Aphorismus #980

Die Revolution hatte also zwei Reihen von Resultaten, die notwendig auseinandergehen mußten. Das Volk hatte gesiegt, es hatte sich Freiheiten entschieden demokratischer Natur erobert; aber die unmittelbare Herrschaft ging über nicht in seine Hände, sondern in die der großen Bourgeoisie.

Friedrich Engels zur Märzrevolution 1848, MEW 5, S. 64 – Wetten in Kairo und andern Ortes wird es nicht viel anders sein?

Aphorismus #921

Die Wahlphilosophie der Parlamentskandidaten besteht demnach einfach darin, daß sie ihrer linken Hand erlauben, nicht zu wissen, was ihre rechte Hand tut, und so waschen sie beide Hände in Unschuld. Ihre Hosentaschen zu öffnen, keine Fragen zu stellen und an die allgemeine Tugend der Menschheit zu glauben – das dient ihren Absichten am allerbesten.

Diese Einsicht über die wahren Gründe, warum sich das Kapital den Luxus von Parlamenten und Wahlen gönnt, hatte Karl Marx bereits 1859. Es erübrigt sich die Frage, ob sich daran etwas geändert hat. Politiker haben nun mal höchstens ein virtuelles Gewissen. Mehr können sie sich nicht leisten.

Aphorismus #874

Je rascher die Arbeiterklasse die ihr feindliche Macht, den fremden, über sie gebietenden Reichtum vermehrt und vergrößert, unter desto günstigern Bedingungen wird ihr erlaubt, von neuem an der Vermehrung des bürgerlichen Reichtums, an der Vergrößerung der Macht des Kapitals zu arbeiten, zufrieden, sich selbst die goldnen Ketten zu schmieden, woran die Bourgeoisie sie hinter sich herschleift.

Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, MEW 6, S. 416 Dies nur zur Meldung gestern, dass in Deutschland mal wieder die Reichen reicher und zahlreicher geworden sind, haben auch die allerbesten Voraussetzungen dazu.

Aphorismus #822

Wort zum Sonntag #67

Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.
Karl Marx

Eine kleine Zitatensammlung*

Religion ist eine menschliche Erfindung, die sich schleichend ausbreitet. Man weiß sehr wohl, wie sie beginnt, wie sich schüchtern die ersten Kulte etablieren und dann entwickeln, wie die ersten Götter Gestalt annehmen und diverse Funktionen bekommen, und wie sich ihre Zahl verringert, bis es schließlich nur noch einen gibt.

Umberto Eco

Die Religion hat viel Schlechtes und nur wenig Gutes hervorgebracht.

Claude Adrien Helvétius (1715 – 1771), französischer Philosoph

Gefängnisse werden mit den Steinen des Gesetzes erbaut, Bordelle mit den Backsteinen der Religion.

William Blake (1757 – 1827), englischer Dichter

Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten.

Albert Einstein (1879 – 1955)

Religion ist Feigheit vor dem Schicksal. Nichts weiter.

Rudolf von Delius (1878 – 1946), deutscher Schriftsteller und Philosoph

Die Religion stützt sich vor allen und hauptsächlich auf die Angst.

Ich betrachte die Religion als Krankheit, als Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse.

Bertrand Russell (1872 – 1970)

Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.

Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.

Karl Marx (1818 – 1883)

Der Religion ist nur das Heilige wahr, der Philosophie nur das Wahre heilig.

Ludwig Feuerbach (1804 – 1872)

Die Religion ist eine Krücke für schlechte Staatsverfassungen.

Religionen sind Kinder der Unwissenheit, die ihre Mutter nicht lange überleben.

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)

Denken Sie an den betrübenden Kontrast zwischen der strahlenden Intelligenz eines gesunden Kindes und der Denkschwäche des durchschnittlichen Erwachsenen. Wäre es so ganz unmöglich, dass gerade die religiöse Erziehung ein großes Teil Schuld an dieser relativen Verkümmerung trägt?

Eine Neurose ist individuelle Religiosität, und Religion ist eine universelle Zwangsneurose.

Religion – den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.

Sigmund Freud (1856 – 1939)

Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen.

Lenin (1870 – 1924)

Die Religion der Liebe, die christliche, ist seit mehr als achtzehn Jahrhunderten gegen alle Andersdenkenden eine Religion des Hasses, der Verfolgung, der Unterdrückung gewesen. Keine Religion der Welt hat der Menschheit mehr Blut und Tränen gekostet als die christliche, keine hat mehr zu Verbrechen der scheußlichsten Art Veranlassung gegeben; und wenn es sich um Krieg und Massenmord handelt, sind die Priester aller christlichen Konfessionen noch heute bereit, ihren Segen zu geben, und hebt die Priesterschaft der einen Nation gegen die feindlich ihr gegenüberstehende Nation flehend die Hände um Vernichtung des Gegners zu einem und demselben Gott, dem Gott der Liebe, empor.

August Bebel (1840 – 1913), deutscher sozialistischer Politiker
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* Man möge mir nachsehen, dass ich diesmal nur auf die Wikipedia-Artikel der Autoren verlinke und keine Quellenangaben mache- mehr war aus zeitlichen Gründen leider nicht drin. Jedoch sind es seriös scheinende Quellen aus dem Netz, aus denen die Zitate entnommen sind.

Aphorismus #819

Man muß den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert. Man muß jede Sphäre der deutschen Gesellschaft als die partie honteuse |den Schandfleck| der deutschen Gesellschaft schildern, man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt! Man muß das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen.

Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung. MEW 1, S. 381

Aphorismus #632

Der stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse besiegelt die Herrschaft des Kapitalisten über den Arbeiter. Außerökonomische, unmittelbare Gewalt wird zwar immer noch angewandt, aber nur ausnahmsweise. Für den gewöhnlichen Gang der Dinge kann der Arbeiter den „Naturgesetzen der Produktion“ überlassen bleiben, d.h. seiner aus den Produktionsbedingungen selbst entspringenden, durch sie garantierten und verewigten Abhängigkeit vom Kapital.

Noch einmal Karl Marx: Das Kapital Bd 1, S. 763 – 765. Diese Sätze folgen unmittelbar nach dem, was ich in Hartz IV – Unmenschlichkeit hat Tradition zitiert habe.