Hellsichtig

Hat doch heute – nach schlappen 2000 bis 4000 Jahren – sogar das Pflicht-Blatt der Hochintelligenz, unsere geliebte BILD gemerkt, dass die Sache mit den Sternzeichen so eine Sache ist, nämlich, dass die Erde unterschiedlich lange  die verschiedenen Sternzeichen (zwischen 6 und 47 Tagen) durchwandert und dass es ursprünglich sogar ein 13. Zeichen gab: den Schlangenträger. – Das 14. und wichtigste Sternzeichen, der Volltrottel, fällt aber auch diesmal unter den Tisch. Der Volltrottel zeichnet sich durch eine ganz besondere Eigenschaft aus: Er sitzt vor der Zeitung, liest das Horoskop und glaubt es.

Dass es keine 2000 Jahre braucht, um einen selbst ernannten Hellseher als Lügner zu entlarven, beweist dieses kurze Video.

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der zuschlägt!

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Staatsbürgerkunde Anno 2010

Undemokratisch ist:

Wenn in Stuttgart, Gorleben, Berlin und anderswo Bürger auf die Straße gehen und gegen die herrschende Politik demonstrieren.

Demokratisch ist:

Wenn in Leipzig, Dresden und anderswo Bürger auf die Straße gehen und rufen: „Wir sind das Volk!“

Undemokratisch ist:

Wenn das Zentralkomitee der SED Beschlüsse fasst und Gesetze macht, ohne die Betroffenen zu fragen und ohne Rücksicht auf Verluste.

Demokratisch ist:

Wenn zwischen Regierung und Industrie abgekartet wird, was anschließend durchgesetzt wird, ohne die Betroffenen zu fragen und ohne Rücksicht auf Verluste.

Undemokratisch ist:

Wenn es bei Wahlen nur „Einheitslisten“ mit dem ZK genehmen Kandidaten gibt: eine einzige große Wahl-Farce.

Demokratisch ist:

Wenn Parteien nur dann regierungsfähig sind, wenn sie sagen und umsetzen, was das Kapital will: eine fortgesetzte große Wahl-Farce.

Undemokratisch ist:

Wenn die Stasi das Volk großflächig bespitzelt und über Hinz und Kunz Akten anlegt.

Demokratisch ist:

Wenn- Antiterrorgesetze und TK-Überwachung sei dank!- Polizei und Verfassungsschutz das Volk großflächig bespitzeln und über Hinz und Kunz Akten anlegen.

Undemokratisch ist:

Wenn es nur zwei Fernsehprogramme gibt, die in den Nachrichten, Magazinen und Reportagen dasselbe sagen: das, was die SED will.

Demokratisch ist:

Wenn es hunderte Fernsehprogramme gibt, die in Nachrichten, Magazinen, Reportagen und Talk-Runden immer dasselbe sagen: das, was das Kapital will.

Undemokratisch ist:

Wenn alle Zeitungen gleichgeschaltet sind und nur schreiben, was den Herrschenden genehm ist.

Demokratisch ist:

Wenn es viele Zeitungen gibt, die alle jedoch nur schreiben, was die Verleger wollen.

Undemokratisch ist:

Wenn also die Medien nur, verbreiten, was sie verbreiten dürfen: Die Partei hat immer Recht!

Demokratisch ist:

Wenn Parteien und Regierungen das sagen und umsetzen, was ihnen BILD, SPIEGEL, Bertelsmann und Burda diktieren.

Undemokratisch ist:

Wenn es einen Mindestlohn gibt, dank dessen keiner hungern oder frieren muss.

Demokratisch ist:

Wenn rund 14% der Bevölkerung arm sind.

Undemokratisch ist:

Wenn Grundnahrungsmittel, Bus- und Zugfahrkarten, Mieten, Kultur- und Freizeitveranstaltungen etc. subventioniert sind, und sich diese jeder leisten kann.

Demokratisch ist:

Wenn sich viele Menschen zwar (noch) das Nötigste leisten können, aber wegen teurer Mobilität, fehlendem Zugang zu Bildung und Kultur abgekoppelt vom Rest leben müssen.

Undemokratisch ist:

Wenn man auf ein Auto 12 Jahre warten muss.

Demokratisch ist:

Wenn man kein Geld hat, sich ein Auto zu leisten, selbst wenn man 12 Jahre spart.

Ist doch schön, dass wir in einer Demokratie leben!

Aphorismus #665

Solange die Regierung das Recht auf Kinder als Recht auf beliebig viel öffentlich zu finanzierenden Nachwuchs auslegt, werden Frauen der Unterschicht ihre Schwangerschaften als Kapital ansehen.

Zynischer geht es kaum, was da der Emeritus (ehemals Lehrstuhl für Sozialpädagogik[!] der Universität Bremen) Dr. Gunnar Heinsohn in dem Artikel „Sozialhilfe auf fünf Jahre begrenzen“ in der FAZ von sich absonderte. Das ist nicht nur komplett falsch, das zeigt nicht nur die Arroganz der Oberschicht, es ist auch eine neue Qualitätsstufe des Klassenkampfes von oben.

Kinder kriegen, um es selbst besser zu haben???
Platter geht es nicht.
Müssen also im Sinn des Herrn Professor in Zukunft Hartz IV EmpfängerInnen einen Kinderzeugungserlaubnisschein bei ihrer ARGE abholen, bevor sie poppen? Und was ist, wenn das Kontingent erschöpft ist?
Was erdreistet sich dieser [ZENSUR], so mit dem Leben anderer Menschen umspringen zu wollen, sie so zu verachten und einen Habitus an den Tag zu legen, der seinem Engagement beim „Raphael – Lemkin – Institut für Xenophobie- und Genozidforschung“ Hohn spricht. Aber die Beschäftigung mit Akteanophobie, der Furcht vor den Armen (eine Neuschöpfung von mir)  oder Misoptochie (μισόπτωχος = Hass gegen Bettler / Arme) gehört leider nicht zum Forschungsbereich des Instituts.

Aphorismus #575

Ich glaube, dass der Journalismus nicht mehr so gründlich, so gut und so selbstbewusst ist, wie er sein müsste, um die Menschen zu begeistern.

Das sagt Springer-Chef Mathias Döpfner lt. eines aktuellen Artikels des Manger-Magazins
Was für eine Chuzpe! Was für eine Heuchlei! Würde er nur ein Wort davon ernst meinen, müsste er seinen ganzen Laden dicht machen, und vorneweg das Drecksblatt BILD einstampfen. Aber er meint nicht sein Haus, sondern den ach so bösen- weil kostenlosen- Web-Journalismus. Das war sogar dem Spiegel zu viel!

Aphorismus #387

Ein Staat, der tagtäglich unerwünschte Ausländer in die Armutszonen der Welt abschieben lässt und die übrigen misstrauisch ob ihrer Deutschlandkompatibilität beäugt, macht sich mit noch so vielen „Bunt statt braun“- und „Friedliches Miteinander“-Appellen nicht glaubwürdiger im Kampf gegen Rassismus.

Svenna Triebler in dem Artikel „Ruhe und Ordnung“ in konkret 6/2009

Bild via link

Was tun? – Part 3

War der erste Teil ein wütender Rückblick auf den Weg der SPD, die im 19. Jhd. als sozialistische Partei begann und im 21. Jhd. als Kleinkoalitionär der Christdemokraten ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichte; so handelte der zweite Teil von der Fehlinterpretation der Marxschen Theorie als „Ökonomismus„, d.h. als Erklärung von allem und jedem ausschließlich aus den ökonomischen Beziehungen von Einzelnen, Gruppen und Völkern nicht nur durch die neoliberalen Gegner, sondern auch durch so manche Linke; so soll es in diesem dritten Teil um einen Aspekt des allgemeinen politischen Klimas inklusive des linken gehen, der m.E. sehr starke Auswirkungen hat, wie es angesichts der aktuellen Krise des Kapitalismus und seines selbst erzeugten Siechtums weitergehen kann. Er handelt von der überhand nehmenden Emotionalisierung aller Lebensbereiche seitens der Medien und die Folgen für linke Politik.

Also: Was tun…? Die dritte!