Geldsackjahr

Wie so viele andere auch, habe ich heute morgen diese Mail bekommen:

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Dieser Januar

„Dieser Januar hat 5 Samstage, 5 Sonntage und 5 Montage in einem Monat!!!

Das gibt es nur alle 823 Jahre und wird „Geldbeutel- oder Geldsackjahr“
genannt.

Sende diese Mail an mindestens 8 acht Leute.

Die alten Chinesen sagen, dann fließt Geld… alle 823 Jahre nur einmal…

Diejenigen die nix tun verhindern den Geldfluss.

versuchen wir’s???“

Ich könnt´s gebrauchen, und man weiß ja, was die Chinesen grad anstellen,
vielleicht klappt auch das.

Gruß

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Die richtige Antwort auf solchen Mist gibt es auf Florian Freistetters Blog astrodicticum-simplex:

2011 ist kein „Geldsackjahr“

Aphorismus #964

Wort zum Sonntag #85

Die Erde geht am 21.12.2012 NICHT unter!

Da denkt man nichts Böses, plaudert mit jemandem in der Kaffeepause und dann das: Er outet sich als Maya-Kalender-die-Welt-geht-unter-Katastrophen-Gläubigen und ich kann nicht umhin, ich muss laut losprusten. Dass er da etwas indigniert war ist klar. Dass ich aber allen Grund dazu hatte und habe auch: So viel fundierte Unkenntnis über die astronomischen Fakten, so viel Leichtgläubigkeit gegenüber esoterischem und konspirativen Geschwurbel, und letztlich soviel Angst – OT: „Ich werde am 21.12.2012 dort sein, wo ich ganz weit weg bin vom Boden und vom Wasser, am besten irgendwo in den Alpen.“ – das schreit danach die Fakten sprechen zu lassen. Da auf astrodicticum-simplex diese vom Fachmann F. Freistetter selbst zusammengetragen worden sind, hier nur ein paar Stichwörter. Den Rest möge man sich im Original ansehen:

  1. Der Maya-Kalender geht selbstverständlich am 22.12.2012 weiter. Es endet nur ein größerer Zyklus. Ähnlich wie bei unserem Kalender mit einem Jahrhundert oder einem Jahrtausend eine (künstlich geschaffene) Periode endet.
  2. Es gibt keine weiteren Kalender anderer Kulturen, die dieses Datum ebenfalls hervorheben. Das wird zwar gerne behauptet, ist aber schlicht eine Lüge.
  3. Es gibt keine sich wiederholenden Katastrophen-Zyklen von 3.600, 5.000 oder 26.000 Jahren. Was es gibt, sind Hinweise – aber keine eindeutigen Beweise – , dass ca. alle 26.000.000 Jahre ein Massensterben statt findet. Aber auch das ist nicht eindeutig.
  4. Ein Planet X / Nibiru existiert nicht, er hätte längst mit seinem Gravitationsfeld auf sich aufmerksam gemacht. – Wenn Astronomen mehr und mehr Exo-Planeten Lichtjahre von uns entfernt entdecken, allein durch das „Wackeln“, das sie bei ihrem Zentralgestirn erzeugen, dann ist es eine Beleidigung für eine ganze Zunft, wenn man ihr unterstellt, sie würde einen neuen Planeten vor ihrer Nase nicht bemerken.
  5. Aber es braucht nicht einmal die Astronomie: Gäbe es Nibiru, würden wir ihn inzwischen mit bloßem Auge am Himmel sehen können. So nahe würde er inzwischen unserer Erde sein. Wenn es ihn gäbe…
  6. Die angeblichen Fotos von Nibiru, die entstehen, wenn man die Sonne direkt fotografiert, sind Artefakte und Reflexionen auf Grund der viel zu starken Helligkeit. Da kann man notfalls alles darin sehen. So wie einst Maria auf dem Toast-Brot.
  7. Auch die NASA hat kein verheimlichtes Wissen über Nibiru: Was es nicht gibt, kann man auch nicht verheimlichen.
  8. Nibiru ist auch nicht verantwortlich für Erdbeben und andere Katastrophen auf der Erde.  Es gibt keine auffällige Zunahme jenseits der statistischen Werte. Um so etwas hervorrufen zu können, müsste er so nahe sein, dass KEINER ihn mehr verheimlichen könnte.
  9. Es gibt keine Maya-Kalender-Nibiru-Verschwörung. Das alles sind Hirngespinste von Leuten, die von Astronomie, Archäologie und Wissenschaftlichkeit keine Ahnung haben. – Wenn 9/11 langsam ausgedient hat, muss eben eine  neue konspirative Sau durchs globale Dorf getrieben werden. Es wird nicht die letzte sein.

Mehr zum Phantom-Planeten Nibiru gibt es hier.
Noch mehr Material und viele Widerlegungen im Detail finden sich auf 2012hoax.org. Dort habe ich auch folgende Karikatur gefunden :

Aphorismus #933

Nur weil man selbst sich vielleicht nicht vorstellen kann, warum etwas so ist, wie es ist muss man deswegen noch lange kein übernatürliches Wesen bemühen.

Diesen schönen Satz fand ich in meinem derzeitigen Lieblings-Blog astrodicticum-simplex, wo unter der Überschrift „Der Unsinn der nichtreduzierbaren Komplexität“ weitere kluge Gedanken von Florian Freistetter und ein sehr schönes Video zu finden sind.