Aphorismus #988

Kleine Fremdwortkunde:

Privatisierung – von lat. privatus, „abgesondert, beraubt, getrennt“.
Im Gegensatz dazu steht die Politik – von gr. Πολιτικά, alle Tätigkeiten, Gegenstände und Fragestellungen, die die Polis, das Gemeinwesen betreffen.
Die Bezeichnung „Politiker“ für unsere Volksvertreter ist also lediglich ein Euphemismus, treffender wäre da die Titulierung als Idioten, von gr. ἰδιότης „Privatperson“; latinisiert idiōta „Laie“, „Pfuscher“, „Stümper“.

Alles in der Wikipedia und in jedem guten Fremdwörterbuch nachzulesen.

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Aphorismus #790

Ich kenne keine Klassengesellschaft, die bewusst und rational zu gewährleisten suchte, dass alle sozialen Gruppen in gleicher Weise an der Schöpfung, Produktion und Distribution von Werten, Gütern und Dienstleistungen partizipieren können.

Basil Bernstein (1924 – 2000), Beiträge zu einer Theorie des pädagogischen Prozesses. Zitiert in: Michael Sertl, Kompensatorische Erziehung

Aphorismus #782

The biggest innovation in the [financial] industry over the past 20 years had been the cash machine.

I wish someone would give me one shred of neutral evidence that financial innovation has led to economic growth — one shred of evidence.

Paul Volcker, Chef der FED von 1979 – 1987. Zitiert nach „‘Wake up, gentlemen’, world’s top bankers warned by former Fed chairman Volcker“ – Man wünschte sich, er hätte solche Erkenntnisse in seiner Zeit als Chairman der FED gehabt – und sie dann umgesetzt.

Aphorismus #715

Sobald das Eigentumsrecht auch nur das geringste Stück Boden in seine technokratisch-lukrativen Zangen nimmt, wird die natürliche Kostenlosigkeit zerstückelt und versteigert. Das Wasser zur Bewässerung, der fruchtbar zu machende Boden, der Siedlungsraum, das Umherschweifen und sogar die Luft, alles läßt sich verzinsen, alles muß bezahlt und wieder zurückgezahlt werden, wobei Haß, Frustration und Aggressivität den Wuchersitten das Geleit geben.

Raoul Vaneigem, An die Lebenden! Streitschrift gegen die Welt der Ökonomie

Aphorismus #706

Die unablässige Heiligsprechung der Ökonomie negiert das konkrete Individuum, bewirkt den Schlaf seiner Vernunft, verkrüppelt seine Emotionalität und nährt so die Ungeheuer der Misere, die als soziale und ökologische Katastrophe die Basis der gelebten menschlichen Existenz verschwinden lassen.

Raoul Vaneigem, An die Lebenden! Streitschrift gegen die Welt der Ökonomie


Aphorismus #598

Wort zum Sonntag #35

UFOs, Schwarzer Tod und Rezession

1. Die UFO-Landebahnen von Nasca

Seit  Erich von Däniken– seines Zeichens Kellner und Suppenkoch und damit ausgewiesener Experte für Archäologie- meinte, die ersten Hochkulturen seien keine menschlichen Errungenschaften, sondern Geschenke der Götter, die für ihn nichts anderes als außerirdische Astronauten waren, seit also ein wissenschaftlich hochqualifizierter Profi wie er diese kühnen Behauptungen aufstellte, seither wird jedes archäologische Phänomen, für das es tatsächlich oder auch nur scheinbar (noch) keine Erklärung gibt, den UFOs in die Schuhe geschoben. Die können sich nun mal nicht wehren. Eines der prominentesten Fündlein des Erich von der tiefen Weisheit sind die Nasca-Linien in Peru. So groß wie sie sind, so unverständlich ihre Zeichensprache, so unerklärlich ihre Schöpfung- das MÜSSEN Landebahnen für Außerirdische sein. Logisch, oder? Nun, dass noch so ziemlich jedes „Argument“ der UFO-Gläubigen für Nasca entkräftet wurde, dass hingegen für alles ganz irdische Erklärungen gefunden wurden, dass also mal wieder Herr Ockham sein Rasiermesser den Phantasten an die Gurgel hält, das ficht Gläubige nicht an. Glaube braucht nie Argumente, es reicht einfach „Glaube“.
Kurz zusammengefasst kann man die aktuelle mit zahlreichen archäologischen Funden untermauerte Theorie wie folgt zusammenfassen:

  • Die Linien sind irdischen Ursprungs: jeder Kornkreis beweist, dass mit einfachsten Mitteln komplexe Figuren erschaffen werden können. Im Gegensatz zum nächtlichen Stunden-Ulk hatten die Schöpfer der Nasca-Glyphen freie Sicht, genügend Zeit und auch die Chance zur Korrektur.
  • Die Glyphen sind Teil der Nasca-Religion. Reste von Altären und Opfergaben zeigen, dass bereits das Anfertigen der Figuren als Gottesdienst angesehen wurde.
  • Die Linien konnten nur wegen der extremen Trockenheit in dieser Region über die Jahrhunderte erhalten werden.
  • Funde von Süßwassermuscheln u.a. belegen, dass dieses Land lange Zeit sehr fruchtbar war, was den Menschen einen relativen Reichtum bescherte und die Nasca-Kultur zu großer Blüte verhalf.
  • Die Linien entstammen aus der Zeit des Übergangs, als aus wasserreichen Ackerland durch eine Klimaänderung unbewohnbare Wüste wurde.
  • Es spricht alles dafür, dass die Menschen damals, die Götter mit ihren Figuren besänftigen wollten, dass sie sich von ihnen neuen Regen und neues Leben versprachen.
  • Hat nicht geklappt, wie wir wissen.

Upps. Ganz einfache, ganz logische, ganz nachvollziehbare Gründe. Ohne UFOs, ohne Außerirdische, ohne Hochtechnologie! Die Welt kann so einfach sein, wenn man sie nur Welt sein lässt.
Festhalten möchte ich vor allem eines: Wie wir Menschen nun mal so sind, bei Katastrophen und anderem Unbill schauen wir allzu gerne nach oben, flehen himmlische Mächte an, statt ernsthaft zu überlegen, was hier und heute getan werden kann und muss. Statt echter Lösungen- das Umsehen nach einer neuen Heimat- wurde die religiöse Scheinlösung gewählt. Es wurde viel Zeit, Energie und Manpower in die Erschaffung von riesigen Figuren investiert, um die Götter zu besänftigen. Was konnte es denn sonst sein, als der Zorn der Götter, das der jährliche Anden-Monsun ausblieb? Und wenn ein paar Wortführer, nennen wir sie Priester und Herrscher, die Parole ausgeben, dass jetzt vor allem Gottesdienst gefragt sei, wer will und wer kann da abseits stehen, wenn das große Werk für die Götter zu vollbringen ist?
Mit dem Entstehen der letzten geheimnisvollen Glyphen verliert sich die Nasca-Kultur im Dunkel der Geschichte. Wahrscheinlich ist, dass sie irgendwann dann doch- viel zu spät, nach viel zu vielen Opfern durch Dürre und Missernten- ein Einsehen hatten und sich auf den Weg nach einer neuen Heimat machten. Wo und ob sie diese fanden, wir wissen es nicht. Aber eines wissen wir: Ihr ganzes Beten, Opfern, Aufopfern, um die himmlischen Mächte zu befrieden war vergeblich. Wenigstens war es nicht Mitursache bzw. Beschleuniger der Katastrophe. Das geschah z.B. auf den Osterinseln, aber dazu habe ich andernorts mehr geschrieben.

Es gibt keine religiösen Lösungen für irdische Probleme!