiebig darüber aus. Ein besonderer „Höhepunkt“ ist die Abrechnung mit seinen echten oder vermeintlichen Gegnern mit anschließendem ganz bescheidenen Eigenlob in 2. Kor 11, 22-31:

22 Sie sind Hebräer – ich auch! Sie sind Israeliten – ich auch! Sie sind Abrahams Kinder – ich auch! 23 Sie sind Diener Christi – ich rede töricht: ich bin’s weit mehr! Ich habe mehr gearbeitet, ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen. 24 Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geißelhiebe weniger einen; 25 ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. 26 Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr unter Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern; 27 in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße; 28 und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, und die Sorge für alle Gemeinden. 29 Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird zu Fall gebracht, und ich brenne nicht? 30 Wenn ich mich denn rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. 31 Gott, der Vater des Herrn Jesus, der gelobt sei in Ewigkeit, weiß, dass ich nicht lüge.

Wie „bescheiden“ das doch ist: Er ist schwach, verfolgt, herumgestoßen. Könnte man fast Mitleid mit ihm haben, wenn nicht gleichzeitig sein Ego bis zum Himmel reichen würde: Ich habe MEHR gearbeitet als sie alle! Paulus ist wirklich kein Typ, mit dem man gerne einen Diskussion führt. Er war wohl eher von jener Sorte, wie sie heute bei Anne Will oder Frank Plasberg sitzen, ständig anderen ins Wort fallen, keinen Millimeter von ihrem Standpunkt abrücken und ganz groß auf ihrer Stirn geschrieben haben: „ICH HABE RECHT!“ Nur geht ein Paulus den entscheidenden Schritt weiter. Auf seiner Stirn steht: „ICH HABE RECHT, weil es in der BIBEL steht, weil es GOTT mir selbst gesagt hat, weil ich IM AUFTRAG DES ALLMÄCHTIGEN rede und handle.“ Damals wie heute, sollte man die Füße in die Hände nehmen und weit weglaufen von solchen „Menschenfischern“. Es geht ihnen nicht um Gott, es geht ihnen nicht um ihre Schäflein, es geht ihnen einzig um ihr eigenes schwaches Ego, das sie aufblähen durch die Menge derer, die ihnen folgen. Ich hatte das Vergnügen solches zu erleben….