Aphorismus #735

Mal was „Religiöses“

Now I’ve heard there was a secret chord
That David played, and it pleased the Lord
But you don’t really care for music, do you?
It goes like this
The fourth, the fifth
The minor fall, the major lift
The baffled king composing Hallelujah
Hallelujah
Hallelujah
Hallelujah
Hallelujah

Text und Musik von Leonard Cohen; vorgetragen von John Cale

Aphorismus #486

Wort zum Sonntag #19

Von David, vorzusingen.
Die Toren sprechen in ihrem Herzen:
»Es ist kein Gott.«
Sie taugen nichts; ihr Treiben ist ein Gräuel;
da ist keiner, der Gutes tut.
Psalm 14, 1

Ja, so ist sie, die Bibel: gerade heraus. Sie verachtet unumwunden jeden, der nicht ihren Worten Folge leistet. Wehe ein Atheist beschimpft Glaubende als Deppen, als Menschen der Niedertracht und Bosheit. Wehe! Was würde das für ein Geschrei geben! – Aber der Atheist, der Agnostiker, der Humanist sie alle müssen sich solche wüsten Beschimpfungen im Namen eines Gottes gefallen lassen.

Was macht aber den Bibelglauben- verkörpert und umgesetzt in den Worten und Taten der Gläubigen- so wütend auf alle Gottlosen? Was ist das Verbrechen desjenigen, der den Helm nicht abnimmt zum Gebet, der keinen Eid auf die Bibel schwört, der seine Kinder nicht taufen lässt und auch nicht in den Religionsunterricht schickt? Was tut dieser freie und denkende Mensch ach so Böses und Verwerfliches, dass er sich seit mehr als 2000 Jahren den Zorn und die Wut der „Gerechten“ im Namen Gottes auf sich zieht? Gott, muss unsereins ein Monster sein! Und so sind ja die anders Denkenden in der Geschichte der Religionen gerne behandelt worden.
Im Folgenden eine gottlose Auslegung des  Psamlmverses.

Kanzelmärchen #2

Gottlos leben heißt sinnlos leben!?

So tönt es nur zu gerne von den Kanzeln. So lassen es sich die Lohnschreiber unserer Zeitungen und Zeitschriften bereitwillig in die Feder diktieren von den Beauftragten des kirchlichen Wahrheitsministeriums. So versichern es die kirchlichen Amtsinhaber in ihren wöchentlichen Kolumnen der Tageszeitungen, in ihren 3 Minuten „Gedanken zum Tag“ und anderen Propagandasendungen im Radio*. So bekommt man es wie selbstverständlich vom Fernsehen aufgetischt: angefangen beim unvermeidlichen Wort zum Sonntag, über „Kerners Pfaffen“, Meischbergers Betroffenheitsgurus und all dem anderen Plaudertaschen mit geistlichem Beistand.
Gottlos = sinnlos, das ist ein beliebtes Mantra, ja mehr als das. Es ist ein Panier, hinter dem sich viele nur zu gerne einreihen: sowohl der Papst und seine Bischöfe, als auch ein verhinderter Fernsehprediger wie der evangelikale Peter Hahne** und die vielen  anderen, die mal mehr mal weniger für ihre Kirche, für eine allgemeine Religiosität oder bei den „Gebildeten unter ihren Bewunderern“ für den Dalai Lama „Zeugnis ablegen“. Aber wie so oft stellt sich die Frage:

Muss es automatisch wahr sein, wenn alle es sagen?

Nein, natürlich nicht. Jeder Atheist, der ein erfülltes Leben hat, der diesem höchstselbst einen Sinn abgewinnen kann, und das ganz ohne Gott und Glaube; jeder Gottlose, der weiß, dass diese „Wahrheit“ vom ach so sinnlosen Leben der Gottlosen, Stuss ist, beweist das Gegenteil. Aber es hilft ja nichts, manchmal ist es nötig, dem Gegenüber in seinem arroganten- ich hab die Wahrheit!- Bekehrungseifer seine Behauptungen argumentativ zu zerlegen. Dazu braucht es erst einmal Fakten, Fakten, Fakten, und dann gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dieser Text will beides an die Hand geben. Er kann aber eigenes Nachdenken nicht ersetzen. Atheismus kann manchmal ganz schön anstrengend sein, man kann ja nicht, wenn es brenzlig wird, solche universellen Joker wie „Gott“, „Wahrheit“ und „Glaube“ aus den Ärmeln holen. Man muss selbst denken. Und sollte sich nicht auf andere verlassen.

Dieser Text richtet sich ausdrücklich NICHT an gläubige Menschen, außer sie sind bereit, herabzusteigen von ihrem persönlichen Berg Horeb, der aufgetürmt ist aus tatsächlicher Arroganz und behaupteter Offenbarung. Herabzusteigen in die Niederungen von Fakten und Argumenten! 

Cogito ergo impius! – Ich denke, also bin ich gottlos.

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*  Dieses ganz besondere Genre „Radio-Andacht“ oszilliert in seinem Erscheinungsbild meist irgendwo wischen Lächerlichkeit, Anbiederung und frommer Überheblichkeit, wie z.B. auf NDR 2 das tägliche Quantum Trost namens „Moment mal!“ oder auf  Bayern 3 die nicht minder mediokre Reihe „Auf ein Wort“. Schlägt das drumherum gesendete gruselige Musikangebot noch um Längen! Und das will was heißen…

** Bücher von ihm heißen z.B: „Was wirklich wichtig ist.“ oder „Leid, warum lässt Gott das zu?“- Das frage ich mich auch, wie es Gott zulassen kann, solch einen Rohrkrepierer als Sprachrohr für seine Anliegen zu haben! Allein das ist schon ein Beweis gegen die Existenz eines intelligenten und liebenden Gottes! Und noch was. So ein Frömmler wie er hat natürlich kein Problem damit, in der BamS seine eigene Kolumne zu haben. Aber vielleicht meint er ja, sein Mist würde weniger stinken in dem ganzen Dreck drumherum?