Aphorismus #773

Wort zum Sonntag #60

Warum ich kein Christ bin – Teil V

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Tei VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

5. Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

5.1. Am Anfang war das Wort? Von wegen!

Das Wort, der Logos am Anfang? Vor allem anderen? Nichts weniger als das will das Johannesevangelium seinen Lesern weismachen:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.  In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Johannes 1, 1- 5

Was da der unbekannte Verfasser Ende des 1. Jhd. n.d.Z. (nicht nur) am Anfang seines Evangeliums treibt ist Etikettenschwindel. Es ist die schamlose Usurpation des philosophischen Begriffs logos von einem, der von logos, von Logik, von Vernunft und Philosophie außer ein paar aufgeklaubten Brocken keinen Dunst hatte. Seitdem sind christliche Theologen immer wieder so verfahren: Man höre auf den Zeitgeist, nehme bestimmte Stichwörter auf, deute sie im eigenen Sinn um und schon kann man behaupten, dass Gott/ Jesus/ die Kirche die eigentliche „Erfüllung“ des menschlichen Fragens sei. Solches geschah z.B. auch bei Begriffen wie Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden, Sinn… Und was 2000 Jahren funktionierte wird auch heute noch gerne umgesetzt.
Am Anfang war auch nicht die Tat, wie es Goethe seinem Alter Ego Faust in den Mund legte, am Anfang des Christentums wie jeder Religion steht der Mythos. Was sonst. Am Anfang jedes Glaubenssystems steht ein Gründungs-, Erwählungs- oder Schöpfungsmythos. Der älteste uns überlieferte religiöse Mythos findet sich im Gilgamesch-Epos, das dabei in seiner Weise den Menschen als „noch nicht festgestelltes Tier“ (Nietzsche) sieht. In der hebräischen Bibel, dem Tenach ist der Gründungsmythos nicht eine der beiden Schöpfungsgeschichten- die sind weit später entstanden!-, sondern die „wundersame“ Errettung der Hebräer vor den Ägyptern durch Jahwe am Schilfmeer (2. Mose 14). Aus diesem Mythos leitet sich die besondere Beziehung Israels zu Jahwe als „erwähltes“ Volk und die Jahwes zu „seinem“ Volk als Gesetzgeber, König, Richter und Retter ab. Je mehr jedoch Israel in seiner Geschichte mit anderen Völkern in Kontakt kam, je mehr es auf der Bühne der Weltgeschichte auftauchte, und es mehr und mehr andere Götter und Religionen kennen lernte, desto exklusiver wurde Jahwes Anspruch: So lange bis aus dem Wüstengott eines kleinen nomadischen Clans der Schöpfer des Himmels und der Erde wurde. Was für eine Karriere! Israel hatte in den vielen Krisen seiner Geschichte ganz gewaltig damit zu kämpfen, dass die Welt und ihre Geschicke sich so ganz anders verhielten als es die Schriften des Moses und der Propheten (vorher)-sagten. Die Lösung war in den seltensten Fällen jedoch eine echte Auseinandersetzung und Diskussion auf (religions-)philosophischer Ebene, wie sie z.B, hinter dem Projekt der Septuaginta, der Übersetzung des Tenach ins Griechische, stand. Die immer wieder erfolgte „Lösung“  des Auseinanderklaffens von erlebter Realität und geglaubtem Mythos war die vollkommene Unterordnung ersterer unter den Mythos mit anschließender Neuinterpretation und Neubewertung. Am deutlichsten wird dies in der Apokalyptik wie z..B. im Buch Daniel: Da hängen die Geschicke nicht nur Israels, sondern der ganzen Menschheit am Handeln eines Erwählten, an seinem Glauben und seinem Festhalten an Jahwe. An diesem Punkt hat das Neue Testament weitergemacht und sich immer weiter vom alttestamentarischen Schilfmeer-Mythos entfernt, bis man schließlich Israel den Rang als Volk Gottes streitig machen konnte. An die Stelle des ursprünglichen Erwählungsmythos tritt spätestens mit Paulus „das Wort vom Kreuz“ (1. Kor 1, 18). Dieser neutestamentliche Erwählungs-Mythos zerfällt in drei Teile*:

  • Jesus tut Wunder und predigt das Reich Gottes
  • Jesus stirbt am Kreuz für die Sünden der Welt
  • Jesus wird von seinem Vater am dritten Tage auferweckt

Wer sich taufen lässt und bekennt: „Kyrios Jesus! – Jesus ist der Herr!“, der   partizipiert an diesem neuen Erwählungsmythos, der ist „gerettet“ und wird einst von den Toten auferstehen zum Heil. Es bedarf nicht wirklich viel Überlegung, um zu erkennen, dass dies ein Mythos ist und ganz bestimmt kein Logos, kein vernünftiges, diskutables und falsifizierbares Wort:

  • Das Reich Gottes haben vor Jesus, zu seiner Zeit und nach ihm unzählige andere gepredigt. Auch selbst ernannte Wundertäter gab es damals so viele, als dass man keinem von ihnen hätte  Glauben schenken müssen.
  • Dass Jesu ganz gewöhnlicher Tod am Kreuz- gewöhnlich für einen des Aufruhrs Bezichtigten!- etwas besonderes war, wird auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer. Es ist Interpretation, nicht Tatsache. Das Leben des Brian ist auch eine Interpretation der Evangelien, eine besonders gelungene zudem. Vielleicht enthält der Film ja mehr „Wahrheit“ als die zahllosen Auslegungen aller Theologen zusammen.
  • Auch die Auferstehung ist nur Behauptung. Sie ist ohne Belege außerhalb der Reihen der Gläubigen, die eine Begegnung mit Jesus behaupteten. Und deren Geschichten sind alles andere als konsistent und glaubhaft. Wer glaubt taugt wenig als unvoreingenommener Zeuge für das von ihm Geglaubte…

Ich weiß, dass sich Gläubige durch Fakten und Zweifel nicht wirklich beeindrucken lassen. Nebbich. Wenn jedoch wie seit Johannes üblich der Mythos, die Widervernunft eines sterbenden Gottessohnes zum Logos, zur wahren Vernunft, zum Maß aller Dinge in allen Lebensbereichen erhoben wird, dann wird eine lächerliche Legende zu einem Gift, das nach 2000 Jahren Christentum noch immer seine verheerende Wirkung zeigt. Nicht Wissenschaft und Gesellschaft, nicht Moral und Politik haben sich dem Gründungsmythos irgendeiner Religion unterzuordnen sondern umgekehrt. Wenn es Christentum, Islam & Co. nicht passt, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben, dann muss ich mit dem alten Spruch meiner Eltern nach ergebnisloser politischer Diskussion antworten: „Geht doch rüber, wenn’s euch nicht passt!“ O.K. früher war das einfacher, da musste man nur in die DDR…
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* Der vierte Teil des Mythos, die „Menschwerdung Gottes“, wie sie die Weihnachtsgeschichten andeuten, kommt erst später dazu. in der Auseinandersetzung mit der Apotheose der römischen Kaiser.

Aphorismus #486

Wort zum Sonntag #19

Von David, vorzusingen.
Die Toren sprechen in ihrem Herzen:
»Es ist kein Gott.«
Sie taugen nichts; ihr Treiben ist ein Gräuel;
da ist keiner, der Gutes tut.
Psalm 14, 1

Ja, so ist sie, die Bibel: gerade heraus. Sie verachtet unumwunden jeden, der nicht ihren Worten Folge leistet. Wehe ein Atheist beschimpft Glaubende als Deppen, als Menschen der Niedertracht und Bosheit. Wehe! Was würde das für ein Geschrei geben! – Aber der Atheist, der Agnostiker, der Humanist sie alle müssen sich solche wüsten Beschimpfungen im Namen eines Gottes gefallen lassen.

Was macht aber den Bibelglauben- verkörpert und umgesetzt in den Worten und Taten der Gläubigen- so wütend auf alle Gottlosen? Was ist das Verbrechen desjenigen, der den Helm nicht abnimmt zum Gebet, der keinen Eid auf die Bibel schwört, der seine Kinder nicht taufen lässt und auch nicht in den Religionsunterricht schickt? Was tut dieser freie und denkende Mensch ach so Böses und Verwerfliches, dass er sich seit mehr als 2000 Jahren den Zorn und die Wut der „Gerechten“ im Namen Gottes auf sich zieht? Gott, muss unsereins ein Monster sein! Und so sind ja die anders Denkenden in der Geschichte der Religionen gerne behandelt worden.
Im Folgenden eine gottlose Auslegung des  Psamlmverses.

Zeige mir, wie du es mit Schwulen hältst…

… und ich sage dir, wie frei du bist!

Natürlich gibt es in Israel Schwulenfeindlichkeit, gerade aus der religiösen, der orthodoxen (= fundamentalistischen) Ecke. Am  Samstag vor einer Woche ging diese sogar so weit, dass zwei Menschen starben und mehrere verletzt wurden. Aber in Israel gibt es auch offene Solidarität mit den Opfern, eine große Demonstration, auf der der Staatspräsident sprach. Wäre das in Deutschland möglich? Köhler oder Merkel halten eine Rede anlässlich eines ähnlichen Zwischenfalls, der in Deutschland genauso vorkommen kann? Wohl kaum, würde man doch damit die fromme und reaktionäre Klientel nebst Kirche(n) vor den Kopf stoßen. Und da gibt es noch genug, denen CSD, Homo-Ehe und anderes mehr als nur ein Dorn im Auge sind.
Freiheit behaupten und Freiheit leben, das sind zwei Paar Stiefel! Da können wir von dem ach so verhassten Israel noch viel lernen! Im Nahen Osten zeigt sich ein tiefer Graben zwischen westlichen, aufgeklärten, individuellen Lebensentwürfen in Israel, wo sich der Staat nicht in die inneren Angelegenheiten der Liebenden einmischt, auf der einen Seite und einer voraufgeklärten, wie unten, im Wort zum Sonntag #13 beschriebenen, von Gott selbst vorgeschriebenen Lebensweise, wie sie in in den umgebenden muslimischen Ländern* anzutreffen ist. Da steht ganz klar Freiheit des Individuums gegen die Zwänge einer religiös begründeten Ordnung! Sage mir noch einer, islamistische Terrorgruppen wie die Hamas seien „Befreiungsbewegungen“! Befreit wird das Land lediglich von allem, was dem engstirnigen und perversen Weltbild der „Befreier“ nicht passt. Das war im Iran so, das ist in Gaza so, im Sudan, in Niger und, geht es nach den Gotteskriegern, soll das überall so sein! Und weil sie so „erfolgreich“ sind bei der Befreiung von allem Schmutz, insbesondere dem der Homosexualität, kann sich z.B. ein Präsident Ahmadinejad ungeniert vor die Weltpresse stellen und allen Ernstes behaupten, im Iran gebe keine Homosexuellen. „Mehr“, möchte man ergänzen: Es gebe keine Homosexuellen mehr.

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* Dass nicht nur in islamischen Ländern Homosexualität als Sünde, Perversion und Verbrechen angesehen wird, überall dort, wo Religion nicht nur das Leben der Menschen bestimmt, ebenso wie die Grundlagen des Staatswesens, ist leider noch in vielen Ländern der Erde so. Das Video nennt ja ein paar Beispiele.

Aphorismus #438

Hätte sich in Teheran eine normale Militärdiktatur an die Macht geputscht, wäre es schlimm genug. Hier aber haben wir es einer völlig aus dem Ruder gelaufenen antisemitisch-apokalyptischen Clique zu tun. Für sie ist Terror nach innen die Voraussetzung für Terror nach außen. Sie wollen die Destruktionskraft der Bombe mit dem Furor des Religionskriegs und ihrem Märtyrerwahn fusionieren – eine Kombination, wie es sie seit Beginn der Kernspaltung noch nicht gab.

Matthias Küntzel: Der Westen fällt der iranischen Protestbewegung in den Rücken

Aphorismus #337

ALDI informiert – ALDI informiert – ALDI informiert

Im Internet und an anderer Stelle werden seit dem 08. Januar 2009 unzutreffende Behauptungen über angebliche Spenden unseres Hauses an Israel verbreitet.

Wir wissen nicht, wer diese unzutreffenden Behauptungen aufgestellt hat.

Deswegen stellen wir hiermit unmissverständlich und in aller Eindeutigkeit klar:

Es ist absolut unzutreffend und frei erfunden, wenn behauptet wird, dass ALDI an Israel Spenden leistet. Eine solche Absicht besteht nicht und hat auch nicht bestanden.

Das ist keine Satire, keine Ente und keine üble Nachrede. Das ist echt! Und hat einen einfachen, aber  zynischen Grund: Es gibt nun mal weit mehr islamische Kundschaft in Deutschland als jüdische. So einfach ist das mit Moral und Politik im Kapitalismus. Wenn es ALDI schon vor ’45 gegeben hätte, stellt sich die Frage, ob es dann in den Filialen SA-Hemden, SS-Uniformen und Hakenkreuz-Fahnen zum unschlagbar günstigen Preis gegeben hätte? Aber wahrscheinlich stellt sich diese Frage gar nicht. Pecunia non olet.

Aphorismus #334

Antisemitismus unterstellt, was er selber betreibt und vorhat, den Juden als Motiv und Praxis. Und da spricht der deutsche Antiamerikanismus eine deutliche Sprache von dem, was er selber gern täte, aber nicht kann, und deswegen bei seinen arabisch-islamischen Schützlingen, den Erbverwaltern des Nationalsozialismus, umso mehr goutiert, protegiert und alimentiert.

Uli Krug, Bahamas 20/2003

Kann ich hoffen, dass es mir mit einem Zitat aus dem Hassblatt aller Antizionisten nicht ergeht wie dem ca ira Verlag?  Und nein, ich bin jetzt nicht bei der Bahamas „gelandet“. Ich erlaube es mir nur, selbständig denkend Zitate aufzunehmen, die passen. Und dieses passt zu 100% auf die gestern eröffnete Durban II-„Israel ist der Todfeind der Menschheit“-Konferenz.

übrigens…

… gibt es mal wieder eine neue Kategorie beim Ungenannten: „übrigens…“ sammelt außergewöhnliche, verblüffende, schräge oder einfach nur interessante Fundstücke aus dem Netz. Viel Vergnügen, Verblüffung, Verständnis und Verwunderung wünscht

der ungenannte

Jahwe Gatte der Aschera?

Das legen zumindest Funde nahe, die vor einiger Zeit gemacht wurden. Dass die Anfänge der jüdischen Religion sich in zahllosen Stammesreligionen mit je eigenen „elohim“ (Göttern) verlieren, und erst später in der Verehrung Jahwes zu einer monotheistischen Religion zusammengeführt wurden,  ist schon lange Allgemeingut in der Forschung, dass aber viel später von Jahwes Frau Aschera die Rede ist, das war mir neu. Im Wissenschaftlichen Bibellexikon* der Deutschen Bibelgesellschaft, wahrlich keine Ansammlung von Ketzern, Atheisten und Kirchengegnern heißt es:

„Die Textfunde von Kuntillet ‘Ağrūd (Kuntillet ‘Ağrūd [Kuntillet Agrud]) und Chirbet el-Qōm (Chirbet el-Qōm) haben ein unerwartetes Licht auf die israelitische Religion geworfen. Sie verweisen auf „Jahwe und seine Aschera“. Außerdem ist eine große Anzahl von Pfeilerfigurinen gefunden worden, die Frauen mit großen Brüsten zeigen und eine dea nutrix („nährende Göttin“) darstellen. Die Texte und die Artefakte haben in der alttestamentlichen Wissenschaft eine Debatte entzündet, ob der Jahwismus ursprünglich monotheistisch war oder nicht. Obwohl es noch einige Unsicherheiten in der Detailinterpretation gibt, wird inzwischen allgemein akzeptiert, dass der Jahwismus lange Zeit nicht monotheistisch war. Sowohl in der Familienreligion als auch im höfischen Bereich (vgl. Jer 44) wurde – mindestens bis zur Exilszeit – Jahwe als der Gatte Ascheras angesehen und verehrt.“

Nachzulesen im Artikel „Jahwe“ im WiBiLEx. Ich habe lediglich die Verweise weggelassen. Ein Bild der erwähnten Tafel ist auch dabei.

*Den Vollzugriff gibt es leider erst nach kostenloser und unproblematischer Anmeldung. Wer wissen will, welche „Ketzereien“ wissenschaftlich akzeptiert sind und eben nicht auf den Kanzeln verkündet werden, wird hier viele gute Argumente gegen die kirchliche religiöse Verdummung finden. Außerdem gibt es hier sieben Online-Bibeln einschließlich der Urtexte.