Aphorismus #1012

Raubkopierer sind Verbrecher, schon immer!

„Wehe dir, Betrüger und Dieb von fremder Arbeitsleistung und Einfällen, laß es dir nicht einfallen, deine dreisten Hände an diese Werke anzulegen! Denn lass dir sagen, dass uns das Privileg durch den ruhmreichsten Kaiser des heiligen römischen Reichs, Maximilian, erteilt ist, dass niemand in Nachschnitten diese Bilder drucken oder gedruckt innerhalb des Reichsgebiet verkaufen darf. Solltest du aber in Missachtung oder aus verbrecherischer Habgier zuwiderhandeln, sei versichert, dass du nach Konfiskation deines Besitzes mit der schärfsten Strafe rechnen musst.“

Albrecht Dürer (1471 – 1528), der Urheber  sanfter Hasen und frommer  Hände war alles andere als sanft und fromm, wenn es um die Vermarktung seiner Werke ging und die Durchsetzung seines Gott gegebenen Urheberrechts staatlich garantierten Vermarktungsprivilegs. Schon damals ging es immer um letzteres, wenn von ersterem die Rede war.
Zu verdanken habe ich dieses erhellende Zitat Hal Faber.

Abmahnung!*

Hamburg, 27.8.2013

Sehr geehrter Ungenannter,
Sie haben mit meinem Mandanten Herrn G. Meier am 3.07.2013 von 9:09 bis 9:27 gemeinsam in einem Raum- die öffentliche Toilette am Marktplatz in Großkleckersdorf Männerabteilung- verbracht. Mein Mandant weilte dort, um einen neuen Klospruch zu verfertigen. Durch Ihre Anwesenheit, insbesondere durch ihren kapitalen Schiss in Kabine 3,  haben Sie meinem Mandanten die nötigen Sauerstoffmoleküle zum Atmen genommen und ihn um
mindestens 3 kreative Gedanken für die Abfassung seines neuen Klospruches gebracht. Den dadurch entstehenden finanziellen Schaden haben Sie gemäß neuestem Urheberrecht zu ersetzen.
Als Beweise dafür liegen die Bilder der Überwachungskamera, eine Stuhlporbe Ihres Elaborats, das olfaktorische und das genetische Gutachten dazu bei.

Wir fordern Sie auf:

  • solchen Schiss in Anwesenheit meines Mandanten  in Zukunft zu unterlassen
  • die beigefügte Unterlassungserklärung innerhalb von drei Tagen zu unterschreiben
  • die Summe von 2716,45 € für meine Kosten und Auslagen innerhalb einer Woche zu überweisen
  • ihre zum Himmel stinkende Scheißerei nur noch zu Hause zu verrichten!

Mit gesonderter Post erhalten Sie die Rechnungen für die Gutachten seitens der Laboratorien und die Kostenaufstellung der VG Klospruch.

Hochachtungsvoll

P. Olet
Fachanwalt in Fragen öffentlicher Bedürfnisverrichtung

P.S.: Was um alles in der Welt hat Sie geritten, Linsen, Sauerkraut, rohe Zwiebeln und Kohl auf einmal zu essen? Wollen Sie Kunstscheißer werden? Dann könnte ich Ihnen anbieten, Herrn Meier zu verklagen. Nämlich dafür, dass er Sie mit dem üblen Gekritzel seines Stiftes in der nötigen Ruhe und Kontemplation für Ihren Kunstschiss gestört hat. M.E. ist ein Streitwert von 10.000 € nicht zu hoch gegriffen!

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* Etwas abgeänderter Beitrag von mir in der Diskussion zum ArtikelAbmahnen von Zitaten“ auf telepolis. Das musste einfach raus. pffff

Eine Heilige Kuh namens „Geistiges Eigentum“ *

Geistiges Eigentum ist ein Widerspruch in sich. Etwas Immaterielles kann niemals jemandem gehören. Schon gleich gar nicht einem Rechteverwerter, einer Plattenfirma oder einem Verlag. Das bringt nur der Kapitalismus fertig, in dem alles zur Ware wird. Die ganze Chose mit dem „Urheberrecht“ würde schlagartig aufhören, wenn die Rechte allein bei den Urhebern, den Musikern und Autoren blieben.

Höchstens für die Vermarktung werden die Dinosaurier der Verwertungsindustrie noch gebraucht. Aber in den Zeiten des Internet ist auch das fraglich. Wieviel Lobby-, Gesetzes- und Ermittlungsarbeit, wieviel unsinnige Propaganda (sorry: Aufklärung), wieviel nutzlose manpower muss von Industrie, Staat und Gesellschaft geleistet werden, nur um die Interessen von ein paar wenigen durchzusetzen? Und das nur weil sie das Geld haben und an den Schalthebeln der Macht und der Medien sitzen! “ Wer das Geld hat, hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht!“

http://www.open-access.net/

Dabei ist dieses System zutiefst undemokratisch: der Weltverband „International Federation of the Phonographic Industry“ oder kurz „IFPI“ wurde unter Geburtshilfe von Mussolini 1933 in Italien aus der Taufe gehoben. Ziel war die Schaffung eines mächtigen Monopole (sorry: Verbandes), der bestimmen sollte, wo es lang geht, der seine Vorstellungen bei den nationalen Gesetzgebern durchdrückem konnte. Und das ist noch heute so. Auch in der EU und im Bundestag. Und wie das mit Monopolen und Kartellen so ist, ihr Hunger nach mehr ist grenzenlos. Die neueste „Idee“: Das Wegwerfen von CDs verbieten.

Und was steht am Ende? Der geknebelte Konsument, dem vorgeschrieben wird, wann er was wie und wo sehen und hören darf. Der geknebelte Künstler, der nach Gutdünken vom Verwerter mit Brosamen abgespeist wird. Ein paar fette Firmen deren Rendite stimmt und die ihren Aktionäre glücklich machen. Und zu guter letzt eine völlig verarmte, weil auf Einheitsbrei getrimmte „Kulturindustrie“.Dieter Bohlen & Co. für alle!

So hätten sie es wohl am liebsten .....

Da empfehle ich doch lieber meine eigenen Five Faves. Dank youtube haben sie die richtigen Antidots 🙂

* Original Gedankenspliiter war ein Forenbeitrag von mir zum 75. Geburtstag der ISPSI auf telepolis.