Aphorismus #996

Wort zum Sonntag #92

Christentum als Altertum

Wenn wir eines Sonntag Morgens die alten Glocken brummen hören, da fragen wir uns: ist es nur möglich! dies gilt einem vor zwei Jahrtausenden gekreuzigten Juden, welcher sagte, er sei Gottes Sohn. Der Beweis für eine solche Behauptung fehlt. — Sicherlich ist innerhalb unserer Zeiten die christliche Religion ein aus ferner Vorzeit hereinragendes Altertum, und dass man jene Behauptung glaubt, — während man sonst so streng in der Prüfung von Ansprüchen ist —, ist vielleicht das älteste Stück dieses Erbes. Ein Gott, der mit einem sterblichen Weibe Kinder erzeugt; ein Weiser, der auffordert, nicht mehr zu arbeiten, nicht mehr Gericht zu halten, aber auf die Zeichen des bevorstehenden Weltunterganges zu achten; eine Gerechtigkeit, die den Unschuldigen als stellvertretendes Opfer annimmt; Jemand, der seine jünger sein Blut trinken heißt; Gebete um Wundereingriffe; Sünden an einem Gott verübt, durch einen Gott gebüßt; Furcht vor einem jenseits, zu welchem der Tod die Pforte ist; die Gestalt des Kreuzes als Symbol inmitten einer Zeit, welche die Bestimmung und die Schmach des Kreuzes nicht mehr kennt, — wie schauerlich weht uns dies Alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit, an! Sollte man glauben, dass so Etwas noch geglaubt wird?

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900), Menschliches, Allzumenschliches I – Ein Buch für freie Geister (1878)

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Aphorismus #950

Wort zum Sonntag #83

[8] Es ist nothwendig zu sagen, wen wir als unsern Gegensatz fühlen –

die Theologen und Alles, was Theologen-Blut im Leibe hat – unsre ganze Philosophie …

Man muss das Verhängniss aus der Nähe gesehn haben,
noch besser, man muss es an sich erlebt, man muss an ihm fast zu Grunde gegangen sein,
um hier keinen Spaass mehr zu verstehn
(- die Freigeisterei unsrer Herrn Naturforscher und Physiologen ist in meinen Augen ein Spaass,- ihnen fehlt die Leidenschaft in diesen Dingen, das Leiden an ihnen -)

jene Vergiftung reicht viel weiter als man denkt:

ich fand den Theologen-Instinkt des Hochmuths überall wieder, wo man sich heute als „Idealist“ fühlt,
– wo man, vermöge einer höheren Abkunft, ein Recht in Anspruch nimmt, zur Wirklichkeit überlegen und fremd zu blicken …Der Idealist hat, ganz wie der Priester, alle grossen Begriffe in der Hand (- und nicht nur in der Hand!), er spielt sie mit einer wohlwollenden Verachtung gegen den „Verstand“, die „Sinne“, die „Ehren“, das „Wohlleben“, die „Wissenschaft“ aus,
er sieht dergleichen unter sich, wie schädigende und verführerische Kräfte, über den „der Geist“ in reiner Für-sich-heit schwebt:

– als ob nicht Demuth, Keuschheit, Armut, Heiligkeit mit Einem Wort dem Leben bisher unsäglich mehr Schaden gethan hätten als irgend welche Furchtbarkeiten und Laster

… Der reine Geist ist die reine Lüge…

So lange der Priester noch als eine höhere Art Mensch gilt,
dieser Verneiner, Verleumder, Vergifter des Lebens von Beruf,
giebt es keine Antwort auf die Frage: was ist Wahrheit?
Man hat bereits die Wahrheit auf den Kopf gestellt,
wenn der bewusste Advokat des Nichts und der Verneinung als Vertreter der „Wahrheit“ gilt.

Aphorismus #949

Was wirklich Frieder auf Erden bringt

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace 

John LennonImagine

und es kann funktionieren:

Vielleicht zuviel Streicher, dafür aber Moslem, Jude und Christ vereint in einem Lied:

You may say that I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Aphorismus #943

Wort zum Sonntag #82

Futter für’s Hirn am 4. Advent

Ausführliches Interview mit Richard Dawkins (nicht nur) zu seinem Buch „Die Schöpfungslüge“:

Weiter geht es hier:

Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5

Für alle, die keine Zeit haben:

Wäre das Buch nicht das passende Weihnachtsgeschenk für die nervig fromme Tante? Oder den Onkel? Den Nachbarn ….

Aphorismus #942

Thus it seems Einstein was doubly wrong when he said, God does not play dice. Not only does God definitely play dice, but He sometimes confuses us by throwing them where they can’t be seen. *

Stepehen Hawking, Does God Play Dice?
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* Schon wieder Englisch? Man möge es mir nachsehen, aber dieser launige Spruch muss einfach sein. 😉