Aphorismus #500

Wort zum Sonntag #21

Von Hexen, sprechenden Toten und anderen Ungeheuerlichkeiten

1. Samuel 28, 7ff

7 Da sprach Saul zu seinen Getreuen: Sucht mir eine Frau, die Tote beschwören kann, dass ich zu ihr gehe und sie befrage. Seine Männer sprachen zu ihm: Siehe, in En-Dor ist eine Frau, die kann Tote beschwören. 8 Und Saul machte sich unkenntlich und zog andere Kleider an und ging hin und zwei Männer mit ihm und sie kamen bei Nacht zu der Frau.

Aufgeklärte Kirchenleute machen uns gerne weiß, dass der Glaube an Hexen, Séancen, Gesprächen mit den Toten und anderer Unsinn nichts mit dem Christentum oder der Bibel zu tun habe. Das sei mittelalterliche Verirrung und dem Zeitgeist geschuldeter Wahnglaube. Schön wär’s. Ist es aber nicht. In einer für die Davids-Tradition zerntralen Stellen wird diese merkwürdige Geschichte erzählt: König Saul von Gott und allen guten Geistern verlassen besucht eine Wahrsagerin, die „Hexe von En-dor“.  Weil sein Hausprophet Samuel final abgetreten ist, und er so der göttlichen Einflüsterungen verlustig ging, versucht er es auf den inoffiziellen Weg: bei einer Totenbeschwörerin. Der Weg von den Weisungen des Herrn, von persönlichen Offenbarungen, von der inneren Gewissheit durchs Gebet zu einer stinknormalen Séance und anderem esoterischen Unsinn war schon immer kurz. Der Mensch möchte nun mal gerne wissen, was auf ihn zukommt. Da können alle möglichen Scharlatane ein gutes Geschäft damit machen. Ob Tarot-Hotline, Wahrsage-Sendungen, sündhaft teure persönliche Horoskope, Channeling, Kontakte mit Engeln oder wie der Blödsinn auch noch heißen mag: Mensch ist versucht noch dem dümmsten Geraune Glauben zu schenken, wenn es denn nur verspricht ein klein wenig den Schleier, der auf der Zukunft liegt, ein wenig zu lüpfen. Auf jeden Fall ist es ein gutes Geschäft. Damals wie heute. Und offiziell wird es natürlich von den Kirchen verpönt und verteufelt. Und das vor allem aus finanziellen Gründen. Wer zum „Lebensberater“ geht, der hat kein Geld mehr für die nächste Kollekte. Wer sich meditativ in höchste Sphären versteigt, den lässt die wöchentliche Opferung des Heilands in der Messe kalt. Die Kirchenoberen  haben nicht deswegen etwas gegen den ganzen Esoterik-Markt, gegen die zahllosen Sekten und Kulte, die dem Leichtgläubigen das Blaue vom Himmel versprechen, nein! Sie sind nicht aus Sorge um ihre Schäfchen dagegen, sondern wegen der ausfallenden Spenden und Kirchensteuern. Deswegen gibt es die diversen „Weltanschauungs- und Sektenbeauftragten“. Beratungs- und Forschungsstellen: nicht wegen der verlorenen  Schäflein an sich, sondern wegen der ausbleibenden Scherflein. Da läppert sich nämlich mit der Zeit gewaltig etwas zusammen. Wenn die Kirchen mal wieder bei irgendetwas Alarm schlagen, seien es „Psychosekten“, die Verführung der Jugend oder bedenklicher Seelenfänger, so mag dies sachlich absolut korrekt sein, doch darf man nicht vergessen, dass sie nahezu dasselbe tun, und das natürlich voll in Ordnung ist: Seelenfängerei, Verführung der Jugend, Abhängig-Machen usf.

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Aphorismus #416

Wort zum Sonntag #9

Denn auch Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In ihm ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die einst ungehorsam waren, als Gott harrte und Geduld hatte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch.

1.Petrus 3, 18-20

Es gibt Probleme und Fragen, mit denen schlagen sich nur Gläubige herum, für alle anderen sind diese schlicht nicht existent oder völlig daneben. Auf christlicher Seite sind dies Fragen wie z.B.:

  • Was machte Gott bevor er die Welt erschuf (also nach Kreationistenlesart so vor ca. 10.000 Jahren!)?
  • Warum ruhte sich Gott nach der Erschaffung von allem am 7. Tag aus, wo er doch allmächtig ist und definitiv ALLES kann? Kann er wirklich müde werden?
  • Wie viele Engel passen auf eine Nadelspitze?
  • Was ist, wenn eine Maus eine geweihte Hostie frisst?
  • Dürfen Frauen Priesterinnen werden?
  • Warum hat sich Jesus schon 2.000 Jahre Zeit gelassen mit seiner Wiederkunft?
  • Und warum unternimmt er nichts gegen Musikantenstadl, DSDS und andere Volksverblödungseinrichtungen?

Eine dieser hoffnungslos intelligenten Fragen wird im obigen Text im Namen des Petrus* von einem unbekannten Gemeindeleiter nicht vor 90 n.d.Z. beantwortet:

  • Was hat Jesus in den drei Tagen zwischen Kreuzigung und Auferstehung gemacht?
  • War er da ganz tot, war er im Himmel oder hat er einfach „geschlafen“?
  • Hatte er da eine besondere Aufgabe?
  • Oder musste Jesus ganz einfach auf seinen Körper 2.0 warten, udn die Engel hatten Probleme bei der Produktion?

Fragen, die bis auf die letzte einem Christen sinnvoll erscheinen, die jeden Atheisten bestenfalls schmunzeln meist aber den Kopf schütteln lassen: Wie bescheuert muss jemand sein, dass er  sich mit so was beschäftigt? Als wenn es nicht 1000 wichtigere Dinge auf der Welt gäbe!
Nun zur hochoffiziellen Antwort der Bibel, zwar nicht von Petrus, aber wenigstens von einem, der so tat als ob:

Jesus war im Totenreich, und wo ist das? -Klar unten! Da sind sie schließlich beerdigt, die Toten. Besonders haben es „Petrus“ die Toten der Sintflut angetan. Und während sie so vor sich hingammeln, kommt 2334 Jahre** später Jesus und hat nichts besseres zu tun, als sie anzupredigen! Nicht dass sie seinerzeit einer jener unsäglichen göttlichen Kollektivstrafen zum Opfer fielen, mit Mann und Maus, mit Kindern, Haustieren und allem sonst (Genesis 6)! Nicht dass sie in einem nirgends definierten Zwischenreich (Die Hölle und andere ausgefallene Quälereien gab es nur im Volksglauben und von da aus auch unter den Christen!) herumlungerten! Nicht dass sie alles Recht der Welt hatten tierisch auf so einen Sadisten namens Gott sauer zu sein! Nein! Diesem Gott reichte das nicht! Da musste sein Sohn ran, drei Tage von Freitag Nachmittags bis Sonntag Morgen zu ihnen kommen und ihnen die Leviten lesen! Und die Krönung war der Inhalt dieser Rede: Er sei für ihre Sünden gestorben! – Wie bitte? „Christus hat einmal für die Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten…“ Wer hat gelitten?Wer ist ersäuft worden wie eine räudige Katze? Wer hat 2334 lange Jahre in der Halbwelt des Totenreichs vor sich hingebrütet? Wer hatte alle Zeit der Welt nachzudenken über seine echten oder ausgedachten Sünden?
Sorry, aber von Psychologie hat dieser Pseudo-Petrus so viel Ahnung wie eine Stubenfliege von Goethe!
Wenn das alles wirklich so statt gefunden hätte, was es natürlich nicht tat, dann wäre die einzig logische und richtige Reaktion der Toten der Sintflut gewesen, dem Sohn Gottes gehörig die Meinung zu geigen, oder gleich noch mal ans metaphysische Kreuz zu schlagen. Verdient hätte er es. Genauso verdient wie sein launischer Vater, der mal so eine Welt macht, und dann. weil ihm seine eigenen Geschöpfe (!) nicht mehr passen, sie wieder zu Klump macht. Wie das kleine Kind, dem beim Spielen ein Sandkuchen misslingt und aus Wut gleich alle zertrampelt.
Sollte man so einen „Gott“ ernst nehmen?
Sollte man so einen „Petrusbrief“ ernst nehmen?
Sollte man so eine „Heilige Schrift“ ernst nehmen?
Sollte man so einen „Heilslehre“ und so einen Glauben ernst nehmen?

Außer einem klaren NEIN! fällt mir nichts sonst dazu ein.

____________

* Pseudepigraphisch nennt sich so was in derLioteraturwissenschaft. Etwas böser könnte man von  „false flag“!- Segeln unter falscher Flagge- sprechen. Kaum eines der biblischen Bücher im Alten wie im Neuen Testament ist tatsächlich von demjenigen verfasst, den es als Autor vorgibt. Angefangen bei den 5 Büchern Moses, die von allen möglichen Leuten stammen, nur von einem garantiert nicht: von Moses. Sogar seine Existenz an sich ist zweifelhaft, wie könnte er da die Thora verfassen? Richtig fertig geworden sind diese ersten Bücher der Bibel erst 1.000 Jahre später als die abgehandelten Geschichten, wenn, ja wenn sie denn passiert wären…
Weitere schöne Beispiele für „gläubig-kreativen“ Umgang mit den Tatsachen sind im AT die zahllosen Psalmen im Namen Davids, drei biblische Bücher im Namen Salomos: die Weisheit, der Prediger (Kohelet) und das Hohe Lied. Im NT natürlich vorneweg die Evangelien: da ist keines von einem derer geschrieben, die dabei waren: Augen- und Ohrenzeugen sind was anderes. Vor keinem Gericht der Welt haben solche „Zeugen“ Bestand! Aber weil es um heilige Scheiße Schriften geht, dann, ja dann ist alles genau so passiert. Dass das am Anfang und am Ende nicht sein kann, habe ich in meinem Weihnachtsmärchen und dem vom Osterhasen aufgezeigt. Aber wie immer: an Gläubigen perlt alle Kritik und jeder Einwand ab wie Wasser von einem sauberen Auto.

** Das ist so bescheuert, das glaubt mir sonst keiner. Hier die kreationistische Antwort:
„Genesis 11:10 tells us that Shem was 100 years old, 2 years after the Flood had finished. When was Noah’s Flood? 1,981 years to AD 0 plus 967 years to the founding of Solomon’s Temple plus 480 years to the end of the Exodus plus 430 years to the promise to Abraham plus 75 years to Abraham’s birth plus 350 years to Shem’s 100th birthday plus 2 years to the Flood. The Biblical data places the Flood at 2304 BC +/- 11 years.“