Aphorismus #1021

Wir leben in einer Gesellschaft, deren Plage die Rückkehr der Religionen ist.

Salman Rushdie, zitiert nach einem lesenswerten Artikel im ND

Zeige mir, wie du es mit Schwulen hältst…

… und ich sage dir, wie frei du bist!

Natürlich gibt es in Israel Schwulenfeindlichkeit, gerade aus der religiösen, der orthodoxen (= fundamentalistischen) Ecke. Am  Samstag vor einer Woche ging diese sogar so weit, dass zwei Menschen starben und mehrere verletzt wurden. Aber in Israel gibt es auch offene Solidarität mit den Opfern, eine große Demonstration, auf der der Staatspräsident sprach. Wäre das in Deutschland möglich? Köhler oder Merkel halten eine Rede anlässlich eines ähnlichen Zwischenfalls, der in Deutschland genauso vorkommen kann? Wohl kaum, würde man doch damit die fromme und reaktionäre Klientel nebst Kirche(n) vor den Kopf stoßen. Und da gibt es noch genug, denen CSD, Homo-Ehe und anderes mehr als nur ein Dorn im Auge sind.
Freiheit behaupten und Freiheit leben, das sind zwei Paar Stiefel! Da können wir von dem ach so verhassten Israel noch viel lernen! Im Nahen Osten zeigt sich ein tiefer Graben zwischen westlichen, aufgeklärten, individuellen Lebensentwürfen in Israel, wo sich der Staat nicht in die inneren Angelegenheiten der Liebenden einmischt, auf der einen Seite und einer voraufgeklärten, wie unten, im Wort zum Sonntag #13 beschriebenen, von Gott selbst vorgeschriebenen Lebensweise, wie sie in in den umgebenden muslimischen Ländern* anzutreffen ist. Da steht ganz klar Freiheit des Individuums gegen die Zwänge einer religiös begründeten Ordnung! Sage mir noch einer, islamistische Terrorgruppen wie die Hamas seien „Befreiungsbewegungen“! Befreit wird das Land lediglich von allem, was dem engstirnigen und perversen Weltbild der „Befreier“ nicht passt. Das war im Iran so, das ist in Gaza so, im Sudan, in Niger und, geht es nach den Gotteskriegern, soll das überall so sein! Und weil sie so „erfolgreich“ sind bei der Befreiung von allem Schmutz, insbesondere dem der Homosexualität, kann sich z.B. ein Präsident Ahmadinejad ungeniert vor die Weltpresse stellen und allen Ernstes behaupten, im Iran gebe keine Homosexuellen. „Mehr“, möchte man ergänzen: Es gebe keine Homosexuellen mehr.

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* Dass nicht nur in islamischen Ländern Homosexualität als Sünde, Perversion und Verbrechen angesehen wird, überall dort, wo Religion nicht nur das Leben der Menschen bestimmt, ebenso wie die Grundlagen des Staatswesens, ist leider noch in vielen Ländern der Erde so. Das Video nennt ja ein paar Beispiele.

Aphorismus #438

Hätte sich in Teheran eine normale Militärdiktatur an die Macht geputscht, wäre es schlimm genug. Hier aber haben wir es einer völlig aus dem Ruder gelaufenen antisemitisch-apokalyptischen Clique zu tun. Für sie ist Terror nach innen die Voraussetzung für Terror nach außen. Sie wollen die Destruktionskraft der Bombe mit dem Furor des Religionskriegs und ihrem Märtyrerwahn fusionieren – eine Kombination, wie es sie seit Beginn der Kernspaltung noch nicht gab.

Matthias Küntzel: Der Westen fällt der iranischen Protestbewegung in den Rücken

Vergipst

Die Firma Knauf Gips aus dem beschaulichen Weinstädtchen Iphofen hat sich aus kleinen Anfängen zur Weltfirma gemau(s)ert. So ist es kein Wunder, dass sie auch im Iran vertreten ist, wie viele andere deutsche Firmen auch. Die deutschen Exporte in den Iran 2008 betrugen knapp 4 Mrd €, damit ist Deutschland der wichtigste Handeslpartner des Iran. Gute Geschäfte brauchen vor allem eines: ruhige und klare Verhältnisse, verlässliche Partner und störungsfreie Kommunikation mit den Herrschenden. Forderungen nach  mehr Demokratie, revolutionäre Umtriebe gar, ein eindeutiges Engagement der Mitarbeiter in der Opposition oder – Gott behüte- gar auf einer Demonstration, all das ist eher hinderlich. Was sage ich hinderlich? Kontraproduktiv ist es! Die Firma Knauf in Person von Isabel Knauf aus der Chefetage des Familienunternehmens hat dies mit der Unternehmern ganz eigenen Logik erkannt und in einem Brief an ihre iranischen Mitarbeiter diese unmissverständlich gewarnt:

We would like to remind all of our employees to remember that they are not only representing their private opinion when being politically active, but their actions could fall back negatively on our Knauf companies in Iran.

Therefore, from now on, if anybody from our company gets caught demonstrating against the current government, he or she will be immediately dismissed.“

Wer’s nicht glauben mag: hier gibt es den Original-Brief als eingescanntes PDF. Und hier steht der Artikel im Wallstreet Journal, das diese Geschichte ruchbar gemacht hat. Und wer es lieber auf Deutsch nachlesen möchte, wird hier fündig.

Demokratie, Meinungsfreiheit, Menschenrechte?
Alles nicht so wichtig: Hauptsache der Rubel rollt!