Aphorismus #1021

Wir leben in einer Gesellschaft, deren Plage die Rückkehr der Religionen ist.

Salman Rushdie, zitiert nach einem lesenswerten Artikel im ND

Aphorismus #1014

Religion darf nicht für ideologische Machtansprüche missbraucht werden.

Irgendwie hat unser alleroberster Vaterlands-, Freiheits- und Kapitalismusschützer – vulgo der allmächtige Herr über die freiheitliche demokratische Grundordnung* – das grundlegende Prinzqip von Religion und die ihr zugedachte Aufgabe in unserem geliebten System nicht verstanden. Genau dafür ist und war sie schon immer da: die Macht der Herrschenden zu legitimieren, sie zu festigen und bis zum St. Nimmerleinstag zu perpetuieren.

Richtig muss dieser Satz also heißen:

Religion muss die bestehenden Machtverhältnisse ideologisch begründen, um diese vor jedem Missbrauch durch die Beherrschten oder durch die böse Konkurrenz zu schützen.

Und genau das ist ja das Problem des Islam in Deutschland. Der brave Bürger will sich nicht von ausländischen Gesocks beherrschen lassen. Und das deutsche Kapital muss weiterhin deutsch bleiben. Sonst drehen bild und Co. endgültig durch und das Abendland geht unter.

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* Bundesinnenminister Friedrich lt. SPON zur Gratisverteilung eines unerwünschten Konkurrenzprodukt der allerchristlichsten Bibel.

Aphorismus #943

Wort zum Sonntag #82

Futter für’s Hirn am 4. Advent

Ausführliches Interview mit Richard Dawkins (nicht nur) zu seinem Buch „Die Schöpfungslüge“:

Weiter geht es hier:

Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5

Für alle, die keine Zeit haben:

Wäre das Buch nicht das passende Weihnachtsgeschenk für die nervig fromme Tante? Oder den Onkel? Den Nachbarn ….

Aphorismus #913

Wort zum Sonntag #79

Blutiger Sieg des Eingottglaubens

Historiker Prof. Dr. Michael Borgolte über die Dominanz von Christentum, Judentum und Islam in der „monotheistischen Weltzone

Die heutige weltweite Dominanz der monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ist laut Historikern das Ergebnis blutiger Konflikte im Mittelalter. „Christliche Missionen und arabische Eroberungen haben seit dem frühen Mittelalter andere Religionen, die mehr als eine Gottheit akzeptierten, fast vollständig verdrängt“, sagte der Berliner Mediävist Prof. Dr. Michael Borgolte am Dienstagabend in Münster. Polytheistische Religionen seien meist gewaltsam aus Europa, Vorderasien und in Afrika zurückgedrängt worden, erläuterte er in der Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Religion und Politik“. „Danach konnte sich kein Aggressor mehr von außen in diese ‚monotheistische Weltzone‘ festsetzen, der nicht christlich oder muslimisch war oder wurde.“
Anders als die Kultreligionen mit mehreren Göttern hätten Judentum, Christentum und Islam aufgrund ihrer heiligen Bücher und theologischen Lehren eine „dogmatische Religiosität“ entwickelt, sagte Borgolte. „Im Gegensatz zu den Polytheisten konnten den Monotheisten der Glaube und Kult der anderen nicht gleichgültig bleiben, da es für sie nur einen einzigen allmächtigen Gott gibt“, so der Mittelalter-Historiker. „Der Eingottglaube ist in der daraus folgenden aggressiven Bekämpfung von Heiden, Dualisten und Polytheisten für viel Leid und Blutvergießen verantwortlich.

„Labiles Gleichgewicht“
Die Verbindung von Eingottglaube, Offenbarung und Schriftauslegung begünstigte laut Borgolte zugleich den Dialog und die Verständigung zwischen Juden, Christen und Muslimen. „Während alle drei die Polytheisten kompromisslos bekämpften, konnten sie sich trotz Gegensätzen untereinander rechtlich und religiös immer wieder dulden.“ Diese Duldungen seien jedoch so dynamisch wie instabil gewesen und hätten stets im Kontext von Gewalt und Verfolgung gestanden, betonte er. „Über ein labiles Gleichgewicht ist das Zusammenleben der monotheistischen Religionen im Mittelalter nicht hinausgekommen.“ Ein „labiles Gleichgewicht zwischen den Religionen“ ist nach Einschätzung des Experten aber auch heute noch „das Beste, was wir schaffen können“.

Aus einer Pressemitteilung der Universität Münster über eine Veranstaltung mit Prof. Dr. Michael Borgolte, (Mittelalter-Historiker an der Humboldt-Universität zu Berlin) am 16.11.2010 in Münster
Hervorhebungen von mir.

Aphorismus #899

Wort zum Sonntag #77

Mörderischer Glaube

Wenn ein gewöhnlicher Mörder einen Mord begeht, dann geschieht dies meist im Familien- und Bekanntenkreis und ist, wie es so schön heißt, eine Beziehungstat. Gewöhnlich bleibt es bei einem Mord, dem am Partner, der Partnerin. Selten kommt ein zweiter hinzu, z.B. der am (vermeintlichen) Rivalen etc. pp. Das hat oft eine lange Vor- und/ oder Leidensgeschichte aus Liebe, Verehrung, Abhängigkeit, Hass, Zurückweisung, Demütigung und anderen schier nicht zu bändigenden Gefühlen. Solche Taten sind schnell aufgeklärt und im Gegensatz zu Krimis meist wenig spektakulär.
Wenn ein Mensch zum Mörder wird, ist das die große Ausnahme, wir haben so etwas wie eine angeborene Beißhemmung unserer eigenen Spezies gegenüber. Mordet ein Mensch wiederholt, dann hat er diese Beißhemmung entweder nie entwickeln können und ist als Sadist und Soziopath eher der Fall für die forensische Psychiatrie als für das Strafrecht; oder er ist als Auftragsmörder weit mehr Hollywood-Stoff als real. Und doch gibt es sie, die Mehrfachmörder. Wie bei vielen anderen Dingen kann sich ein Mensch- gewollt oder ungewollt sei mal dahingestellt- gegen die eigene menschliche Natur stellen, sie verleugnen und so die Unversehrtheit des menschlichen Lebens als Gut, das geschützt werden muss, mit seinem Handeln negieren. Was dabei im Kopf des Killers wirklich vorgeht, ist wohl kaum nachzuvollziehen. Unmenschlichkeit hat eine ganz eigene „Logik“.
Bei bisher genannten Beispielen handelt es sich um Einzeltäter, sie stellen sich selbst außerhalb der menschlichen Gemeinschaft- und sei es nur für den Augenblick der Tat-, oder sie sind nie in dieser gewesen, konnten nie zum sozialen und mitfühlenden Wesen heranwachsen. Gäbe es nur diese Art Mörder, nur die Beziehungstäter, nur die Berufskiller und nur die Soziopathen, die Weltgeschichte wäre garantiert anders verlaufen. Sie wäre nie dieses endlose Blutvergießen geworden, als das wir sie kennen, als eine immer währende Geschichte von Kriegen, Eroberungen, Sklaverei, Völkermord und allen erdenklichen Gräueln, die so gerne als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet werden, aber wohl besser Verbrechen gegen die Menschheit des Menschen genannt werden sollten: Verbrechen gegen seine Menschenwürde, seine Menschenrechte, seine Persönlichkeit, sein Leben.
Dabei fällt auf, dass es drei Gründe für diese Verbrechen gibt, drei Gründe die eng miteinander verwoben sind, so dass sie nur schwer zu trennen sind. Es sind Macht, Ressourcen und Religion. Darauf lassen sich m.E. die Ursachen der meisten Kriege, Eroberungen, Massaker und  Vertreibungen der Weltgeschichte zurückführen. Mal steht das eine, mal das andere im Vordergrund. Mal ist es die grenzenlose Gier nach Land und Rohstoffen, mal der Wille andere Völker zu versklaven. Und damit der gemeine Mann nicht nachdenken muss und also ins Zweifeln kommt, dafür gibt es die Religion, die große Klammer, die allgegenwärtige Rechtfertigung für jede Sauerei in der Menschheitsgeschichte. „Deus vult!„- Gott will es-, was kann man dagegen noch sagen?

Aphorismus #661

Wort zum Sonntag #44

Auch ein Kindesmissbrauch

Es ist ja wohl tatsächlich so, daß die überwiegende Mehrzahl der Christen Kinder von Christen sind, und dasselbe gilt für die Anhänger anderer Religionen, für Juden, Moslems, Hindus, Buddhisten und sogar für die „Unterabteilungen“ der Religionen, für Katholiken, Protestanten, Anglikaner, Mormonen, die Zeugen Jehovas, Baptisten und alle anderen. Es ist der unumstößliche Beweis dafür, daß fast alle Gläubigen die religiösen Ansichten übernommen haben, die ihnen ihre Eltern und die von ihren Eltern ausgewählten Priester beibrachten. Bei so vielen zur Auswahl stehenden Religionssystemen würde genau der entgegengesetzte Effekt zu erwarten sein, wenn sich jeder einzelne mit Hilfe seiner eigenen Vernunft für eine der Religionen entschiede. Die unaufhörlichen Wiederholungen der verkündeten „Wahrheiten“, die ständigen Behauptungen, der Glaube sei ein gerechtfertigter Ersatz für Wissen, die wiederholten Aufforderungen zur Buße und die Drohungen mit schrecklicher Vergeltung auf Erden oder nach dem Tode, die fortwährende Betonung der Feindseligkeit gegenüber anderen Glaubenssystemen: Das alles kennzeichnet den langsamen Prozeß der Einpflanzung von Glaubensmeinungen, der gewöhnlich als Gehirnwäsche bezeichnet wird.

H.J. Campbell, Der Irrtum mit der Seele
Dieses Zitat des Chemikers, ehemaligen Herausgebers des „Authentic Science Fiction“-Magazins und SF-Autors habe ich hier gefunden.