Aphorismus #954

Anlässlich der zu erwartenden Nachfrage an Prognosen zum bevorstehenden Jahreswechsel weist die Berufsgruppe der Astrologen in der Wiener Wirtschaftskammer darauf hin, dass astrologische Prognosen konkreter Ereignisse seriös nicht möglich sind.

Es ist doch schön, wie in dieser offiziellen Pressemitteilung Astrologen sich von ihresgleichen und ihrer Arbeit nicht nur distanzieren, sondern sogar warnen. Solcherlei Einsicht vermisst man bei den 2012-Propheten, bei den Wirtschaftsweisen und ihren Prognosen, die meist bereits bei Veröffentlichung falsch sind )-P , und bei allen anderen Kristallkugel-Glotzern, ob nun esoterisch oder (pseudo-)wissenschaftlich: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die Welt, das Wetter, die Menschen und nicht nur sie verhalten sich oft sehr eigenwillig und nicht irgendwelchen höheren oder ökonomischen Gesetzen gehorchend.
Frage: Wer hat die Prognosen für die Mengen an Streusalz, die diesen Winter gebraucht werden, gemacht? Es gäbe da eine elegante Lösung für bessere Planung: In England soll es mal ein Gesetz gegeben haben, dass bei einer falschen Wettervorhersage den Galgen vorgesehen hat. (Wenn es nicht stimmt, so ist es doch gut erfunden.) Würde das heute gelten und würde man es auf alle Prognosen ausweiten, gäbe es keinen Kachelmann-Prozess, Prof. Unsinn hätte die längste Zeit seinen Bart in die Kameras gehalten und die Anzahl an Sektenmitgliedern inklusive evangelikaler und fundamentalistischer Christen würde sich rasant verringern.

Gefunden habe ich den Hinweis auf diese PR-Meldung hier.

Aphorismus #866

COMMERCE: A kind of transaction in which A plunders from B the goods of C, and for compensation B picks the pocket of D of money belonging to E.

Ambrose Bierce (1842 – 1913), The Devil’s Dictionary

Aphorismus #782

The biggest innovation in the [financial] industry over the past 20 years had been the cash machine.

I wish someone would give me one shred of neutral evidence that financial innovation has led to economic growth — one shred of evidence.

Paul Volcker, Chef der FED von 1979 – 1987. Zitiert nach „‘Wake up, gentlemen’, world’s top bankers warned by former Fed chairman Volcker“ – Man wünschte sich, er hätte solche Erkenntnisse in seiner Zeit als Chairman der FED gehabt – und sie dann umgesetzt.

Aphorismus #658

Politik kann man in diesem Lande definieren als die Durchsetzung wirtschaftlicher Zwecke mit Hilfe der Gesetzgebung.

Dabei kannte Tucholsky unsere schwarz-gelbe Regierung noch gar nicht, als er 1919 diesen Satz schrieb.
aus: Wir Negativen“, in „Die Weltbühne“, 13. März 1919, Nr. 12, S. 279

Aphorismus #632

Der stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse besiegelt die Herrschaft des Kapitalisten über den Arbeiter. Außerökonomische, unmittelbare Gewalt wird zwar immer noch angewandt, aber nur ausnahmsweise. Für den gewöhnlichen Gang der Dinge kann der Arbeiter den „Naturgesetzen der Produktion“ überlassen bleiben, d.h. seiner aus den Produktionsbedingungen selbst entspringenden, durch sie garantierten und verewigten Abhängigkeit vom Kapital.

Noch einmal Karl Marx: Das Kapital Bd 1, S. 763 – 765. Diese Sätze folgen unmittelbar nach dem, was ich in Hartz IV – Unmenschlichkeit hat Tradition zitiert habe.

Aphorismus #598

Wort zum Sonntag #35

UFOs, Schwarzer Tod und Rezession

1. Die UFO-Landebahnen von Nasca

Seit  Erich von Däniken– seines Zeichens Kellner und Suppenkoch und damit ausgewiesener Experte für Archäologie- meinte, die ersten Hochkulturen seien keine menschlichen Errungenschaften, sondern Geschenke der Götter, die für ihn nichts anderes als außerirdische Astronauten waren, seit also ein wissenschaftlich hochqualifizierter Profi wie er diese kühnen Behauptungen aufstellte, seither wird jedes archäologische Phänomen, für das es tatsächlich oder auch nur scheinbar (noch) keine Erklärung gibt, den UFOs in die Schuhe geschoben. Die können sich nun mal nicht wehren. Eines der prominentesten Fündlein des Erich von der tiefen Weisheit sind die Nasca-Linien in Peru. So groß wie sie sind, so unverständlich ihre Zeichensprache, so unerklärlich ihre Schöpfung- das MÜSSEN Landebahnen für Außerirdische sein. Logisch, oder? Nun, dass noch so ziemlich jedes „Argument“ der UFO-Gläubigen für Nasca entkräftet wurde, dass hingegen für alles ganz irdische Erklärungen gefunden wurden, dass also mal wieder Herr Ockham sein Rasiermesser den Phantasten an die Gurgel hält, das ficht Gläubige nicht an. Glaube braucht nie Argumente, es reicht einfach „Glaube“.
Kurz zusammengefasst kann man die aktuelle mit zahlreichen archäologischen Funden untermauerte Theorie wie folgt zusammenfassen:

  • Die Linien sind irdischen Ursprungs: jeder Kornkreis beweist, dass mit einfachsten Mitteln komplexe Figuren erschaffen werden können. Im Gegensatz zum nächtlichen Stunden-Ulk hatten die Schöpfer der Nasca-Glyphen freie Sicht, genügend Zeit und auch die Chance zur Korrektur.
  • Die Glyphen sind Teil der Nasca-Religion. Reste von Altären und Opfergaben zeigen, dass bereits das Anfertigen der Figuren als Gottesdienst angesehen wurde.
  • Die Linien konnten nur wegen der extremen Trockenheit in dieser Region über die Jahrhunderte erhalten werden.
  • Funde von Süßwassermuscheln u.a. belegen, dass dieses Land lange Zeit sehr fruchtbar war, was den Menschen einen relativen Reichtum bescherte und die Nasca-Kultur zu großer Blüte verhalf.
  • Die Linien entstammen aus der Zeit des Übergangs, als aus wasserreichen Ackerland durch eine Klimaänderung unbewohnbare Wüste wurde.
  • Es spricht alles dafür, dass die Menschen damals, die Götter mit ihren Figuren besänftigen wollten, dass sie sich von ihnen neuen Regen und neues Leben versprachen.
  • Hat nicht geklappt, wie wir wissen.

Upps. Ganz einfache, ganz logische, ganz nachvollziehbare Gründe. Ohne UFOs, ohne Außerirdische, ohne Hochtechnologie! Die Welt kann so einfach sein, wenn man sie nur Welt sein lässt.
Festhalten möchte ich vor allem eines: Wie wir Menschen nun mal so sind, bei Katastrophen und anderem Unbill schauen wir allzu gerne nach oben, flehen himmlische Mächte an, statt ernsthaft zu überlegen, was hier und heute getan werden kann und muss. Statt echter Lösungen- das Umsehen nach einer neuen Heimat- wurde die religiöse Scheinlösung gewählt. Es wurde viel Zeit, Energie und Manpower in die Erschaffung von riesigen Figuren investiert, um die Götter zu besänftigen. Was konnte es denn sonst sein, als der Zorn der Götter, das der jährliche Anden-Monsun ausblieb? Und wenn ein paar Wortführer, nennen wir sie Priester und Herrscher, die Parole ausgeben, dass jetzt vor allem Gottesdienst gefragt sei, wer will und wer kann da abseits stehen, wenn das große Werk für die Götter zu vollbringen ist?
Mit dem Entstehen der letzten geheimnisvollen Glyphen verliert sich die Nasca-Kultur im Dunkel der Geschichte. Wahrscheinlich ist, dass sie irgendwann dann doch- viel zu spät, nach viel zu vielen Opfern durch Dürre und Missernten- ein Einsehen hatten und sich auf den Weg nach einer neuen Heimat machten. Wo und ob sie diese fanden, wir wissen es nicht. Aber eines wissen wir: Ihr ganzes Beten, Opfern, Aufopfern, um die himmlischen Mächte zu befrieden war vergeblich. Wenigstens war es nicht Mitursache bzw. Beschleuniger der Katastrophe. Das geschah z.B. auf den Osterinseln, aber dazu habe ich andernorts mehr geschrieben.

Es gibt keine religiösen Lösungen für irdische Probleme!

Aphorismus #318

Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.

(Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann unendlich lange andauern in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.)
Dieser treffende Satz stammt von Kenneth Ewart Boulding (1910 – 1993), einem Wirtschaftswissenschaftler, der nicht nur die ewige Vermehrung von kleinen farbig bedruckten Papierscheinen im Kopf hatte.