Aphorismus #905

Regieren ist nichts für einen kultivierten oder ehrenhaften Mann.

Aristophanes (448 – 385 v.d.Z.), Die Ritter
Im Original: ἡ δημαγωγία γὰρ οὐ πρὸς μουσικοῦ ἔτ᾽ἐστὶν ἀνδρὸς οὐδὲ χρηστοῦ τοὺς τρόπους.

Dass sich unsere Bundesregierung an diese Weisheit aus der Antike hält, ist natürlich Ehrensache.

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Staatsbürgerkunde Anno 2010

Undemokratisch ist:

Wenn in Stuttgart, Gorleben, Berlin und anderswo Bürger auf die Straße gehen und gegen die herrschende Politik demonstrieren.

Demokratisch ist:

Wenn in Leipzig, Dresden und anderswo Bürger auf die Straße gehen und rufen: „Wir sind das Volk!“

Undemokratisch ist:

Wenn das Zentralkomitee der SED Beschlüsse fasst und Gesetze macht, ohne die Betroffenen zu fragen und ohne Rücksicht auf Verluste.

Demokratisch ist:

Wenn zwischen Regierung und Industrie abgekartet wird, was anschließend durchgesetzt wird, ohne die Betroffenen zu fragen und ohne Rücksicht auf Verluste.

Undemokratisch ist:

Wenn es bei Wahlen nur „Einheitslisten“ mit dem ZK genehmen Kandidaten gibt: eine einzige große Wahl-Farce.

Demokratisch ist:

Wenn Parteien nur dann regierungsfähig sind, wenn sie sagen und umsetzen, was das Kapital will: eine fortgesetzte große Wahl-Farce.

Undemokratisch ist:

Wenn die Stasi das Volk großflächig bespitzelt und über Hinz und Kunz Akten anlegt.

Demokratisch ist:

Wenn- Antiterrorgesetze und TK-Überwachung sei dank!- Polizei und Verfassungsschutz das Volk großflächig bespitzeln und über Hinz und Kunz Akten anlegen.

Undemokratisch ist:

Wenn es nur zwei Fernsehprogramme gibt, die in den Nachrichten, Magazinen und Reportagen dasselbe sagen: das, was die SED will.

Demokratisch ist:

Wenn es hunderte Fernsehprogramme gibt, die in Nachrichten, Magazinen, Reportagen und Talk-Runden immer dasselbe sagen: das, was das Kapital will.

Undemokratisch ist:

Wenn alle Zeitungen gleichgeschaltet sind und nur schreiben, was den Herrschenden genehm ist.

Demokratisch ist:

Wenn es viele Zeitungen gibt, die alle jedoch nur schreiben, was die Verleger wollen.

Undemokratisch ist:

Wenn also die Medien nur, verbreiten, was sie verbreiten dürfen: Die Partei hat immer Recht!

Demokratisch ist:

Wenn Parteien und Regierungen das sagen und umsetzen, was ihnen BILD, SPIEGEL, Bertelsmann und Burda diktieren.

Undemokratisch ist:

Wenn es einen Mindestlohn gibt, dank dessen keiner hungern oder frieren muss.

Demokratisch ist:

Wenn rund 14% der Bevölkerung arm sind.

Undemokratisch ist:

Wenn Grundnahrungsmittel, Bus- und Zugfahrkarten, Mieten, Kultur- und Freizeitveranstaltungen etc. subventioniert sind, und sich diese jeder leisten kann.

Demokratisch ist:

Wenn sich viele Menschen zwar (noch) das Nötigste leisten können, aber wegen teurer Mobilität, fehlendem Zugang zu Bildung und Kultur abgekoppelt vom Rest leben müssen.

Undemokratisch ist:

Wenn man auf ein Auto 12 Jahre warten muss.

Demokratisch ist:

Wenn man kein Geld hat, sich ein Auto zu leisten, selbst wenn man 12 Jahre spart.

Ist doch schön, dass wir in einer Demokratie leben!

Aphorismus #849

»Er kommt aus einer sehr alten Demokratie, weißt du . . .«
»Du meinst, er kommt von einem Eidechsenplaneten?«
»Nein«, sagte Ford, »so simpel ist es nicht. Nicht ganz so unkompliziert. Auf seinem Planeten sind die Leute Leute. Die Anführer sind Eidechsen. Die Leute hassen die Eidechsen, und die Eidechsen regieren die Leute.«
»Merkwürdig«, sagte Arthur. »Ich meine, du sagtest, es wäre eine Demokratie.«
»Sagte ich«, sagte Ford, »ist es auch.«
»Und warum«, sagte Arthur, der hoffte, er höre sich nicht lächerlich begriffsstutzig an, »schaffen sich die Leute dann die Eidechsen nicht vom Halse?«
»Das kommt ihnen ehrlich gesagt nicht in den Sinn«, sagte Ford. »Sie haben alle das Wahlrecht, und so nehmen sie schlichtweg an, daß die Regierung, die sie gewählt haben, mehr oder weniger der Regierung nahekommt, die sie sich wünschen.«
»Du meinst, sie wählen tatsächlich die Eidechsen?«
»Aber ja«, sagte Ford achselzuckend, »natürlich«
»Aber«, sagte Arthur und stürzte von neuem auf die Kernfrage los, »warum?«
»Weil, wenn sie keine Eidechse wählen würden«, sagte Ford, »käme vielleicht die falsche Eidechse ans Ruder.«

Douglas Adams (1952 – 2001), Per Anhalter durch die Galaxis Band 4: Macht’s gut und danke für den Fisch, Kapitel 36

Aphorismus #848

Wenn man gewissen Orakelsprüchen der hinterhältigen Politik glauben darf, ist vom Standpunkt der Macht aus ein wenig Aufruhr erwünscht, denn der Aufruhr stärkt die Regierungen, die er nicht stürzt.

Victor Hugo (1802 – 1885), Die Elenden

Aphorismus #613

Ein Philosoph als Prophet zur Regierung Angela Merkel:

Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr, denn sie handeln nicht nach den Anforderungen der Allgemeinheit, sondern nach zufälliger Neigung und Meinung.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, § 166
Leider konnte ich diese Passage weder in der Transkription noch im Faksimile a.a.O. verifizieren, obwohl diese Stelle auch mehrfach in wissenschaftlicher Literatur zitiert wird. Vielleicht kann mir ja einer meiner philosophisch bewanderten Leser weiterhelfen.