Aphorismus #936

Wort zum Sonntag #82

Auch der Vatikan hat Lecks*

Quelle: Wikileaks – Layout und Hervorhebungen zum leichteren Lesen von mir. Am Wortlaut wurde nichts verändert.

2/20/2009 16:00

09VATICAN28
Embassy Vatican

CONFIDENTIAL

09VATICAN25

P 201600Z FEB 09

SUBJECT: THE HOLY SEE: A FAILURE TO COMMUNICATE

REF: VATICAN 25 AND PREVIOUS (NOTAL)

C o n f i d e n t i a l vatican 000028

E.o. 12958: decl: 2/20/2029

Tags: prel, ecps, phum, pgov, kpao, kirf, vt

Subject: the holy see: a failure to communicate

Ref: vatican 25 and previous (notal)

CLASSIFIED BY: Julieta Valls Noyes, CDA, EXEC, State.

REASON: 1.4 (b)

1. (C) Summary

Together with other flaps, the recent global controversy over the lifted excommunication of a Holocaust denying bishop (reftel) exposed a major disconnect between Pope Benedict XVI’s stated intentions and the way in which his message is received by the wider world. There are many causes for this communication gap: the challenge of governing a hierarchical yet decentralized organization, leadership weaknesses at the top, and an undervaluing of (and ignorance about) 21st century communications. These factors have led to muddled, reactive messaging that reduces the volume of the moral megaphone the Vatican uses to advance its objectives. This is especially true with audiences whose view of the Vatican is informed largely by mass media coverage. There are signs that at least some in the Vatican have learned their lessons and will work to reshape the Holy See’s communications structure. Whether they’ll prevail remains to be seen.
End Summary.

A centralized hierarchy making decentralized decisions

2. (SBU) The Vatican is highly hierarchical with the Pope ultimately responsible for all important matters. Yet it is also highly decentralized in its decision-making. This structure reflects belief in the principle of „subsidiarity„: leaving decisions to those closest to, and best informed on, a particular matter. On a practical level, however, subsidiarity can limit horizontal communication by eliminating peer consultation and review. This approach also encourages a narrow focus on issues at the expense of the big picture.
3. (C) In discussing the recent crisis with CDA and PAO, Archbishop Claudio Celli, President of the Pontifical Council for Social Communications, described the Church’s current communication style as being focused on the content of a decision, rather than its public impact. xxxxxxxxxxxx, noted that this phenomenon is compounded by the fact that officials from the various Church organs see themselves as advocates for their issues, without considering their impact on the Church as a whole. The result is a process in which only a handful of experts are aware of imminent decisions — even major decisions with broad implications — and those who are become proponents, rather than impartial advisors to the Pope.
4. (C) A series of missteps during Benedict’s Papacy have made the lack of information-sharing in the Church painfully clear. In 2006, the Pope made a speech in Regensburg that was widely decried as insulting to Muslims, though he later explained he had no such intent. In 2008, the Pope himself baptized (i.e., converted)a prominent Muslim during the 2008 Easter Vigil service at St. Peters, an event broadcast worldwide; the Cardinal who runs Inter-Faith Dialogues for the Church knew nothing about the conversion until it happened. This year, Father Federico Lombardi, head of the Vatican press office, and Cardinal Walter Kasper, President of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity, which includes relations with Jews, learned only after the fact about the decision to reinstate communion with schismatic Lefebrvist bishops who included a Holocaust denier (reftel). In the midst of that scandal, meanwhile, the Pope proposed promoting to auxiliary bishop a priest who said Hurricane Katrina was „divine retribution“ for licentiousness in New Orleans. The resulting outcry led the cleric to decline the offer.

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* Natürlich stammt dieser Bericht aus der amerikanischen Botschaft, aber ohne die Lecks im Vatikan, d.h. ohne die verschiedenen Insider aus der allerheiligsten Hierarchie wäre er kaum so detailliert und interessant.

Aphorismus #549

Wort zum Sonntag #28

Das Christentum [1] ist in der Tat offen gegenüber allen [2], was in den Kulturen und Zivilisationen an Gerechtem, Wahrem und Reinem [3] ist, gegenüber dem, was unserem Dasein Freude schenkt, uns tröstet und stärkt [4]. Der hl. Paulus hat im Philipperbrief geschrieben: „Was immer wahrhaft edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heisst und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“ (4,8). Die Jünger Christi erkennen daher die echten [5] Werte der Kultur unserer Zeit – wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die technologische Entwicklung [6], die Rechte des Menschen [7], die religiöse Freiheit [8], die Demokratie [9]– und nehmen sie gerne an.

Papst Benedikt XVI. beim Kongress der katholischen Kirche in Italien, 19. Oktober 2006 in Verona

Klingt doch toll, was Benedikt XVI. da so von sich gibt. Demokratie, Freiheit, Fortschritt, Lebensfreude sind ja nicht unbedingt Worte, die seitens der katholischen Kirche inflationär gebraucht werden. Das klingt so gar nicht nach der üblichen römischen Miesmacherei, die am liebsten alles verbieten möchte, was den Menschen Freude macht . Ganz schön modern und weltoffen hört sich das alles an. Ein Papst zum Bejubeln, ein Papst, der was zu sagen hat!
Na ja. SO einfach kann es auch wieder nicht sein? Oder etwa doch?
Meint Benedikt es ernst mit seinen Worten? Klar tut er das. Und genau das ist das Problem: er meint zu 100% ernst, was er da sagt!
Als gelernter Dogmatiker ist der ehemalige Vorzeigetheologe Ratzinger jemand, der seine Sprache ganz genau und sehr bedacht einsetzt. KEINES seiner Worte bei öffentlichen Grundsatzreden kommt zufällig über seine Lippen. Die besondere Crux dabei ist, dass er Worte aus dem Alltagsgebrauch in einem ganz anderen Sinn benutzt udn dass er sich oft genug einer Sprache befleißigt, die überall anders nahezu ausgestorben ist.

Hier eine kleine Übersetzungshilfe „Papst – Deutsch“ zum Eingangszitat:

[1] Christentum = Die Katholische Kirche. Und nur sie!
Die anderen Konfessionen werden erst dann für voll genommen, wenn sie den Primat des Papstes anerkennen, will heißen: ihre Eigenständigkeit aufgeben. Der Absolutheitsanspruch des Papstes ist nicht auf die eigenen Schäflein beschränkt, sondern betrifft die ganze Welt. Das drückt allein schon das kleine Wörtlein katholisch aus. Es setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern: „κατά kata = von…her, herab… für“ und „ὁλός holos = ganz“ und bedeutet nichts weiter als den Anspruch der Kirche auf’s oder für’s Ganze! Bescheiden und Demut verlangen die Päpste immer nur von anderen!

[2] Offen gegenüber allen = Im Gegensatz zu allen, in Abgrenzung von allem, kein Teil der Welt, sondern Gottes Sprachrohr für die Welt.
Im Grund genommen bedeutet dieses Wort das genaue Gegenteil, von dem, was man zu hören meint: Auf der einen Seite steht mit dem Papst an der Spitze die Kirche mit Gottes Auftrag: unfehlbar, heilig, katholisch etc pp Ihr gegenüber steht „nur“ die „Welt“, die Zivilisationen und Kulturen. War die Kultur im „christlichen Abendland“ der vergangenen Zeiten ausschließlich katholisch, wurde sie von den Kirchenmännern definiert, so ist man heute wenigstens so „liberal“, dass man anerkennt, was zu leugnen kompletter Unfug wäre: es gibt eine säkulare Kultur, es gibt Zivilisation außerhalb der Kirche. Gut. Bzw. schlecht! Machen wir das beste draus, reden wir von Offenheit und Gespräch, irgendwie muss das gottlose Pack doch wieder in die Kirchen zu bekommen sein!

[3] Das Gerechte, Wahre und Reine = Die Lehren der Kirche und alles, was zufällig mit ihnen übereinstimmt.
Man kann dem klassischen bürgerlichen Kunstideal vom „Wahren, Schönen und Guten“ durchaus mit Skepsis und Kritik begegnen, aber eins hat es nicht verdient: dass es durch den Oberkatholiken in seiner krankhaften Herrschsucht vereinnahmt und flugs umgedreht wird. Es ist immer dasselbe üble Spiel der katholischen Wortverdreher: mit salbungsvollem schwülstigen Worten lullen sie dich ein und eh du dich versiehst, stehst du in ihrer Kirche. Ach was sage ich: kniest du in ihrer Kirche! Gerechtigkeit und Wahrheit, das hat tatsächlich was mit Aufklärung zu tun, aber bestimmt nicht die Wahrheit der Bibel und die Gerechtigkeit eines Jüngsten Gerichts am St. Nimmerleinstag. Und Reinheit? Nun, das ist was für RomantikerInnen, für Teenager, die im „Twilight“ auf  den Biss eines Vampirs warten, und eben für alte Herren in Frauenkleidern, die gerne mal einen Knaben auf ihrem Schoß sitzen haben. Ich könnte jedes mal kotzen, wenn mir diese Typen etwas von Reinheit vorlügen, die sie selbst am allerwenigsten haben. Widerlich.

[4] Was unserem Dasein Freude schenkt, uns tröstet und stärkt = Das liebe Jesulein, die Bibel, die Lehren der Kirche und alles, was von ihr in Beschlag, sorry in Dienst genommen wird.
Mit Zivilisation und Kultur beginnt der Papst. Bei seinem Verein und bei sich selbst landet er, endet er, endet alles. Denn Trost und Stärkung, wahre Freude – da sind ja alles die ureigensten Werke der Kirche. Und flugs wird aus der Bibel zitiert, in der natürlich das steht, was der scheinheilige Vater von sich gibt. Und woanders steht das Gegenteil, das kann man dann an passender Stelle einbringen: vom Gericht über die Gottlosen, von der unbedingten Trennung der Heiligen von der Welt usw Schon praktisch so ein Steinbruch, aus dem man sich für alle Fälle das eine oder andere Steinchen heraus brechen kann, oder einen riesigen Stein, mit dem man dann alles platt walzt… Auch wenn es ihm und seinen Apologeten in den deutschen Redaktionsstuben nicht passt: Trost, Stärkung, Freude, auch das Wahre, das Gute und das Schöne, das alles gibt es auch (besser: nur!) ohne den ganzen katholischen Zinnober, ohne Gott, ohne Bibel, ohne Himmel und Hölle.. Das ist halt nur nicht so bequem zu haben wie der sonntägliche Gottesdienst, oder das Abendgebet. Aber dafür ist es ein freies Leben, keines mit den zahllosen Vorschriften rachsüchtiger Götter.

[5] Echt = christlich, katholisch, vom Papst abgesegnet, der Tradition entsprechend.
Etwas Echtes ist in diesem Zusammenhang nicht wirklich echt, sondern nur dem Papst genehm. Es ist so falsch wie heruntergeleierte Litaneien, es ist so verlogen wie die Verheimlichung von Kindern katholischer Priester, es ist so heuchlerisch wie eine Moral, die schier alles verbietet, um es dann hinterher im Beichtstuhl zu vergeben, es ist so unwahr wie das ganze katholische Lehrgebäude, das ein pures Luftschloss ist. Echt und Kirche, das sind zwei Wörter, die sich beißen, die nie zusammengehen können und werden.

[6] Wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Entwicklung = Wissenschaft und Technik haben sich gefälligst innerhalb der Grenzen der katholischen Lehre zu bewegen.
Galileis Fernrohr war ’ne schöne Sache, aber dass der Ketzer damit das Weltbild der Kirche in Frage stellte, das hätte er nicht tun dürfen! Und so hält es die Kirche noch heute! High-Tech-Medizin ist schön und gut, aber die Geräte dürfen bei einem Hirntoten NIEMALS abgeschaltet werden. Die Ergebnisse der Genetik sind eine tolle Sache, aber an menschlichen Genen darf NIEMALS herumgedoktert werden. Und Embryonen sind sowieso so was von sakrosankt, die dürfen NIEMALS eine Petrischale sehen.
Die Kirche erkennt bei den Naturwissenschaften nur widerwillig an, was offensichtlich ist. Nach wie vor fordert sie von den Wissenschaftlern Unterordnung unter ihre Dogmen. Da hat sich seit den Zeiten eines Galileo Galilei oder Giordano Bruno nichts geändert. Wie auch: Wer die göttliche Wahrheit auf seiner Seite weiß, der muss sich nicht ändern, das müssen immer nur die anderen.

[7] Die Rechte der Menschen = die bestehen vor allem darin, sich der katholischen Kirche unterzuordnen.
Es ist kein Zufall, dass Benedikt nicht von Menschenrechten spricht, wie allgemein üblich. Dieser böse Begriff aus der noch viel böseren Aufklärung, der geht ihm einfach nicht locker über die Lippen. Die Kirche hatte 1500 Jahre Zeit für die Rechte der Menschen einzutreten, sie hat es vergeigt. Sie hat immer nur im Namen Gottes ihr eigenes Recht durchgesetzt. Mit allen Mitteln. Sollte man sich von solch einer Institution sagen lassen, was Menschenrechte sind? O.K. diese Frage ist rein rhetorisch.

[8] Religiöse Freiheit = Die Freiheit, katholisch zu werden und zu sein.
Tun wir mal so, als ob wir die anderen Religionen und christlichen Konfessionen anerkennen würden. Tun wir mal so, als ob es um das allgemeine Menschenrecht auf freie Religionsausübung ginge. Tun wir mal so, als ob es nicht um die eigenen Macht, den eigenen Einfluss und die eigene Kundengewinnung (=Mission oder Neu-Evangelisierung Europas) ginge. Wie sehr es die Katholiken ernst damit meinen, das zeigen sie überall dort, wo sie in der Mehrheit sind, wo sie Privilegien und staatliche Protegierung genießen, wo sie eben nicht auf dem freien Markt der Religionen ein Anbiete runter vielen sind. Sie können es nicht lassen: sie müssen immer noch überall hineinreden und hineinregieren, wo man sie lässt.

[9] Demokratie = Das kleinere Übel im Vergleich zu den gottlosen Diktaturen des Staatssozialismus, aber das viel größere Übel verglichen mit den faschistischen Diktaturen wie einst in Spanien, Italien, Chile und anderswo.
Heute wollen die Leute Demokratie? O.K. machen wir gute Miene zum bösen Spiel… Solange die Kaiser, Könige, Feldherrn und Despoten dieser Welt, die Kirche in Ruhe gelassen haben, oder noch besser, die Kirche mit an der Macht beteiligt haben, solange hatte sie NIE ein Problem mit jeder erdenklichen Form von Unterdrückung. Die war nur böse bei Lenin, Stalin und Konsorten, denn diese verstießen gegen das alleroberste Gebot aus dem Vatikan:

Du darfst nichts gegen Rom sagen und tun, ja nicht einmal denken!

Das sind Demokratie, Freiheit und Menschenrechte im Verständnis des Papstes und seiner Altherrenriege, die über die katholische Kirche herrscht, und am liebsten die ganze Welt beherrschen möchte! Man muss nur richtig hinhören: der Papst, seine Kardinäle und Bischöfe- sie sagen ganz offen, was sie denken und wollen!

[2]

Kanzelmärchen #3

Jeder Mensch glaubt!

Jeder glaubt. Ausnahmslos. Jeder! Wenn nicht an einen Gott, dann eben an das Schicksal, die Sterne, die Evolution, an eine Ideologie, an Freitag den 13ten oder an Erdstrahlen… Egal was. Der Mensch glaubt, jeder, auch der Atheist.

Noch nie gehört? Noch nie dem arroganten Grinsen eines Vertreters göttlicher Weisheiten begegnet, der meinte, damit jeglichen Atheismus endgültig ad absurdum führen zu können? Noch nie in trauter Runde nach ein paar Bieren „Einen Glauben braucht ein jeder!“ vernommen?  Wohl kaum. Dass jeder glaubt, ja glauben muss, das ist für die Gläubigen eine Binsenweisheit. Schließlich glauben sie ja selbst! Welch umwerfende Logik! Dass es schlicht Unfug ist, interessiert die Vertreter des organisierten wie des frei fluktuierenden Aberglaubens nicht. Einen Nicht-Gläubigen darf es einfach nicht geben, denn nicht der Unglaube, sondern der Nicht-Glaube stürzt die Verfechter der Glaubenswahrheiten in größte Aporie!
Man könnte sich mit einem entschiedenen „Nein!“ als Kommentar zum Unfug des „Jeder glaubt etwas“ begnügen, aber so einfach möchte ich es in den „Kanzelmärchen“ den Propagandisten göttlicher Wahrheiten nicht machen. Ihre Lehren und „Weisheiten“ kommen hier auf den Prüfstand, ihre Vereinnahmung der Wirklichkeit und ihr Herrschaftsanspruch über den philosophisch-weltanschaulichen Diskurs ebenso. Im Gegensatz zu ihrem Gejammere, dass das Abendland immer unchristlicher werde, haben die Kirchen noch viel zu viel Einfluss in Deutschland. Spätestens an hohen Feiertagen merkt man das, wenn die festlich gewandeten Würdenträger in die dankbar auf sie gerichteten Kameras andachtsvoll hineinglotzen sehen und noch bereitwilliger in jedes ihnen willfährig  vorgehaltene Mikrofon salbadern. Ein schauriges Schauspiel, das sich jedes Weihnachten, jedes Ostern, jedes Pfingsten, jede Bischofskonferenz und jede Generalsynode wiederholt. „Herr erlöse uns vor diesem Übel!“ Das wäre mal ein sinnvolles Gebet, wenn es denn helfen würde. 😉
Atheismus ist im Gegensatz zu den Religionen keine Angelegenheit für irgendwelche äffischen Zeremonien, für in Scheinheiligkeit erstarrte alte Herren und für ein tumbes Volk, das zu fressen hat, was ihm vorgesetzt wird. Atheismus ist nichts für Denkfaule, für Köhler und für die Gefangenen ihrer simpel gestrickten Weltbilder. Atheismus ist etwas für denkende Menschen, die nachbohren, die nachfragen, die sich nie zufrieden geben mit billigen Antworten. Diesem empirisch und logisch begründeten Atheismus stoßen viele, allzu viele Thesen der vereinten Glaubensfront sauer auf. Schon allein deswegen muss der Atheismus desavouiert werden, z.B. indem die Mär vom Glauben als conditio humana, die Legende vom Jedermann-Glauben erzählt wird und so en passant auch  der Atheismus vereinnahmt wird.

Bild via link

Und was ist jetzt die Narrenkappe?

Der Gaza-Streifen ein einziges großes KZ?

Wenn es nach der Meinung geht von Kardinal Renato Martino, so etwas wie dem“Justizminister“ des Vatikans, dann ist das so. In einem Interview mit dem italienischen Online-Magazin „Il Sussidiario.net“ verlautbarte er:

„Defenceless populations are always the ones who pay. Look at the conditions in Gaza: more and more, it resembles a big concentration camp.“

Klingt im ersten Moment ja voller Mitgefühl für die Opfer. Ist es aber bei näherem Hinsehen nicht. Wichtig sind nicht die Menschen in Gaza, wichtig ist der Schluss, der verbale Schlag gegen Israel. Damit spricht mal wieder ein hoher Würdenträger der römischen Kirche aus, was wirklich gedacht wird hinter den dicken Mauern des Vatikans. Er spricht damit aus,

  • dass die römische Kirche noch immer genau auf demselben alten antijudaistischen Fundament steht wie die ganzen letzten zwei Jahrtausende!
  • dass sich die Kirche ihrer Vorreiterrolle bei der Entstehung des Antisemitismus nicht nur nicht bewusst ist, nein: sie macht so weiter, als hätte es den eigenen Judenhass und seine furchtbare Konsequenz nie gegeben!
  • dass sie von Auschwitz nichts, aber auch gar nichts begriffen hat: Wer insgeheim Auschwitz als Strafe Gottes sieht, wie es viele Fromme noch heute tun, der kann auch nichts begreifen!
  • dass nach Meinung des Vatikans das Selbstverteidigungsrecht der Völker für alle gilt, nur nicht für Israel – auf die päpstlichen Friedensbemühungen kann Israel sicher verzichten!

Nur zur Abrundung, damit man den frommen Herrn besser verstehen kann: er forderte 2007 alle katholischen Organisationen auf, nicht mehr mit Amnesty International zusammenzuarbeiten. – Weil ai forderte das Recht der Frau auf einen Schwangerschaftsabbruch: bei Vergewaltigung, Inzest und Gefahr für Leben und Gesundheit der Frau!

Mal wieder, wie üblich bei Kirchens: das ungeborene Leben steht über allem anderen. Wenn es aber dann auf der Welt ist? Egal! Und am alleregalsten ist es, wenn es ein jüdisches Leben ist.

Eure Eminenz, Sie wissen weder was ein KZ ist, noch wissen Sie, was es heißt tagtäglich dem Beschuss mit Raketen ausgesetzt zu sein. Noch haben Sie die Mitverantwortung Ihres Vereins am Antisemitismus begriffen. Also schweigen Sie besser. Ist frömmer. Und klüger allemal.

Das Zeitgeistmovie – Eine Kritik Teil 5

Teil 1 gibt es hier, Teil 2 hier, der 3. steht hier und der 4. hier

Wiedergekäut und trotzdem unverdaulich

Eine böse Überschrift? Vielleicht nicht böse genug. Was in den letzten 10 Minuten des ersten Teils des Filmes erfolgt ist nichts anderes: wieder und wieder werden die vorher behaupteten Thesen als „bewiesen“ aufgegriffen und noch einmal und noch einmal wiedergegeben, und mit neuen Versatzstücken versehen. Ermüdend und gleichzeitig absoluter Quatsch! Zusammenphantasiert und zusammenhalluziniert. Ein übles Gebräu aus Dichtung und Wahrheit, aus viel Ideologie und ein bisschen Fakten. Viel zu dürftig, viel zu falsch, viel zu unkundig und viel zu unlogisch, um ernst genommen werden zu können. Dass es geschieht, dass der Film ernst genommen wird, zeugt nicht von der Qualität seines Materials und seiner Argumentation, sondern von der Unbedarftheit und Gutgläubigkeit der Betrachter. Ich kann jedem nur raten, einmal ein paar der Stellen, die ich genannt habe, nachzuprüfen, ein paar der historischen Behauptungen des Filmes, mit den wirklichen Tatsachen zu vergleichen- er wird schnell merken: an diesem Machwerk ist nichts dran. Mein Ziel ist es, nicht die Bibel zu verteidigen, auch nicht den den dahinter stehenden Glauben. Ich bin Atheist und mache auch keinen Hehl daraus. Aber mein Atheismus bringt mich eben NICHT dazu, ernst zu nehmen, was es da gibt an billigen Pseudo-Argumenten, die irgendein Rauner aus der Vergangenheit in seiner Akasha-Chronik gelesen oder von irgendwelchen „spirituellen Meistern“ aus dem Himalaya empfangen hat! Und wenn diese angeblich ach so tiefen Weisheiten sonst wo herkämen oder vom Himmel fielen: eines gilt für mich absolut, und das ist der Primat der Vernunft, der Logik und den Beweisen, eben dem ganzen Arsenal von historisch-kritischer Betrachtung der Quellen. Daran messe ich diesen Film und wenn er ständig behauptet, er basiere auf Fakten und der eigentlichen Wahrheit „dahinter“, dann muss sich m.E. jede Behauptung und jeder Satz daran messen lassen. Und wenn er an diesem Maßstab scheitert, dann taugt er nichts, gar nichts, zu 100% nichts.