Aphorismus #1002

KÜSSE UND SEGEN
Der Papst liebt unsere Kinder

So ist es heute bei BILD-Online* zu lesen.
???
Also mich macht das stutzig, wenn sich mal wieder ein katholischer Geistlicher an Kinder ranmacht.
______________
* Auf BILD verrechte verlinke ich nicht.

Advertisements

Aphorismus #977

Die [katholische] Kirche […] ist durch den Missbrauchsskandal unter ein allgemein gesellschaftlich akzeptiertes Zivilisationsniveau gefallen. Damit ist sie nicht nur hinter ihren eigenen Anspruch zurück gefallen, sondern hat sich außerhalb des gesellschaftlich akzeptierten moralischen Konsenses gestellt.

Dr.rer. soc. Dr. theol. Michael N. Ebertz, Professor für „Sozialpolitik, Freie Wohlfahrtspflege, kirchliche Sozialarbeit“ an der Katholischen (sic!) Hochschule Freiburg in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger
Wenn das mal nicht dem Herrn Professor den Lehrstuhl kostet.

Aphorismus #940

Die Kirche – und der Papst geht da wieder „vorbildlich“ voran – sieht sich gerne als Opfer. Ganz deutlich war das bei den Missbrauchsskandalen. Als Schuldige hatte man schnell die Medien ausgemacht, manche ganz hartgesottenen Kirchenfürsten dann auch noch junge Schwule, die die ansonsten völlig tadellosen Priester verführt hätten. Man kultiviert in Rom gerne Verschwörungstheorien, die von einer vom Weltjudentum gesteuerten Attacke auf die Kirche und den Papst phantasieren. Diese Opferstrategie ist natürlich praktisch, aber sie führt auch dazu, dass die Aggressivität deutlich ansteigt. Denn man sieht sich ja angegriffen und in der Defensive und muss sich nun – schon um die höhere Ehre Gottes zu verteidigen – wehren …

Aus dem lesenswerten Interview, das Reinhard Jellen mit dem katholischen Theologen David Berger über dessen neues Buch „Der heilige Schein“ geführt hat.

Aphorismus #936

Wort zum Sonntag #82

Auch der Vatikan hat Lecks*

Quelle: Wikileaks – Layout und Hervorhebungen zum leichteren Lesen von mir. Am Wortlaut wurde nichts verändert.

2/20/2009 16:00

09VATICAN28
Embassy Vatican

CONFIDENTIAL

09VATICAN25

P 201600Z FEB 09

SUBJECT: THE HOLY SEE: A FAILURE TO COMMUNICATE

REF: VATICAN 25 AND PREVIOUS (NOTAL)

C o n f i d e n t i a l vatican 000028

E.o. 12958: decl: 2/20/2029

Tags: prel, ecps, phum, pgov, kpao, kirf, vt

Subject: the holy see: a failure to communicate

Ref: vatican 25 and previous (notal)

CLASSIFIED BY: Julieta Valls Noyes, CDA, EXEC, State.

REASON: 1.4 (b)

1. (C) Summary

Together with other flaps, the recent global controversy over the lifted excommunication of a Holocaust denying bishop (reftel) exposed a major disconnect between Pope Benedict XVI’s stated intentions and the way in which his message is received by the wider world. There are many causes for this communication gap: the challenge of governing a hierarchical yet decentralized organization, leadership weaknesses at the top, and an undervaluing of (and ignorance about) 21st century communications. These factors have led to muddled, reactive messaging that reduces the volume of the moral megaphone the Vatican uses to advance its objectives. This is especially true with audiences whose view of the Vatican is informed largely by mass media coverage. There are signs that at least some in the Vatican have learned their lessons and will work to reshape the Holy See’s communications structure. Whether they’ll prevail remains to be seen.
End Summary.

A centralized hierarchy making decentralized decisions

2. (SBU) The Vatican is highly hierarchical with the Pope ultimately responsible for all important matters. Yet it is also highly decentralized in its decision-making. This structure reflects belief in the principle of „subsidiarity„: leaving decisions to those closest to, and best informed on, a particular matter. On a practical level, however, subsidiarity can limit horizontal communication by eliminating peer consultation and review. This approach also encourages a narrow focus on issues at the expense of the big picture.
3. (C) In discussing the recent crisis with CDA and PAO, Archbishop Claudio Celli, President of the Pontifical Council for Social Communications, described the Church’s current communication style as being focused on the content of a decision, rather than its public impact. xxxxxxxxxxxx, noted that this phenomenon is compounded by the fact that officials from the various Church organs see themselves as advocates for their issues, without considering their impact on the Church as a whole. The result is a process in which only a handful of experts are aware of imminent decisions — even major decisions with broad implications — and those who are become proponents, rather than impartial advisors to the Pope.
4. (C) A series of missteps during Benedict’s Papacy have made the lack of information-sharing in the Church painfully clear. In 2006, the Pope made a speech in Regensburg that was widely decried as insulting to Muslims, though he later explained he had no such intent. In 2008, the Pope himself baptized (i.e., converted)a prominent Muslim during the 2008 Easter Vigil service at St. Peters, an event broadcast worldwide; the Cardinal who runs Inter-Faith Dialogues for the Church knew nothing about the conversion until it happened. This year, Father Federico Lombardi, head of the Vatican press office, and Cardinal Walter Kasper, President of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity, which includes relations with Jews, learned only after the fact about the decision to reinstate communion with schismatic Lefebrvist bishops who included a Holocaust denier (reftel). In the midst of that scandal, meanwhile, the Pope proposed promoting to auxiliary bishop a priest who said Hurricane Katrina was „divine retribution“ for licentiousness in New Orleans. The resulting outcry led the cleric to decline the offer.

______________________________
* Natürlich stammt dieser Bericht aus der amerikanischen Botschaft, aber ohne die Lecks im Vatikan, d.h. ohne die verschiedenen Insider aus der allerheiligsten Hierarchie wäre er kaum so detailliert und interessant.

Aphorismus #917

Wenn man im Namen der Nichtdiskriminierung die katholische Kirche zwingen will, ihre Position zur Homosexualität oder zum Frauenpriestertum zu ändern, dann heißt das, dass sie nicht mehr ihre eigene Identität leben darf, und dass man stattdessen eine abstrakte Negativreligion zu einem tyrannischen Maßstab macht. Das ist dann anscheinend die Freiheit – allein schon deshalb, weil es die Befreiung vom Bisherigen ist.

DAS hat Papst Benedikt XVI. auch in dem Interviewbuch gesagt, das wegen seiner Aussagen zum Gebrauch von Kondomen derzeit medial Furore macht. Aber DAS ist fast nirgends zu lesen.
Dass derjenige intolerant ist, der der katholischen Kirche deren Intoleranz vorhält, und nicht die Mutter Kirche selbst, das ist mal wieder ein  schönes Beispiel katholischer Wortverdrehung. Darin bleibt sich der Papst einfach treu.

Aphorismus #910

Die Frage muss erlaubt sein, ob damit nicht das Gastrecht, das wir Ausländerinnen und Ausländern gerne gewähren, überstrapaziert wird, wenn nämlich jahrhundertealte deutsche Traditionen wie das Kreuz in Schulzimmern angegriffen werden.

Mit diesen vom wahren Geist der Liberalitas Bavariae durchdrungenen Worten bezieht der Schulbürgermeister der Stadt Regensburg Gerhard Weber Stellung zum Wunsch eines Vaters, im Klassenzimmer seines Sohn das dort befindliche Kruzifix abzuhängen. Das nenne ich wahrhafte Toleranz!
Übrigens: der Mann ist weder Moslem noch evangelisch, sondern einfach Atheist. Er stammt auch nicht aus der Türkei, oder Gott bewahre gar aus Pakistan oder Ghana, sondern ist Brite. Er bezieht auch nicht Hartz IV, oder lebt vom Kindergeld des deutschen Staates, sondern ist habilitierter Physiker an der Universität Regensburg. – Wer wird es ihm verdenken, dass er sich bei nächster Gelegenheit an eine andere Uni berufen lässt…

Wenn Tradition, dann aber richtig! Die älteste Kreuzesdarstellung überhaupt (zwischen 200 und 250 n.d.Z.) stammt nicht aus christlicher Hand, sondern ist ein antikes Graffiti und zeigt einen eselsköpfigen Gekreuzigten mit dem Text „Alamenos betet seinen Gott an“. Wer allerdings DIESER  Tradition anhängt, riskiert eine Anzeige nach § 166 StGB „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“. Freiheit ist eben immer die Freiheit der gleich Denkenden. Das ist die deutscheste aller Tradition.

Aphorismus #899

Wort zum Sonntag #77

Mörderischer Glaube

Wenn ein gewöhnlicher Mörder einen Mord begeht, dann geschieht dies meist im Familien- und Bekanntenkreis und ist, wie es so schön heißt, eine Beziehungstat. Gewöhnlich bleibt es bei einem Mord, dem am Partner, der Partnerin. Selten kommt ein zweiter hinzu, z.B. der am (vermeintlichen) Rivalen etc. pp. Das hat oft eine lange Vor- und/ oder Leidensgeschichte aus Liebe, Verehrung, Abhängigkeit, Hass, Zurückweisung, Demütigung und anderen schier nicht zu bändigenden Gefühlen. Solche Taten sind schnell aufgeklärt und im Gegensatz zu Krimis meist wenig spektakulär.
Wenn ein Mensch zum Mörder wird, ist das die große Ausnahme, wir haben so etwas wie eine angeborene Beißhemmung unserer eigenen Spezies gegenüber. Mordet ein Mensch wiederholt, dann hat er diese Beißhemmung entweder nie entwickeln können und ist als Sadist und Soziopath eher der Fall für die forensische Psychiatrie als für das Strafrecht; oder er ist als Auftragsmörder weit mehr Hollywood-Stoff als real. Und doch gibt es sie, die Mehrfachmörder. Wie bei vielen anderen Dingen kann sich ein Mensch- gewollt oder ungewollt sei mal dahingestellt- gegen die eigene menschliche Natur stellen, sie verleugnen und so die Unversehrtheit des menschlichen Lebens als Gut, das geschützt werden muss, mit seinem Handeln negieren. Was dabei im Kopf des Killers wirklich vorgeht, ist wohl kaum nachzuvollziehen. Unmenschlichkeit hat eine ganz eigene „Logik“.
Bei bisher genannten Beispielen handelt es sich um Einzeltäter, sie stellen sich selbst außerhalb der menschlichen Gemeinschaft- und sei es nur für den Augenblick der Tat-, oder sie sind nie in dieser gewesen, konnten nie zum sozialen und mitfühlenden Wesen heranwachsen. Gäbe es nur diese Art Mörder, nur die Beziehungstäter, nur die Berufskiller und nur die Soziopathen, die Weltgeschichte wäre garantiert anders verlaufen. Sie wäre nie dieses endlose Blutvergießen geworden, als das wir sie kennen, als eine immer währende Geschichte von Kriegen, Eroberungen, Sklaverei, Völkermord und allen erdenklichen Gräueln, die so gerne als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet werden, aber wohl besser Verbrechen gegen die Menschheit des Menschen genannt werden sollten: Verbrechen gegen seine Menschenwürde, seine Menschenrechte, seine Persönlichkeit, sein Leben.
Dabei fällt auf, dass es drei Gründe für diese Verbrechen gibt, drei Gründe die eng miteinander verwoben sind, so dass sie nur schwer zu trennen sind. Es sind Macht, Ressourcen und Religion. Darauf lassen sich m.E. die Ursachen der meisten Kriege, Eroberungen, Massaker und  Vertreibungen der Weltgeschichte zurückführen. Mal steht das eine, mal das andere im Vordergrund. Mal ist es die grenzenlose Gier nach Land und Rohstoffen, mal der Wille andere Völker zu versklaven. Und damit der gemeine Mann nicht nachdenken muss und also ins Zweifeln kommt, dafür gibt es die Religion, die große Klammer, die allgegenwärtige Rechtfertigung für jede Sauerei in der Menschheitsgeschichte. „Deus vult!„- Gott will es-, was kann man dagegen noch sagen?