Aphorismus #809

Diese Sache mit dem Leib Christi, den man sich auf die ausgestreckte Zunge legen lässt – irgendwann wurde das ja liberalisiert, und man durfte plötzlich die Hände zu Hilfe nehmen –, diese so genannte Heilige Eucharistie, das ist ja nicht nur der Höhepunkt der Göttlichen Liturgie oder, wie das so schön heißt, der »Feier der Heilsgeheimnisse«, sondern auch gespielter Oralsex. Sex mit einem Unsichtbaren, Verkehr mit einer Leiche.

Wenzel Storch, Jungle World Nr. 39, 24. September 2009

Aphorismus #780

Wort zum Sonntag #61

Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen. Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft.

So lautet der unmissverständliche Schluss der kirchlichen „Handreichung“ ERWÄGUNGEN ZU DEN ENTWÜRFEN EINER RECHTLICHEN ANERKENNUNG DER LEBENSGEMEINSCHAFTEN ZWISCHEN HOMOSEXUELLEN PERSONEN, verfasst vom damaligen Großinquisitor [1] Joseph Kardinal Ratzinger, abgezeichnet am 3.6.2003 vom senilen Johannes-Paul II. und heute nicht anders bewertet von seinem Nachfolger Benedikt XIV.- formerly known as Kardinal Ratzinger. Er war also schon viel länger Papst und hat sein betoniertes scholastisches Weltbild bereits damals „seiner“ Kirche aufgedrückt, wo er es konnte. Wes Geistes Kind der Heilige Vater war und ist, kommt schon durch die Kapitel-Überschriften dieser Hetzschrift [2] gegen Homosexualität ans Licht (Meine Kommentare sind kursiv gesetzt.):

I. NATUR UND UNVERZICHTBARE MERKMALE DER EHE
Als da wären: Männlein und Weiblein, je eins und eins, und vor allem müssen unbedingt Kinderlein dazu kommen und das nicht zu knapp, darum nur ohne Verhüterli: Ficken für die Weltherrschaft gemäß dem biblischen Motto: „Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan…“ 1. Mose 1, 28 DAZU ist die Ehe da, nicht zum Spaß.
II. HALTUNGEN GEGENÜBER DEM PROBLEM DER HOMOSEXUELLEN LEBENSGEMEINSCHAFTEN
Originalton: Werden homosexuelle Lebensgemeinschaften rechtlich anerkannt oder werden sie der Ehe gleichgestellt, indem man ihnen die Rechte gewährt, die der Ehe eigen sind, ist es geboten, klar und deutlich Einspruch zu erheben. Man muss sich jedweder Art formeller Mitwirkung an der Promulgation und Anwendung von so schwerwiegend ungerechten Gesetzen und, soweit es möglich ist, auch von der materiellen Mitwirkung auf der Ebene der Anwendung enthalten. In dieser Materie kann jeder das Recht auf Einspruch aus Gewissensgründen geltend machen.
Und der Sitz des Gewissens eines jeden gläubigen Katholiken liegt? Richtig in Rom, bei den sexuell Alerverklemmtesten überhaupt.
II. RATIONALE ARGUMENTE GEGEN DIE RECHTLICHE ANERKENNUNG HOMOSEXUELLER LEBENSGEMEINSCHAFTEN

  • In Bezug auf die rechte Vernunft
    Was an Schwulsein oder schwulen Lebensgemeinschaften unvernünftig sein soll, das wissen nur Klerus und Papst. Und die haben mit ihren kannibalischen Ritualen (Messe) ihren jungfräulichen Müttern, ihrem dreifaltig einfältigem Gott, ihrem Reliquien- und Heiligenkult ganz gewiss die allerbeste Ahnung, was Vernunft ist!
  • In biologischer und anthropologischer Hinsicht
    Der Zölibatär weiß nun mal am allerbesten über Biologie und Anthropologie bescheid. Er weiß, dass Sexualität i.A. und Homosexualität im Besonderen Teufelszeug ist, deswegen enthält er sich ja auch. Weitgehend. Auf dem Papier. Kleine Jungs oder Haushälterinnen zählen nicht. Ehrenwort.
  • In sozialer Hinsicht
    Wie sozial kann eine Institution sein, dessen wichtigstes Ritual, die Eucharistie in vollkommener Form- so wie biblisch beschrieben mit Wein und Brot- nur einem vorbehalten ist, dem Priester? – Ach nö: Inzwischen gibt es ja Ausnahmen, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, dann darf auch mal der Laie seinen Rüssel in den heiligen Kelch halten. Eine Institution, die Ehelosigkeit als höchstes Gut propagiert, die Askese und die Weltflucht ins Kloster wichtiger hält, als ein soziales Leben „in der Welt“, eine solche Institution soll einfach ihr verlogenes Maul halten, wenn es ums Soziale und ums Mitmenschliche geht.
  • In rechtlicher Hinsicht
    Recht bei andern einzufordern, da waren die Herren aus Rom schon immer groß. Schließlich wissen sie ja, was Gott will. Darum haben SIE immer RECHT.

IV. VERHALTENSWEISEN DER KATHOLISCHEN POLITIKER IN BEZUG AUF GESETZGEBUNGEN ZU GUNSTEN HOMOSEXUELLER LEBENSGEMEINSCHAFTEN

Im letzten Punkt lässt der Großinquisitor dann endlich die Katze aus dem Sack, wenn er schreibt:

Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzesentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzesentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen Gesetzestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsittliche Handlung.

Sage noch jemand, im Islam würden sich die Geistlichen zu sehr in die Politik einmischen, Rom macht das schon lange. Und wenn sie könnten, wie sie wollten, dann würden auch heute noch Scheiterhaufen brennen. Es geht schließlich um die Wahrheit. Und da ist ja bekanntlich jedes Mittel recht.
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[1] „Großinquisitor ist eine historische Einordnung, irgendwo stehen wir in der Kontinuität. Aber wir versuchen heute das, was nach damaligen Methoden zum Teil kritisierbar gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne ´inquisitio`, das heißt, dass Untersuchungen stattfinden mussten.“ – Joseph Kardinal Ratzinger im ARD-Magazin Kontraste (3.3.2005)

[2] Hetzschrift? Ja Hetzschrift! Es wird zwar gesäuselt, man solle den Homosexuellen nicht verurteilen und ihn genauso annehmen wie jeden anderen, aber dann wird umso heftiger gegen diese „widernatürliche“ Sünde gekeilt, und vor allem dagegen, wenn Staaten homosexuelle Partnerschaften der Ehe gleichsetzen wollen. Und da hat sich der Staat gefälligst nicht nur im Mittelalter, sondern auch heute noch, an die Vorgaben der katholischen Kirche zu halten. Ende der Diskussion.

Kanzelmärchen #3

Jeder Mensch glaubt!

Jeder glaubt. Ausnahmslos. Jeder! Wenn nicht an einen Gott, dann eben an das Schicksal, die Sterne, die Evolution, an eine Ideologie, an Freitag den 13ten oder an Erdstrahlen… Egal was. Der Mensch glaubt, jeder, auch der Atheist.

Noch nie gehört? Noch nie dem arroganten Grinsen eines Vertreters göttlicher Weisheiten begegnet, der meinte, damit jeglichen Atheismus endgültig ad absurdum führen zu können? Noch nie in trauter Runde nach ein paar Bieren „Einen Glauben braucht ein jeder!“ vernommen?  Wohl kaum. Dass jeder glaubt, ja glauben muss, das ist für die Gläubigen eine Binsenweisheit. Schließlich glauben sie ja selbst! Welch umwerfende Logik! Dass es schlicht Unfug ist, interessiert die Vertreter des organisierten wie des frei fluktuierenden Aberglaubens nicht. Einen Nicht-Gläubigen darf es einfach nicht geben, denn nicht der Unglaube, sondern der Nicht-Glaube stürzt die Verfechter der Glaubenswahrheiten in größte Aporie!
Man könnte sich mit einem entschiedenen „Nein!“ als Kommentar zum Unfug des „Jeder glaubt etwas“ begnügen, aber so einfach möchte ich es in den „Kanzelmärchen“ den Propagandisten göttlicher Wahrheiten nicht machen. Ihre Lehren und „Weisheiten“ kommen hier auf den Prüfstand, ihre Vereinnahmung der Wirklichkeit und ihr Herrschaftsanspruch über den philosophisch-weltanschaulichen Diskurs ebenso. Im Gegensatz zu ihrem Gejammere, dass das Abendland immer unchristlicher werde, haben die Kirchen noch viel zu viel Einfluss in Deutschland. Spätestens an hohen Feiertagen merkt man das, wenn die festlich gewandeten Würdenträger in die dankbar auf sie gerichteten Kameras andachtsvoll hineinglotzen sehen und noch bereitwilliger in jedes ihnen willfährig  vorgehaltene Mikrofon salbadern. Ein schauriges Schauspiel, das sich jedes Weihnachten, jedes Ostern, jedes Pfingsten, jede Bischofskonferenz und jede Generalsynode wiederholt. „Herr erlöse uns vor diesem Übel!“ Das wäre mal ein sinnvolles Gebet, wenn es denn helfen würde. 😉
Atheismus ist im Gegensatz zu den Religionen keine Angelegenheit für irgendwelche äffischen Zeremonien, für in Scheinheiligkeit erstarrte alte Herren und für ein tumbes Volk, das zu fressen hat, was ihm vorgesetzt wird. Atheismus ist nichts für Denkfaule, für Köhler und für die Gefangenen ihrer simpel gestrickten Weltbilder. Atheismus ist etwas für denkende Menschen, die nachbohren, die nachfragen, die sich nie zufrieden geben mit billigen Antworten. Diesem empirisch und logisch begründeten Atheismus stoßen viele, allzu viele Thesen der vereinten Glaubensfront sauer auf. Schon allein deswegen muss der Atheismus desavouiert werden, z.B. indem die Mär vom Glauben als conditio humana, die Legende vom Jedermann-Glauben erzählt wird und so en passant auch  der Atheismus vereinnahmt wird.

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Und was ist jetzt die Narrenkappe?

Aphorismus #322

Was wir in der hl. Kommunion empfangen, hat die Gestalt des Brotes; aber was wir essen, ist der Leib des Herrn. Und was uns im Kelch gereicht wird, hat die Gestalt des Weines; aber was wir trinken, ist das Blut Christi.

So erklärte es der damalige Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, in seiner Predigt bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda am 24. September 2003.
So weit so schlicht.
Aber wehe! WEHE! WEHE! es wagt einer zu sagen, dass dies Kannibalismus iat, dass dies eine ziemlich unappetitliche Vorstellung ist und dass solches einem denkenden Zeitgenossen mehr als nur ein sacrificium intellectus abverlangt! Wer solches nur denkt, den trifft die ganze vorwissenschaftliche Ontologie eines Aristoteles, eine gehörige Portion Scholastik und jede Menge Schwarz-zu-weiß-machen-Rabulistik der katholischen Kirche.