Wasser ist ein Menschenrecht

Unter diesem Motto findet derzeit die erste Europäische Bürgerinitiative statt. Sie richtet sich gegen die Bestrebungen der EU-Kommission, die Wasser-Versorgungsbetriebe den europäischen Binnenmarktregeln zu unterwerfen, was nichts anderes bedeutet, als dass die öffentliche Wasserversorgung genauso privatisiert werden soll wie Post, Energieversorgung, Müllentsorgung, Verkehrsbetriebe etc Und was das bedeutet, kann jeder an Städten wie Berlin oder London sehen: steigende Preise, schlechterer Service und sinkende Qualität!

Hier gibt es weitere Infos und die Möglichkeit mit der eigenen Unterschrift, die EBI zu unterstützen!

Und hier gibt es einen der wenigen Hinweise in unseren öffentlichen Medien dazu: Nein, nicht in den Nachrichten oder in einem politischen Magazin, sondern in einer Satiresendung!

Advertisements

Aphorismus #860

»Jeder Mensch ist einen Regenschirm wert.«
»Da haben Sie in knappster Form das Minimum der Menschenrechte definiert …«

Auf dieses Zitat aus „Die Dämonen“ von Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821 – 1881) hat mich ein Kommentar zum Aphorismus #859 von gestern aufmerksam gemacht. Vielen Dank dafür an oblomow!

Aphorismus #773

Wort zum Sonntag #60

Warum ich kein Christ bin – Teil V

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Tei VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

5. Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

5.1. Am Anfang war das Wort? Von wegen!

Das Wort, der Logos am Anfang? Vor allem anderen? Nichts weniger als das will das Johannesevangelium seinen Lesern weismachen:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.  In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen. Johannes 1, 1- 5

Was da der unbekannte Verfasser Ende des 1. Jhd. n.d.Z. (nicht nur) am Anfang seines Evangeliums treibt ist Etikettenschwindel. Es ist die schamlose Usurpation des philosophischen Begriffs logos von einem, der von logos, von Logik, von Vernunft und Philosophie außer ein paar aufgeklaubten Brocken keinen Dunst hatte. Seitdem sind christliche Theologen immer wieder so verfahren: Man höre auf den Zeitgeist, nehme bestimmte Stichwörter auf, deute sie im eigenen Sinn um und schon kann man behaupten, dass Gott/ Jesus/ die Kirche die eigentliche „Erfüllung“ des menschlichen Fragens sei. Solches geschah z.B. auch bei Begriffen wie Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden, Sinn… Und was 2000 Jahren funktionierte wird auch heute noch gerne umgesetzt.
Am Anfang war auch nicht die Tat, wie es Goethe seinem Alter Ego Faust in den Mund legte, am Anfang des Christentums wie jeder Religion steht der Mythos. Was sonst. Am Anfang jedes Glaubenssystems steht ein Gründungs-, Erwählungs- oder Schöpfungsmythos. Der älteste uns überlieferte religiöse Mythos findet sich im Gilgamesch-Epos, das dabei in seiner Weise den Menschen als „noch nicht festgestelltes Tier“ (Nietzsche) sieht. In der hebräischen Bibel, dem Tenach ist der Gründungsmythos nicht eine der beiden Schöpfungsgeschichten- die sind weit später entstanden!-, sondern die „wundersame“ Errettung der Hebräer vor den Ägyptern durch Jahwe am Schilfmeer (2. Mose 14). Aus diesem Mythos leitet sich die besondere Beziehung Israels zu Jahwe als „erwähltes“ Volk und die Jahwes zu „seinem“ Volk als Gesetzgeber, König, Richter und Retter ab. Je mehr jedoch Israel in seiner Geschichte mit anderen Völkern in Kontakt kam, je mehr es auf der Bühne der Weltgeschichte auftauchte, und es mehr und mehr andere Götter und Religionen kennen lernte, desto exklusiver wurde Jahwes Anspruch: So lange bis aus dem Wüstengott eines kleinen nomadischen Clans der Schöpfer des Himmels und der Erde wurde. Was für eine Karriere! Israel hatte in den vielen Krisen seiner Geschichte ganz gewaltig damit zu kämpfen, dass die Welt und ihre Geschicke sich so ganz anders verhielten als es die Schriften des Moses und der Propheten (vorher)-sagten. Die Lösung war in den seltensten Fällen jedoch eine echte Auseinandersetzung und Diskussion auf (religions-)philosophischer Ebene, wie sie z.B, hinter dem Projekt der Septuaginta, der Übersetzung des Tenach ins Griechische, stand. Die immer wieder erfolgte „Lösung“  des Auseinanderklaffens von erlebter Realität und geglaubtem Mythos war die vollkommene Unterordnung ersterer unter den Mythos mit anschließender Neuinterpretation und Neubewertung. Am deutlichsten wird dies in der Apokalyptik wie z..B. im Buch Daniel: Da hängen die Geschicke nicht nur Israels, sondern der ganzen Menschheit am Handeln eines Erwählten, an seinem Glauben und seinem Festhalten an Jahwe. An diesem Punkt hat das Neue Testament weitergemacht und sich immer weiter vom alttestamentarischen Schilfmeer-Mythos entfernt, bis man schließlich Israel den Rang als Volk Gottes streitig machen konnte. An die Stelle des ursprünglichen Erwählungsmythos tritt spätestens mit Paulus „das Wort vom Kreuz“ (1. Kor 1, 18). Dieser neutestamentliche Erwählungs-Mythos zerfällt in drei Teile*:

  • Jesus tut Wunder und predigt das Reich Gottes
  • Jesus stirbt am Kreuz für die Sünden der Welt
  • Jesus wird von seinem Vater am dritten Tage auferweckt

Wer sich taufen lässt und bekennt: „Kyrios Jesus! – Jesus ist der Herr!“, der   partizipiert an diesem neuen Erwählungsmythos, der ist „gerettet“ und wird einst von den Toten auferstehen zum Heil. Es bedarf nicht wirklich viel Überlegung, um zu erkennen, dass dies ein Mythos ist und ganz bestimmt kein Logos, kein vernünftiges, diskutables und falsifizierbares Wort:

  • Das Reich Gottes haben vor Jesus, zu seiner Zeit und nach ihm unzählige andere gepredigt. Auch selbst ernannte Wundertäter gab es damals so viele, als dass man keinem von ihnen hätte  Glauben schenken müssen.
  • Dass Jesu ganz gewöhnlicher Tod am Kreuz- gewöhnlich für einen des Aufruhrs Bezichtigten!- etwas besonderes war, wird auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer. Es ist Interpretation, nicht Tatsache. Das Leben des Brian ist auch eine Interpretation der Evangelien, eine besonders gelungene zudem. Vielleicht enthält der Film ja mehr „Wahrheit“ als die zahllosen Auslegungen aller Theologen zusammen.
  • Auch die Auferstehung ist nur Behauptung. Sie ist ohne Belege außerhalb der Reihen der Gläubigen, die eine Begegnung mit Jesus behaupteten. Und deren Geschichten sind alles andere als konsistent und glaubhaft. Wer glaubt taugt wenig als unvoreingenommener Zeuge für das von ihm Geglaubte…

Ich weiß, dass sich Gläubige durch Fakten und Zweifel nicht wirklich beeindrucken lassen. Nebbich. Wenn jedoch wie seit Johannes üblich der Mythos, die Widervernunft eines sterbenden Gottessohnes zum Logos, zur wahren Vernunft, zum Maß aller Dinge in allen Lebensbereichen erhoben wird, dann wird eine lächerliche Legende zu einem Gift, das nach 2000 Jahren Christentum noch immer seine verheerende Wirkung zeigt. Nicht Wissenschaft und Gesellschaft, nicht Moral und Politik haben sich dem Gründungsmythos irgendeiner Religion unterzuordnen sondern umgekehrt. Wenn es Christentum, Islam & Co. nicht passt, dass wir in einer säkularen Gesellschaft leben, dann muss ich mit dem alten Spruch meiner Eltern nach ergebnisloser politischer Diskussion antworten: „Geht doch rüber, wenn’s euch nicht passt!“ O.K. früher war das einfacher, da musste man nur in die DDR…
_____________
* Der vierte Teil des Mythos, die „Menschwerdung Gottes“, wie sie die Weihnachtsgeschichten andeuten, kommt erst später dazu. in der Auseinandersetzung mit der Apotheose der römischen Kaiser.

Aphorismus #642

Es sei ein Recht des in der Gesellschaft lebenden Menschen, in allem volle Freiheit zu genießen, so dass er nicht nur in der Ausübung seiner Religion nicht behindert werden darf, sondern dass es auch seinem Ermessen überlassen bleibt, was er über religiöse Fragen denken, reden, schreiben und im Druck veröffentlichen will.
Diese wahre Ungeheuerlichkeit stamme und folge, so wird erklärt, aus der Gleichheit aller Menschen und ihrer natürlichen Freiheit. Aber kann man etwas Sinnwidrigeres ersinnen als eine solche Gleichheit und Freiheit aufzustellen?

Religionsfreiheit als Ungeheuerlichkeit?
Gleichheit aller Menschen als Absurdität?
Sätze eines fanatischen Ayatollahs? Oder eines durchgeknallten Sektierers?
Nein, von einem „Unfehlbaren“ sind sie, von Papst! Papst Pius VI. 1791 in seinem Breve „Quod Aliqauntum“, wo er zu den Menschenrechten, wie sie von der Französischen Revolution verkündet wurden, Stellung nimmt.
Ach, 1791 ist lange her, heute denkt der Papst bestimmt anders!
Wieder daneben.
Ganz offiziell wird im Katechismus der Katholischen Kirche von 1997 genau dieses Pamphlet zustimmend erwähnt:
2109 Das Recht auf Religionsfreiheit darf an sich weder unbeschränkt [Vgl. Pius VI., Breve „Quod aliquantum“] noch bloß durch eine positivistisch oder naturalistisch verstandene „öffentliche Ordnung“ [Vgl. Pius IX., Enz. „Quanta cura“.] beschränkt sein…“

Frage: Kann man einer Institution, die so offensichtlich gegen die elementarsten Menschenrechte eingestellt ist, seine Kinder anvertrauen im Kindergarten und der Schule? Ihr die Arbeit mit Behinderten, Alten und Bedürftigen bereitwillig überlassen? Ihr Lehrstühle an staatlichen Universitäten einrichten und unterhalten? Ihr so viel Platz im öffentlichen Raum, in den Medien und an vielen anderen Stellen unserer Gesellschaft bereitwillig einräumen?
Man kann es nicht, wenn man Freiheit ernst meinte.
Aber man tut es.

Aphorismus #629

Das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums aus Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1 GG sichert jedem Hilfebedürftigen diejenigen materiellen Voraussetzungen zu, die für seine physische Existenz und für ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerlässlich sind.

Mit dieser schallenden Ohrfeige für die Politbonzen in Berlin beginnt die Begründung des Bundesverfassungsgerichts zu seiner Entscheidung über Hartz IV vom 8.2.2010. Die wahren Verfassungsfeinde sitzen im Bundestag und/ oder auf der Regierungsbank. Kaum noch ein Gesetz, das nicht von Karlsruhe korrigiert werden muss. Die Würde des Geldes, das sie für sakrosankt erklären. ist nun mal nicht die Würde des Menschen, und DIE ist unantastbar und steht in GG 1, und nicht die Unternehmensgewinne.

Gehört solch ein Schicksal zukünftig der Vergangenheit an?

Aphorismus #549

Wort zum Sonntag #28

Das Christentum [1] ist in der Tat offen gegenüber allen [2], was in den Kulturen und Zivilisationen an Gerechtem, Wahrem und Reinem [3] ist, gegenüber dem, was unserem Dasein Freude schenkt, uns tröstet und stärkt [4]. Der hl. Paulus hat im Philipperbrief geschrieben: „Was immer wahrhaft edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heisst und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“ (4,8). Die Jünger Christi erkennen daher die echten [5] Werte der Kultur unserer Zeit – wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die technologische Entwicklung [6], die Rechte des Menschen [7], die religiöse Freiheit [8], die Demokratie [9]– und nehmen sie gerne an.

Papst Benedikt XVI. beim Kongress der katholischen Kirche in Italien, 19. Oktober 2006 in Verona

Klingt doch toll, was Benedikt XVI. da so von sich gibt. Demokratie, Freiheit, Fortschritt, Lebensfreude sind ja nicht unbedingt Worte, die seitens der katholischen Kirche inflationär gebraucht werden. Das klingt so gar nicht nach der üblichen römischen Miesmacherei, die am liebsten alles verbieten möchte, was den Menschen Freude macht . Ganz schön modern und weltoffen hört sich das alles an. Ein Papst zum Bejubeln, ein Papst, der was zu sagen hat!
Na ja. SO einfach kann es auch wieder nicht sein? Oder etwa doch?
Meint Benedikt es ernst mit seinen Worten? Klar tut er das. Und genau das ist das Problem: er meint zu 100% ernst, was er da sagt!
Als gelernter Dogmatiker ist der ehemalige Vorzeigetheologe Ratzinger jemand, der seine Sprache ganz genau und sehr bedacht einsetzt. KEINES seiner Worte bei öffentlichen Grundsatzreden kommt zufällig über seine Lippen. Die besondere Crux dabei ist, dass er Worte aus dem Alltagsgebrauch in einem ganz anderen Sinn benutzt udn dass er sich oft genug einer Sprache befleißigt, die überall anders nahezu ausgestorben ist.

Hier eine kleine Übersetzungshilfe „Papst – Deutsch“ zum Eingangszitat:

[1] Christentum = Die Katholische Kirche. Und nur sie!
Die anderen Konfessionen werden erst dann für voll genommen, wenn sie den Primat des Papstes anerkennen, will heißen: ihre Eigenständigkeit aufgeben. Der Absolutheitsanspruch des Papstes ist nicht auf die eigenen Schäflein beschränkt, sondern betrifft die ganze Welt. Das drückt allein schon das kleine Wörtlein katholisch aus. Es setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern: „κατά kata = von…her, herab… für“ und „ὁλός holos = ganz“ und bedeutet nichts weiter als den Anspruch der Kirche auf’s oder für’s Ganze! Bescheiden und Demut verlangen die Päpste immer nur von anderen!

[2] Offen gegenüber allen = Im Gegensatz zu allen, in Abgrenzung von allem, kein Teil der Welt, sondern Gottes Sprachrohr für die Welt.
Im Grund genommen bedeutet dieses Wort das genaue Gegenteil, von dem, was man zu hören meint: Auf der einen Seite steht mit dem Papst an der Spitze die Kirche mit Gottes Auftrag: unfehlbar, heilig, katholisch etc pp Ihr gegenüber steht „nur“ die „Welt“, die Zivilisationen und Kulturen. War die Kultur im „christlichen Abendland“ der vergangenen Zeiten ausschließlich katholisch, wurde sie von den Kirchenmännern definiert, so ist man heute wenigstens so „liberal“, dass man anerkennt, was zu leugnen kompletter Unfug wäre: es gibt eine säkulare Kultur, es gibt Zivilisation außerhalb der Kirche. Gut. Bzw. schlecht! Machen wir das beste draus, reden wir von Offenheit und Gespräch, irgendwie muss das gottlose Pack doch wieder in die Kirchen zu bekommen sein!

[3] Das Gerechte, Wahre und Reine = Die Lehren der Kirche und alles, was zufällig mit ihnen übereinstimmt.
Man kann dem klassischen bürgerlichen Kunstideal vom „Wahren, Schönen und Guten“ durchaus mit Skepsis und Kritik begegnen, aber eins hat es nicht verdient: dass es durch den Oberkatholiken in seiner krankhaften Herrschsucht vereinnahmt und flugs umgedreht wird. Es ist immer dasselbe üble Spiel der katholischen Wortverdreher: mit salbungsvollem schwülstigen Worten lullen sie dich ein und eh du dich versiehst, stehst du in ihrer Kirche. Ach was sage ich: kniest du in ihrer Kirche! Gerechtigkeit und Wahrheit, das hat tatsächlich was mit Aufklärung zu tun, aber bestimmt nicht die Wahrheit der Bibel und die Gerechtigkeit eines Jüngsten Gerichts am St. Nimmerleinstag. Und Reinheit? Nun, das ist was für RomantikerInnen, für Teenager, die im „Twilight“ auf  den Biss eines Vampirs warten, und eben für alte Herren in Frauenkleidern, die gerne mal einen Knaben auf ihrem Schoß sitzen haben. Ich könnte jedes mal kotzen, wenn mir diese Typen etwas von Reinheit vorlügen, die sie selbst am allerwenigsten haben. Widerlich.

[4] Was unserem Dasein Freude schenkt, uns tröstet und stärkt = Das liebe Jesulein, die Bibel, die Lehren der Kirche und alles, was von ihr in Beschlag, sorry in Dienst genommen wird.
Mit Zivilisation und Kultur beginnt der Papst. Bei seinem Verein und bei sich selbst landet er, endet er, endet alles. Denn Trost und Stärkung, wahre Freude – da sind ja alles die ureigensten Werke der Kirche. Und flugs wird aus der Bibel zitiert, in der natürlich das steht, was der scheinheilige Vater von sich gibt. Und woanders steht das Gegenteil, das kann man dann an passender Stelle einbringen: vom Gericht über die Gottlosen, von der unbedingten Trennung der Heiligen von der Welt usw Schon praktisch so ein Steinbruch, aus dem man sich für alle Fälle das eine oder andere Steinchen heraus brechen kann, oder einen riesigen Stein, mit dem man dann alles platt walzt… Auch wenn es ihm und seinen Apologeten in den deutschen Redaktionsstuben nicht passt: Trost, Stärkung, Freude, auch das Wahre, das Gute und das Schöne, das alles gibt es auch (besser: nur!) ohne den ganzen katholischen Zinnober, ohne Gott, ohne Bibel, ohne Himmel und Hölle.. Das ist halt nur nicht so bequem zu haben wie der sonntägliche Gottesdienst, oder das Abendgebet. Aber dafür ist es ein freies Leben, keines mit den zahllosen Vorschriften rachsüchtiger Götter.

[5] Echt = christlich, katholisch, vom Papst abgesegnet, der Tradition entsprechend.
Etwas Echtes ist in diesem Zusammenhang nicht wirklich echt, sondern nur dem Papst genehm. Es ist so falsch wie heruntergeleierte Litaneien, es ist so verlogen wie die Verheimlichung von Kindern katholischer Priester, es ist so heuchlerisch wie eine Moral, die schier alles verbietet, um es dann hinterher im Beichtstuhl zu vergeben, es ist so unwahr wie das ganze katholische Lehrgebäude, das ein pures Luftschloss ist. Echt und Kirche, das sind zwei Wörter, die sich beißen, die nie zusammengehen können und werden.

[6] Wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Entwicklung = Wissenschaft und Technik haben sich gefälligst innerhalb der Grenzen der katholischen Lehre zu bewegen.
Galileis Fernrohr war ’ne schöne Sache, aber dass der Ketzer damit das Weltbild der Kirche in Frage stellte, das hätte er nicht tun dürfen! Und so hält es die Kirche noch heute! High-Tech-Medizin ist schön und gut, aber die Geräte dürfen bei einem Hirntoten NIEMALS abgeschaltet werden. Die Ergebnisse der Genetik sind eine tolle Sache, aber an menschlichen Genen darf NIEMALS herumgedoktert werden. Und Embryonen sind sowieso so was von sakrosankt, die dürfen NIEMALS eine Petrischale sehen.
Die Kirche erkennt bei den Naturwissenschaften nur widerwillig an, was offensichtlich ist. Nach wie vor fordert sie von den Wissenschaftlern Unterordnung unter ihre Dogmen. Da hat sich seit den Zeiten eines Galileo Galilei oder Giordano Bruno nichts geändert. Wie auch: Wer die göttliche Wahrheit auf seiner Seite weiß, der muss sich nicht ändern, das müssen immer nur die anderen.

[7] Die Rechte der Menschen = die bestehen vor allem darin, sich der katholischen Kirche unterzuordnen.
Es ist kein Zufall, dass Benedikt nicht von Menschenrechten spricht, wie allgemein üblich. Dieser böse Begriff aus der noch viel böseren Aufklärung, der geht ihm einfach nicht locker über die Lippen. Die Kirche hatte 1500 Jahre Zeit für die Rechte der Menschen einzutreten, sie hat es vergeigt. Sie hat immer nur im Namen Gottes ihr eigenes Recht durchgesetzt. Mit allen Mitteln. Sollte man sich von solch einer Institution sagen lassen, was Menschenrechte sind? O.K. diese Frage ist rein rhetorisch.

[8] Religiöse Freiheit = Die Freiheit, katholisch zu werden und zu sein.
Tun wir mal so, als ob wir die anderen Religionen und christlichen Konfessionen anerkennen würden. Tun wir mal so, als ob es um das allgemeine Menschenrecht auf freie Religionsausübung ginge. Tun wir mal so, als ob es nicht um die eigenen Macht, den eigenen Einfluss und die eigene Kundengewinnung (=Mission oder Neu-Evangelisierung Europas) ginge. Wie sehr es die Katholiken ernst damit meinen, das zeigen sie überall dort, wo sie in der Mehrheit sind, wo sie Privilegien und staatliche Protegierung genießen, wo sie eben nicht auf dem freien Markt der Religionen ein Anbiete runter vielen sind. Sie können es nicht lassen: sie müssen immer noch überall hineinreden und hineinregieren, wo man sie lässt.

[9] Demokratie = Das kleinere Übel im Vergleich zu den gottlosen Diktaturen des Staatssozialismus, aber das viel größere Übel verglichen mit den faschistischen Diktaturen wie einst in Spanien, Italien, Chile und anderswo.
Heute wollen die Leute Demokratie? O.K. machen wir gute Miene zum bösen Spiel… Solange die Kaiser, Könige, Feldherrn und Despoten dieser Welt, die Kirche in Ruhe gelassen haben, oder noch besser, die Kirche mit an der Macht beteiligt haben, solange hatte sie NIE ein Problem mit jeder erdenklichen Form von Unterdrückung. Die war nur böse bei Lenin, Stalin und Konsorten, denn diese verstießen gegen das alleroberste Gebot aus dem Vatikan:

Du darfst nichts gegen Rom sagen und tun, ja nicht einmal denken!

Das sind Demokratie, Freiheit und Menschenrechte im Verständnis des Papstes und seiner Altherrenriege, die über die katholische Kirche herrscht, und am liebsten die ganze Welt beherrschen möchte! Man muss nur richtig hinhören: der Papst, seine Kardinäle und Bischöfe- sie sagen ganz offen, was sie denken und wollen!

[2]

Aphorismus #516

Heute fahren größere Schiffe einfach an kleinen Booten vorbei und ignorieren alle Hilferufe, weil sie automatisch davon ausgehen, dass darin illegale Migranten sitzen. Das verstößt gegen das Völkerrecht!

Navi Pillay, UN-Kommissarin für Menschenrechte, 2009