Aphorismus #940

Die Kirche – und der Papst geht da wieder „vorbildlich“ voran – sieht sich gerne als Opfer. Ganz deutlich war das bei den Missbrauchsskandalen. Als Schuldige hatte man schnell die Medien ausgemacht, manche ganz hartgesottenen Kirchenfürsten dann auch noch junge Schwule, die die ansonsten völlig tadellosen Priester verführt hätten. Man kultiviert in Rom gerne Verschwörungstheorien, die von einer vom Weltjudentum gesteuerten Attacke auf die Kirche und den Papst phantasieren. Diese Opferstrategie ist natürlich praktisch, aber sie führt auch dazu, dass die Aggressivität deutlich ansteigt. Denn man sieht sich ja angegriffen und in der Defensive und muss sich nun – schon um die höhere Ehre Gottes zu verteidigen – wehren …

Aus dem lesenswerten Interview, das Reinhard Jellen mit dem katholischen Theologen David Berger über dessen neues Buch „Der heilige Schein“ geführt hat.

Aphorismus #267

Der Massenmord war das Gründungsverbrechen der Republiken von Bonn und von Berlin. Die Deutschen haben es, ganz kapitalistisch gestimmt und der Idee des Gleich um Gleich im gerechten Tausch verpflichtet, nie verstanden, dass das Geschichtsverbrechen, das sie begingen, nicht nach dem Prinzip des Auge um Auge gesühnt wurde. Man hat sie um die gerechte Strafe gebracht.

Als Gegengewicht zur Opfer-Rhetorik, die in den nächsten Tagen vielfach zu hören sein wird aus Anlass der Bombenangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945. Dieses klare Wort von Joachim Bruhn findet sich in seinem Artikel Bomber-Harris und das Minimalprogramm der sozialen Revolution in Deutschland