Aphorismus #1022

Niemals in meinen ganzen Leben werde ich akzeptieren, dass jemand mich ‚Der Jude Tenenbom‘ oder einen ‚jüdischen Hysteriker‘ nennt.

Was ist das für ein Land, in dem man jemanden ‚Der Jude Tenenbom‘ oder einen ‚jüdischen Hysteriker‘ nennen kann, ohne dass dies der Öffentlichkeit auffällt?

Hier zeigt sich, wie tief Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft verwurzelt ist: Derart tief, dass man nicht einmal wahrnimmt, dass etwas antisemitisch ist.

Tuvia Tenenbom, New Yorker Autor, der in einem Teil unserer Mainstream-Medien genau so tituliert wird, und deren Vertreter sich beharrlich weigern, den darunter liegenden tief verwurzelten Antisemitismus auch nur im Ansatz als solchen zu erkennen.
Ein Fall, der bezeichnenderweise KEINEN Skandal ausgelöst hat.

Wie? Das ist KEIN Antisemitismus? Vielleicht kann ich ja damit etwas auf die Sprünge helfen (was ich aber kaum zu hoffen wage):

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Aphorismus #969

Ich wünsche jedem Einzelnen von Ihnen einen Grund zur Empörung. Das ist sehr wertvoll. Wenn etwas Sie empört, wie mich die Nazis empört haben, werden Sie kämpferisch, stark und engagiert.

Stéphane Hessel (* 1917), Widerstandskämpfer, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, Diplomat, Mitunterzeichner der Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen (1948) und Lyriker in seiner Streitschrift „Indignez-vous!“ ( = Empört euch!) an seine Landsleute.
Wo bleibt der deutsche Hessel? Wo bleibt unsere Empörung über die Politiker und ihre Klientel-Politik, über die Bosse und Bonzen, über ihre Machenschaften zur Gewinnmaximierung und ihre maßlosen Gewinne, über die die stetig wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, über die Schmierenjournaille und die gesamte Medien-Verblödungsindustrie (Kulturindustrie wäre noch geschönt!)? – Bei uns ist stattdessen nur wenig von den Gründen zur Empörung zu lesen aber viel vom „Wutbürger“, und schwuppdiwupp ist jegliche Empörung individualisiert und alle Verantwortlichen sind wieder fein raus.
Mehr zu der Schrift von SH gibt es hier.

Aphorismus #951

Jedesmal, wenn man im Radio von verunglückten Autofahrern spricht, die auf glatter Fahrbahn die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren haben, sollte man die bislang ungestellte Frage in den Raum werfen, ob hier nicht “Väterchen Neoliberalismus” mehr Schuld trägt als “Väterchen Frost”. Aber diese Fragen werden in den Medien schon seit langem nicht mehr gestellt – man nimmt den neoliberalen Wahn vielmehr als Naturereignis wahr und spricht daher auch folgerichtig von wetterbedingten Katastrophen, die bekanntermaßen unabwendbar sind. Die neoliberale Katastrophe ist allerdings nicht unabwendbar.

Der Spiegelfechter Jens Berger, Unser umwintertes Gedächtnis

Aphorismus #930

One of television’s great contributions is that it brought murder back into the home, where it belongs.

Alfred Hitchcock (1899 – 1980), National Observer 15 Aug. 1966 (zitiert nach Wikiquote)

Aphorismus #885

Wort zum Sonntag #75

Öffentlich geförderte Verführung Minderjähriger

Die für den Weltmarkt produzierte Zeichentrickserie „CHI RHO – Das Geheimnis“ ist eine deutsche Koproduktion zwischen der Cross Media Medienproduktion, dem Kinderkanal von ARD und ZDF, der Trickompany und der Beta Film, gefördert mit Mitteln der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) und mit Unterstützung der Evangelischen und Katholischen Kirche in Deutschland.

Wir wollen die Zuschauer faszinieren, sie sollen die Geschichten aus der Bibel erleben und mitfiebern.

Steffen Kottkamp, Programmgeschäftsführer des Kinderkanals (Ki-Ka)

„CHI RHO – Das Geheimnis“ versteht sich als hochwertiges und ansprechendes Angebot, Kindern auf unterhaltsame Art und Weise mit den Mitteln animierter Bilder Geschichten der Bibel näher zu bringen

Dr. David Hober, Geschäftsführer der katholischen Rundfunk- und Fernseharbeit im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Vermittlung des christlichen Glaubens an die nächste Generation ist die wohl größte Herausforderung, vor der die Kirchen stehen. Es ist gut, dass sie diese mit CHI RHO in ökumenischer Verbundenheit in Angriff nehmen.

Oberkirchenrat Udo Hahn, Leiter des Referates „Medien und Publizistik“ der Evangelischen Kirche in Deutschland

Man stelle sich vor, statt um die Bibel würde es um den Koran gehen… Was wäre das Geschrei groß. Aber so. Die Bibel gehört ja nun mal zum „allerchristlichsten Abendland“ dazu, wie gebetsmühlenartig seit Jahren verkündet wird. Aber ständige Wiederholung macht Unsinn nicht besser:

Der KI.KA wollte die Serie. Die Programmmacher haben sich gesagt, die biblischen Geschichten sind die Grundlage unserer Kultur. Man kann Kinofilme, Kinderbücher, Politik und vieles mehr nicht verstehen, wenn man nicht die wichtigsten biblischen Geschichten kennt. Das ist noch wichtiger als die Grimmschen Märchen. Deshalb brauchen wir auch im Kinderprogramm ein religiöses Format. Gerade auch für Kinder in Ostdeutschland, die selber nicht mehr mit den biblischen Geschichten aufgewachsen sind. Menschen deuten ihr Leben ja in Erzählungen. Es ist ein wichtiges Phänomen der christlichen und jüdischen Kultur, dass wir unser Leben und Wirklichkeitsempfinden durch biblische Geschichten deuten. Diese Deutung muss unseren Kindern vermittelt werden. Das ist in erster Linie eine Bildungsaufgabe des öffentlichen Rundfunks, aber auch eine Herausforderung für den Kulturauftrag der beiden großen Kirchen.

Prof. Roland Rosenstock (Jahrgang 1966), Vater von drei Kindern, arbeitet als Religions- und Medienpädagoge an der Universität Greifswald und beantwortet unter anderem theologische Fragen von Kindern in der „Sendung mit der Maus“

Was ist mit den vielen anderen politischen, (religions)geschichtlichen und philosophischen Strömungen, die Europa mindestens genauso geprägt haben wie die Bibel? Was ist mit der Renaissance? Mit der Aufklärung? Mit der Moderne? Was mit Voltaire, Kant, Marx und wie sie alle heißen? Was mit Galilei, Newton, Einstein? – Ach ja. Erst muss man die Uhr um mindestens 2000 Jahre zurückdrehen, die Schwächsten, die sich nicht wehren können, anpredigen, denn nur dann werden die so Verführten (so wird es freudigst erwartet) den Popen aus der Hand fressen.
Und das alles gefördert von unseren GEZ-Gebühren und Steuern.
Zum Glück gibt es den Ausschalter.

Hier geht es zur Homepage zur Sendung, für alle, die leidensfähig sind und sich selbst ein Bild machen möchten.
Und hier habe ich den Hinweis darauf gefunden. Dem ausführlichen Kommentar ist nur zuzustimmen.

P.S.: Einen habe ich noch, der ist der absolute Brüller:

Bei CHI RHO – Das Geheimnis wird auf zeitgemäße und kindgerechte Art die Bedeutung von Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Respekt dargestellt.

Nochmal Dr. David Hober
Da macht sich mal wieder der Bock selbst zum Gärtner. Aber das können sie ia. Seit 2000 Jahren.

Staatsbürgerkunde Anno 2010

Undemokratisch ist:

Wenn in Stuttgart, Gorleben, Berlin und anderswo Bürger auf die Straße gehen und gegen die herrschende Politik demonstrieren.

Demokratisch ist:

Wenn in Leipzig, Dresden und anderswo Bürger auf die Straße gehen und rufen: „Wir sind das Volk!“

Undemokratisch ist:

Wenn das Zentralkomitee der SED Beschlüsse fasst und Gesetze macht, ohne die Betroffenen zu fragen und ohne Rücksicht auf Verluste.

Demokratisch ist:

Wenn zwischen Regierung und Industrie abgekartet wird, was anschließend durchgesetzt wird, ohne die Betroffenen zu fragen und ohne Rücksicht auf Verluste.

Undemokratisch ist:

Wenn es bei Wahlen nur „Einheitslisten“ mit dem ZK genehmen Kandidaten gibt: eine einzige große Wahl-Farce.

Demokratisch ist:

Wenn Parteien nur dann regierungsfähig sind, wenn sie sagen und umsetzen, was das Kapital will: eine fortgesetzte große Wahl-Farce.

Undemokratisch ist:

Wenn die Stasi das Volk großflächig bespitzelt und über Hinz und Kunz Akten anlegt.

Demokratisch ist:

Wenn- Antiterrorgesetze und TK-Überwachung sei dank!- Polizei und Verfassungsschutz das Volk großflächig bespitzeln und über Hinz und Kunz Akten anlegen.

Undemokratisch ist:

Wenn es nur zwei Fernsehprogramme gibt, die in den Nachrichten, Magazinen und Reportagen dasselbe sagen: das, was die SED will.

Demokratisch ist:

Wenn es hunderte Fernsehprogramme gibt, die in Nachrichten, Magazinen, Reportagen und Talk-Runden immer dasselbe sagen: das, was das Kapital will.

Undemokratisch ist:

Wenn alle Zeitungen gleichgeschaltet sind und nur schreiben, was den Herrschenden genehm ist.

Demokratisch ist:

Wenn es viele Zeitungen gibt, die alle jedoch nur schreiben, was die Verleger wollen.

Undemokratisch ist:

Wenn also die Medien nur, verbreiten, was sie verbreiten dürfen: Die Partei hat immer Recht!

Demokratisch ist:

Wenn Parteien und Regierungen das sagen und umsetzen, was ihnen BILD, SPIEGEL, Bertelsmann und Burda diktieren.

Undemokratisch ist:

Wenn es einen Mindestlohn gibt, dank dessen keiner hungern oder frieren muss.

Demokratisch ist:

Wenn rund 14% der Bevölkerung arm sind.

Undemokratisch ist:

Wenn Grundnahrungsmittel, Bus- und Zugfahrkarten, Mieten, Kultur- und Freizeitveranstaltungen etc. subventioniert sind, und sich diese jeder leisten kann.

Demokratisch ist:

Wenn sich viele Menschen zwar (noch) das Nötigste leisten können, aber wegen teurer Mobilität, fehlendem Zugang zu Bildung und Kultur abgekoppelt vom Rest leben müssen.

Undemokratisch ist:

Wenn man auf ein Auto 12 Jahre warten muss.

Demokratisch ist:

Wenn man kein Geld hat, sich ein Auto zu leisten, selbst wenn man 12 Jahre spart.

Ist doch schön, dass wir in einer Demokratie leben!