Aphorismus #738

Wort zum Sonntag #55

Warum ich kein Christ bin – Teil II

Teil I: Die Bibel, ein orientalisches Märchenbuch

Teil III: Gnade dir Gott!
Die selbst ernannte Religion der Liebe kennt keine Gnade, keine Liebe, keine Menschlichkeit

Teil IV. Christlicher Verfolgungswahn – Ketzer, wohin man blickt!

Teil V: Der größte Feind der Vernunft ist das Christentum (und die anderen Religionen)

Teil VI: Das Weib schweige in der Gemeinde. Und nicht nur dort!

Teil VII: Von wegen „lieber Gott“

2. Erbsünde – Gott, was sind wir alle schlecht!

2.1. Paulus- Selbst- und Menschenhass aus Prinzip

Irgendwer muss dem kleinen Paulus ständig vorgesagt haben, was für ein schlechter und gottloser Kerl er sei, so dass er sich später nicht anders zu helfen wusste, als ALLEN Menschen denselben Defekt zu unterstellen. Selbst- und daraus resultierender allgemeiner Menschenhass scheint mir bei ihm der Antrieb seines Denkens und Missionierens zu sein, ganz bestimmt nicht ein Auftrag und eine Offenbarungen vom „Herrn“, wie er behauptet. Sein wichtigstes Werk- wichtig, weil er hier seine Theologie zusammenfasst- ist der Römerbrief. Und der spricht Bände. Nicht über Gott und Welt, sondern über die verquere Gedankengebäude des Misanthropen Paulus.
In einem wahren Parforce-Ritt durch die Psalmen, klaubt er in Römer 3, 9-18 alles zusammen, was in sein düsteres Menschenbild passt:

9 Was sagen wir denn nun? Haben wir Juden einen Vorzug? Gar keinen. Denn wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, 10 wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. 11 Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. 12 Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Psalm 14,1-3). 13 Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie (Psalm 5,10), Otterngift ist unter ihren Lippen (Psalm 140,4); 14 ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit (Psalm 10,7). 15 Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; 16 auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, 17 und den Weg des Friedens kennen sie nicht (Jesaja 59,7-8). 18 Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen (Psalm 36,2).«

Was ist das denn? Wahllos ein paar Psalmen-Halb- oder Viertel-Verse ohne Erklärung, ohne Rücksicht auf den Zusammenhang aneinanderpappen? Das hat so viel Beweiskraft wie die Bibelauslegungen der Zeugen Jehovas. Kein Mensch kann da folgen, kann nachfragen, kann mitdenken. Und das soll er auch gar nicht.. Paulus haut dem Leser seine „Wahrheit“ wie ein nasses Handtuch um die Ohren. Es geht ihm mehr um Wirkung als um Argumentation. Letztere ist nur Mittel zum Zweck. Leider. Denn das ist noch heute so bei seinen Nachfolgern, den Erweckungspredigern, Evangelisten, Missionaren und Hauskreisleitern. Mit derselben Methode könnte man, böse gesprochen, das Telefonbuch von Tokio nehmen, und die Relativitätstheorie herauslesen. Man muss nur eklektizistisch vorgehen wie Herr P. und dann das ganze noch etwas drehen, ziehen und strecken solange bis es passt. Genau so gewinnt Paulus seine „Erkenntnis“ über die unumstößliche, absolute Sündhaftigkeit des Menschen. Er hat sie nicht aus dem AT, sondern er hat sie ganz einfach hineingelesen. Eisegese in Reinkultur. Das Ergebnis stand von Anfang an fest.
Der Mensch ist Sünder. Und sonst nichts. Basta! Diese unduldsame, ja arrogante Art des Paulus ist schon seinen Zeitgenossen auf die Nerven gegangen. Darum thematisiert er dies im 2. Korintherbrief. Da lässt er sich seitenweise über das „Rühmen“ und über seinen persönlichen Auftrag von Jesus aus. Langweilig. Nervig. Selbstverliebt. Denn gerade dadurch, dass er betont, dass ALLE Sünder sind, und sich immer brav und demütig verbal mit einschließt, hebt er sich über alle anderen, denn er WEISS es, er hat’s gefunden, ihn hat Gott beauftragt, den Menschen diese „frohe“ Kunde zu bringen. Im 2. Korintherbrief lässt er sich ausgiebig darüber aus. Ein besonderer „Höhepunkt“ ist die Abrechnung mit seinen echten oder vermeintlichen Gegnern mit anschließendem ganz bescheidenen Eigenlob in 2. Kor 11, 22-31:

22 Sie sind Hebräer – ich auch! Sie sind Israeliten – ich auch! Sie sind Abrahams Kinder – ich auch! 23 Sie sind Diener Christi – ich rede töricht: ich bin’s weit mehr! Ich habe mehr gearbeitet, ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen. 24 Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geißelhiebe weniger einen; 25 ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer. 26 Ich bin oft gereist, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, in Gefahr unter Räubern, in Gefahr unter Juden, in Gefahr unter Heiden, in Gefahr in Städten, in Gefahr in Wüsten, in Gefahr auf dem Meer, in Gefahr unter falschen Brüdern; 27 in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße; 28 und außer all dem noch das, was täglich auf mich einstürmt, und die Sorge für alle Gemeinden. 29 Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird zu Fall gebracht, und ich brenne nicht? 30 Wenn ich mich denn rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. 31 Gott, der Vater des Herrn Jesus, der gelobt sei in Ewigkeit, weiß, dass ich nicht lüge.

Wie „bescheiden“ das doch ist: Er ist schwach, verfolgt, herumgestoßen. Könnte man fast Mitleid mit ihm haben, wenn nicht gleichzeitig sein Ego bis zum Himmel reichen würde: Ich habe MEHR gearbeitet als sie alle! Paulus ist wirklich kein Typ, mit dem man gerne einen Diskussion führt. Er war wohl eher von jener Sorte, wie sie heute bei Anne Will oder Frank Plasberg sitzen, ständig anderen ins Wort fallen, keinen Millimeter von ihrem Standpunkt abrücken und ganz groß auf ihrer Stirn geschrieben haben: „ICH HABE RECHT!“ Nur geht ein Paulus den entscheidenden Schritt weiter. Auf seiner Stirn steht: „ICH HABE RECHT, weil es in der BIBEL steht, weil es GOTT mir selbst gesagt hat, weil ich IM AUFTRAG DES ALLMÄCHTIGEN rede und handle.“ Damals wie heute, sollte man die Füße in die Hände nehmen und weit weglaufen von solchen „Menschenfischern“. Es geht ihnen nicht um Gott, es geht ihnen nicht um ihre Schäflein, es geht ihnen einzig um ihr eigenes schwaches Ego, das sie aufblähen durch die Menge derer, die ihnen folgen. Ich hatte das Vergnügen solches zu erleben….

Aphorismus #680

Die Passion des Juden

Darf man das?

So blasphemisch über die Passion Christi reden?

Darf man das?

Antisemitismus durch den Kakao ziehen? Nicht nur den des Herrn Gibson, sondern auch den grundsätzlichen des Christentums an sich?

Darf man das?

Sich lustig machen über die Dumpfheit der Massen, die jedem Führer hinterherlaufen, wenn er nur „nett“ ist und die eigenen Erwartungen erfüllt?

Darf man das?

Klar darf man das, aber nicht nur das!
Manchmal MUSS man es auch!
Und welcher Tag wäre dazu besser geeignet als der Karfreitag?

Auch wenn der Film „Die Passion Christi“ nicht mehr aktuell ist, die Denke dahinter, das dumpfe antisemitische Vorurteil, die Glorifizierung des Leids eines Einzelnen, um das Leid der vielen vergessen zu machen, die geschickte Verbindung aus religiöser Botschaft und handfesten Kommerz- die sind es nach wie vor. Darum heute dieses Video.

P.S.: Und wenn jemand meint die üblichen Vorurteile zu Southpark aufwärmen zu müssen, wie „primitiv“, „versaut“, „antisemitisch“ oder „niveaulos“, der möge bevor er sie hier in der Länge ausbreitet, einmal diese Episode anschauen, nicht bei den zugegeben manchmal sehr schrägen und auch billigen Stilmitteln hängen bleiben, sondern das Video komplett ansehen, dann wird er (hoffentlich) merken, dass hinter all dem Klamauk tatsächlich Inhalt und Aussage stehen. Mir ging es mit meinen Vorurteilen nicht anders. 😉

Kanzelmärchen #3

Jeder Mensch glaubt!

Jeder glaubt. Ausnahmslos. Jeder! Wenn nicht an einen Gott, dann eben an das Schicksal, die Sterne, die Evolution, an eine Ideologie, an Freitag den 13ten oder an Erdstrahlen… Egal was. Der Mensch glaubt, jeder, auch der Atheist.

Noch nie gehört? Noch nie dem arroganten Grinsen eines Vertreters göttlicher Weisheiten begegnet, der meinte, damit jeglichen Atheismus endgültig ad absurdum führen zu können? Noch nie in trauter Runde nach ein paar Bieren „Einen Glauben braucht ein jeder!“ vernommen?  Wohl kaum. Dass jeder glaubt, ja glauben muss, das ist für die Gläubigen eine Binsenweisheit. Schließlich glauben sie ja selbst! Welch umwerfende Logik! Dass es schlicht Unfug ist, interessiert die Vertreter des organisierten wie des frei fluktuierenden Aberglaubens nicht. Einen Nicht-Gläubigen darf es einfach nicht geben, denn nicht der Unglaube, sondern der Nicht-Glaube stürzt die Verfechter der Glaubenswahrheiten in größte Aporie!
Man könnte sich mit einem entschiedenen „Nein!“ als Kommentar zum Unfug des „Jeder glaubt etwas“ begnügen, aber so einfach möchte ich es in den „Kanzelmärchen“ den Propagandisten göttlicher Wahrheiten nicht machen. Ihre Lehren und „Weisheiten“ kommen hier auf den Prüfstand, ihre Vereinnahmung der Wirklichkeit und ihr Herrschaftsanspruch über den philosophisch-weltanschaulichen Diskurs ebenso. Im Gegensatz zu ihrem Gejammere, dass das Abendland immer unchristlicher werde, haben die Kirchen noch viel zu viel Einfluss in Deutschland. Spätestens an hohen Feiertagen merkt man das, wenn die festlich gewandeten Würdenträger in die dankbar auf sie gerichteten Kameras andachtsvoll hineinglotzen sehen und noch bereitwilliger in jedes ihnen willfährig  vorgehaltene Mikrofon salbadern. Ein schauriges Schauspiel, das sich jedes Weihnachten, jedes Ostern, jedes Pfingsten, jede Bischofskonferenz und jede Generalsynode wiederholt. „Herr erlöse uns vor diesem Übel!“ Das wäre mal ein sinnvolles Gebet, wenn es denn helfen würde. 😉
Atheismus ist im Gegensatz zu den Religionen keine Angelegenheit für irgendwelche äffischen Zeremonien, für in Scheinheiligkeit erstarrte alte Herren und für ein tumbes Volk, das zu fressen hat, was ihm vorgesetzt wird. Atheismus ist nichts für Denkfaule, für Köhler und für die Gefangenen ihrer simpel gestrickten Weltbilder. Atheismus ist etwas für denkende Menschen, die nachbohren, die nachfragen, die sich nie zufrieden geben mit billigen Antworten. Diesem empirisch und logisch begründeten Atheismus stoßen viele, allzu viele Thesen der vereinten Glaubensfront sauer auf. Schon allein deswegen muss der Atheismus desavouiert werden, z.B. indem die Mär vom Glauben als conditio humana, die Legende vom Jedermann-Glauben erzählt wird und so en passant auch  der Atheismus vereinnahmt wird.

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Und was ist jetzt die Narrenkappe?

Wann hat man eine Depression?

Was bei einem Knochenbruch offensichtlich ist, lässt sich auch bei vielen anderen Krankheiten auf den ersten Blick erkennen: um was es sich handelt. Aber spätestens seit Dr. House weiß ein jeder, dass es eine große Anzahl von Erkrankungen gibt, die sich nicht sofort zu erkennen geben. Depressionen gehören leider dazu.

Das liegt sicher daran, dass das Wort depressiv in unserer Alltagssprache vorkommt: wenn man niedergeschlagen ist, oder wenn mal wieder schlechtes Wetter ist. Ergo meint jeder, er wisse, was „depressiv“ ist und was eine „Depression“ ist. Das ist jedoch ein großer Irrtum. Eine Depression unterscheidet sich grundlegend von einer normalen Traurigkeit, dem Winter-Blues oder dem allgemeinen Weltschmerz nach dem fünften Bier.

  1. Da ist zunächst einmal die Dauer. Jede Traurigkeit, jede mürrische oder schlechte Stimmung verschwindet irgendwann. Eine Depression bleibt, auch wenn es dem Betreffenden dazwischen immer wieder kurzfristig (ein, zwei Stunden, oder jeden Abend/ jeden Morgen) besser gehen sollte. In der Regel heißt es, dass die Symptome mindestens 2 Wochen anhalten müssen, um von einer Depression zu sprechen.
  2. Rückzug aus (fast) allen sozialen Bezügen. In einer Depression zieht sich der Kranke meist komplett von seiner Umwelt zurück. Termine werden nicht mehr wahrgenommen, Freundschaften nicht mehr gepflegt, jeder soziale Kontakt wird auf ein Minimum reduziert. Selbst dem Plausch am Zaun mit den Nachbarn wird aus dem Weg gegangen. Der Depressive hat genug mit sich allein zu tun.
  3. Interesselosigkeit macht sich breit, auch und besonders an solchen Unternehmungen und Dingen, die sonst viel Freude machen. Hobbys schlafen ein, Bücher bereiten keinen Spaß mehr, das Training im Club oder das abendliche Jogging fällt immer öfter aus, auch das Zusammensein mit den Kindern oder Enkeln wird eher als Last, denn als Freude empfunden. Diese Interesselosigkeit kann soweit gehen, dass der Kranke wirklich sich für NICHTS und NIEMANDEN mehr interessiert.
  4. Antriebslosigkeit verstärkt den Rückzug und die Interesselosigkeit noch. Selbst einfachste Erledigungen werden zum „Staatsakt“, wie den Müll nach unten bringen, sich anziehen oder duschen. Manche Angehörige berichten davon, dass der oder die Betroffene wochen- ja monatelang  nicht aus dem Bett oder vom Sofa hoch kam außer zur Hygiene. Und selbst dazu braucht es dann viele Anläufe. Das ist sicher ein extremes Beispiel, aber mit einer mehr oder minder starken Antriebslosigkeit hat jeder Depressive zu kämpfen. Fatal ist dies bei Alleinlebenden, wenn sie niemand haben, der „nach dem Rechten schaut“. Soziale Ängste, steigendes Schamgefühl, Vermüllung, etc können die Folge davon sein.
  5. Die verminderte Belastbarkeit des Depressiven kann sich unterschiedlich äußern: er fängt nichts Neues an und bringt nichts zu Ende, er geht allen Anstrengungen aus dem Weg (Vermeidung), er fühlt sich von den kleinsten Dingen überfordert, er flieht alle Situationen, die belastend sein könnten, er flippt bei Problemen leicht aus, schreit herum, macht Angehörigen oder Kollegen haltlose Vorwürfe. Nur um hinterher in Schuldgefühlen zu ertrinken.
  6. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt rapide ab. Nur ein persönliches Beispiel: ich als Vielleser und jemand, der gerne auch komplizierte Sachverhalte durchdenkt und den Dingen auf den Grund geht, konnte in meinen schlimmsten Phasen keine zwei Seiten zusammenhängenden Textes lesen. Da wusste ich dann nicht mehr, was am Anfang stand. Filme konnte ich keine ansehen, denn spätestens nach einer Stunde, war mein Konzentration am Ende und ich hibbelte unruhig auf meinem Sitz hin und her.
  7. Das Selbstbild ist nur noch negativ. Man fühlt sich an allem und jedem schuld, selbst an dem berühmten Sack Reis in China! Man fühlt sich bei der kleinsten Kritik angegriffen. Man könnte oft vor Scham in den Boden versinken. Man hält sich für schlecht und unfähig.
  8. Man ist der Überzeugung, dass es keine Hilfe gibt, dass die Zukunft nur Schlechtes bringt, und dass man dies auch verdient hat.
  9. Dazu gibt es häufig noch körperliche Symptome, die sehr unterschiedlich sein können: Schlafstörungen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit (aber auch Heißhunger!), Verlust der Libido, Innere Unruhe, die sich äußerlich durch Hibbeligkeit und Fahrigkeit zeigt, chronische  Verstopfung, aber auch chronischer Durchfall, Schmerzen ohne organische Ursachen, und weitere psychosomatische Symptome.
  10. Und das für jeden Depressiven (der es schon hatte) als schlimmstes und gleichzeitig als peinlichstes Symptom:  Suizidgedanken, Suizidphantasien und am bedrängendsten: Zwangsgedanken an den eigenen Suizid, die sich nicht abstellen lassen. Kein Mensch bringt sich gerne um, das ist schlicht in unserem genetischen Programm nicht vorgesehen. Und doch bringt die Depression immer wieder Depressive zu dieser Tat. Auch gegen ihren Willen, wenn sie bei Sinnen wären! Sie wollen einfach Ruhe haben, wollen niemandem mehr zur Last fallen oder können mit ihrer persönlich so empfundenen Riesenschuld nicht mehr leben. Wer suizidgefährdet ist, wer Andeutungen in diese Richtung macht, brauch dringend ärztliche und/oder psychologische Hilfe. In jeder Stadt gibt es dazu Anlaufstellen. Jede Psychiatrie hat einen Notdienst, der Tag und Nacht besetzt ist. Weiterführendes zu diesem ernsten Thema gibt es hier.

Johanneskraut ist bei leichten Depressionen ein gutes Mittel, aber nicht ohne ärztlichen Rat.

Alle diese Merkmale einer Depression können, müssen aber nicht sein. Jede Erkrankung sieht anders aus, verläuft anders und hat eine unterschiedliche Schwere und Dauer. Manchmal gibt es einen Auslöser wie den Verlust des Arbeitsplatzes, Mobbing, den Bruch einer Beziehung oder einen Trauerfall. (Wobei Trauer und Depression sich sehr ähneln können. Hier entscheidet die Dauer und die Schwere.) Andere Depressionen kommen aus heiterem Himmel, früher sprach man darum von „endogenen“ Depressionen, d.h. von ursachelosen aus dem Inneren des Patienten kommenden Depressionen im Gegensatz zu den reaktiven, die auf äußerliche Ereignisse zurückzuführen sind. Heute hat man diese Unterscheidung zu Gunsten einer deskriptiven Beschreibung der Symptomatik aufgegeben.

Wer bei sich selbst oder bei einem Angehörigen oder Freund einige der oben beschriebenen Punkte feststellt, den empfehle ich diesen einfachen Kurztest und den etwas ausführlicheren und m.E. sehr guten Test von Goldberg. Am besten füllt man den Test mit jemandem aus, dem man voll vertraut, so dass hinterher die richtigen Schlüsse gezogen werden: Aufsuchen eines Arztes, auch wenn es am Anfang schwer fällt. Am besten NICHT des Hausarztes, da sie oft nicht die Erfahrung mit Depressionen haben, die es bräuchte. Und auch wenn der erste Gang zum Psychiater oder gar der in die Psychiatrie sicher sehr schwer fällt, weil man sich ja nicht als Irren ansieht, es ist der erste Schritt heraus aus der Krankheit.