Aphorismus #747

Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt.

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860), Aphorismen zur Lebensweisheit, Kapitel IV

Aphorismus #746

Die Fußballweltmeisterschaft dräut, und mit ihr wieder das Gefasel von „gesundem“ Nationalstolz, „fröhlichem“ Patriotismus oder „ungezwungenem“ Deutsch-Sein. Ich mag ja Fußball. Aber davor graut mir.
Zur Einstimmung auf die weltgrößte Einzelsportart-Kommerz-Veranstaltung Zitate mit einer nüchternen Sicht über das alte Elend der weltweiten Nationalstaaterei und des deutschen Größenwahns. Zum Auftakt ein Künstler, mit dem ich sonst wenig bis nichts anfangen kann, aber damit hat Herman van Veen einfach recht:

Nationalismus muss man wie Krebs behandeln und nicht, als ob eine Nase blutet.

Aphorismus #303

Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft, weil sie hier mit der Illusion, über die Nationalität und über alle wirklichen Interessen erhaben zu sein, denjenigen Nationalitäten entgegengehalten wird, die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen auf wirklichen Interessen offen eingestehen.

Dieses treffende Wort über deutsches Nationalgefühl stammt von den zwei notorisch antideutschen Internationalisten Karl Marx und Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, MEW Bd. 3 S. 458

Was tun? – Part 3

War der erste Teil ein wütender Rückblick auf den Weg der SPD, die im 19. Jhd. als sozialistische Partei begann und im 21. Jhd. als Kleinkoalitionär der Christdemokraten ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichte; so handelte der zweite Teil von der Fehlinterpretation der Marxschen Theorie als „Ökonomismus„, d.h. als Erklärung von allem und jedem ausschließlich aus den ökonomischen Beziehungen von Einzelnen, Gruppen und Völkern nicht nur durch die neoliberalen Gegner, sondern auch durch so manche Linke; so soll es in diesem dritten Teil um einen Aspekt des allgemeinen politischen Klimas inklusive des linken gehen, der m.E. sehr starke Auswirkungen hat, wie es angesichts der aktuellen Krise des Kapitalismus und seines selbst erzeugten Siechtums weitergehen kann. Er handelt von der überhand nehmenden Emotionalisierung aller Lebensbereiche seitens der Medien und die Folgen für linke Politik.

Also: Was tun…? Die dritte!

Aphorismus #268

Jeder der in irgendeine Form Rechte unterstützt, sollte an Dresden denken. So wird Deutschland wieder aussehen, sollten noch einmal Nationalisten an die Macht kommen.

Martin Blumentritt als Überschrift eines Offenen Briefes an J. Elsässer über die dreifache Dresdenlüge. Was Elsässers neue national gesinnten Mitstreiter der Volksinitiative gegen Finanzkapital (Geht es plakativer? Geht es regressiver? Geht es völkischer?) wohl dazu sagen werden? Scheint mal wieder ein ehemals Linker, heim ins Reich geholt zu werden.

Anmerkung: Diesen Satz sehe ich selbstredend nicht als Drohung, sondern als Aufzeigen der Konsequenz, die einem erneuten deutsch-nationalistischen Abenteuer unweigerlich folgen würde: die Katastrophe und Zerstörung eines verlorenen Krieges.