Aphorismus #1002

KÜSSE UND SEGEN
Der Papst liebt unsere Kinder

So ist es heute bei BILD-Online* zu lesen.
???
Also mich macht das stutzig, wenn sich mal wieder ein katholischer Geistlicher an Kinder ranmacht.
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* Auf BILD verrechte verlinke ich nicht.

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Aphorismus #1001

Atheists should welcome the election of Pope Benedict XVI. For this aged, scholarly, conservative, uncharismatic Bavarian theologian will surely hasten precisely the de-Christianization of Europe that he aims to reverse. At the end of his papacy, Europe may again be as un-Christian as it was when St Benedict, one of the patron saints of Europe, founded his pioneering monastic order, the Benedictines, 15 centuries ago. Christian Europe: from Benedict to Benedict. RIP.

Timothy Garton Ash, Europe in danger of de-Christianization: New Pope’s dilemma (2005)
Die deutsche Übersetzung gibt es hier.

Aphorismus #998

Wort zum Sonntag #93

Warum ich kein Christ bin – Teil VIII

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil II: Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

Teil III: Gnade dir Gott! Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV: Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

8. Jesus von Nazareth – eine Erfolgsgeschichte?

Ob jemand Erfolg mit dem hatte, was er wollte, was er sagte und was er tat, sieht man so richtig erst nach seinem Ableben. Bei Jesus von Nazareth ist das nicht anders. Allerdings klaffen zwischen dem, was die Kirchen als seinen und ihren Erfolg verbuchen, und dem, was Jesus tatsächlich erreichen wollte, riesige Lücken. So wie durch die vorgebliche Auferstehung die Hinrichtung und damit das Scheitern des Nazareners seitens seiner Anhänger zu einem Sieg umgedeutet wurde, so machten sie es im Laufe der Jahrhunderte mit fast allem, was der galiläische Wanderprediger Jesus tatsächlich erreichen wollte. Wer es schafft die Hinrichtung eines religiösen Aufrührers mit wirrer apokalyptischer Botschaft dank Auferstehungsgeschichte als Erfolg umzudeuten, der hat keine Hemmungen nahezu jedes Wort umzudrehen, bis es in den eigenen ideologischen und politischen Intentionen dienlich ist.  Hier möchte ich an ein paar Beispielen jenseits christlicher Tradition und gläubiger Schönfärberei das aufzeigen, was Jesus anstrebte und predigte und was dem tatsächlich folgte. Getreu dem Motto: Jesus verkündete das Reich Gottes, gekommen ist die Kirche. (Alfred Loisy) Ich stelle dazu Zitate aus dem Neuen Testament, die von Jesus stammten oder ihm in den Mund gelegt wurden, dem gegenüber, was sich daraus entwickelte.

Aphorismus #981

Wort zum Sonntag Montag #87

Trau keinem Wolf auf wilder Heiden
Auch keinem Juden auf seine Eiden
Glaub keinem Papst auf sein Gewissen
Wirst sonst von allen Drein beschissen.

Dieses gelungene Beispiel von bäuerlicher Legendenbildung*, deutschem Antisemitismus** und protestantischer Arroganz*** verdanken wir niemandem anderem als Martin Luther und seiner gerne vergessenen Schrift „Von den jüden und iren lügen“, 1543 – Das nenne ich mal Altersweisheit…

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* Dass die Grausamkeit und Gefährlichkeit des Wolfes für den Menschen ins Reich der Fabel gehört, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, jedoch die neuerlichen Diskussionen, seit er sich wieder in Deutschland niedergelassen hat, zeigt, dass dem nicht so ist.
** Der eliminatorische Antisemitismus der Nazis speist sich aus vielen Quellen:
– dem christliche Antijudaismus
– den Judenpogromen des Mittelalters
– Luthers teils christlich, teils ökonomisch, teils „deutsch“ motiviertem Judenhass
– dem „vernünftigen“ und säkularisierten Antisemitismus mancher Aufklärer
– dem „Die Juden sind unser Unglück!“ des Kaiserreichs
– der Rasse-Ideologie des späten 19. Jahrhunderts
– dem deutschesten aller Gefühle, nämlich dem, von der Geschichte betrogen worden zu sein
….
*** Dass Luther an die Stelle des Papstes die Bibel setzte und „Gottes Wort“ mit absoluter Macht über die Gläubigen ausstattete, dass er selbst meinte, ER habe die rechte Auslegung, also die WAHRHEIT gepachtet, war stilbildend für seine Nachfolger in den zahllosen protestantischen Kirchen, Gruppen, Grüppchen und Sekten. Bis heute.

Aphorismus #940

Die Kirche – und der Papst geht da wieder „vorbildlich“ voran – sieht sich gerne als Opfer. Ganz deutlich war das bei den Missbrauchsskandalen. Als Schuldige hatte man schnell die Medien ausgemacht, manche ganz hartgesottenen Kirchenfürsten dann auch noch junge Schwule, die die ansonsten völlig tadellosen Priester verführt hätten. Man kultiviert in Rom gerne Verschwörungstheorien, die von einer vom Weltjudentum gesteuerten Attacke auf die Kirche und den Papst phantasieren. Diese Opferstrategie ist natürlich praktisch, aber sie führt auch dazu, dass die Aggressivität deutlich ansteigt. Denn man sieht sich ja angegriffen und in der Defensive und muss sich nun – schon um die höhere Ehre Gottes zu verteidigen – wehren …

Aus dem lesenswerten Interview, das Reinhard Jellen mit dem katholischen Theologen David Berger über dessen neues Buch „Der heilige Schein“ geführt hat.

Aphorismus #936

Wort zum Sonntag #82

Auch der Vatikan hat Lecks*

Quelle: Wikileaks – Layout und Hervorhebungen zum leichteren Lesen von mir. Am Wortlaut wurde nichts verändert.

2/20/2009 16:00

09VATICAN28
Embassy Vatican

CONFIDENTIAL

09VATICAN25

P 201600Z FEB 09

SUBJECT: THE HOLY SEE: A FAILURE TO COMMUNICATE

REF: VATICAN 25 AND PREVIOUS (NOTAL)

C o n f i d e n t i a l vatican 000028

E.o. 12958: decl: 2/20/2029

Tags: prel, ecps, phum, pgov, kpao, kirf, vt

Subject: the holy see: a failure to communicate

Ref: vatican 25 and previous (notal)

CLASSIFIED BY: Julieta Valls Noyes, CDA, EXEC, State.

REASON: 1.4 (b)

1. (C) Summary

Together with other flaps, the recent global controversy over the lifted excommunication of a Holocaust denying bishop (reftel) exposed a major disconnect between Pope Benedict XVI’s stated intentions and the way in which his message is received by the wider world. There are many causes for this communication gap: the challenge of governing a hierarchical yet decentralized organization, leadership weaknesses at the top, and an undervaluing of (and ignorance about) 21st century communications. These factors have led to muddled, reactive messaging that reduces the volume of the moral megaphone the Vatican uses to advance its objectives. This is especially true with audiences whose view of the Vatican is informed largely by mass media coverage. There are signs that at least some in the Vatican have learned their lessons and will work to reshape the Holy See’s communications structure. Whether they’ll prevail remains to be seen.
End Summary.

A centralized hierarchy making decentralized decisions

2. (SBU) The Vatican is highly hierarchical with the Pope ultimately responsible for all important matters. Yet it is also highly decentralized in its decision-making. This structure reflects belief in the principle of „subsidiarity„: leaving decisions to those closest to, and best informed on, a particular matter. On a practical level, however, subsidiarity can limit horizontal communication by eliminating peer consultation and review. This approach also encourages a narrow focus on issues at the expense of the big picture.
3. (C) In discussing the recent crisis with CDA and PAO, Archbishop Claudio Celli, President of the Pontifical Council for Social Communications, described the Church’s current communication style as being focused on the content of a decision, rather than its public impact. xxxxxxxxxxxx, noted that this phenomenon is compounded by the fact that officials from the various Church organs see themselves as advocates for their issues, without considering their impact on the Church as a whole. The result is a process in which only a handful of experts are aware of imminent decisions — even major decisions with broad implications — and those who are become proponents, rather than impartial advisors to the Pope.
4. (C) A series of missteps during Benedict’s Papacy have made the lack of information-sharing in the Church painfully clear. In 2006, the Pope made a speech in Regensburg that was widely decried as insulting to Muslims, though he later explained he had no such intent. In 2008, the Pope himself baptized (i.e., converted)a prominent Muslim during the 2008 Easter Vigil service at St. Peters, an event broadcast worldwide; the Cardinal who runs Inter-Faith Dialogues for the Church knew nothing about the conversion until it happened. This year, Father Federico Lombardi, head of the Vatican press office, and Cardinal Walter Kasper, President of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity, which includes relations with Jews, learned only after the fact about the decision to reinstate communion with schismatic Lefebrvist bishops who included a Holocaust denier (reftel). In the midst of that scandal, meanwhile, the Pope proposed promoting to auxiliary bishop a priest who said Hurricane Katrina was „divine retribution“ for licentiousness in New Orleans. The resulting outcry led the cleric to decline the offer.

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* Natürlich stammt dieser Bericht aus der amerikanischen Botschaft, aber ohne die Lecks im Vatikan, d.h. ohne die verschiedenen Insider aus der allerheiligsten Hierarchie wäre er kaum so detailliert und interessant.

Aphorismus #917

Wenn man im Namen der Nichtdiskriminierung die katholische Kirche zwingen will, ihre Position zur Homosexualität oder zum Frauenpriestertum zu ändern, dann heißt das, dass sie nicht mehr ihre eigene Identität leben darf, und dass man stattdessen eine abstrakte Negativreligion zu einem tyrannischen Maßstab macht. Das ist dann anscheinend die Freiheit – allein schon deshalb, weil es die Befreiung vom Bisherigen ist.

DAS hat Papst Benedikt XVI. auch in dem Interviewbuch gesagt, das wegen seiner Aussagen zum Gebrauch von Kondomen derzeit medial Furore macht. Aber DAS ist fast nirgends zu lesen.
Dass derjenige intolerant ist, der der katholischen Kirche deren Intoleranz vorhält, und nicht die Mutter Kirche selbst, das ist mal wieder ein  schönes Beispiel katholischer Wortverdrehung. Darin bleibt sich der Papst einfach treu.