Aphorismus #1011

Das Grundgesetz der Revolution, das durch alle Revolutionen … bestätigt worden ist, besteht in folgendem: Zur Revolution genügt es nicht, daß sich die ausgebeuteten und unterdrückten Massen der Unmöglichkeit, in der alten Weise weiterzuleben, bewußtwerden und eine Änderung fordern; zur Revolution ist es notwendig, daß die Ausbeuter nicht mehr in der alten Weise leben und regieren können. Erst dann, wenn die „Unterschichten“ das Alte nicht mehr wollen und die „Oberschichten“ in der alten Weise nicht mehr können, erst dann kann die Revolution siegen. Mit anderen Worten kann man diese Wahrheit so ausdrücken: Die Revolution ist unmöglich ohne eine gesamtnationale* (Ausgebeutete wie Ausbeuter erfassende) Krise.

W. I. Lenin, Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus (1920)

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* Wie die Geschichte lehrt, muss es statt gesamtnational natürlich international heißen. Diese internationale(n) Krise(n) haben wir seit Jahren, fehlen „nur“ die nötigen Einsichten. Ein wenig occupy hier, ein wenig Netzaktivismus dort , ein wachsende kritische Öffentlichkeit und ein „arabischer“ Frühling machen keine Revolution, höchstens gibt es als gnädig gewährte Entgegenkommen ein paar „Reformen“, meistens jedoch neue Formen der Repression. Das Kapital ist global, also muss es eine Revolution die dieses bekämpft auch sein.

Aphorismus #934

Wen der Staat zur Arbeit zwingt, ist, wie das Wort sagt, Zwangsarbeiter. Ganz einfach. Die Verabredung von Arbeitern gleich welcher Zahl, nicht zur Arbeit zu gehen, und dabei ist es ganz gleichgültig, ob sie es wegen Lohndrückerei des „Arbeitgebers“ oder sozialer Schikanen seines Staats tun, ist keine Frage des Dürfens, sondern des Könnens, keine des Rechts, sondern der Macht. In Frankreich, wo den diversen Konterrevolutionen wenigstens einmal eine richtige Revolution vorausging, hat man das irgendwie im Kopf. In Deutschland, dessen Geschichte nichts als mal blutige, mal „friedliche“ Konterrevolutionen kennt, existiert nicht mal eine Ahnung davon.

Michael Schilling, Bitte gehorsamst, streiken zu dürfen – Was man in Deutschland unter „Generalstreik“ versteht, in: konkret 12/2010

Aphorismus #903

Deutsche Demonstrationen- wie deutsche Revolutionen- erfüllen ihre Aufgabe, wenn sie friedlich verlaufen und die Demonstranten den Durchsagen der Polizei gehorchen. Haben sie gerade darum einen Naziaufmarsch nicht verhindern können, ist das eine der schönsten Manifestationen staatsbürgerlichen Verantwortungsbewußseins.

Herman L. Gremliza, konkret 11/2010 S. 8

Aphorismus #877

Protest ist, wenn ich sage, das und das paßt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß das, was mir nicht paßt, nicht länger geschieht. Protest ist, wenn ich sage, ich mache nicht mehr mit. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, daß alle andern auch nicht mehr mitmachen.

Dieses Wort eines Mitglieds der Black-Power-Bewegung zitiert Ulrike Meinhof (1934 – 1976) in ihrem Artikel „Vom Protest zum Widerstand“ (konkret 5/1968 – also zwei Jahre vor ihrem Gang in den Untergrund) aus dem Gedächtnis. Lang ist es her, und doch wieder neu aktuell. Wieder neu? Nein. Immer noch! Nur merken es zur Zeit wieder mehr.