Aphorismus #979

Alas, to wear the mantle of Galileo it is not enough that you be persecuted by an unkind establishment, you must also be right.

Robert L. Park, Autor des Klassikers Voodoo Science (deutsche Ausgabe: Fauler Zauber), der gründlich mit aller Pseudowissenschaft aufräumt.

Aphorismus #964

Wort zum Sonntag #85

Die Erde geht am 21.12.2012 NICHT unter!

Da denkt man nichts Böses, plaudert mit jemandem in der Kaffeepause und dann das: Er outet sich als Maya-Kalender-die-Welt-geht-unter-Katastrophen-Gläubigen und ich kann nicht umhin, ich muss laut losprusten. Dass er da etwas indigniert war ist klar. Dass ich aber allen Grund dazu hatte und habe auch: So viel fundierte Unkenntnis über die astronomischen Fakten, so viel Leichtgläubigkeit gegenüber esoterischem und konspirativen Geschwurbel, und letztlich soviel Angst – OT: „Ich werde am 21.12.2012 dort sein, wo ich ganz weit weg bin vom Boden und vom Wasser, am besten irgendwo in den Alpen.“ – das schreit danach die Fakten sprechen zu lassen. Da auf astrodicticum-simplex diese vom Fachmann F. Freistetter selbst zusammengetragen worden sind, hier nur ein paar Stichwörter. Den Rest möge man sich im Original ansehen:

  1. Der Maya-Kalender geht selbstverständlich am 22.12.2012 weiter. Es endet nur ein größerer Zyklus. Ähnlich wie bei unserem Kalender mit einem Jahrhundert oder einem Jahrtausend eine (künstlich geschaffene) Periode endet.
  2. Es gibt keine weiteren Kalender anderer Kulturen, die dieses Datum ebenfalls hervorheben. Das wird zwar gerne behauptet, ist aber schlicht eine Lüge.
  3. Es gibt keine sich wiederholenden Katastrophen-Zyklen von 3.600, 5.000 oder 26.000 Jahren. Was es gibt, sind Hinweise – aber keine eindeutigen Beweise – , dass ca. alle 26.000.000 Jahre ein Massensterben statt findet. Aber auch das ist nicht eindeutig.
  4. Ein Planet X / Nibiru existiert nicht, er hätte längst mit seinem Gravitationsfeld auf sich aufmerksam gemacht. – Wenn Astronomen mehr und mehr Exo-Planeten Lichtjahre von uns entfernt entdecken, allein durch das „Wackeln“, das sie bei ihrem Zentralgestirn erzeugen, dann ist es eine Beleidigung für eine ganze Zunft, wenn man ihr unterstellt, sie würde einen neuen Planeten vor ihrer Nase nicht bemerken.
  5. Aber es braucht nicht einmal die Astronomie: Gäbe es Nibiru, würden wir ihn inzwischen mit bloßem Auge am Himmel sehen können. So nahe würde er inzwischen unserer Erde sein. Wenn es ihn gäbe…
  6. Die angeblichen Fotos von Nibiru, die entstehen, wenn man die Sonne direkt fotografiert, sind Artefakte und Reflexionen auf Grund der viel zu starken Helligkeit. Da kann man notfalls alles darin sehen. So wie einst Maria auf dem Toast-Brot.
  7. Auch die NASA hat kein verheimlichtes Wissen über Nibiru: Was es nicht gibt, kann man auch nicht verheimlichen.
  8. Nibiru ist auch nicht verantwortlich für Erdbeben und andere Katastrophen auf der Erde.  Es gibt keine auffällige Zunahme jenseits der statistischen Werte. Um so etwas hervorrufen zu können, müsste er so nahe sein, dass KEINER ihn mehr verheimlichen könnte.
  9. Es gibt keine Maya-Kalender-Nibiru-Verschwörung. Das alles sind Hirngespinste von Leuten, die von Astronomie, Archäologie und Wissenschaftlichkeit keine Ahnung haben. – Wenn 9/11 langsam ausgedient hat, muss eben eine  neue konspirative Sau durchs globale Dorf getrieben werden. Es wird nicht die letzte sein.

Mehr zum Phantom-Planeten Nibiru gibt es hier.
Noch mehr Material und viele Widerlegungen im Detail finden sich auf 2012hoax.org. Dort habe ich auch folgende Karikatur gefunden :

Aphorismus #940

Die Kirche – und der Papst geht da wieder „vorbildlich“ voran – sieht sich gerne als Opfer. Ganz deutlich war das bei den Missbrauchsskandalen. Als Schuldige hatte man schnell die Medien ausgemacht, manche ganz hartgesottenen Kirchenfürsten dann auch noch junge Schwule, die die ansonsten völlig tadellosen Priester verführt hätten. Man kultiviert in Rom gerne Verschwörungstheorien, die von einer vom Weltjudentum gesteuerten Attacke auf die Kirche und den Papst phantasieren. Diese Opferstrategie ist natürlich praktisch, aber sie führt auch dazu, dass die Aggressivität deutlich ansteigt. Denn man sieht sich ja angegriffen und in der Defensive und muss sich nun – schon um die höhere Ehre Gottes zu verteidigen – wehren …

Aus dem lesenswerten Interview, das Reinhard Jellen mit dem katholischen Theologen David Berger über dessen neues Buch „Der heilige Schein“ geführt hat.

Aphorismus #911

Und wir sind hingegangen, um ihre Begierde zu wecken, um ihnen ein Geheimnis anzubieten, das leerer nicht sein konnte, denn wir kannten es nicht nur selber nicht, wir wußten auch, daß es falsch war.

Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel S.731 – Das passende Zitat zur Nummer 911 meiner Aphorismen. 😉

Aphorismus #878

Wort zum Sonntag #74

Die Buskampagne ist zwar schon etwas her, aber diese Zusammenstellung von Dingen, um die wir uns garantiert keine Sorgen machen müssen, ist ein Wort zum Sonntag allemal wert.

Aphorismus #825

Die Identifikation eines Nutznießers (das sogenannte cui bono?) ist für viele Zeitgenossen der Lieblingstrick, wenn es darum geht, die Verantwortlichen für politische (oder ökonomische) Ereignisse zu benennen. Dass es sich dabei meist um eine Idiotenmethode handelt, wird klar, wenn man sie konsequent anwendet; dann käme heraus, dass die Bauern den Regen machen und die Pinguine daran schuld sind, dass es in der Antarktis so kalt ist. Der Vorteil dieser Argumentationsvariante: Sie ist leicht zu handhaben und führt immer zum gewünschten Resultat.

Stefan Frank, Die Kanonade von Zchinwali, konret 8/2010 S. 28f

Wie Homöopathie funktioniert…

Gefunden habe ich dieses anschauliche Video auf Astrodicticum simplex: Ein Blog für alle, die bei Worten wie Esoterik, Astrologie, UFO-Sichtungen oder Verschwörungstheorien die Krätze bekommen und die, wenn sie in den Himmel gucken, nicht irgendwelche transzendente Entitäten suchen, sondern einfach nur Sterne und die vielen anderen Wunderlichkeiten des Universums.