Aphorismus #1025

Es hat sich in der Geschichte der Bundesrepublik gezeigt, daß der Geheimdienst* letztlich den Nazis nützt.

Kerstin Köditz, Sprecherin für ­antifaschistische Politik der Linksfraktion im sächsischen Landtag in einem Interview in „Junge Welt“ vom 8.2.2013
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* gemeint ist der Verfassungsschutz

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Aphorismus #1018

Es ist mit fremdenfeindlichen Gewaltdelikten von Einzeltätern oder Tätergruppen in Form von Körperverletzungen auch mit Todesfolge, Brandanschlägen (z.B. auf Asylbewerberunterkünfte) und in Einzelfällen auch mit Tötungsdelikten zu rechnen.

Aus einem aktuellen Bericht des BKA, zitiert bei SPON.
Sollte plötzlich so etwas wie eine echte Erkenntnis das BKA völlig unvorbereitet heimgesucht haben?
Wohl kaum. Denn SO schlimm ist es ja doch nicht: die Braunen sind ja alles nur Einzelgruppen und Einzeltäter. So was wie einen rechten Sumpf gibt es in Schland nicht.
Ich möchte fast wetten, es dauert nicht lange, bis im selben Atemzug von der Gefahr von links gewarnt wird. Und die ist ja bekanntlich viel schlimmer: Gewaltbereite Autonome und Linksterroristen, wohin das Auge blickt.

Aphorismus #903

Deutsche Demonstrationen- wie deutsche Revolutionen- erfüllen ihre Aufgabe, wenn sie friedlich verlaufen und die Demonstranten den Durchsagen der Polizei gehorchen. Haben sie gerade darum einen Naziaufmarsch nicht verhindern können, ist das eine der schönsten Manifestationen staatsbürgerlichen Verantwortungsbewußseins.

Herman L. Gremliza, konkret 11/2010 S. 8

In Richtung Polen

Hin und wieder lässt einer jener Vertriebenen-Funktionäre, eines jener armen Opfer von Flucht und Vertreibung, einer jener aus dem noch immer fruchtbaren Schoß Kriechenden die Maske fallen und sagt offen seine braune Meinung. Es folgt das ewig gleiche Ritual, dass das Publikum sich geschockt gibt, ja vielleicht muss der alte neue Nazi seinen Posten räumen- aber eines bleibt bestimmt, wie es war. Weiterhin werden BDV & Co. mit Steuermitteln finanziert und politisch hofiert, vor allem wird nichts getan, den braunen Sumpf auszutrocknen. Können doch die sog. Vertriebenen in vieler Hinsicht für konservative Politik nützlich sein: als sichere Wählerstimmen, als Hebel gegen allzu freche Polen und Tschechen und als Wahrer solch wichtiger Begriffe wie Heimat, TraditionDeutschtum etc.
Dieser Tage hatte die Ehre die verfolgte braune Unschuld spielen zu dürfen: Arnold Tölg, Jg. 1934, CDU-Politiker in Baden Württemberg, Träger der Verdienstmedaille ebendort, stellvertretendes Mitglied des Stiftungsrates Flucht, Vertreibung, Versöhnung… Was die Gemüter so erregt, ist ein Interview, das er am 3.8.2010 dem Deutschlandfunk gegeben hat, wo er offen und ehrlich sagt, was seinesgleichen wirklich meint:

Gleich zu Beginn macht er das, was Revanchismus so sympathisch macht. Zerknirscht gibt er zu, was auch ernicht unterschlagen kann: die Kriegsverbrechen Deutschlands, ach sorry, Hitler-Deutschlands natürlich, nur um dann sofort bei den Verbrechen gegen, nein nicht gegen Hitler-Deutschland, sondern gegen die armen, armen Deutschen zu landen:

Ich habe mich immer zu dem bekannt, was passiert ist, nämlich auf der einen Seite dass schreckliche Verbrechen von Hitler-Deutschland und den Verantwortlichen begangen wurden, aber am Kriegsende auch grauenvolle Verbrechen an Deutschen begangen wurden.

So ist der Weg vorbereitet, den Focus ausschließlich auf die Verbrechen gegen die Opfer-Deutschen zu richten:

… Angebliche Verbrechen – hier disqualifizieren sich doch die Kritiker von selbst! Wenn die noch nicht gemerkt haben, was im Osten passiert ist 1945, dann tut es mir leid. Die wollen einfach die Tatsachen nicht erkennen.

Dummerweise will er aber nicht sehen, was im Osten 1939 bis 1945 passiert ist. Ach ja, das war ja nur Hitler-Deutschland, hat also nichts mit dem, was am Ende oder nach dem Krieg geschehen ist, zu tun.
Auch zu den Ursachen des Krieges hat Herr T. eine sehr differenzierende Meinung: Es war auf keinem Fall Deutschland allein. Er versteigt sich schließlich sogar zu dieser Aussage:

Ich bin der Meinung, dass in erster Linie natürlich Adolf Hitler und sein Anhang dafür verantwortlich ist, dass der Zweite Weltkrieg begonnen hat… Ja natürlich in erster Linie. Es gehören ja immer mehrere dazu. Großbritannien hat schließlich mit Frankreich zusammen Deutschland den Krieg erklärt.

Was bilden sich diese Schurkenstaaten ein, eine Garantie für Polen abzugeben, ja sogar ein Bündnis mit diesen slawischen Untermenschen einzugehen? Die Welschen wollten klar Krieg führen! Von wegen Schutz für Polen, Aufhalten eines Diktators! Nein! Hitler blieb gar nichts anderes übrig, als diese aggressiven Ostler davon abzuhalten, mit GB und F über das arme gebeutelte D herzufallen! – Man möge mir meinen triefenden Spott nachsehen, aber bei solch braunem Dreck kann ich nicht mehr brav und artig sein.
Weil Herr T. selbst merkt, dass er a bisserl übers Ziel hinausgeschossen ist, antwortet er sibyllinisch auf die Frage, ob die anderen Länder eine Verantwortung am Ausbruch des WK II tragen:

Das habe ich nicht gesagt, sondern ich sage, ich weise nur auf die Tatsachen hin, nichts weiter.

Dass er vorher die Tatsachen kräftig verdreht und ins Gegenteil verkehrt hat, das ist äh, hm, nun ja …. schon vergessen.
Nach ein paar weiteren Fakten zum Thema Zwangsarbeit, kommt es noch mal zum Thema Verantwortung für den Krieg. Und da spannt der CDU-Mann den Bogen ganz weit:

Da bin ich der Meinung, dass der Krieg natürlich – der von Hitler ausgelöste Krieg – den Ländern, die die Deutschen vertrieben haben, eine Chance gegeben hat, die Deutschen loszuwerden. Es war ja ein von Polen und auch teilweise Tschechien, ein langfristiger Plan, schon 1848 wollte man die Linie Stettin-Triest herstellen. Also, da sind Dinge zusammengekommen: Auf der einen Seite war das der Krieg Hitlers, der Schreckliches in diesen Ländern angerichtet hat; auf der anderen Seite kam es auch der polnischen und wohl auch tschechischen Politik entgegen, siehe Londoner Exilregierung, die sich intensiv darum bemüht hat, die deutschen Ostgebiete in die Hand zu bekommen, sodass hier durchaus auch Schuld auf der anderen Seite zu sehen ist.

Die armen Deutschen. Immer müssen sie leiden! Alle wollen ihnen an den Kragen! GB und F sowieso, aber eben auich die Polen und die Tschechen. Die Annektierung durch die Deutschen war reine Selbstverteidigung. Alles Tatsachen! Ehrlich. Darum muss isch D endlich wehren:

Ich bin der Meinung, dass Deutschland sich auch gegen so etwas wehren müsste, in Geiselhaft genommen zu werden, kommt gar nicht infrage. Wir können selbstbewusst genug sein. Warum – weil wir das einzige Land in der Welt sind, das sich einmal für die Verbrechen, die es begangen hat, bekannt hat, und das über Jahrzehnte, jetzt 65 Jahre lang. Jeden Tag können wir in der Zeitung davon lesen oder im Rundfunk hören oder im Fernsehen.

Am Ende umreißt er seine Ziele in der Arbeit der Stiftung:

… die Stiftung heißt Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Wenn alles richtig dargestellt wird in Wahrheit, das ist für alle wichtig, dann können wir die Versöhnung, zu der ich schon längst in Richtung Polen gefunden habe, an der können wir weiter arbeiten.

Und da steht er in guter Tradition. In Richtung Polen haben sich schon mal ganz viele Deutsche aufgemacht. Am 1. September 1939.

Aphorismus #674

Wie weit muss man eigentlich der Linkspartei hinterhergerutscht sein, dass man Leistungsgerechtigkeit für rechtsradikal hält?

Ein echter Westerwelle: polemisch, realitätsfern, die Tatsachen total auf den Kopf stellend und selten dämlich. Was er und seinesgleichen unter „Leistungsgerechtigkeit“ verstehen, haben sie nach der Machtübernahme dem Wahlsieg hinlänglich bewiesen: der eigenen Klientel Geld nachwerfen, verdienten Parteigenossen Parteifreunden Posten verschaffen, unsägliche Kampagnen gegen die „Leistungsverweigerer“ führen, bei gleichzeitiger Untätigkeit und Unfähigkeit bei der Lösung der wirklichen Probleme. Der Klassenkampf von oben wurde noch mal verschärft… Was er und seine neoliberale Bagage unter Gerechtigkeit verstehen, ist das genau Gegenteil, was sonst der Begriff bedeutet: Der Begriff Leistungsgerechtigkeit bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre die Vorstellung einer Gerechtigkeit davon, dass das Einkommen einer Person der Marktleistung für Andere entsprechen soll. M.a.W. Hartz IV-Empfänger haben es im Sinne dieses ökonomistischen Neusprech vollkommen verschissen. Wer nur empfängt, dessen Leben ist volkswirtschaftlich nichts wert, der muss alles mit sich machen lassen.
DAS hatten wir schon.
Wie weit der windige Außenminister inzwischen selbst nach rechts gerutscht ist- Möllemann war beileibe kein Einzelfall bei den „Liberalen“!-, merkt man auch an seiner weiteren Wortwahl im Welt-Artikel: „Wie immer, wenn man eine Debatte anstößt, die der politischen Korrektheit nicht entspricht, gibt es am Anfang Empörung und Protest. Wenn die Kritiker dann sehen, dass diese Debatte bei einer sehr großen Mehrheit der Bevölkerung ebenfalls als notwendig und angemessen angesehen wird…“
Stolz auf die eigene politische Inkorrektheit, das angebliche Sprechen für die (schweigende) Mehrheit- zwei gerne von Rechtspopulisten benutzte Versatzstücke. Also nur die allerbeste Gesellschaft für den feinen Demagogen.

Aphorismus #387

Ein Staat, der tagtäglich unerwünschte Ausländer in die Armutszonen der Welt abschieben lässt und die übrigen misstrauisch ob ihrer Deutschlandkompatibilität beäugt, macht sich mit noch so vielen „Bunt statt braun“- und „Friedliches Miteinander“-Appellen nicht glaubwürdiger im Kampf gegen Rassismus.

Svenna Triebler in dem Artikel „Ruhe und Ordnung“ in konkret 6/2009

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