Aphorismus #949

Was wirklich Frieder auf Erden bringt

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace 

John LennonImagine

und es kann funktionieren:

Vielleicht zuviel Streicher, dafür aber Moslem, Jude und Christ vereint in einem Lied:

You may say that I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Aphorismus #931

Und so selbstverständlich, wie die Mücken tanzen, so selbstverständlich ist den Mördern und ihren Kindern Untat, Fortsetzung der Untat und Propagierung der Untat. Es geschieht so wenig gegen den nächsten Krieg, bei dem euch die Gedärme, so zu hoffen steht, auch in den Städten über der Stuhllehne hängen werden. Jeden Abend müßte in den Kinos zu sehen sein, wie sie wirklich gestorben sind.
Möge das Gas in die Spielstuben eurer Kinder schleichen. Mögen sie langsam umsinken, die Püppchen. Ich wünsche der Frau des Kirchenrats und des Chefredakteurs und der Mutter des Bildhauers und der Schwester des Bankiers, dass sie einen bittern qualvollen Tod finden, alle zusammen. Weil sie es so wollen, ohne es zu wollen. Weil sie herzensträge sind. Weil sie nicht hören und nicht sehen und nicht fühlen. Leider trifft es immer die Falschen.

Kurt Tucholsky (1890 – 1935), Dänische Felder in: Die Weltbühne, 26.07.1927, Nr. 30, S. 152

Aphorismus #896

Wir glauben, daß der Klassencharakter der Gesellschaft, wie ihn der Kapitalismus bis zum Auseinanderklaffen der Völker in zwei verschiedene Tiergattungen ausgebildet hat, nur durch die Ueberwucherung des gesamten Lebens von materialistischem Denken und Trachten möglich wurde; daß aber umgekehrt die Uebersteigerung der materialistischen Triebe immer und unter allen Umständen zu Klassenscheidungen der Gesellschaft, mithin zur Versklavung des einen Teils und zur Herrenmacht des anderen Teils führen muß. Wir glauben ferner, daß die Verrottung der kapitalistischen Gesellschaft, ihr hilfloses Herumtorkeln in der eigenen Mißwirtschaft, ihr Zufluchtsuchen bei Kriegen und immer brutalerer Knechtung der enteigneten und entrechteten Massen ihre tiefste Ursache im Widersinn des nur materialistischen Fühlens, Denkens und Handelns hat.

Die etwas altmodischen Formulierungen verraten zwar, dass dieser Text nicht von heute stammt, aber er trifft genauso auf das Jahr 1932 zu, aus dem er stammte, wie auf das Jahr 2010. Er stammt von Erich Mühsam (1878 – 1934), dem großen Anarchisten. „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat“  ist das programmatische Hauptwerk Erich Mühsams und die letzte Veröffentlichung vor seiner Verhaftung durch die SA am 28. Februar 1933. Das Werk erschien zunächst in drei Fortsetzungen in der Zeitschrift: Die Internationale. Zeitschrift für die revolutionäre Arbeiterbewegung, Gesellschaftskritik und sozialistischen Neuaufbau. Herausgegeben von der Freien Arbeiter-Union Deutschlands, Anarcho-Syndikalisten. Berlin. Jg. 5. Heft 6 (Juni 1932), Heft 7 (Juli 1932) und Heft 8 (August 1932). Im folgenden Jahr wurde ein Sonderheft als Einzelveröffentlichung im „Fanal-Verlag Erich Mühsam“ gedruckt.

Aphorismus #886

Masters of War

Come you masters of war
You that build the big guns
You that build the death planes
You that build all the bombs
You that hide behind walls
You that hide behind desks
I just want you to know
I can see through your masks. 

You that never done nothin‘
But build to destroy
You play with my world
Like it’s your little toy
You put a gun in my hand
And you hide from my eyes
And you turn and run farther
When the fast bullets fly.

Gibt es einen besseren Kommentar zu den Schweinereien im Irak-Krieg, die dank wiki-leaks mal wieder für ein paar Tage in aller Munde sind? Gerne hätte ich auf die Originalfassung von Bob Dylan verlinkt. Aber Sony hat ja bekanntlich alle Dylan-Aufnahmen in Deutschland aus youtube herausgenommen. Darum verlinke ich hier auf ein paar schöne Alternativen:

Los geht es mit einer recht eigenwilligen “ Version des Hip-Hop-Produzenten und Schlagzeugers Questlove zusammen mit „GGALP“ (ein Teil seiner Band The Roots), d.h. Gitarre und Sousaphone (!). Das ergibt eine ganz vorzügliche Mischung in zwei Teilen: Teil 1, Teil 2 . Am Anfang braucht es ein wenig bis die Band in Fahrt kommt. Aber dann ist sie nicht mehr zu stoppen. Und wo sieht man sonst einen Sousaphone-Spieler im Metal-Posing?

Traditioneller gehen Eddie Vedder mit Pearl Jam das Stück an, jedoch dank E-Gitarre mit weit mehr Aggressivität als seinerzeit Dylan.

Wer auf Prog steht- dem sei sowieso deutsche Band RPWL empfohlen-, wird sicher an dieser Variante seine Freude haben.

Aus Dänemark kommt von „Dragontears“ ein psychedelisches Master of War.

Cher allerdings hätte es besser gelassen, Dylan zu singen. Nervig. Zum Glück ist sie aber nicht auf die Schnapsidee mit dem Reggae-Rhythmus gekommen, wie es hier geschehen ist.

Viel Spaß beim Finden der Lieblingsversion. Der Song hat es verdient!

Aphorismus #882

Our instinctive apparatus consists of two parts — the one tending to further our own life and that of our descendants, the other tending to thwart the lives of supposed rivals. The first includes the joy of life, and love, and art, which is psychologically an offshoot of love. The second includes competition, patriotism, and war. Conventional morality does everything to suppress the first and encourage the second.

Bertrand Russell (1872 – 1970), On the Value of Scepticism. Einleitung zu: Sceptical Essays, 1928

Aphorismus #831

Art of War

Afghanistan Stability/COIN Dynamics Security
Slide from a military Power Point presentation (Source: Office of the Joint Chiefs of Staff)

Und das meinen die begeisterten Kritiker:

… striving to create works that are easy to comprehend has never been a strong point for postmodern conceptual artists…
While their work has a strong political dimension, the Joint Chiefs have to their credit avoided the tedious moralizing so common with much of today’s political art. By dispensing with outdated notions of craft, skill, and narrative (at least one that makes any sense), the Chiefs have given us a hardheaded no-nonsense look at what really lies behind America’s “necessary war” – confusion, bewilderment, and stupefaction
.
Mark Vallen, COIN: Pentagon Postmodern

And You Thought Health Care Was Complicated?
Seth Weinberger

When we understand that slide, we have won the war.
Der ehemalige ISAF-Kommandeurs General Stanley A. McChrystal

Es gibt aber auch negative Kritiken, die aber nur zeigen, dass ihre Verfasser NICHTS verstanden haben:

I believe that this is a case of a bad workman blaming his tools.
Joey deVilla, PowerPoint is NOT the Enemy

For headquarters staff, war consists largely of the endless tinkering with PowerPoint slides to conform with the idiosyncrasies of cognitively challenged generals in order to spoon-feed them information. Even one tiny flaw in a slide can halt a general’s thought processes as abruptly as a computer system’s blue screen of death
The commander’s immediate subordinates, usually one- and two-star generals, listen
to the CUA in a semi-comatose state. Each briefer has approximately 1 or 2 minutes to impart either information or misinformation. Usually they don’t do either. Fortunately, none of the information provided makes an indelible impact on any of the generals.
Lawrence Sellin, Ph.D., colonel in the U.S. Army Reserve and a veteran of the conflicts in Afghanistan and Iraq – Bis zu diesem Kommentar.

Aufmerksam geworden bin ich auf dieses grandiose Stück Kriegskunst auf telepolis: Der Krieg und PowerPoint von Florian Rötzer

Aphorismus #797

Verantwortung ist doch nicht nur ein Wort, eine chemische Formel, nach der helles Menschenfleisch in dunkle Erde verwandelt wird. Man kann doch Menschen nicht für ein leeres Wort sterben lassen. Irgendwo müssen wir doch hin mit unserer Verantwortung. Die Toten – antworten nicht. Gott – antwortet nicht. Aber die Lebenden, die fragen.

Wolfgang Borchert (1921 – 1947), Draußen vor der Tür– gefunden bei Wikiquote