Aphorismus #996

Wort zum Sonntag #92

Christentum als Altertum

Wenn wir eines Sonntag Morgens die alten Glocken brummen hören, da fragen wir uns: ist es nur möglich! dies gilt einem vor zwei Jahrtausenden gekreuzigten Juden, welcher sagte, er sei Gottes Sohn. Der Beweis für eine solche Behauptung fehlt. — Sicherlich ist innerhalb unserer Zeiten die christliche Religion ein aus ferner Vorzeit hereinragendes Altertum, und dass man jene Behauptung glaubt, — während man sonst so streng in der Prüfung von Ansprüchen ist —, ist vielleicht das älteste Stück dieses Erbes. Ein Gott, der mit einem sterblichen Weibe Kinder erzeugt; ein Weiser, der auffordert, nicht mehr zu arbeiten, nicht mehr Gericht zu halten, aber auf die Zeichen des bevorstehenden Weltunterganges zu achten; eine Gerechtigkeit, die den Unschuldigen als stellvertretendes Opfer annimmt; Jemand, der seine jünger sein Blut trinken heißt; Gebete um Wundereingriffe; Sünden an einem Gott verübt, durch einen Gott gebüßt; Furcht vor einem jenseits, zu welchem der Tod die Pforte ist; die Gestalt des Kreuzes als Symbol inmitten einer Zeit, welche die Bestimmung und die Schmach des Kreuzes nicht mehr kennt, — wie schauerlich weht uns dies Alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit, an! Sollte man glauben, dass so Etwas noch geglaubt wird?

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900), Menschliches, Allzumenschliches I – Ein Buch für freie Geister (1878)

Aphorismus #993

Wort zum Sonntag #91

You’re basically killing each other to see who’s got the better imaginary friend.

Ein kurzer, knackiger Kommentar zu Koran-Verbrennungen, Abschlachten von Ungläubigen und anderen Formen religiöser Toleranz. Diesen Spruch des amerikanischen Comedian Richard Jeni gibt es auch als T-Shirt.

Aphorismus #990

Wort zum Sonntag #90

Dazu ein paar interessante Artikel zu den Katastrophen in Japan:

Katastrophe in Japan selbstverschuldet!

  • Der Text zum Bild

Japanese suffering raises age-old question for people of faith

  • Antworten auf die Fragen, die von den Religionen selbst gestellt werden. (Und die ansonsten keine alte Sau interessieren.)

Was Amerikaner so alles glauben – Eine Umfrage zur Katastrophe in Japan

  • Wieviel Amerikaner bejahen wohl diese Aussage: Earthquakes, floods and other natural disasters are a sign from god?

The Japan Earthquake and Tsunami is God’s Punishment for Homosexuals

  • So einfach kann die Welt sein, man muss nur den richtigen Glauben haben!

Aphorismus #971

Wort zum Sonntag #85

Weil Schwule heiraten, fallen Vögel vom Himmel!

Und es gibt schlechtes Wetter, wenn du nicht schön aufisst. Ein wenig „Heile, heile Segen“ kittet jeden Knochenbruch. Die Welt ist eine Scheibe. Was denn sonst?! Jesus dürfte begeistert sein, dass seine Nachfolger das „Werden wie die Kinder“ (Matthäus 18, 2) bis heute perfekt in die Tat umsetzen.
Gefallen hat mir dazu die sarkastische Kommentierung auf CNN. Nicht alle Amis sind so beschränkt wie die „Prophetin“. Das lässt hoffen. – Geschrieben findet sich auch auf Deutsch hier etwas dazu.

Aphorismus #966

DELUSION, n.
The father of a most respectable family, comprising Enthusiasm, Affection, Self-denial, Faith, Hope, Charity and many other goodly sons and daughters.

Ambrose Bierce (1842 – 1914), The Devil’s Dictionary

Aphorismus #950

Wort zum Sonntag #83

[8] Es ist nothwendig zu sagen, wen wir als unsern Gegensatz fühlen –

die Theologen und Alles, was Theologen-Blut im Leibe hat – unsre ganze Philosophie …

Man muss das Verhängniss aus der Nähe gesehn haben,
noch besser, man muss es an sich erlebt, man muss an ihm fast zu Grunde gegangen sein,
um hier keinen Spaass mehr zu verstehn
(- die Freigeisterei unsrer Herrn Naturforscher und Physiologen ist in meinen Augen ein Spaass,- ihnen fehlt die Leidenschaft in diesen Dingen, das Leiden an ihnen -)

jene Vergiftung reicht viel weiter als man denkt:

ich fand den Theologen-Instinkt des Hochmuths überall wieder, wo man sich heute als „Idealist“ fühlt,
– wo man, vermöge einer höheren Abkunft, ein Recht in Anspruch nimmt, zur Wirklichkeit überlegen und fremd zu blicken …Der Idealist hat, ganz wie der Priester, alle grossen Begriffe in der Hand (- und nicht nur in der Hand!), er spielt sie mit einer wohlwollenden Verachtung gegen den „Verstand“, die „Sinne“, die „Ehren“, das „Wohlleben“, die „Wissenschaft“ aus,
er sieht dergleichen unter sich, wie schädigende und verführerische Kräfte, über den „der Geist“ in reiner Für-sich-heit schwebt:

– als ob nicht Demuth, Keuschheit, Armut, Heiligkeit mit Einem Wort dem Leben bisher unsäglich mehr Schaden gethan hätten als irgend welche Furchtbarkeiten und Laster

… Der reine Geist ist die reine Lüge…

So lange der Priester noch als eine höhere Art Mensch gilt,
dieser Verneiner, Verleumder, Vergifter des Lebens von Beruf,
giebt es keine Antwort auf die Frage: was ist Wahrheit?
Man hat bereits die Wahrheit auf den Kopf gestellt,
wenn der bewusste Advokat des Nichts und der Verneinung als Vertreter der „Wahrheit“ gilt.