Aphorismus #1021

Wir leben in einer Gesellschaft, deren Plage die Rückkehr der Religionen ist.

Salman Rushdie, zitiert nach einem lesenswerten Artikel im ND

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Aphorismus #998

Wort zum Sonntag #93

Warum ich kein Christ bin – Teil VIII

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

8. Jesus von Nazareth – eine Erfolgsgeschichte?

Ob jemand Erfolg mit dem hatte, was er wollte, was er sagte und was er tat, sieht man so richtig erst nach seinem Ableben. Bei Jesus von Nazareth ist das nicht anders. Allerdings klaffen zwischen dem, was die Kirchen als seinen und ihren Erfolg verbuchen, und dem, was Jesus tatsächlich erreichen wollte, riesige Lücken. So wie durch die vorgebliche Auferstehung die Hinrichtung und damit das Scheitern des Nazareners seitens seiner Anhänger zu einem Sieg umgedeutet wurde, so machten sie es im Laufe der Jahrhunderte mit fast allem, was der galiläische Wanderprediger Jesus tatsächlich erreichen wollte. Wer es schafft die Hinrichtung eines religiösen Aufrührers mit wirrer apokalyptischer Botschaft dank Auferstehungsgeschichte als Erfolg umzudeuten, der hat keine Hemmungen nahezu jedes Wort umzudrehen, bis es in den eigenen ideologischen und politischen Intentionen dienlich ist.  Hier möchte ich an ein paar Beispielen jenseits christlicher Tradition und gläubiger Schönfärberei das aufzeigen, was Jesus anstrebte und predigte und was dem tatsächlich folgte. Getreu dem Motto: Jesus verkündete das Reich Gottes, gekommen ist die Kirche. (Alfred Loisy) Ich stelle dazu Zitate aus dem Neuen Testament, die von Jesus stammten oder ihm in den Mund gelegt wurden, dem gegenüber, was sich daraus entwickelte.

Aphorismus #996

Wort zum Sonntag #92

Christentum als Altertum

Wenn wir eines Sonntag Morgens die alten Glocken brummen hören, da fragen wir uns: ist es nur möglich! dies gilt einem vor zwei Jahrtausenden gekreuzigten Juden, welcher sagte, er sei Gottes Sohn. Der Beweis für eine solche Behauptung fehlt. — Sicherlich ist innerhalb unserer Zeiten die christliche Religion ein aus ferner Vorzeit hereinragendes Altertum, und dass man jene Behauptung glaubt, — während man sonst so streng in der Prüfung von Ansprüchen ist —, ist vielleicht das älteste Stück dieses Erbes. Ein Gott, der mit einem sterblichen Weibe Kinder erzeugt; ein Weiser, der auffordert, nicht mehr zu arbeiten, nicht mehr Gericht zu halten, aber auf die Zeichen des bevorstehenden Weltunterganges zu achten; eine Gerechtigkeit, die den Unschuldigen als stellvertretendes Opfer annimmt; Jemand, der seine jünger sein Blut trinken heißt; Gebete um Wundereingriffe; Sünden an einem Gott verübt, durch einen Gott gebüßt; Furcht vor einem jenseits, zu welchem der Tod die Pforte ist; die Gestalt des Kreuzes als Symbol inmitten einer Zeit, welche die Bestimmung und die Schmach des Kreuzes nicht mehr kennt, — wie schauerlich weht uns dies Alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit, an! Sollte man glauben, dass so Etwas noch geglaubt wird?

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900), Menschliches, Allzumenschliches I – Ein Buch für freie Geister (1878)

Aphorismus #968

Daß wir uns als Christen zusammen fanden, mußte diese Religion, durch unzählige Revolutionen vorbereitet, aus dem Judenthum hervorgehen, mußte sie den römischen Staat genau so finden, als sie ihn fand, um sich mit schnellem siegendem Lauf über die Welt zu verbreiten und den Thron der Cäsarn endlich selbst zu besteigen. Unsre rauhen Vorfahren in den thüringischen Wäldern mußten der Uebermacht der Franken unterliegen, um ihren Glauben anzunehmen. Durch seine wachsenden Reichthümer, durch die Unwissenheit der Völker und durch die Schwäche ihrer Beherrscher mußte der Klerus verführt und begünstigt werden, sein Ansehen zu mißbrauchen, und seine stille Gewissensmacht in ein weltliches Schwerd umzuwandeln.

So fasst Friedrich Schiller (1759 – 1805) in seine Antrittsrede zur Professur in Jena mit dem Titel „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“ die Geschichte des Christentums in den ersten 1500 Jahren zusammen. Mehr braucht man dazu auch nicht zu wissen, nur dass es nicht wirklich besser weiterging und weitergeht.

Aphorismus #943

Wort zum Sonntag #82

Futter für’s Hirn am 4. Advent

Ausführliches Interview mit Richard Dawkins (nicht nur) zu seinem Buch „Die Schöpfungslüge“:

Weiter geht es hier:

Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5

Für alle, die keine Zeit haben:

Wäre das Buch nicht das passende Weihnachtsgeschenk für die nervig fromme Tante? Oder den Onkel? Den Nachbarn ….

Aphorismus #922

Wort zum Sonntag #80

Eine etwas andere Advents-Geschichte

»Und zu guter Letzt«, sagte Max, das Publikum wieder zum Schweigen bringend, und setzte seine feierliche Miene auf, »zu guter Letzt haben wir, glaub ich, heute abend eine Gruppe frommer Gläubiger hier bei uns, sehr andächtige Gläubige von der Kirche der Wiederkehr des Großen Propheten Zarquon.«
Es waren ungefähr zwanzig. Sie saßen rechts außen am Rand des Saales, waren asketisch gekleidet, nippten nervös an ihrem Mineralwasser und hielten sich aus der allgemeinen Fröhlichkeit heraus. Als der Scheinwerfer auf sie gerichtet wurde, blinzelten sie verärgert.
»Da sind sie«, sagte Max, »und sitzen geduldig da. Er hat gesagt, daß er wiederkommt und hat sie lange warten lassen. Also wollen wir hoffen, daß er sich ein bißchen beeilt Leute, denn er hat bloß noch acht Minuten Zeit!«
Die Gruppe der Anhänger Zarquons saß starr da und lehnte es ab, sich von den Wogen hartherzigen Gelächters, die über sie wegfegten, erschüttern zu lassen.
Max bändigte sein Publikum.
»Nein, im Ernst Leute, nichts für ungut, das sollte keine Beleidigung sein. Nein, ich weiß, man sollte sich über tief empfundene Überzeugungen nicht lustig machen, darum bitte einen herzlichen Applaus für den Großen Propheten Zarquon …«
Das Publikum klatschte höflich Beifall.
»… egal, wo er ist!«

Dieses wunderschöne Beispiel für geduldiges Warten von Gläubigen auf die Wiederkunft ihres Propheten – weil er es versprochen hatte – stammt aus Douglas Adams, „Das Restaurant am Ende des Universums“ (Ende Kapitel 18) und spielt tatsächlich kurz vor dem Ende des Universums. Ob die Christenheit auf den Advent ihres Herrn auch so lange warten wird? Aber immerhin haben sie 2000 Jahre schon hinter sich gebracht. Die paar Milliarden die noch folgen werden, sind da ein Klacks.

Aber Douglas Adams wäre nicht er selbst, wenn er da nicht noch eins drauf gesetzt hätte. Der Prophet erscheint tatsächlich, aber wozu?

»Der Himmel beginnt zu kochen!« schrie er [=Max]. »Die Natur stürzt in die gellende Leere! In zwanzig Sekunden ist das Universum am Ende! Und da, das Licht der Unendlichkeit bricht über uns herein!«
Eine entsetzliche Zerstörungswut tobte um sie her – und in dem Moment hörte man leise und zaghaft eine Trompete wie aus unendlicher Ferne tönen. Maxens Blick drehte sich zur Band. Aber keiner schien Trompete zu spielen. Plötzlich erschien flimmernd und wirbelnd ein Rauchwölkchen neben ihm auf der Bühne. Zu der einen Trompete gesellten sich weitere. Über fünfhundertmal hatte Max die Show geleitet, aber sowas war noch nie passiert. Bestürzt zog er sich von dem wirbelnden Rauch zurück, und während er das tat, materialisierte sich darin langsam eine Gestalt, die Gestalt eines uralten bärtigen Mannes in einem langen Gewand, der in Licht gehüllt war. In seinen Augen kreisten Sterne, und auf dem Kopf trug er eine goldene Krone.
»Was ist denn das?« flüsterte Max mit wildem Blick, »was ist denn jetzt tos?«
Ganz hinten im Restaurant sprangen die Leute mit den versteinerten Gesichtern von der Kirche der Wiederkehr des Großen Propheten Zarquon verzückt auf, stimmten Choräle an und schrien.
Max blinkerte verdutzt mit den Augen. Er schleuderte seine Arme in Richtung Publikum.
»Einen herzlichen Applaus, meine Damen und Herren«, brüllte er, »für den Großen Propheten Zarquon! Er ist da! Zarquon ist wiedergekehrt!«
Donnernder Applaus brach los, als Max über die Bühne schritt und dem Propheten das Mikrofon reichte.
Zarquon hustete. Er ließ den Blick durch die versammelte Menge schweifen. Die Sterne in seinen Augen blinkten verlegen. Mit dem Mikrofon wußte er vor Verwirrung nicht wohin.
»Äh …«, sagte er, »hallo. Äh, tja, ich komme leider ein bißchen spät. Habe ’ne gräßliche Zeit hinter mir, alle möglichen Dinge tauchen ja immer erst im letzten Moment auf.«
Die erwartungsvolle, ehrfürchtige Stille schien ihn zu ängstigen. Er räusperte sich.
»Äh, wie steht‘s mit der Zeit?« fragte er. »Ich habe bloß eine Min …«
Und so endete das Universum.

Aphorismus #913

Wort zum Sonntag #79

Blutiger Sieg des Eingottglaubens

Historiker Prof. Dr. Michael Borgolte über die Dominanz von Christentum, Judentum und Islam in der „monotheistischen Weltzone

Die heutige weltweite Dominanz der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ist laut Historikern das Ergebnis blutiger Konflikte im Mittelalter. „Christliche Missionen und arabische Eroberungen haben seit dem frühen Mittelalter andere Religionen, die mehr als eine Gottheit akzeptierten, fast vollständig verdrängt“, sagte der Berliner Mediävist Prof. Dr. Michael Borgolte am Dienstagabend in Münster. Polytheistische Religionen seien meist gewaltsam aus Europa, Vorderasien und in Afrika zurückgedrängt worden, erläuterte er in der Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“. „Danach konnte sich kein Aggressor mehr von außen in diese ‚monotheistische Weltzone‘ festsetzen, der nicht christlich oder muslimisch war oder wurde.“
Anders als die Kultreligionen mit mehreren Göttern hätten Judentum, Christentum und Islam aufgrund ihrer heiligen Bücher und theologischen Lehren eine „dogmatische Religiosität“ entwickelt, sagte Borgolte. „Im Gegensatz zu den Polytheisten konnten den Monotheisten der Glaube und Kult der anderen nicht gleichgültig bleiben, da es für sie nur einen einzigen allmächtigen Gott gibt“, so der Mittelalter-Historiker. „Der Eingottglaube ist in der daraus folgenden aggressiven Bekämpfung von Heiden, Dualisten und Polytheisten für viel Leid und Blutvergießen verantwortlich.

„Labiles Gleichgewicht“
Die Verbindung von Eingottglaube, Offenbarung und Schriftauslegung begünstigte laut Borgolte zugleich den Dialog und die Verständigung zwischen Juden, Christen und Muslimen. „Während alle drei die Polytheisten kompromisslos bekämpften, konnten sie sich trotz Gegensätzen untereinander rechtlich und religiös immer wieder dulden.“ Diese Duldungen seien jedoch so dynamisch wie instabil gewesen und hätten stets im Kontext von Gewalt und Verfolgung gestanden, betonte er. „Über ein labiles Gleichgewicht ist das Zusammenleben der monotheistischen Religionen im Mittelalter nicht hinausgekommen.“ Ein „labiles Gleichgewicht zwischen den Religionen“ ist nach Einschätzung des Experten aber auch heute noch „das Beste, was wir schaffen können“.

Aus einer Pressemitteilung der Universität Münster über eine Veranstaltung mit Prof. Dr. Michael Borgolte, (Mittelalter-Historiker an der Humboldt-Universität zu Berlin) am 16.11.2010 in Münster
Hervorhebungen von mir.