Aphorismus #998

Wort zum Sonntag #93

Warum ich kein Christ bin – Teil VIII

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

8. Jesus von Nazareth – eine Erfolgsgeschichte?

Ob jemand Erfolg mit dem hatte, was er wollte, was er sagte und was er tat, sieht man so richtig erst nach seinem Ableben. Bei Jesus von Nazareth ist das nicht anders. Allerdings klaffen zwischen dem, was die Kirchen als seinen und ihren Erfolg verbuchen, und dem, was Jesus tatsächlich erreichen wollte, riesige Lücken. So wie durch die vorgebliche Auferstehung die Hinrichtung und damit das Scheitern des Nazareners seitens seiner Anhänger zu einem Sieg umgedeutet wurde, so machten sie es im Laufe der Jahrhunderte mit fast allem, was der galiläische Wanderprediger Jesus tatsächlich erreichen wollte. Wer es schafft die Hinrichtung eines religiösen Aufrührers mit wirrer apokalyptischer Botschaft dank Auferstehungsgeschichte als Erfolg umzudeuten, der hat keine Hemmungen nahezu jedes Wort umzudrehen, bis es in den eigenen ideologischen und politischen Intentionen dienlich ist.  Hier möchte ich an ein paar Beispielen jenseits christlicher Tradition und gläubiger Schönfärberei das aufzeigen, was Jesus anstrebte und predigte und was dem tatsächlich folgte. Getreu dem Motto: Jesus verkündete das Reich Gottes, gekommen ist die Kirche. (Alfred Loisy) Ich stelle dazu Zitate aus dem Neuen Testament, die von Jesus stammten oder ihm in den Mund gelegt wurden, dem gegenüber, was sich daraus entwickelte.

Aphorismus #892

Wort zum Sonntag #76

Gott heilt- vom Plattfuß bis zum Hirntumor!

Das behaupten jedenfalls lauthals die besonders eifrig Frommen innerhalb und außerhalb der Kirchen. Laut ihren Erzählungen können Lahme wieder gehen, Blinde sehen, Krebs verschwindet, ja sogar Tote wachen wieder auf! WOW! Die Ärzte könnten einpacken, wenn dies alles so zutreffen würde, wie behauptet und geglaubt wird. Hier ein paar Zitate aus einer ganz nüchternen, wissenschaftlichen Betrachtung zum Thema „Faith Healing„. Es geht dabei zwar in erster Linie um eine Kirche in den USA, aber bei den allermeisten Evangelikalen und Fundamentalisten, besonders bei den Charismatikern und Pfingstlern gehört bei allen einzelnen Unterschieden der Glaube an Wunder durch Gebet, Heilung durch Handauflegen und ähnliche Praktiken zum gemeinsamen Glaubenskanon. Die Kritik an einer Kirche ist darum sehr wohl generalisierbar: Sie glauben, dass ihr Glaube und ihr Gebet heilen kann, sie sind der festen Überzeugung, dass Gott eingreift und gesund macht. Und sie alle haben viele Beispiele zur Hand, die das belegen … sollen. Wenn es danach ginge, dürfte eigentlich niemand mehr krank sein. Aber die Realität sieht bekanntlich ganz anders aus:

Hilft Beten gegen Plattfüße?

… a patient who believed his flat feet would be healed (bones would crack and form an arch). Healers poked him, blew a shofar at his feet, and covered him with a blanket when he collapsed on the floor. When he got up, his feet were unchanged. But „his faith was not shaken, he said, because he felt so loved and maybe the physical healing was secondary to the spiritual experience he had.“

Nicht wirklich ein Alternative…

Den Comic in groß gibt es beim Klick auf’s Bild!

„Stehe auf, nimm dein Bett und wandle“ (Markus 2, 9)- und das möglichst publikumswirksam!  Aber was kommt danach?

There are many, many similar reports where follow-up found the patients still just as sick or worse off. Patients who “get up and walk” may not be healed. In one unfortunate case a woman was encouraged to get up out of her wheelchair and discard her braces at church. The faith healer proclaimed her “healed.” Unfortunately her cancer of the spine had weakened her bones, and the activity caused bones in her spine to collapse; she died not long after. The faith healing hastened her death and caused her unnecessary agony. For the faith healer and the witnesses at church and for the patient herself that day, it appeared to be a miraculous healing: they couldn’t have been more wrong! Incidentally, many of the faith healing patients who get up out of a wheelchair and walk had actually walked into church and had been offered wheelchairs they didn’t really need.

Beten, das ist billiger und wirksamer als jede Chemo-Therapie und hilft garantiert! Oder etwa nicht?

The explanations for most alleged cancer cures are: The patient never had cancer. (Was a biopsy done?) A cancer was cured or put into remission by proven therapy, but questionable therapy was also used and erroneously credited for the beneficial result. The cancer is progressing but is erroneously represented as slowed or cured. The patient has died as a result of the cancer (or is lost to follow-up) but is represented as cured. The patient had a spontaneous remission (very rare) or slow-growing cancer that is publicized as a cure.

Zombie-Alarm, oder doch nur ein Irrtum vom Amt?

One patient began to move shortly after she was declared dead, and she made a full recovery. This is uncritically accepted as a triumph of prayer and faith healing, without even considering other possible explanations. Which is more likely: that the doctor who declared her dead made a mistake or that a dead person returned to life? I know which I would bet on.

Glaube vollbringt Wunder- allerdings nur in den Augen der Gläubigen!

These faith healings are never documented properly or investigated, because the people involved want to believe, need to believe. If you challenge the pastor to participate in a formal study to establish that these healings are really occurring, you will get lots of rationalizations and backpedalling with no understanding of how science can go about testing for the truth of a claim. They have no interest in finding out if the healing is “real” because they already “know” it is real for them.

faith healing cartoon Pictures, Images and Photos

Was lernen wir daraus?

Faith healing can comfort, but it can also cause suffering if patients believe a failure to heal was their fault due to insufficient faith. It can be deadly when patients are led to believe they don’t need conventional medical treatment.

Der ganze Artikel sei nicht nur dem Skeptiker, sondern vor allem auch dem Gläubigen empfohlen: Kritisches Denken kann nicht schaden. 😉

Aphorismus #773

Wort zum Sonntag #60

Warum ich kein Christ bin – Teil V

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Tei VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

5. Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

5.1. Am Anfang war das Wort? Von wegen!

Das Wort, der Logos am Anfang? Vor allem anderen? Nichts weniger als das will das Johannesevangelium seinen Lesern weismachen:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.  In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Johannes 1, 1- 5

Was da der unbekannte Verfasser Ende des 1. Jhd. n.d.Z. (nicht nur) am Anfang seines Evangeliums treibt ist Etikettenschwindel. Es ist die schamlose Usurpation des philosophischen Begriffs logos von einem, der von logos, von Logik, von Vernunft und Philosophie außer ein paar aufgeklaubten Brocken keinen Dunst hatte. Seitdem sind christliche Theologen immer wieder so verfahren: Man höre auf den Zeitgeist, nehme bestimmte Stichwörter auf, deute sie im eigenen Sinn um und schon kann man behaupten, dass Gott/ Jesus/ die Kirche die eigentliche „Erfüllung“ des menschlichen Fragens sei. Solches geschah z.B. auch bei Begriffen wie Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden, Sinn… Und was 2000 Jahren funktionierte wird auch heute noch gerne umgesetzt.
Am Anfang war auch nicht die Tat, wie es Goethe seinem Alter Ego Faust in den Mund legte, am Anfang des Christentums wie jeder Religion steht der Mythos. Was sonst. Am Anfang jedes Glaubenssystems steht ein Gründungs-, Erwählungs- oder Schöpfungsmythos. Der älteste uns überlieferte religiöse Mythos findet sich im Gilgamesch-Epos, das dabei in seiner Weise den Menschen als „noch nicht festgestelltes Tier“ (Nietzsche) sieht. In der hebräischen Bibel, dem Tenach ist der Gründungsmythos nicht eine der beiden Schöpfungsgeschichten- die sind weit später entstanden!-, sondern die „wundersame“ Errettung der Hebräer vor den Ägyptern durch Jahwe am Schilfmeer (2. Mose 14). Aus diesem Mythos leitet sich die besondere Beziehung Israels zu Jahwe als „erwähltes“ Volk und die Jahwes zu „seinem“ Volk als Gesetzgeber, König, Richter und Retter ab. Je mehr jedoch Israel in seiner Geschichte mit anderen Völkern in Kontakt kam, je mehr es auf der Bühne der Weltgeschichte auftauchte, und es mehr und mehr andere Götter und Religionen kennen lernte, desto exklusiver wurde Jahwes Anspruch: So lange bis aus dem Wüstengott eines kleinen nomadischen Clans der Schöpfer des Himmels und der Erde wurde. Was für eine Karriere! Israel hatte in den vielen Krisen seiner Geschichte ganz gewaltig damit zu kämpfen, dass die Welt und ihre Geschicke sich so ganz anders verhielten als es die Schriften des Moses und der Propheten (vorher)-sagten. Die Lösung war in den seltensten Fällen jedoch eine echte Auseinandersetzung und Diskussion auf (religions-)philosophischer Ebene, wie sie z.B, hinter dem Projekt der Septuaginta, der Übersetzung des Tenach ins Griechische, stand. Die immer wieder erfolgte „Lösung“  des Auseinanderklaffens von erlebter Realität und geglaubtem Mythos war die vollkommene Unterordnung ersterer unter den Mythos mit anschließender Neuinterpretation und Neubewertung. Am deutlichsten wird dies in der Apokalyptik wie z..B. im Buch Daniel: Da hängen die Geschicke nicht nur Israels, sondern der ganzen Menschheit am Handeln eines Erwählten, an seinem Glauben und seinem Festhalten an Jahwe. An diesem Punkt hat das Neue Testament weitergemacht und sich immer weiter vom alttestamentarischen Schilfmeer-Mythos entfernt, bis man schließlich Israel den Rang als Volk Gottes streitig machen konnte. An die Stelle des ursprünglichen Erwählungsmythos tritt spätestens mit Paulus „das Wort vom Kreuz“ (1. Kor 1, 18). Dieser neutestamentliche Erwählungs-Mythos zerfällt in drei Teile*:

  • Jesus tut Wunder und predigt das Reich Gottes
  • Jesus stirbt am Kreuz für die Sünden der Welt
  • Jesus wird von seinem Vater am dritten Tage auferweckt

Wer sich taufen lässt und bekennt: „Kyrios Jesus! – Jesus ist der Herr!“, der   partizipiert an diesem neuen Erwählungsmythos, der ist „gerettet“ und wird einst von den Toten auferstehen zum Heil. Es bedarf nicht wirklich viel Überlegung, um zu erkennen, dass dies ein Mythos ist und ganz bestimmt kein Logos, kein vernünftiges, diskutables und falsifizierbares Wort:

  • Das Reich Gottes haben vor Jesus, zu seiner Zeit und nach ihm unzählige andere gepredigt. Auch selbst ernannte Wundertäter gab es damals so viele, als dass man keinem von ihnen hätte  Glauben schenken müssen.
  • Dass Jesu ganz gewöhnlicher Tod am Kreuz- gewöhnlich für einen des Aufruhrs Bezichtigten!- etwas besonderes war, wird auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer. Es ist Interpretation, nicht Tatsache. Das Leben des Brian ist auch eine Interpretation der Evangelien, eine besonders gelungene zudem. Vielleicht enthält der Film ja mehr „Wahrheit“ als die zahllosen Auslegungen aller Theologen zusammen.
  • Auch die Auferstehung ist nur Behauptung. Sie ist ohne Belege außerhalb der Reihen der Gläubigen, die eine Begegnung mit Jesus behaupteten. Und deren Geschichten sind alles andere als konsistent und glaubhaft. Wer glaubt taugt wenig als unvoreingenommener Zeuge für das von ihm Geglaubte…

Ich weiß, dass sich Gläubige durch Fakten und Zweifel nicht wirklich beeindrucken lassen. Nebbich. Wenn jedoch wie seit Johannes üblich der Mythos, die Widervernunft eines sterbenden Gottessohnes zum Logos, zur wahren Vernunft, zum Maß aller Dinge in allen Lebensbereichen erhoben wird, dann wird eine lächerliche Legende zu einem Gift, das nach 2000 Jahren Christentum noch immer seine verheerende Wirkung zeigt. Nicht Wissenschaft und Gesellschaft, nicht Moral und Politik haben sich dem Gründungsmythos irgendeiner Religion unterzuordnen sondern umgekehrt. Wenn es Christentum, Islam & Co. nicht passt, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben, dann muss ich mit dem alten Spruch meiner Eltern nach ergebnisloser politischer Diskussion antworten: „Geht doch rüber, wenn’s euch nicht passt!“ O.K. früher war das einfacher, da musste man nur in die DDR…
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* Der vierte Teil des Mythos, die „Menschwerdung Gottes“, wie sie die Weihnachtsgeschichten andeuten, kommt erst später dazu. in der Auseinandersetzung mit der Apotheose der römischen Kaiser.

Aphorismus # 570

Wort zum Sonntag #31

Verfolgte Unschuld

Die „kleine Herde“, die „geringe Schar“, die „wenigen Auserwählten“, das ach so überschaubare Volk Gottes- seit seinen Anfängen tituliert sich das Christentum so und gefällt sich in diesem simplen Weltbild: Auf der einen Seite die wenigen von Gott höchstpersönlich Auserwählten, die den Versuchungen der bösen Welt trotzen , die den „schmalen Pfad“, der zum Heil führt, gehen; auf der anderen Seite der ganze Rest der Welt. Und die geht nun mal den Bach runter. Seit mindestens 2000 Jahren und wird es die nächsten 1000 Jahre auch tun, wenn nicht ein Wunder geschieht und das Reich Gottes, von dem Jesus dachte, morgen würde es kommen, endlich kommt. Aber letzteres ist bestimmt nicht zu befürchten, denn 2000 Jahre Ausbleiben sind genug Widerlegung des apokalyptischen Weltbilds.
Dass solches Denken in den Kopf steigt, ist klar. Was muss man doch für ein toller Hecht sein, dass der liebe Gott einen aus dem baldigen Gericht rettet und Millionen andere nicht! So sagt das natürlich niemand, da wird viel von Gnade, Demut und den unbegreiflichen göttlichen Ratschlüssen salbadert, aber im Kern ist es so. Wer sich von Gott auserwählt wähnt, dessen Ego ist so groß wie der Petersdom. Mindestens. Die einen verbergen es hinter liturgischen Gewändern, die anderen hinter frommen Gefasel und andere hinter ihren „Taten der Nächstenliebe“. Wehe, wehe man zeiht sie unlauterer Motive, indem man ihnen den Spiegel vorhält vor ihr aufgeblasenes Ich. Oh, ja. Fromme fluchen nicht, die verfluchen lieber. Selbstbild und Realität klaffen mehr oder weniger bei jedem Menschen auseinander, aber nur religiöser Glaube schafft es, dies zum System zu machen. Ein System, das im Christentum zum Dogma erhoben ist, dem Dogma der verfolgten Unschuld. In diesem Wort zum Sonntag geht es um die hartnäckige und unausrottbare christliche Lüge, dass der Gläubige mehr oder weniger immer auf der „Abschussliste“ der bösen bösen Welt steht.

Aphorismus #500

Wort zum Sonntag #21

Von Hexen, sprechenden Toten und anderen Ungeheuerlichkeiten

1. Samuel 28, 7ff

7 Da sprach Saul zu seinen Getreuen: Sucht mir eine Frau, die Tote beschwören kann, dass ich zu ihr gehe und sie befrage. Seine Männer sprachen zu ihm: Siehe, in En-Dor ist eine Frau, die kann Tote beschwören. 8 Und Saul machte sich unkenntlich und zog andere Kleider an und ging hin und zwei Männer mit ihm und sie kamen bei Nacht zu der Frau.

Aufgeklärte Kirchenleute machen uns gerne weiß, dass der Glaube an Hexen, Séancen, Gesprächen mit den Toten und anderer Unsinn nichts mit dem Christentum oder der Bibel zu tun habe. Das sei mittelalterliche Verirrung und dem Zeitgeist geschuldeter Wahnglaube. Schön wär’s. Ist es aber nicht. In einer für die Davids-Tradition zerntralen Stellen wird diese merkwürdige Geschichte erzählt: König Saul von Gott und allen guten Geistern verlassen besucht eine Wahrsagerin, die „Hexe von En-dor“.  Weil sein Hausprophet Samuel final abgetreten ist, und er so der göttlichen Einflüsterungen verlustig ging, versucht er es auf den inoffiziellen Weg: bei einer Totenbeschwörerin. Der Weg von den Weisungen des Herrn, von persönlichen Offenbarungen, von der inneren Gewissheit durchs Gebet zu einer stinknormalen Séance und anderem esoterischen Unsinn war schon immer kurz. Der Mensch möchte nun mal gerne wissen, was auf ihn zukommt. Da können alle möglichen Scharlatane ein gutes Geschäft damit machen. Ob Tarot-Hotline, Wahrsage-Sendungen, sündhaft teure persönliche Horoskope, Channeling, Kontakte mit Engeln oder wie der Blödsinn auch noch heißen mag: Mensch ist versucht noch dem dümmsten Geraune Glauben zu schenken, wenn es denn nur verspricht ein klein wenig den Schleier, der auf der Zukunft liegt, ein wenig zu lüpfen. Auf jeden Fall ist es ein gutes Geschäft. Damals wie heute. Und offiziell wird es natürlich von den Kirchen verpönt und verteufelt. Und das vor allem aus finanziellen Gründen. Wer zum „Lebensberater“ geht, der hat kein Geld mehr für die nächste Kollekte. Wer sich meditativ in höchste Sphären versteigt, den lässt die wöchentliche Opferung des Heilands in der Messe kalt. Die Kirchenoberen  haben nicht deswegen etwas gegen den ganzen Esoterik-Markt, gegen die zahllosen Sekten und Kulte, die dem Leichtgläubigen das Blaue vom Himmel versprechen, nein! Sie sind nicht aus Sorge um ihre Schäfchen dagegen, sondern wegen der ausfallenden Spenden und Kirchensteuern. Deswegen gibt es die diversen „Weltanschauungs- und Sektenbeauftragten“. Beratungs- und Forschungsstellen: nicht wegen der verlorenen  Schäflein an sich, sondern wegen der ausbleibenden Scherflein. Da läppert sich nämlich mit der Zeit gewaltig etwas zusammen. Wenn die Kirchen mal wieder bei irgendetwas Alarm schlagen, seien es „Psychosekten“, die Verführung der Jugend oder bedenklicher Seelenfänger, so mag dies sachlich absolut korrekt sein, doch darf man nicht vergessen, dass sie nahezu dasselbe tun, und das natürlich voll in Ordnung ist: Seelenfängerei, Verführung der Jugend, Abhängig-Machen usf.

Aphorismus #430

Wort zum Sonntag #11

Noch mal zum Nachlesen: Islam in 30 Sekunden

  • Glaube an einen Gott, der allmächtig ist, der Schöpfer, Lenker und Herrscher des ganzen Universums
  • Er hat die Menschen erschaffen, damit sie ihm dienen
  • Er hat Gesandte und Bücher geschickt:Wer an die Gesandten glaubt und den Büchern folgt, wird ins Paradies gehen
  • Wer nicht, wird in die Hölle gehen
  • Der letzte Bote Gottes: Mohammed mit dem Koran, der letzten Botschaft Gottes
  • Das hast du zu glauben

Pierre Vogel, der Meister dieser 30 Sekunden, ist Konvertit und Prediger eines reaktionären aber nicht als aggressiv bekannten Spielart des Islam, auch mit dem entsprechenden Frauenbild. Ziel seiner Arbeit ist es, möglichst viele vor allem junge Menschen zu Allah zu bekehren, ein islamischer Erweckungsprediger also.  Auch wenn für manchen sein „Islam in 30 Sekunden“ die Sache total verkürzen mag, hat diese Darstellung doch den Vorteil, dass sie die zentralen Punkte eines orthodoxen Islam auf den Punkt bringt, und dies jenseits des üblichen 5 Säulen-Geblubbers, das nur den äußeren Kultus beschreibt und kaum den Inhalt. Zudem lässt sich an seinem Verhalten und seinen Worten sehr schön nicht nur die „Psychopathologie“ eines islamischen Erweckungspredigers erkennen, sondern auch die seiner christlichen Kollegen: die Strukturen sind gleich, nur die Etiketten sind andere.

Soweit das Vorspiel, kommen wir zum Eigentlichen, dem 30-Sekunden-Islam.

Aphorismus #416

Wort zum Sonntag #9

Denn auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.

1.Petrus 3, 18-20

Es gibt Probleme und Fragen, mit denen schlagen sich nur Gläubige herum, für alle anderen sind diese schlicht nicht existent oder völlig daneben. Auf christlicher Seite sind dies Fragen wie z.B.:

  • Was machte Gott bevor er die Welt erschuf (also nach Kreationistenlesart so vor ca. 10.000 Jahren!)?
  • Warum ruhte sich Gott nach der Erschaffung von allem am 7. Tag aus, wo er doch allmächtig ist und definitiv ALLES kann? Kann er wirklich müde werden?
  • Wie viele Engel passen auf eine Nadelspitze?
  • Was ist, wenn eine Maus eine geweihte Hostie frisst?
  • Dürfen Frauen Priesterinnen werden?
  • Warum hat sich Jesus schon 2.000 Jahre Zeit gelassen mit seiner Wiederkunft?
  • Und warum unternimmt er nichts gegen Musikantenstadl, DSDS und andere Volksverblödungseinrichtungen?

Eine dieser hoffnungslos intelligenten Fragen wird im obigen Text im Namen des Petrus* von einem unbekannten Gemeindeleiter nicht vor 90 n.d.Z. beantwortet:

  • Was hat Jesus in den drei Tagen zwischen Kreuzigung und Auferstehung gemacht?
  • War er da ganz tot, war er im Himmel oder hat er einfach „geschlafen“?
  • Hatte er da eine besondere Aufgabe?
  • Oder musste Jesus ganz einfach auf seinen Körper 2.0 warten, udn die Engel hatten Probleme bei der Produktion?

Fragen, die bis auf die letzte einem Christen sinnvoll erscheinen, die jeden Atheisten bestenfalls schmunzeln meist aber den Kopf schütteln lassen: Wie bescheuert muss jemand sein, dass er  sich mit so was beschäftigt? Als wenn es nicht 1000 wichtigere Dinge auf der Welt gäbe!
Nun zur hochoffiziellen Antwort der Bibel, zwar nicht von Petrus, aber wenigstens von einem, der so tat als ob:

Jesus war im Totenreich, und wo ist das? -Klar unten! Da sind sie schließlich beerdigt, die Toten. Besonders haben es „Petrus“ die Toten der Sintflut angetan. Und während sie so vor sich hingammeln, kommt 2334 Jahre** später Jesus und hat nichts besseres zu tun, als sie anzupredigen! Nicht dass sie seinerzeit einer jener unsäglichen göttlichen Kollektivstrafen zum Opfer fielen, mit Mann und Maus, mit Kindern, Haustieren und allem sonst (Genesis 6)! Nicht dass sie in einem nirgends definierten Zwischenreich (Die Hölle und andere ausgefallene Quälereien gab es nur im Volksglauben und von da aus auch unter den Christen!) herumlungerten! Nicht dass sie alles Recht der Welt hatten tierisch auf so einen Sadisten namens Gott sauer zu sein! Nein! Diesem Gott reichte das nicht! Da musste sein Sohn ran, drei Tage von Freitag Nachmittags bis Sonntag Morgen zu ihnen kommen und ihnen die Leviten lesen! Und die Krönung war der Inhalt dieser Rede: Er sei für ihre Sünden gestorben! – Wie bitte? „Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten…“ Wer hat gelitten?Wer ist ersäuft worden wie eine räudige Katze? Wer hat 2334 lange Jahre in der Halbwelt des Totenreichs vor sich hingebrütet? Wer hatte alle Zeit der Welt nachzudenken über seine echten oder ausgedachten Sünden?
Sorry, aber von Psychologie hat dieser Pseudo-Petrus so viel Ahnung wie eine Stubenfliege von Goethe!
Wenn das alles wirklich so statt gefunden hätte, was es natürlich nicht tat, dann wäre die einzig logische und richtige Reaktion der Toten der Sintflut gewesen, dem Sohn Gottes gehörig die Meinung zu geigen, oder gleich noch mal ans metaphysische Kreuz zu schlagen. Verdient hätte er es. Genauso verdient wie sein launischer Vater, der mal so eine Welt macht, und dann. weil ihm seine eigenen Geschöpfe (!) nicht mehr passen, sie wieder zu Klump macht. Wie das kleine Kind, dem beim Spielen ein Sandkuchen misslingt und aus Wut gleich alle zertrampelt.
Sollte man so einen „Gott“ ernst nehmen?
Sollte man so einen „Petrusbrief“ ernst nehmen?
Sollte man so eine „Heilige Schrift“ ernst nehmen?
Sollte man so einen „Heilslehre“ und so einen Glauben ernst nehmen?

Außer einem klaren NEIN! fällt mir nichts sonst dazu ein.

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* Pseudepigraphisch nennt sich so was in derLioteraturwissenschaft. Etwas böser könnte man von  „false flag“!- Segeln unter falscher Flagge- sprechen. Kaum eines der biblischen Bücher im Alten wie im Neuen Testament ist tatsächlich von demjenigen verfasst, den es als Autor vorgibt. Angefangen bei den 5 Büchern Moses, die von allen möglichen Leuten stammen, nur von einem garantiert nicht: von Moses. Sogar seine Existenz an sich ist zweifelhaft, wie könnte er da die Thora verfassen? Richtig fertig geworden sind diese ersten Bücher der Bibel erst 1.000 Jahre später als die abgehandelten Geschichten, wenn, ja wenn sie denn passiert wären…
Weitere schöne Beispiele für „gläubig-kreativen“ Umgang mit den Tatsachen sind im AT die zahllosen Psalmen im Namen Davids, drei biblische Bücher im Namen Salomos: die Weisheit, der Prediger (Kohelet) und das Hohe Lied. Im NT natürlich vorneweg die Evangelien: da ist keines von einem derer geschrieben, die dabei waren: Augen- und Ohrenzeugen sind was anderes. Vor keinem Gericht der Welt haben solche „Zeugen“ Bestand! Aber weil es um heilige Scheiße Schriften geht, dann, ja dann ist alles genau so passiert. Dass das am Anfang und am Ende nicht sein kann, habe ich in meinem Weihnachtsmärchen und dem vom Osterhasen aufgezeigt. Aber wie immer: an Gläubigen perlt alle Kritik und jeder Einwand ab wie Wasser von einem sauberen Auto.

** Das ist so bescheuert, das glaubt mir sonst keiner. Hier die kreationistische Antwort:
„Genesis 11:10 tells us that Shem was 100 years old, 2 years after the Flood had finished. When was Noah’s Flood? 1,981 years to AD 0 plus 967 years to the founding of Solomon’s Temple plus 480 years to the end of the Exodus plus 430 years to the promise to Abraham plus 75 years to Abraham’s birth plus 350 years to Shem’s 100th birthday plus 2 years to the Flood. The Biblical data places the Flood at 2304 BC +/- 11 years.“