Aphorismus #1021

Wir leben in einer Gesellschaft, deren Plage die Rückkehr der Religionen ist.

Salman Rushdie, zitiert nach einem lesenswerten Artikel im ND

Staatsbürgerkunde Anno 2010

Undemokratisch ist:

Wenn in Stuttgart, Gorleben, Berlin und anderswo Bürger auf die Straße gehen und gegen die herrschende Politik demonstrieren.

Demokratisch ist:

Wenn in Leipzig, Dresden und anderswo Bürger auf die Straße gehen und rufen: „Wir sind das Volk!“

Undemokratisch ist:

Wenn das Zentralkomitee der SED Beschlüsse fasst und Gesetze macht, ohne die Betroffenen zu fragen und ohne Rücksicht auf Verluste.

Demokratisch ist:

Wenn zwischen Regierung und Industrie abgekartet wird, was anschließend durchgesetzt wird, ohne die Betroffenen zu fragen und ohne Rücksicht auf Verluste.

Undemokratisch ist:

Wenn es bei Wahlen nur „Einheitslisten“ mit dem ZK genehmen Kandidaten gibt: eine einzige große Wahl-Farce.

Demokratisch ist:

Wenn Parteien nur dann regierungsfähig sind, wenn sie sagen und umsetzen, was das Kapital will: eine fortgesetzte große Wahl-Farce.

Undemokratisch ist:

Wenn die Stasi das Volk großflächig bespitzelt und über Hinz und Kunz Akten anlegt.

Demokratisch ist:

Wenn- Antiterrorgesetze und TK-Überwachung sei dank!- Polizei und Verfassungsschutz das Volk großflächig bespitzeln und über Hinz und Kunz Akten anlegen.

Undemokratisch ist:

Wenn es nur zwei Fernsehprogramme gibt, die in den Nachrichten, Magazinen und Reportagen dasselbe sagen: das, was die SED will.

Demokratisch ist:

Wenn es hunderte Fernsehprogramme gibt, die in Nachrichten, Magazinen, Reportagen und Talk-Runden immer dasselbe sagen: das, was das Kapital will.

Undemokratisch ist:

Wenn alle Zeitungen gleichgeschaltet sind und nur schreiben, was den Herrschenden genehm ist.

Demokratisch ist:

Wenn es viele Zeitungen gibt, die alle jedoch nur schreiben, was die Verleger wollen.

Undemokratisch ist:

Wenn also die Medien nur, verbreiten, was sie verbreiten dürfen: Die Partei hat immer Recht!

Demokratisch ist:

Wenn Parteien und Regierungen das sagen und umsetzen, was ihnen BILD, SPIEGEL, Bertelsmann und Burda diktieren.

Undemokratisch ist:

Wenn es einen Mindestlohn gibt, dank dessen keiner hungern oder frieren muss.

Demokratisch ist:

Wenn rund 14% der Bevölkerung arm sind.

Undemokratisch ist:

Wenn Grundnahrungsmittel, Bus- und Zugfahrkarten, Mieten, Kultur- und Freizeitveranstaltungen etc. subventioniert sind, und sich diese jeder leisten kann.

Demokratisch ist:

Wenn sich viele Menschen zwar (noch) das Nötigste leisten können, aber wegen teurer Mobilität, fehlendem Zugang zu Bildung und Kultur abgekoppelt vom Rest leben müssen.

Undemokratisch ist:

Wenn man auf ein Auto 12 Jahre warten muss.

Demokratisch ist:

Wenn man kein Geld hat, sich ein Auto zu leisten, selbst wenn man 12 Jahre spart.

Ist doch schön, dass wir in einer Demokratie leben!

Aphorismus #642

Es sei ein Recht des in der Gesellschaft lebenden Menschen, in allem volle Freiheit zu genießen, so dass er nicht nur in der Ausübung seiner Religion nicht behindert werden darf, sondern dass es auch seinem Ermessen überlassen bleibt, was er über religiöse Fragen denken, reden, schreiben und im Druck veröffentlichen will.
Diese wahre Ungeheuerlichkeit stamme und folge, so wird erklärt, aus der Gleichheit aller Menschen und ihrer natürlichen Freiheit. Aber kann man etwas Sinnwidrigeres ersinnen als eine solche Gleichheit und Freiheit aufzustellen?

Religionsfreiheit als Ungeheuerlichkeit?
Gleichheit aller Menschen als Absurdität?
Sätze eines fanatischen Ayatollahs? Oder eines durchgeknallten Sektierers?
Nein, von einem „Unfehlbaren“ sind sie, von Papst! Papst Pius VI. 1791 in seinem Breve „Quod Aliqauntum“, wo er zu den Menschenrechten, wie sie von der Französischen Revolution verkündet wurden, Stellung nimmt.
Ach, 1791 ist lange her, heute denkt der Papst bestimmt anders!
Wieder daneben.
Ganz offiziell wird im Katechismus der Katholischen Kirche von 1997 genau dieses Pamphlet zustimmend erwähnt:
2109 Das Recht auf Religionsfreiheit darf an sich weder unbeschränkt [Vgl. Pius VI., Breve „Quod aliquantum“] noch bloß durch eine positivistisch oder naturalistisch verstandene „öffentliche Ordnung“ [Vgl. Pius IX., Enz. „Quanta cura“.] beschränkt sein…“

Frage: Kann man einer Institution, die so offensichtlich gegen die elementarsten Menschenrechte eingestellt ist, seine Kinder anvertrauen im Kindergarten und der Schule? Ihr die Arbeit mit Behinderten, Alten und Bedürftigen bereitwillig überlassen? Ihr Lehrstühle an staatlichen Universitäten einrichten und unterhalten? Ihr so viel Platz im öffentlichen Raum, in den Medien und an vielen anderen Stellen unserer Gesellschaft bereitwillig einräumen?
Man kann es nicht, wenn man Freiheit ernst meinte.
Aber man tut es.

Aphorismus #615

In the Afghanistani government, as reflected in the constitution, political parties, freedom of expression and freedom of the press, in short all civil and individual rights are restricted by Islam and Islamic Sharia, nothing is permitted beyond that and everything is illegal. In this aspect, the main difference between the current Islamic Republic regime and the Islamic Emirates regime of the Taleban is that the current regime is a multi-party Islamic regime, while the Taleban regime was a single-party Islamic regime… As a method, democracy is utilised to dress up the anti-democratic religious Islamic nature of the regime as being modern.

Der Generalsekretär der maoistischen im Untergrund agierenden Kommunistischen Partei Afghansitans in einem Interview, Winter 2006. Der Rest des Textes strotzt leider nur so vor maoistischen Propaganda-Hülsen, aber diese kurze Analyse ist m.E. sehr zutreffend.

Aphorismus #575

Ich glaube, dass der Journalismus nicht mehr so gründlich, so gut und so selbstbewusst ist, wie er sein müsste, um die Menschen zu begeistern.

Das sagt Springer-Chef Mathias Döpfner lt. eines aktuellen Artikels des Manger-Magazins
Was für eine Chuzpe! Was für eine Heuchlei! Würde er nur ein Wort davon ernst meinen, müsste er seinen ganzen Laden dicht machen, und vorneweg das Drecksblatt BILD einstampfen. Aber er meint nicht sein Haus, sondern den ach so bösen- weil kostenlosen- Web-Journalismus. Das war sogar dem Spiegel zu viel!

Aphorismus #321

I have recently been examining all the known superstitions of the world, and do not find in our particular superstition [christianity] one redeeming feature. They are all alike founded on fables and mythology.

Thomas Jefferson (1743 – 1826), 3. Präsident der USA, vehementer Verfechter der Trennung von Kirche und Staat und Befürworter von absoluter Meinungs- und Religionsfreiheit.

t_jefferson