500 mal Aphorismus

Das sind jede Menge Zitate, Veweise, Bilder und Videos. Jede Menge zum Nachdenken, Lachen, Wundern oder auch zum Ärgern. In der ewigen Bestenliste meines Blogs steht Aphorismus #144- Tucholskys Gedicht über „Die freie Wirtschaft“– mit 1.144 Klicks bis heute an erster Stelle , gefolgt in weitem Abstand von #185, einem typischen Un-Sinn mit insgesamt 531 Klicks. Dritter mit nur einem Aufruf weniger ist bis heute #430- Das Wort zum Sonntag#11.
Ich sag ganz einfach mal Danke an alle, die hinter diesen Klicks stehen!
Und wer sich geärgert, aufgeregt, gefreut, gelacht oder gefragt hat, kann dies in Zukunft auch weiterhin gerne tun. Ich bleibe am Ball. Auf meine Weise.

Aphorismus #375

Konsum ist schädlich für das wirtschaftliche Wachstum und unnötig für die Konjunktur.

Mal wieder etwas völlig Sinnfreies, zwar schon vom März 2007, aber es zeigt, wie unsinnig der laut Deutschlands Propaganda-Blatt Nr. 1 BILD klügste Professor Deutschlands tickt. Lachhaft. Früher trugen solche Leute einen quietschbunten Wams mit Schellen dran, aber heute…

Ach ja, wer es noch nicht ahnt: natürlich ist DER gemeint und nicht DER oder gar DER!

Aphorismus #185

Von einer Rezession zu sprechen, halte ich für völlig falsch.

Hans-Werner Sinn, laut BILDDeutschlands klügster Wirtschaftsprofessor Mitte September (!) im Handelsblatt. Klüger geht’s gar nicht mehr. Was für ein weiser Mann! – Es ist erschreckend auf welche Wirtschafts-„Wissenschaftler“ unsere Politiker hören. Mit ein paar Würfeln, von einem Schimpansen geworfen, hat man sicher eine höhere Wahrscheinlichkeit das Richtige zu sagen und zu tun!

Ich habe nichts gegen Juden, aber ….

Warum 70 Jahre nach der Reichspogromnacht Antisemitismus noch immer ein Thema in Deutschland ist

9/11/08 steht vor der Tür: ein Datum der deutschen Geschichte wird gebührend begangen und mit Dokumentationen im Fernsehen, Beiträgen in den Feuilletons und Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt abgearbeitet, abgehakt und erledigt: die von den Nazis euphemistisch Reichskristallnacht genannte Nacht des von staatlicher Seite verordneten und organisierten großen Pogroms. Unglücklicherweise fällt dieses Datum seit 1989 zusammen mit dem des Falls der Mauer, will heißen dem Anfang vom Ende der DDR und dem Beginn eines neuen Deutschland. Da liegt es natürlich nahe, letzteres lieber zu feiern als an die große Schande der Deutschen zu erinnern.

Nicht nur, aber auch deswegen hier ein paar persönliche Gedanken mit ein paar Abstechern in die Welt der Politik und der Medien.

Aufgewachsen in den 60ern und frühen 70ern gab es in meiner Familie und im Verwandtenkreis wie in den meisten deutschen Häusern keinen Antisemitismus mehr. Zumindest keinen offenen. Es gehörte sich einfach nicht, gegen die Juden etwas zu sagen. Das hatten die Deutschen nach dem verlorenen Krieg kapiert, offiziell wenigstens. Aber irgendwie war das schon eine seltsame Angelegenheit mit „den Juden“: sechs Millionen hatten die Nazis umgebracht. „Die Nazis waren das. Sie allein! Aber doch nicht der geliebte Opa? Nein, die eigenen Eltern oder Großeltern waren daran bestimmt nicht beteiligt! Sie hatten ja auch gar nichts davon gewusst. Gar nichts wissen können! Die Täter, das waren alles nur die Zweihundertprozentigen, die echten Nazis, die aus freien Stücken in der Partei waren. Und nicht weil sie es mussten!“ – So ungefähr sah der Konsens aus, mit dem sich das Deutschland der Adenauer-Ära selbst einen kollektiven Persilschein ausgestellt hatte! Damit meinte man, alle braunen Flecken auf der eigenen ansonsten blütenweißen Weste raus gewaschen zu haben.

Antisemitismus war also kein Thema. Gab es nicht. Nicht mehr! Wo kämen wir denn da hin. Aber gleichzeitig hieß es bei jedem Datum, das an diese Zeit erinnerte: jetzt muss endlich Schluss sein mit der Wiedergutmachung und dem Erinnern! „Wir Deutschen haben für den WK II schon genügend gebüßt! Die anderen haben auch Kriegsverbrechen begange!“

Nicht der offene, primitive Judenhass der Nazizeit, sondern ein latenter, unterschwelliger Antisemitismus gehört in meiner Jugend dazu. Man merkte es gar nicht. Wie auch? Es war schlicht normal, alltäglich, niemand dachte sich etwas dabei:

  • Eine besonders große Nase nannte man beispielsweise „Synagogenschlüssel“- auf kindliches Nachfragen hieß es lapidar: „Juden haben große Nasen!“.
  • Kleine Kracher waren „Judenfürze“, einen anderen Namen gab es dafür nicht, auch wenn man sie im Tante-Emma-Laden kaufte.
  • Wenn jemand geizig war nannte man ihn „Itzig“. Ja ist klar warum. Weiß doch jeder: Juden sind geizig und geben nichts her!
  • Wer es besonders eilig hatte, bekam todsicher zu hören: „Nur keine jüdische Hast!“ Warum die ausgerechnet jüdisch sein sollte? Im Gegensatz zu uns Deutschen? Wo wir doch vor Ruhe und Ausgeglichenheit nur so bersten!
  • Wenn eine Frau als Schlampe galt war sie eine „Sarah“.

Sprachlich hatte sich der nationalsozialistische Antisemitismus im Alltag hinein prächtig erhalten und dies ist leider bis heute so. Erziehung und Propaganda, HJ und BDM der Nazis hatten ganze Arbeit geleistet. Und die Inhalte waren auch nicht wegzukriegen. Kein Wunder, dass es in vertrauter Runde nach ein paar Bier hieß, die Gammler und protestierenden Studenten gehörten alle ins KZ. Und über die Juden wurde ein paar Schnäpse später verlautbart, dass Hitler schon recht hatte, aber er hätte es einfach nicht „übertreiben“ dürfen. Jetzt würden sie das gegen Deutschland ausnutzen, und „uns bluten lassen bis in alle Ewigkeit“. Und überhaupt einen „kleinen Hitler“ könne Deutschland ganz gut gebrauchen. Der würde aufräumen mit Gammlern, Drogensüchtigen, Zigeunern und all den anderen Asozialen, die uns nur auf der Tasche liegen. Da lernte ich schon bald: „Jetzt heißt es Fresse halten. Sonst kriegst du eins auf die Mütze.“

Und das war und ist beileibe keine Familie voller Nazis. Gewählt wurde christlich. Was denn sonst? Die Sozis waren ja alles Kommunisten. Und Kommunismus war das Allerschlimmste auf Erden. Dagegen waren die Nazis doch harmlos ….

Herr Prof. Sinn, ich muss mich entschuldigen!

Ja, Sie haben richtig gelesen. Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen!

Wie konnte ich in meinem Beitrag zu Ihrem Vergleich von armen, gebeutelten und verkannten Managern mit den verhassten Juden in den 1930ern nur annehmen, dass es Ihnen um „Ihre“ Manager ging? Wie dumm von mir!

Es war ganz anders. Der Vergleich mit deen Juden war weder ein „Ausrutscher“, wie Sie es hinterher haben aussehen lassen wollten. Er war auch kein politischer Keulenschwinger gegen alle Systemkritiker. Nein! Etwas ganz anderes hatten Sie im Sinn:

Ihr neues Buch

Prof. Hans-Werner Sinn – Das grüne Paradoxon

Erschienen am 17. Oktober.

Das ändert natürlich alles. Wahrscheinlich lief es bisher nicht so, wie erhofft. Da kann dann der Verlag viel Geld in die Werbung stecken, oder der Autor besinnt sich auf das kleine Einmaleins der Medienmaschinerie. Da gibt es einen uralten Verkaufstrick und als intimer Kenner des Kapitalismus ist Ihnen dieser ja bekannt: Um etwas möglichst oft zu verkaufen, muss man in die Medien, je lautstarker und elephantöser desto besser. Und was ein Bohlen instinktiv schon immer wusste, was ein Grass mit dem Bekenntnis zu seiner SS-Vergangenheit perfekt vorexerzierte, das haben Sie in einem kleinen Meisterstück ebenfalls hingekriegt: Juden gehen einfach immer in Deutschland. Da gibt es am meisten Wirbel. Da schafft man es locker in alle Medien. Und danach? Mit einer wachsweichen Entschuldigung ist der Skandal entschärft. Business as usual. Die Aufmerksamkeit jedoch für das, was man eigentlich an den Mann bringen will, die ist geweckt. Ein ganz gewöhnlicher Vorgang in der Aufmerksamkeitsökonomie.

Tut mir leid, Herr Professor. DAS hatte ich einfach übersehen. Wie konnte ich nur! Sie hatten alles von Anfang an gar nicht ernst gemeint, wollten „nur spielen“, wollten einfach die Verkaufszahlen pushen. Und dieser Zweck heiligt im Kapitalismus bekanntlich so ziemlich alle Mittel!

Wie zu befürchten ist, wird dies Ihr neuestes Buch/ Werk/ Opus/ Meisterwerk/ Machwerk/ Pamphlet/ Elaborat* auf den Bestsellerlisten nach oben spülen.

Auch ein ganz normaler Vorgang.

Wo ist ein neuer Eimer?

* Unzutreffendes bitte streichen!

Neuer Un-Sinn

Bei Heinrich Mann war es Professor Unrat, der nicht mehr ganz bei Sinnen war, sobald die schöne Lola ins Spiel kam: große Literatur und ein großer Film.

Bei Prof. Un-Sinn ist dagegen alles viel profaner. Er braucht keine Lola, um Unsinn zu verzapfen. Er tut es andauernd und aus freien Stücken. Der neueste „Schenkelklopfer“ seiner un-sinnigen gedanklichen Auswürfe, hat jedoch eine ganz neue Qualität. Als Opfer sieht er seine Klientel, die Manager. Als Sündenböcke, die herhalten müssen für den Volkszorn. Und wenn das nicht schon Un-Sinn genug wäre, setzt er noch eins drauf: „In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken“, sagte er dem Tagesspiegel. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 „hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager“. Niemand habe damals an einen „anonymen Systemfehler“ glauben wollen, der die Krise ausgelöst habe, befand Sinn.

Ja, Herr Professor Un-Sinn, demnächst werden also in Deutschland alle Manager einen gelben „Manager-Euro“ auf dem Revers tragen müssen. Ihnen werden die Fenster ihrer Villen, Banken, Luxus-Restaurants udn Luxus-Geschäfte  eingeworfen. Ihre Autos werden brennen, und nicht nur die. Am Ende stehen dann neue KZs für die armen, unschuldigenn geplagten Manager!

Damit schafft es Herr Un-Sinn M.L. (= Master of Logorrhoe), gleich mehrfachen Stuss zu verzapfen: Er beleidigt Juden und die vielen andere Opfer der Nationalsozialismus, die zahllosen Verhöhnten, Gefolterten und Ermordeten. Er bagatellisiert ihr Leid. Er instrumentalisiert es für seine Zwecke. Er stilisiert die Manager als arme unschuldige Opfer: die Manager, die jedoch im Verbund mit den ihnen hörigen Politikern die Täter sind. Die Manager, die eben nicht durch einen „anonymen Systemfehler“ böse überrascht wurden, sondern die  dieses System mit allen seinen Systemfehlern mit konstruiert und am Laufen gehalten haben. Und indem sie die Milliarden anderer  verbrannt haben, konnten sich viele von ihnen in der Krise sogar noch erheblich bereichern.

Opfer? Sündenböcke? Unschuldslämmer? Herr Sinn, das ist der bisherige Gipfel Ihres Un-Sinns! Nehmen Sie Ihren Hut und gehen Sie dorthin, wo Ihresgleichen nich so böse verfolgt wird wie seinerzeit die Juden!

Manchmal kann ich gar nich so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

Nachtrag vom 28.10.08

Der Un-Sinn geht in die nächste Runde

Er hat sich also inzwischen entschuldigt, der Herr Professor: „Mir ging es allein darum, Verständnis dafür zu wecken, dass die wirklichen Ursachen weltwirtschaftlicher Krisen Systemfehler sind, die aufgedeckt und beseitigt werden müssen. Die Suche nach vermeintlichen Schuldigen führt stets in die Irre.“ Er betonte, „meine Scham und mein Entsetzen gegenüber dem, was den Juden von Deutschen angetan wurde, haben mein Leben geprägt.“

Will also der werte Herr Un-Sinn mit seiner Entschuldigung auch Verständnis dafür wecken, dass un-sinnige und haltlose Vergleiche von Tätern mit Opfern nur Systemfehler sind? Dass die Suche nach einem Schuldigen, nach ihm, der dummdreist vor sich hin bramarbasiert hat, in die Irre führt? Will er mit seiner Vernebelungstaktik mit den schönen moralisch aufgeladenen Worten „Scham und Entsetzen“ ablenken, diesmal nicht von den viel gescholtenen Managern sondern von sich selbst dem brandstiftenden Biedermann?

Der Zentralrat der Juden in Deutschland täte gut daran, die Entschuldigung von „Deutschlands klügstem Professors“ nicht anzunehmen. Einem Mann in seiner Position, mit seiner medialen Reichweite und mit seinem Einfluss dürfen solche „Ausrutscher“ nicht passieren. Er weiß nur zugut, dass eine solche bewusst gesetzte Provokation ein Tabubruch ist. Ein Tabubruch, der durch nichts zu entschuldigen ist. Punkt.

Hinweis vom 30.10.08

Natürlich musste der Zentralrat die Entschuldigung annehmen. Das gehört seit Adenauers Zeiten zum Ritual dazu in unserer sauberen Republik. Leider! Aber inzwischen hat die Angelegenheit eine Wendung genommen, die mich sogar zu einer Entschuldigung beim Herrn Professor genötigt hat!

Das ganze gibt es hier zu lesen.