Aphorismus #367

Wort zum Sonntag #2

Die Kaninchen wiederkäuen wohl, aber sie spalten die Klauen nicht; darum sind sie unrein. Der Hase wiederkäut auch, aber er spaltet die Klauen nicht; darum ist er euch unrein.

Levitikus oder 3. Mose 11, 5f

Über das überragende naturwissenschaftliche Wissen der Bibel habe ich andernorts schon mehrfach geschrieben. Die Speisegesetze, die für das Judentum so essentiell sind, zeugen hier von einer kapitalen biologisch und empirischen Fehlleistung. Entweder wusste Gott nicht mehr, was er so alles in 6 Tagen erschaffen hatte, und müsste bei „Wer wird Millionär?“ zum Thema Biologie seinen Telefonjoker Charles Darwin anrufen. Oder es ist schlicht die fantasievolle Art einiger priesterlicher Schreiber im Babylon des zu Ende gehenden 6. Jhd. v.d.Z.: sie wollten mit den seltsamen Speisegesetzen mit ihren noch seltsameren Begründungen für die in feindlicher Umwelt nötige Abgrenzung der Juden von den Gojim sorgen. Was ihnen ja auch gelungen ist. Dass solches heute noch funktioniert, sieht man an den Muslimen, oder ganz säkular, jedoch vorgetragen mit weit größerer Vehemenz, an den Veganern.
Und komme mir niemand damit, dass der Hase ein Koprophag ist, also seine Nahrung „wiederkäut“. Dummerweise heißt das hebräische Wort für Wiederkäuer מַעֲלֵ֤ה גֵרָה֙ ma^aleh gerah = Hochbringer von Gekautem“. Und die Koprophragie bei Hasenartigen ist DAS definitiv nicht. Und wie steht es mit dem Klippschliefer, denn der verbirgt sich hinter dem Tierchen, das Luther mit Kaninchen übersetzt? Der ist erst recht kein Wiederkäuert! Der bringt es nicht einmal zum Köttelmümmeln! Wiederkäuen schaut bei ihm ganz anders aus: Den Klippschliefer nie zu lange braten, sonst muss man ihn wieder und wieder kauen… scnr 😉

Bild via linkBei so viel Durcheinander verliert auch der letzte Hase die Orientierung….

Kanzelmärchen #2

Gottlos leben heißt sinnlos leben!?

So tönt es nur zu gerne von den Kanzeln. So lassen es sich die Lohnschreiber unserer Zeitungen und Zeitschriften bereitwillig in die Feder diktieren von den Beauftragten des kirchlichen Wahrheitsministeriums. So versichern es die kirchlichen Amtsinhaber in ihren wöchentlichen Kolumnen der Tageszeitungen, in ihren 3 Minuten „Gedanken zum Tag“ und anderen Propagandasendungen im Radio*. So bekommt man es wie selbstverständlich vom Fernsehen aufgetischt: angefangen beim unvermeidlichen Wort zum Sonntag, über „Kerners Pfaffen“, Meischbergers Betroffenheitsgurus und all dem anderen Plaudertaschen mit geistlichem Beistand.
Gottlos = sinnlos, das ist ein beliebtes Mantra, ja mehr als das. Es ist ein Panier, hinter dem sich viele nur zu gerne einreihen: sowohl der Papst und seine Bischöfe, als auch ein verhinderter Fernsehprediger wie der evangelikale Peter Hahne** und die vielen  anderen, die mal mehr mal weniger für ihre Kirche, für eine allgemeine Religiosität oder bei den „Gebildeten unter ihren Bewunderern“ für den Dalai Lama „Zeugnis ablegen“. Aber wie so oft stellt sich die Frage:

Muss es automatisch wahr sein, wenn alle es sagen?

Nein, natürlich nicht. Jeder Atheist, der ein erfülltes Leben hat, der diesem höchstselbst einen Sinn abgewinnen kann, und das ganz ohne Gott und Glaube; jeder Gottlose, der weiß, dass diese „Wahrheit“ vom ach so sinnlosen Leben der Gottlosen, Stuss ist, beweist das Gegenteil. Aber es hilft ja nichts, manchmal ist es nötig, dem Gegenüber in seinem arroganten- ich hab die Wahrheit!- Bekehrungseifer seine Behauptungen argumentativ zu zerlegen. Dazu braucht es erst einmal Fakten, Fakten, Fakten, und dann gilt es, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Dieser Text will beides an die Hand geben. Er kann aber eigenes Nachdenken nicht ersetzen. Atheismus kann manchmal ganz schön anstrengend sein, man kann ja nicht, wenn es brenzlig wird, solche universellen Joker wie „Gott“, „Wahrheit“ und „Glaube“ aus den Ärmeln holen. Man muss selbst denken. Und sollte sich nicht auf andere verlassen.

Dieser Text richtet sich ausdrücklich NICHT an gläubige Menschen, außer sie sind bereit, herabzusteigen von ihrem persönlichen Berg Horeb, der aufgetürmt ist aus tatsächlicher Arroganz und behaupteter Offenbarung. Herabzusteigen in die Niederungen von Fakten und Argumenten! 

Cogito ergo impius! – Ich denke, also bin ich gottlos.

______________

*  Dieses ganz besondere Genre „Radio-Andacht“ oszilliert in seinem Erscheinungsbild meist irgendwo wischen Lächerlichkeit, Anbiederung und frommer Überheblichkeit, wie z.B. auf NDR 2 das tägliche Quantum Trost namens „Moment mal!“ oder auf  Bayern 3 die nicht minder mediokre Reihe „Auf ein Wort“. Schlägt das drumherum gesendete gruselige Musikangebot noch um Längen! Und das will was heißen…

** Bücher von ihm heißen z.B: „Was wirklich wichtig ist.“ oder „Leid, warum lässt Gott das zu?“- Das frage ich mich auch, wie es Gott zulassen kann, solch einen Rohrkrepierer als Sprachrohr für seine Anliegen zu haben! Allein das ist schon ein Beweis gegen die Existenz eines intelligenten und liebenden Gottes! Und noch was. So ein Frömmler wie er hat natürlich kein Problem damit, in der BamS seine eigene Kolumne zu haben. Aber vielleicht meint er ja, sein Mist würde weniger stinken in dem ganzen Dreck drumherum?

Von fehlenden Wrackteilen, fallenden Büchern, heilenden Händen und lügenden Forschern!

Ein seltsamer Titel für seltsame Phänomene, auf die man gezwungenermaßen auf Schritt und Tritt im Internet stößt. Scheinbar haben sie nur wenig gemeinsam, und doch sind sie sich sehr ähnlich. Was ihre Anhänger freilich aufs Heftigste bestreiten: Es geht um Verschwörungstheorien, um sogenannte „alternative“ Wissenschaftler, um Kreationismus und um selbst ernannte Heiler: wahrlich penetrante Ideologen, die einem den Tag ganz schön versauen können, wenn man denn mal wieder so töricht war, ihnen zuzuhören, sie widerlegen zu wollen und ihnen mit echten Argumenten zu kommen…

Es gibt ein ehernes Gesetz: wo Wissenschaft ist, blüht in ihrem Schatten Pseudowissenschaft. Und je komplexer und unbegreiflicher die Theorien der anerkannten Wissenschaft werden, desto kunterbunter und hanebüchener werden die „alternativen“ Theorien. Ähnliches gilt für die Menschen erschütternde Ereignisse wie z.B. die vom 11. September: sofort gibt es alternative Erklärungen, die hinter allem und jedem eine Verschwörung sehen, gemeinhin Verschwörungstheorien (VT) genannt. Wo es eine wissenschaftliche Medizin gibt, die immer spektakulärere Ergebnisse zeitigt, aber den Patienten zum Objekt der Therapien und Diagnosen macht, gibt es „alternative“ Methoden, die für sich in Anspruch nimmt, die Dinge „ganzheitlich“ zu sehen, die Menschen ernst zu nehmen. Sanfter zu heilen.

Im tiefsten Inneren wird all dies gespeist aus dem allgemeinen Unbehagen an der Postmoderne, ihrer Unübersichtlichkeit und Heterogenität, dem Unbehaustsein in einer Welt, die man nicht mehr versteht, dem Gefühl des Ausgeliefertseins an anonyme Mächte, Apparate und Strukturen. In einer Welt, in der der Einzelne nichts mehr zählt, in dem es ihm so ergeht wie K., den anonymen Protagonisten in Kafkas Schloss oder gar wie im Prozess: ein verworrener, undurchschaubarer, feindseliger Apparat bestimmt über das Individuum, verlangt Rechenschaft, ohne selbst Rechenschaft abgeben zu müssen. Eine zutiefst verstörende und beängstigende Situation. Ein guter Nährboden für Systeme mit einfachen Antworten, mit vorgeblichen Landkarten für die Irrungen und Wirrungen der Weltläufte und mit einem klaren Fundament, das auf einem übergeordneten Sinn und Zweck aufbaut, der ALLES erklärt. Das sind die profanisierten Glaubenssystemen des 21. Jahrhunderts. Manche sind freilich viel älter, aber jetzt in diesen „interessanten Zeiten“ haben sie Hochkonjunktur! Hier ein paar Beispiele: