Aphorismus #1021

Wir leben in einer Gesellschaft, deren Plage die Rückkehr der Religionen ist.

Salman Rushdie, zitiert nach einem lesenswerten Artikel im ND

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Aphorismus #943

Wort zum Sonntag #82

Futter für’s Hirn am 4. Advent

Ausführliches Interview mit Richard Dawkins (nicht nur) zu seinem Buch „Die Schöpfungslüge“:

Weiter geht es hier:

Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5

Für alle, die keine Zeit haben:

Wäre das Buch nicht das passende Weihnachtsgeschenk für die nervig fromme Tante? Oder den Onkel? Den Nachbarn ….

Aphorismus #857

Wort Video zum Sonntag #72

Gotteskrieger – Das Original*

Das Video hat sechs Teile. Wenn am Ende eines Teils nicht automatisch der nächste anläuft, einfach auf den dann unten eingeblendeten folgenden Teil klicken.

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* Die Erfindung des Heiligen Krieges kann nicht der Koran für sich in Anspruch nehmen, sondern die Bibel- neben vielen Stellen im AT findet sich Epheser 6, 11.14-17 die zentrale Begründung des militaristischen Christentums/ des christlichen Militarismus. Auch im Film werden diese Verse zitiert:

11 Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels… 14 So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit 15 und an den Beinen gestiefelt, bereit einzutreten für das Evangelium des Friedens. 16 Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, 17 und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.

Das Evangelium des Friedens in kriegerischem Gewand- dieser für das Christentum so prägende Widerspruch ist so alt wie es selbst, denn in einem monotheistischen Glauben mit Absolutheitsanspruch kann es nie ein Evangelium des Friedens geben! Es ist eine Mär, die zum Zwecke der Mitgliederwerbung in die Welt gesetzt wurde. Auch in Bibel und Kirchengeschichte kann schwarz nicht weiß sein, selbst wenn es tausendfach behauptet wird.

Aphorismus #801

Wort zum Sonntag #64

Mäßigt euch!

1. Mäßigt euch ihr Christen!

Temperentia [1], die Mäßigung war eine der vier Kardinaltugenden, mit denen schon griechische Philosophen ihre Zeitgenossen beglückten, und die dann vom leib- und genussfeindlichen Christentum dankbar aufgenommen wurde, nicht zum Zwecke, „bessere Menschen“ zu machen, wie behauptet, sondern um die am ständigen Verbessern Scheiternden vollständig kontrollieren zu können. Und so lange solche Mäßigung gar nicht oder nur am Aschermittwoch von ihnen gefordert wurde, ließen auch die christkatholischen Fürsten und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation die Kirche gerne gewähren. [2] War im klassischen Katholizismus die Erfüllung der Kardinaltugenden in Form eines strengen asketischen Christentums weitgehende den Mönchen und Nönnchen vorbehalten, so haben Luther und die anderen Reformatoren solch elitäres Christsein quasi demokratisiert. Die Kardinaltugenden, die evangelischen Räte, das Lesen der Bibel, und alles andere besonders Heilige, gehörte für den Ex-Augustiner Luther zu den Obliegenheiten aller Gläubigen, war also nicht mehr delegierbar an das hässliche Entchen der Familie, das für alle ins Kloster geschickt wurde und dort stellvertretend für die ganze Sippe betete, fastete und büßte. Das war vorbei. Jetzt musste jeder selber ran. SO hatten sich die allerwenigsten ihre neue „evangelische Freiheit“ nicht vorgestellt. Luthers Lösung für die Unerfüllbarkeit dieser Totalaskese war seine Lehre von Gesetz und Evangelium und dem Glauben an die Gnade Gottes, seiner aus Paulus heraus gelesenen Rechtfertigungslehre. Damit seine Schäflein so richtig der göttlichen Gnade bedürftig wurden, verlegte er sich auf Bußpredigten und trennte in seiner Zwei-Reiche-Lehre das Reich Gottes vom Reich der Welt, die persönliche Heiligung vom öffentlichen Leben. Irgendwie wusste er noch aus seiner eigenen Mönchszeit, dass das nicht so klappt mit der Askese. Da war seine „Lösung“, die er in der Reduktion auf den Glauben des Einzelnen fand, eine prima Sache. Calvin und seine Epigonen dagegen sahen das ganz anders. Sie wollten echte Askese für alle, nicht nur geglaubte! Sie redeten der äußeren Gemeindezucht das Wort, sie wollten die auch nach außen sichtbare Heiligung der Schäflein, sie regierten gerne selbst mit eiserner Hand und wussten in nervtötender Arroganz besser als alle anderen, wie ein christliches und tugendhaftes Leben auszusehen habe. Aus katholischer Askese für eine Minderheit besonders frommer Mönche wurde ein asketischer Puritanismus für alle. Dabei war diesen ganzen verklemmten Frommen eines gemein: Schuld an allem Übel in der Welt ist die Sünde. Darum muss die Sünde eingedämmt werden. Und der beste Weg dazu ist Mäßigung, Teperentia, Temperenz.
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[1] Mehr zu den einzelnen Begriffen findet sich in der Wikipedia. Für die Links dazu habe ich mir diesmal Mäßigung, ein Link-Fasten auferlegt. 😉
[2] Ein schöner Nachzügler obrigkeitlicher Temperenz-Forderung war das „Maß Halten“ Ludwig Erhards.

Aphorismus #745

Wort zum Sonntag #56

Warum ich kein Christ bin – Teil III

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil IV. Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Tei VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

3. Gnade dir Gott!
Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

3.1. Eigenlob stinkt

Vorab zwei Fragen:

  1. Wer erließ ein Gesetz, dass Sklaven nicht grausam behandelt werden dürfen?
  2. Wer verbot scharfe Waffen bei den Gladiatorenkämpfen?

Bei beiden Fragen sind die Antwortmöglichkeiten gleich.

  • a) Papst Leo der Große
  • b) Kaiser Nero
  • c) Caesar
  • d) Kaiser Marc Aurel

Das wäre bestimmt eine sichere Bank bei Günther Jauch für die Millionenfrage. Eine sichere Bank für RTL, damit sie nicht zahlen müssen. Die allermeisten würden wohl „Leo“ sagen, Aber dass Nero ein Herz für die Sklaven hatte? Dass Marc Aurel blutigen Gladiatoren-Kämpfen nichts abgewinnen konnte, wie seine anderen „heidnischen“ Vorgänger auf dem Kaiserthron – Tiberius oder Augustus? Wer hätte das gedacht? Wo doch Nero Rom anzünden ließ- das weiß ja jedes Kind, in „Quo Vadis?“ ist es schließlich zu sehen! Und wer so eine Schuft und Christenverfolger ist, der MUSS böse sein, von Grund auf. Ach ja die Erbsünde. Die wird vom gemeinen Christenmenschen am liebsten bei anderen konstatiert. –
Nachdem es immer wieder zu Verboten blutiger Kämpfe in den Arenen kam, bzw. zum Versuch wenigstens die Anzahl einzudämmen, wurde schließlich im Jahr 365 eine sehr christliche Lösung gefunden: Christen durften einfach nicht mehr als Gladiatoren kämpfen! Da bekamen dann also nur noch die Heiden, was sie verdient hatten… Zynischer geht es kaum. Konstantin der Große, der die Kirche über sein Reich brachte, war übrigens 325 so „gnädig“, Delinquenten nicht mehr als Kämpfer in die Arena zu schicken, sondern zur völlig humanen Zwangsarbeit ins Bergwerk. Ein durch und durch vorbildlicher Christ dieser Kaiser. Was höre ich da von Zeitumständen? Von Sachzwängen? Von anderen Maßstäben? – Stimmt ja. Mixas Watschen waren vor 30 Jahren auch den Zeitumständen geschuldet. – Wer für ewige Wahrheiten eintritt, sollte sich nicht wundern, wenn solche dann gegen ihn gerichtet wird.

Mit diesen Beispielen aus den ersten Jahrhunderten der Kirche will ich verdeutlichen, wie unser Blick auf die Geschichte seit der Ausbreitung des Christentums eben durch dasselbe geprägt ist, so dass es uns schier unmöglich ist, ein objektives Bild davon zu erhalten. – Ganz „uneigennützig“ haben die Christen damals, wie es heute die Taliban auf ihre Weise tun, tabula rasa gemacht mit allem, was ihre Gegner sagten und hinterließen, was für sie heidnisch war oder gar teuflisch. Es fand in den ersten christlichen Jahrhunderten des römischen Reiches, die direkt ins finstere Mittelalter mündeten, eine General-Zensur ungeheuren Ausmaßes statt. Wäre nicht der Islam im Osten siegreich gewesen und hätte die antiken Schätze und Schriftrollen bewahrt, und hätte es nicht Orte und Menschen gegeben, zu denen der lange Arm Roms nicht hinreichte, wer weiß: Wir würden heute weder Plato kennen, noch eben andere, d.h. kritische Stimmen zum Aufstieg des Christentums von einer jüdischen Sekte zur römischen Staatskirche.

Man stelle sich vor, vom derzeitigen Irakkrieg würde es fast ausschließlich Dokumente der „embedded journalists“ geben. Welches schiefe Bild hätten wir dann von ihm?

Kann man getrost die Bibel in weiten Teilen ein Märchenbuch nennen (vgl. Teil I): voller frommer Erfindungen (wie z.B. die Sache mit der Bundeslade als Sänfte für Jahwe), beispielloser Übertreibungen (bei fast allen Zahlenangaben im AT kann man getrost ein bis drei Nullen streichen!), Beugungen der Wahrheit (aus dem mit viel Macht und Soldaten ausgestatteten Gouverneur Pilatus der letzten und unabhängigen Instanz im Prozess gegen Jesus wird ein ganz schwacher Beamter, der in der Hand des Volkes war; die Christusmörder sind also die Juden), absichtlicher Weglassungen und Verdrehungen (die vielen, vielen Bearbeitungen, die allein der Pentateuch erfahren hat!), so hört dies mit der Offenbarung des Johannes nicht schlagartig auf.  Es geht munter so weiter von den ältesten Zeugnissen der sog. Kirchenväter bis zur jüngsten Enzyklika des Papstes. Es baut eben eines auf das andere auf. Wer Wunder in der Bibel zusammenphantasiert, der muss dies auch später tun in den zahllosen Heiligenlegenden oder anderen „Zeugnissen“. Wer sich als kleine Herde wähnt, wer sich immer und überall verfolgt glaubt, der muss die ganze Kirchengeschichte als eine der Verfolgung und Anfechtung darstellen, selbst in den Zeiten, als die Kirche über Europa herrschte.
Solcherlei Geschichtsfälschungen sind beileibe keine Spezialität Roms. Die evangelischen Kirchen waren und sind auch nicht viel besser. Zwar ließ sie der Schlachtruf des Humanismus- Ad fontes!– zu den Quellen greifen- aber zu welchen? Eben nur zur Bibel, bestenfalls zu den genehmen Kirchenvätern. Da wurden also die alten Lügen 1:1 übernommen. Heute werden zwar diese Urkunden historisch-kritisch ausgeleuchtet, aber am Ende siegt dann doch wieder die „göttliche, offenbarte Wahrheit“. Was nützt es, wenn in den Seminarräumen der theologischen Fakultäten über den Faktengehalt der Ostergeschichten, oder über die Landnahme der Israeliten kritisch nachgedacht wird, und wenn in der Gemeindearbeit substantiell so gut wie nichts übrig bleibt- was hilft das, wenn es auf den Kanzeln eben keinen Niederschlag findet? Moderne Theologie tut  unheimlich kritisch und aufgeklärt und hat doch nur den Zweck, mit „modernen“ Mitteln Menschenfischer auszubilden, auf dass der Bestand der Kirche bleibe oder vermehrt werde. Wer behauptet, man müsse beim Betreten einer Kirche- ob katholisch oder protestantisch- nicht seinen Verstand an der Garderobe abgeben, der lügt sich selbst in die Tasche. Glauben war immer und wird es immer sein: ein „Willing Suspension of Disbelief for the Moment„. Und darum hat die Bibel genauso viel Plausibilität wie der Koran, Russells Teekännchen oder das FSM und die Kirchengeschichte hat so viel Glaubwürdigkeit wie Münchhausens Lügengeschichten.

Aphorismus #717

Wort zum Sonntag #52

Klare Ansage

Ein wahrlich frommer Autoaufkleber.*
Ja, das steht tatsächlich so in der Bibel. Homosexualität ist in einer patriarchalen bäuerlich geprägten Gesellschaft tabu: Zur Bestellung der Felder, dem Hüten des Viehs werden nun mal viele Nachkommen gebraucht. Und das eigene Land muss an die nächste Generation vererbt werden. Deswegen ist Schwulsein bäh. So weit so schlicht.
Im Zusammenhang von Levitikus 20 ist Homosexualität aber nur eine von vielen sexuellen Handlungen, die mit dem Tod bestraft werden sollen. Aufgezählt werden Lev 20, 10 – 21:

  • Verkehr mit der Frau eines anderen (Vers 10)
  • Verkehr mit der Stiefmutter (11)
  • Verkehr mit der Schwiegertochter (12)
  • homosexueller Verkehr (13)
  • Verkehr mit Mutter und Tochter zur selben Zeit; alle drei sollen verbrannt werden (14)
  • Verkehr mit Tieren; Tier wie Sodomist sollen getötet werden (15f)
  • Verkehr unter Halbgeschwistern (17)
  • Verkehr mit einer Frau während ihrer Periode (18)
  • Verkehr mit Onkel oder Tante (19)
  • Verkehr mit der angeheirateten Tante (20)
  • Verkehr mit der Schwägerin (21)

Die Doppelungen und Überschneidungen in den einzelnen Punkten sind der langen Entstehungszeit und den verschiedenen Quellen solcher Gesetzestexte geschuldet. Alles andere als göttliche Gebote also, sondern aus dem bäuerlichen Umfeld stammende, teils sehr archaische Vorschriften, die den Bestand der eigenen Familie, des Clans und des Dorfes dienen. Auch das seltsame Verbot des Verkehrs während der Periode lässt sich so leicht erklären: Während ihrer Tage ist eine Frau garantiert NICHT fruchtbar, es wird also keine Nachkommen geben- DAS ist das ach so todeswürdige Verbrechen.  Die Sache mit dem Blut ist nur vorgeschoben. Über diese anderen Verbote reden die fundamentalistischen Bibelchristen nicht. Sie machen genau das, was sie allen anderen vorwerfen: die Bibel gar nicht, oder nur einen Teil der Bibel zu sehen. Oder hat man schon je etwas über eine fromme Kampagne gegen Sex mit Tieren, gegen „normalen“ Ehebruch oder gegen Sex während der Menstruation gehört?
So müssen die Schwulen für alles herhalten: Für die eigenen Homophobie genauso  wie für die eigenen nicht ausgelebten sexuellen Wünsche und Begierden. Hau den Schwulen, möglichst mit viel Getöse, damit keiner merkt, dass dein Leben auch nicht so heilig ist, wie du immer tust. Das Ergebnis solcher Bigotterie ist offener Hass gegen alle, die „anders“ sind als man es selbst nach außen ist.
Verlogen wäre noch geschönt.
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* Gesehen auf dem Auto des „GUN lobbyist Ron Owen… publisher of the ultra-right-wing pro-militia magazine Lock Stock & Barrel… former president of the National Firearm Owners of Australia„. Im liberalen Australien bekam er daraufhin eine Vorladung vom „Anti-Discrimination Tribunal“, wo unmissverständlich klar gemacht wurde: „Ron Owen is entitled to be a homophobe and he is entitled to publicly express his homophobic views. That much is required in a society that values freedom of thought and expression. However, there are limits… The ordinary member of the public would understand that he or she was being urged to hate and to have serious contempt for homosexuals.“